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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Galerie Perpétuel zeigt: „Städelschule: 200 Jahre – 200 Künstler“ (Folge 3)

Von Erhard Metz

Zum Jubiläum „200 Jahre Städelschule“ eine Ausstellung „200 Künstler“ auf die Beine zu stellen – wobei es sich bei den Künstlerinnen und Künstlern selbstredend um ehemalige Städelschul-Studierende handelt – ist wahrlich ein gar nicht so kleiner, gar nicht zu unterschätzender Kraftakt. Perpétuel-Galerist Milorad Prentovic meistert diese selbstgestellte Aufgabe – auch wenn familiäre Gründe ihn derzeit immer noch in Belgrad festhalten. Wir berichten weiter – in der Zuversicht, bei unseren geschätzten Leserinnen und Lesern die Neugier auf diese wunderbare Werkschau weiter anzufachen und zu steigern.

Wie sollen wir fortfahren? Am besten mit zwei „Porträts“, das erste gemalt von Corinna Mayer, das nachfolgende von Justine Otto, natürlich beide Städelschülerinnen:

Corinna Mayer

Von Corinna Mayer in FeuilletonFrankfurt neu berichten zu wollen, hieße gleich Hundertschaften von „Eulen nach Athen“ zu tragen. Die „moderne Meisterin der altmeisterlichen Malerei“ – wie wir sie nennen möchten – spricht den Betrachter bereits unmittelbar selbst mit ihrem reichhaltigen Œuvre an. Wer die „Porträtierte“ in dem Tondo ist, brauchen wir nicht zu fragen. Ein Stück der zart in Unschärfe, an unserer linken Schulter vorbeiblickenden Gemalten mag ihr Ego sein, vielleicht – oder ein weiteres Stück – auch ihr Alter Ego, das wir ebenso wenig kennen. Ob wir es jemals herausfinden werden? Aber besser gefragt: Müssen wir solches denn überhaupt enträtseln?

Vergleichbare Fragen können sich bei dem „Porträt“ der in Zabrze/Polen geborenen Malerin Justine Otto stellen, Studentin der Akademie von 1996 bis 2003 bei Peter Angermann und Michael Krebber, Meisterschülerin im Fach Freie Malerei. Aus dem Kopf, genauer aus dem verletzten Antlitz der Person scheinen elektrische Ladungen – an atomare Modellstrukturen erinnernd – zu zucken – oder auch umgekehrt. Eine Gefangene der Teilchenphysik, der derzeitigen quantenphysikwissenschaftlichen Theoriengebäude?

Justine Otto

Vom Motiv und dem Linienduktus her unverkennbar: Manfred Stumpf. „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie“ (Johannes 8, Vers 7). Heute so gültig wie damals. Jesus wie stets mit dem „Raumfahrerhelm“-Nimbus, hinter ihm ein „Gesetzestreuer“ aus dem wütenden Mob. Der Künstler-Professor studierte einst bei Thomas Bayrle. Manfred Stumpf über sich selbst: „Als Konsequenz des erweiterten Kunstbegriffs von Beuys schien mir die christliche Idee, unabhängig von allen Moden, in unserer sozialen Plastik die tragende zu sein“.

Manfred Stumpf

Alle Formen lösen sich in Farbe auf, ein erstes flüchtiges Schauen mag uns an die Seerosenbilder von Claude Monet erinnern lassen. Wir könnten uns auch einen verfremdeten Blick aus dem Flugzeugfenster auf die überflogene Landschaft vorstellen. Jedenfalls sehen wir eine sehr schöne Arbeit von Dogan Dogan. Der 1967 im türkischen Besni geborene Künstler lebt und arbeitet heute in Berlin. Er studierte an der Städelschule von 1999 bis 2006 bei Hermann Nitsch, Hans Haacke und Simon Starling, dessen Meisterschüler er wurde.

Dogan Dogan

Farbe regiert auch eine Arbeit von Barak Reiser, 1973 in Haifa geboren. Auch dieser Künstler studierte an der Städelschule in Frankfurt am Main, wo er lebt und arbeitet. Rot und Grün gelten als Komplementärfarben. Will man sich auf eine politisch-religiöse Betrachtungsebene begeben, könnte man an den israelisch-palästinensischen Konflikt denken. So hat das Rot manche tieferen Bedeutungen in der jüdisch-hebräischen Welt: beispielsweise entstammt „adom“ – rot – der gleichen Wurzel wie „Adam“– Mensch – und „Dam“ – Blut –. Die öffentliche Lautsprecher-Warndurchsage in Israel „Farbe Rot“ fordert nach Raketenabschüssen zum sofortigen Aufsuchen von Schutzräumen auf. Und Grün? Es ist die Farbe des Islam. Und beide nun als Komplementärfarben gesehen – eine politische Botschaft? Die drei Zeichen können wir allerdings nicht entschlüsseln.

Barak Reiser

Ekrem Yalcindag – er wurde 1964 in Gölbasi/Türkei geboren – studierte an der Städelschule bei Thomas Bayrle und Hermann Nitsch, bei letzterem als Meisterschüler. Yalcindag lebt und arbeitet heute in Istanbul und Berlin. Der Künstler wurde unter anderem durch seine das Farbenspektrum durchlaufenden Tondi berühmt. Ihnen eignet sowohl Spielerisches wie Magisch-Mystisches, Meditatives. Im immer flimmriger werdenden Zusammenspiel von Farben und Licht könnte sich ein – sich dem Bild hingebender – Betrachter in ferne transzendierende Welten verlieren …

Ekrem Yalcindag

Abgebildete Werke © jeweilige Künstlerinnen und Künstler; Fotos: Erhard Metz

Galerie Perpétuel, bis 1. Februar 2018

→ Galerie Perpétuel zeigt: „Städelschule: 200 Jahre – 200 Künstler“ (Folge 1)
→ Galerie Perpétuel zeigt: „Städelschule: 200 Jahre – 200 Künstler“ (Folge 2)

→ „200 Jahre Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – Frankfurt am Main“
→ „10 JAHRE EINDRÜCKE UND STREIFLICHTER ZU RUNDGÄNGEN UND ABSOLVENTENAUSSTELLUNGEN DER STÄDELSCHULE“

– wird fortgesetzt –

 

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