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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Oktober, 2017

„Peter Grimes“ von Benjamin Britten an der Oper Frankfurt

2017, Oktober 20.

Treibjagd: „Wer sich abseits stellt und uns verachtet, den vernichten wir.“

Text: Renate Feyerbacher

Fotos: Monika Rittershaus/Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher

Die Oper „Peter Grimes“ von Benjamin Britten war zuletzt vor 16 Jahren auf der Frankfurter Opernbühne zu sehen. Nun gab es eine Neuinszenierung des englischen Regisseurs Keith Warner. Das gesamte Team wurde vom Publikum nach der Premiere am 8.Oktober beklatscht. Bei der Premierenfeier gab es allerdings unterschiedliche Meinungen zur Musik und zur Inszenierung. Zu naturalistisch, hieß es einmal, genau richtig, ein andermal, Auch: Musik gefällt mir nicht.

Im Prolog muss sich Peter Grimes vor Gericht verantworten, er ist angeklagt, weil ein Lehrjunge bei der Bootsfahrt ums Leben kam. Trotz Freispruch kursieren die Gerüchte um den Fischer weiterhin. Seine Anklagebank: ein Boot, ein Bild der Isolation. Peter wird wie Woyzeck ‚ausgestellt‘. Von der Ausgrenzung betroffen war auch der Komponist, als Kriesgdienstverweigerer und als Homosexueller. Isolation und Misserfolg bei den Kritikern begleiteten Brittens Leben.

Vincent Wolfsteiner als Peter Grimes; Foto: Monika Rittershaus

Die Einsamkeit des Menschen, die Einsamkeit in der Masse, das ist denn auch das Hauptmotiv, das Benjamin Britten (1913-1976) beschäftigte. Während seines Aufenthaltes in den USA las er 1941 die dramatische Verserzählung „The Borough“ (Die Kleinstadt) vom englischen Poeten Georges Crabbe (1754-1832), der ähnlich wie er in der Grafschaft Suffolk an der östlichen Küste Englands geboren wurde. Speziell die Geschichte des Fischers Peter Grimes weckte seine Sehnsucht nach der Heimat und sein Interesse an einem Opernstoff. Es fand sich ein Auftraggeber und Britten kehrte mitten im Krieg 1942 nach England zurück, zusammen mit seinem Lebensgefährten, dem weltberühmten Lied- und Opernsänger Peter Pears, für den er viele Tenorpartien komponierte. Fast zwei Jahre hat die Arbeit am Libretto von Montagu Slater gedauert.

Crabbes Peter Grimes war stur, rebellisch, als Erwachsener gewalttätig und zudem noch ein Trinker. Aus dem Schurken wurde in der Oper ein Einzelgänger, sympathisch, zurückhaltend, frustriert, aber noch von Wünschen und Hoffnungen beseelt, reich zu werden und Ellen Orford, die Lehrerin, die zu ihm hielt, heiraten zu können. „Not a bad man.“ Als er sich physisch-psychisch eingekesselt sieht, wird er aber auch gewalttätig. Bleibt die Frage, ob Peter Grimes am Ende doch ein Mörder sein könnte. Auch der zweite Lehrjunge kommt um.

Die Uraufführrung fand am 7. Juni 1945 am Sadler’s Wells Theatre, London statt, kurz nach Kriegsende und wenige Wochen vor den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki.

Vincent Wolfsteiner; Foto: Renate Feyerbacher

„Das Ostinato des Meeres“ ist eine Konstante sowohl im Leben als auch im Werk des Komponisten, schreibt Norbert Abels, Chefdramaturg an der Oper Frankfurt in seiner neuen Britten-Biografie: „Vom Meer trennte er sich niemals.“ Schon als Kind hatte Britten diesen engen Kontakt zum Meer. Vom Haus seiner Eltern in Lowestoft hatte er die wilden Stürme, die oftmals Schiffe an die Küste warfen und ganze Strecken der benachbarten Klippen wegrissen, beobachtet. In „Peter Grimes“ hat man das Gefühl, die tobende See genauso zu erfahren wie in seiner anderen Oper „Billy Budd“.

Die Angst der Dorfbewohner vor den Stürmen ist in den aufwühlenden Chören mitzuerleben. Der Chor hat den größten Part, mit etlichen a capella-Einschüben. Chordirektor Tilman Michael führt die 80 Sängerinnen und Sänger zu einem Gipfel des Chorgesangs. Das ist einmalig. Gänsehaut bildet sich, wenn das ständig wiederholte „Peter Grimes“ gerufen wird. Very british kommen die drunken songs rüber.

 Sara Jakubiak als Ellen Orford, Vincent Wolfsteiner als Peter Grimes und Theodor Landes als Lehrjunge John; Foto: Monika Rittershaus

Sind Bühnenbild und Inszenierung zu naturalistisch? Ich empfand es nicht so. Bis auf wenige Einschränkungen fand dort ein spannendes Geschehen statt. Der große Bühnenraum strahlt Unendlichkeit aus, aber auch Begrenzung durch Wände, durch Kaimauern. Das ist entsprechend der Figur. dialektisch angelegt. Das Bühnenbild des Engländers Ashley Martin-Davis verändert sich immer wieder: Enge und Erfahrung der Weite wechseln sich ab. Licht und Schatten (Olaf Winter) unterstützen gezielt die Momente der Ruhe und der Bewegung, die Keith Warner präzise festlegt.

Keith Warner, einer der bedeutendsten Regisseure der Gegenwart, ist ständiger Gast an der Oper Frankfurt (Falstaff, Hänsel und Gretel). Als 17jähriger beobachtete er mit seinem Freund Fischerboote, als sie Benjamin Britten und Peter Pears mit ihrem Dackel namens Gilda beim Spaziergang sahen, so erzählt er bei Oper extra. Er traute sich nicht, sie anzusprechen, worüber er sich noch heute schämte.

Warner gelingt es eindrücklich, die Dorfbewohner, zunächst Individuen, zur Horde mutieren zu lassen. Es ist spannend zu erleben, wie die Aggressivität aufgebaut wird, die sich fast in Wahnsinn ergeht. Seine Personenführung ist exzellent. Den Hauptprotagonisten Peter Grimes, dargestellt und gesungen von Vincent Wolfsteiner, leitet er in psychologische Tiefen. Ensemblemitglied Wolfsteiner, der zunächst Musik studierte, als Tonmeister und Produzent arbeitete, kam erst spät in den USA zum Gesang. Er ist begeistert von der außergewöhnlichen Zusammenarbeit mit dem Regisseur. Intensiv war sein Rollenstudium. Heute sei er fähig, diese englische Partie zu singen, was ihm auch vorzüglich gelingt.

Seine Wagner geübte Tenorstimme, die mal ausbricht, mal lyrisch ist, schafft eine dynamische Interpretation. Sara Jakubiak (Die Passagierin, Eugen Onegin) als Lehrerin Ellen Orford verleiht ihrem Sopran wunderbare Kontur. James Rutherford als Captain Balstrode, der seine Hand über Peter Grimes hält und mit Ellen zusammenarbeitet, Peter aber am Ende zum Suizid im Meer rät, gefällt durch seinen warmen, wohltönenden Bariton. Sensationell ist der Auftritt der gebürtigen Amerikanerin Jane Henschel von der Düsseldorfer Oper am Rhein ist eine der renommiertesten Mezzosopranistinnen. Erstmals ist sie Gast an der Oper Frankfurt in der Rolle der Pubwirtin Auntie. Diese Rolle scheint sie aus dem Effeff zu kennen. Ihre nervigen, sich prostituierenden Nichten meistern Sydney Mancasola und Angela Vallone mit viel Spielfreude.

v.l.n.r.: Sydney Mancasola als First Niece; mit dem Rücken zum Betrachter, AJ Glueckert als Bob Boles und Jane Henschel als Auntie, rechts; im Hintergrund Ensemble; Foto: Monika Rittershaus

Einmalig kompositorisch und gekonnt interpretiert das Quartett der vier Frauen: Auntie, Nichten und Ellen, in dem sie sich über die Männer auslassen, die sie missbrauchen und dann Mitleid haben. Das Lied „Lächeln oder weinen wir, oder warten wir still, bis sie schlafen“ ist ein Opernjuwel, das von der Solidarität der Frauen handelt, die auch in Isolation leben.

Die Suche nach den verschwundenen Kindern wird von der tratschenden Mrs. Sedley (Hedwig Fassbender) angefeuert. Sie baut Peter Grimes als Feindbild auf, um von sich abzulenken. Denn sie greift zu Rauschgift und ist abhängig, steht also selbst auf der gesellschaftlichen Abschussliste.

Wie zu erwarten, dirigiert Sebastian Weigle ein hochmotiviertes Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Viel Beifall für die Musiker und ihren Chef, die auf hohem, überzeugendem Niveau das Wechselspiel zwischen dramatischen und sich beruhigenden Situationen interpretiert. Die sechs Opernzwischenspiele, eine Besonderheit der Oper, die nur indirekt zum Drama beitragen, vertieften diesen Eindruck.

Weitere Aufführungen von „Peter Grimes“ am 22. und 27. Oktober (im Anschluss OPER Lieben), am 5. und 11. November 2017

 

Absolventenausstellung 2017 der Städelschule – Absolventenpreis an Leda Bourgogne

2017, Oktober 19.

Von Erhard Metz

„Home of the Brave“ – so heißt die diesjährige Absolventenausstellung der die Kunst-Alma Mater verlassenden Studierenden der Städelschule (offiziell Staatliche Hochschule für Bildende Künste). „Home of the Brave“ – kennen wir nicht als langjähriges Mitglied der Steuben-Schurz-Gesellschaft diese Zeile? Genau, so endet der Refrain der vier Strophen des „Star-Spangled Banner“, der Nationalhymne der Vereinigten Staaten von Amerika „O’er the land of the free and the home of the brave“. Also: aufstehen und rechte Hand aufs Herz! Das alles im Frankfurter MMK 3 und sogar in Teilen des mittlerweile schon fast altehrwürdigen MMK 1? Das wörtliche Zitat aus dem Refrain der Hymne als Motto der Ausstellung kann sich uns – in Zeiten eines vielfach und weltweit in der Kritik stehenden Präsidenten Donald Trump – im Kontext der Ausstellung politisch erschließen, könnte sich aber auch auf die Situation der Studierenden der Hochschule als sozusagen „Heimstatt der Tapferen“ in einer zunehmend komplexer und unübersichtlicher werdenden Welt beziehen.

Es ist sicherlich dem Zufall geschuldet, dass in diesem Jahr mit 38 Studierenden ein quantitativ besonders starker Jahrgang die weltweit renommierte Hochschule verläßt – unabhängig davon halten wir die Schau für die qualitativ beste Absolventenausstellung, die wir seit dem Jahr 2007 beobachtet haben. In der großzügigen Ausstellungsarchitektur im MMK 3 (Zollamtssaal im Haus am Dom) und – erstmalig in diesem Jahr – in Räumen des Mutterhauses MMK1, dort hauptsächlich im Dreieckssaal der Ebene 1, erhalten die Absolventenarbeiten eine adäquate Präsentationsplattform und die angesichts vieler großformatiger Werke notwendige „Luft zum Atmen“. Apropos „Werke“: Vielen dieser Absolventenarbeiten messen wir, auch eingedenk des Werkbegriffs, tatsächlich bereits eine solche Qualität bei.

Ein besonderes Lob gebührt dem Kurator der Ausstellung Sergey Harutoonian, derzeit Assistent in der Sammlungsleitung des Museums, der die sich neu eröffnenden räumlichen Möglichkeiten exzellent bespielte und beredt wie informativ durch das Pressepreview führte.

↑ Peter Gorschlüter, Kommissarischer Direktor des MMK (li.), und Professor Philippe Pirotte, Rektor der Städelschule, im Pressepreview
↓ Sergey Harutoonian, Assistent in der Sammlungsleitung des MMK und Kurator der diesjährigen Ausstellung, vor der Arbeit „Ventilation Baby 1 und Ventilation Baby 2“ (2017) der Absolventenpreisträgerin Leda Bourgogne
Fotos: Erhard Metz

Die Trägerin des zum 15. Mal verliehenen, wieder mit 2.000 Euro dotierten Absolventenpreises des Vereins Städelschule Portikus e.V. heißt Leda Bourgogne aus der Klasse von Professorin Judith Hopf. Wir schätzen ihre Arbeiten bereits seit den jährlichen Rundgangsveranstaltungen durch die Städelschule. Die Jury – Jule Hillgärtner (Direktorin Kunstverein Braunschweig), Mario Kramer (Sammlungsleiter MMK), Katharina Momberger (Städelschule Portikus e.V.) und Fabian Schöneich (Kurator Portikus) – entschied sich einstimmig für die Künstlerin-Studentin mit ihrer aktuellen mehrteiligen Präsentation „Polie“, „Ventilation Baby 1-2“ und „Spinal Cord“ mit der Begründung: „Die Werkgruppe überzeugte die Jury durch die ungewöhnliche malerische Qualität in der Auseinandersetzung mit performativen Elementen und einem experimentellen Umgang mit den Medien. Zudem überzeugte die Präsentation als Installation im Raum“.

Leda Bourgogne; Bildnachweis MMK, Foto: Thomas Schröder

FeuilletonFrankfurt gratuliert herzlich!

Leda Bourgogne, 1989 in Wien geboren, studierte von 2011 bis 2017 an der Städelschule freie Bildende Kunst und – 2015/2016 – Komparatistik an der Goethe Universität Frankfurt. Zuvor hatte sie an der Universität Zürich (2009 bis 2011) Deutsche Philologie und Filmwissenschaften studiert.

Die weiteren Absolventen des Jahrgangs sind: Amy Ball, Helga Bärnarp, Lars Karl Becker, Felix Bolze, Damien Butler, Il-Jin Atem Choi, Ben Clement, Lennart Constant, Ryan Cullen, Bradley Davies, Eliza Douglas, Zoë Field, Mikael Fransson, Hanna-Maria Hammari, Julian Irlinger, Dan Kwon, Laura Langer, Cheonghye-Sophia, Mickael Marman, Max Eulitz, Tomás Nervi, Richard Nikl, Vera Palme, Riccardo Paratore, Tetsuro Pecoraro, Nicholas Pittman, Natalia Rolón Sotelo, Mahsa Saloor, Sathit Sattarasart, Enzo Shalom, Noriko Takizawa, Alexander Tillegreen, James Tunks, Alexey Vanushkin, Anna Susanna Woof, Reece York, Julia Żabowska aus den Klassen von Monika Baer, Peter Fischli, Douglas Gordon, Judith Hopf, Michael Krebber, Tobias Rehberger, Willem de Rooij, Amy Sillman und Josef Strau.

Zur Ausstellung erschien ein origineller, von den Absolventen gestalteter Katalog.

„Home of the Brave“, Museum für Moderne Kunst MMK1 und MMK3, bis zum 12. November 2017

→ Städelschule: Rundgang 2015 (7)
→ Städelschule: Rundgang 2015 (2)

Nachlese Buchmesse: Sprachkultur in Frankreich und Deutschland: Une nation une langue? Unterschiede, Berührungen, Grenzgänge

2017, Oktober 18.

Tout va bien? Über die Basis von Missverständnissen

Unterschiede, Berührungen und Grenzgänge

Eindrücke von Petra Kammann

↑ v.l.n.r.: Prof. Roland Kaehlbrandt, Polytechnische Stiftung, Prof. Hélène Carrière d’Encausse, Académie française und Prof. Heinrich Detering, Akademie für Sprache und Dichtung, Walther von Wietzlow†, Präsident der Polytechnischen Gesellschaft

Wer Deutschland und Frankreich kennt, ist immer wieder erstaunt, sind doch die Unterschiede so befremdend wie faszinierend und anregend. Frankreichs Sprachkultur ist eine ganz besondere, jahrhundertelang geprägt von Hof und Staat und von den Regeln der Académie Française. Ganz anders als bei uns. Die deutsche Sprache wurde als Volkssprache gegen Klerus und Adel „von unten“ auf den Weg gebracht, indem man dem Volk und nicht den Regeln „aufs Maul schaute“. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sieht heute anders als ihre „vornehme Schwester in Paris“ ihre Aufgabe darin, die deutsche Sprache und Dichtung durch das, was maßgeblich zu sein scheint, zu fördern mit Hilfe von Konferenzen, Veröffentlichungen und Auszeichnungen. Unter dem Titel „Unser Bezug zur Sprache – Sprachkultur in Frankreich und Deutschland: Unterschiede, Berührungen, Grenzgänge“ wurde auf einem bemerkenswerten Kolloquium der Versuch unternommen, die unterschiedlichen Sprachkulturen in Deutschland und Frankreich mit Hilfe von „Grenzgängern“ beider Kulturen einander näher zu bringen. Nur so können auch gemeinsame Zukunftsperspektiven sinnvoll herausgearbeitet werden. Zu dieser Veranstaltung der Polytechnischen Stiftung hatte das Organisationskommittee „Frankfurt auf Französisch“, das Institut Franco-Allemand de Sciences Historiques et Sociales (IFRA/SHS) in Zusammenarbeit mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine besonders kompetente und hochrangige Sprachexpertenrunde zusammengestellt, die sich im Vorfeld der Buchmesse im „Haus des Buches“ in Frankfurt nachhaltig austauschen konnte.

 

↑ Professor Pierre Monnet, Leiter des Institut Franco-Allemand (IFRA), moderierte die Veranstaltung und nahm auch an einer Diskussionsrunde „So verschieden und doch so nah: Berührungen und Grenzgänge – Sprachkontakte zwischen Französisch und Deutsch in Literatur, Geschichte, Philosophie“ teil

Liebeserklärung an das Französische?

„Ich erinnere mich noch genau an den ersten französischen Satz, den ich las. Kurz vor den Sommerferien. Mit fünfzehn. Ich war mit meinen Frankfurter Freundinnen in den Stadtwald geradelt. Wir hatten an einer Lichtung gehalten und uns ins Gras gelegt. Und während sie den Proviant auspackten und eine karierte Wolldecke ausbreiteten, die irgendwie nach Hund roch, schlug ich das Buch voller Ungeduld auf.“ …Es klingt verführerisch, wenn die heute in Paris lebende Autorin Gila Lustiger im nüchternen Buchhändlerhaus ihre ersten französischen Worte, denen ein Zauber innewohnte, mit ihrer sonoren Stimme spricht: „Eh bien, prince, que vous disais-je ?“

→ Gila Lustiger

Dieser Ausspruch ist jedoch nicht etwa einer Szene aus einem französischen Roman entnommen, sondern aus Tolstois „Krieg und Frieden“, wo die Hofdame Anna Pawlowna Scherer die Gäste in ihrem Salon in der Umgangssprache des Adels begrüßt, als nämlich der dekorierte Fürst Wassil in den Salon tritt und sie ihm diese Frage stellt und er „sein kahles, parfümiertes Haupt der hingereichten Hand entgegenneigt, um sie zu küssen.“ Die Liebe zur französischen Sprache hat für Gila Lustiger hier einen Umweg über ein drittes Medium genommen, den russischen Roman, den die Jugendliche auf Deutsch las und in den Tolstoi etliche französische Sätze eingestreut hat, um die damaligen Umgangsformen so getreu wie möglich wiederzuspiegeln.

Eine ähnliche Erfahrung machte die in Israel geborene, in Frankfurt aufgewachsene und heute in Paris lebende Autorin, deren Essay „Erschütterung – Über den Terror“ kürzlich im Berlin Verlag erschienen ist, als sie vor vielen Jahren  Thomas Manns „Zauberberg“ las. Darin fragt Joachim seinen Vetter Hans Castorp: „Meinst du, dass er Mut genug hätte, de se perdre ou même de se laisser dépérir?“, woraufhin der gerade in den Schweizer Bergen Angekommene empört erwidert: „Was fängst du an, französisch zu sprechen?“

Gila Lustiger findet etliche weitere Beispiele aus der Literaturgeschichte, in der mehrsprachige Dialoge auch ein Mittel der Ästhetik und Welterfahrung sind. Denn der mehrsprachige Dialog sei nicht nur für Thomas Mann ein Kunstmittel, wenngleich „Vielsprachigkeit mit all den Problemen, die damit auch verbunden sein können“, zu Manns Lebenserfahrung und Ästhetik gehörte.

Die spätere Studentin der Komparatistik entdeckt natürlich auch die französische Literatur und ganz besonders den Großmeister der Erzählung Gustave Flaubert, den sie vor allem liebte. Auf dessen Genauigkeit in der Beschreibungskunst macht sie  besonders aufmerksam und stellte sich dabei die Frage:„Ist das, was er schreibt, typisch französisch? Vielleicht. Doch nur einer, der schaut, bis es schmerzt, der sich nicht ablenken lässt, der alles registriert, nur einer, der das, was er sieht, auch aufzuzeichnen weiß, der es notiert, skizziert, diagnostiziert, datiert, katalogisiert. Wie schaut dieser Schriftsteller denn, fragte ich mich. Wie konnte man überhaupt so schauen? Mit solch einem feinen Blick. Und wie konnte man das alles so akribisch festhalten? Bis ins allerkleinste, unerheblichste Detail. Und wie schaffte man es, die Einzelheiten durch eine einfache Aneinanderreihung emotional so aufzuladen? Ja, wie ging das denn, dass dadurch ein Sittenbild entstand?“„Nur einer, der das was er sieht, so bedachtsam, so lakonisch beschreibt wie er, der das zuvor Notierte verwirft und es neu formuliert, neu beleuchtet, nur einer, der ganze Seiten füllt, bis die Augen schmerzen und der Rücken schmerzt, nur so einer bannt die Wirklichkeit mit Sprache.“ Nicht die Reinheit der Sprache ist es also, welche die Autorin fasziniert, sondern das Aufnehmen der Realität durch die angemessene Sprache.

Allmähliche Annäherung an das Deutsche

Ganz anders sieht die erste Begegnung mit der deutschen Sprache für Alain Lance, den renommierten Übersetzer ins Französische, aus. Sie ähnelte eher einem Schockerlebnis. Das war nämlich in den 40er Jahren, als in Frankreich das Wort Achtung ! (wohlgemerkt mit Ausrufungszeichen) kursierte, das ihm wohl durch die Besatzungssoldaten in Paris und durch die intuitive Wiederholung aus dem Mund der Mutter vertraut war. So schilderte Lance mehr die Ursprünge der wachsenden Zuneigung zur deutschen Sprache und vermied das Wort „Liebeserklärung“, weil das Wort „Erklärung“ (déclaration“) für ihn belegt war, spricht man  doch auch von „Kriegserklärung“. Lance hat sehr viel später nicht nur Christa Wolf, Volker Braun oder Ingo Schulze ins Französische übertragen. Als Leiter des Institut français hat er 1989 gemeinsam mit seinem damaligen „Praktikanten“ Pierre Monnet (s.o.) das Schwerpunktthema Frankreich für die Frankfurter Buchmesse vorbereitet und ist daher bestens mit dem Thema der wechselseitigen Beziehung vertraut.

 → Alain Lance

Sein Vater wiederum, der in der Nähe von Trier Kriegsgefangener gewesen war, hatte eine herzliche Beziehung zu einem wackeren schwäbischen Bauernnamens Hermann entwickelt, der ihm ein rudimentäres Deutsch beigebracht hatte, weswegen der Vater seinem Sohn riet, im Gymnasium doch Deutsch zu lernen, auch wenn der Vater immer noch von den „chleus“ (etwa: die Barbaren, die schleuh sprechen) sprach. Aber er unterschied zwischen den Greueltaten der Nazis und individuellen Deutschen.

So geriet Alain Lance dann auch mit 16 nach Tübingen. Da kannte er bereits deutsche Gedichte wie „Das Heidenröslein“ oder „Die Loreley“ auswendig. Um sich aber auch dem Alltagsdeutsch anzunähern, verbrachte er nach und nach die Sommer in Deutschland, studierte Germanistik und bekam nach dem Algerienkrieg auch Lust, die DDR, als das „andere Deutschland“ für sich zu erkunden, studierte zwei Semester lang bei Hans Mayer in Leipzig, kurz bevor dieser wiederum nach Tübingen ausreiste, lernte den sächsischen Akzent, die musikalische Tradition des Gewandhauses und der Thomaskirche kennen, bekam ein musikalisches Ohr.

Durch Günter Mieth kam er mit dem Hyperion von Hölderlin in Berührung und lernte später an der Ost-Berliner Akademie 1964 den ostdeutschen Schriftsteller Stephan Hermlin kennen und mit ihm die literarische Zeitschrift „Sinn und Form“, in der er wiederum den Lyriker Volker Braun entdeckte, den er seither übersetzte und dessen Texte 1970, nachdem Lance zwei Jahre zusätzlich im Iran verbracht hatte, unter dem Titel Provocations pour moi et d’autres endlich auch in Frankreich erschienen.

Zurück in Paris, unterrichtete Lance Deutsch als erste Fremdsprache am Gymnasium. Da hatte er bereits auch den Reiz des gesungenen Deutsch entdeckt, etwa durch die Brecht-Vertonungen und durch den rauhen Charme der Chansonniere Gisela May: Nimms von den Pflaumen im Herbste/ Wo reif zum Pflücken sind/ Und haben Furcht vorm mächt’gen Sturm/ und Lust auf’n kleinen Wind … Beeindruckt war er ebenfalls von dem elsässischen Schriftsteller und Renaudot-Preisträger Alfred Kern. In Paris dann begegnete Lance seiner späteren Frau Renate, einer Marburger Studentin, die zum Studium an das Centre national de la recherche scientifique gekommen war, um über Heinrich Heine und Louis Aragons Briefwechsel zu arbeiten, der damals folgende Zeilen schrieb: „J’aimais déjà les étrangères quand j’étais un petit enfant…/ Schon als kleines Kind liebte ich die Ausländer“. Es wurde eine folgenreiche Begegnung.

Die Autoren Volker Braun und Alfred Kern wurden Renate und Alains Trauzeugen. Beruflich wurden die beiden ebenfalls ein Paar. Als Alain Lance „Kein Ort. Nirgends“ von Christa Wolf ins Französische übersetzte, wurde der Austausch der beiden über Sprachnuancen so intensiv, dass er von einer Übersetzerarbeit zu vier Händen sprach. Trotz dieser intensiven Erfahrung bekannte Lance auf dem Frankfurter Kolloqium, dass das Deutsche für ihn bis heute sowohl etwas Vertrautes und zugleich auch etwas Fremdes geblieben sei, was nicht bedeutet, dass er deshalb etwa den Rückgang des Deutschen in Frankreich sehr bedauere und sich daran störe, wenn er im Radio auf dem Sender „France-Culture“ den Schriftsteller auf „Englisch“ als „Piter Handke“ oder „Qualter Benjamin“ präsentiert bekommt.

Denglisches Navigieren

Dass es zwischen den verschiedenen Kulturen, die einerseits nach wie vor von den Folgen der einschneidenden Kriege, andrerseits von dem Verlust der Sprach- und Kulturkenntnisse insgesamt geprägt sind, immer noch oder schon wieder knirscht, konnte man in den verschiedensten Ausprägungen der Beiträge erleben, die ich selbst leider nicht alle habe wahrnehmen können. Das fremde Wort oder das Fremdwort, von dem der Frankfurter Philosoph Theodor W. Adorno als vom „Wort aus der Fremde“ sprach, scheint sich heute eher aus dem globalen und bisweilen missverstandenen Englisch zu speisen. So steuerte der zum Kolloquium geladene Prof. Heinrich Detering, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, mit einem so köstlichen wie bezeichnenden Beispiel aus der Navgiationssprache bei und schilderte seine Kulturreise in einem Mietwagen mit Navigationsgerät von Vence über Saint Paul ins südfranzösische Nizza.

→ Prof. Heinrich Detering

„Man bewundert die Architektur der alten Dörfer und Städte, die herrlichen Ausblicke von den Bergen aufs Meer, man ist entzückt über die Fresken Chagalls und die Kirchenfenster von Matisse. Einer der vier, der Mieter des Wagens, hat klugerweise daran gedacht, aus Deutschland sein eigenes Navigationsgerät mitzubringen, damit man sich auf den verschlungenen Landstraßen nicht verfährt. So ertönt während der Fahrt aus dem kleinen Lautsprecher immer wieder die freundliche Frauenstimme, die ihre gewohnten Anweisungen gibt. Nur – was sagt sie da eigentlich? „An der nächsten Kreuzung abbiegen in die Avenu-e dess Alpess“, sagt sie. „Nach einem Kilometer nach rechts in die Ru-e Henry Matis-se, Richtung Saint [wie ‚weint‘] Paul [wie in ‚Peter und Paul‘]“. Kein Zweifel, unsere deutsche Navigationsdame, die freundliche Stimme aus dem Weltall, kann kein Französisch. Sie weiß offenkundig noch nicht einmal, weil kein Mensch es ihr einprogrammiert hat, dass diese Sprache überhaupt existiert. Sie weiß davon so wenig wie von, mit ihren Worten, Mar-sei-le und Seint Tropp-etz. Für diese Stimme gibt es kein Frankreich.

Also, das ließe sich folgern, gibt es in ihrem für deutsche Autobahnen gemachten Programm einfach keine Fremdsprache? Weit gefehlt. Als wir uns der Hauptstadt nähern, sagt die Stimme tatsächlich (ich habe es nicht erfunden): „Nach acht Kilometern erreichen sie Nais.“ Das ist der Tiefpunkt unter dem Tiefpunkt: dass sie dieses eine Mal wirklich den französischen Ortsnamen statt des deutschen sagen will und dass sie ihn für einen englischen hält. „Nizza“, das heißt auf Fremd nicht „Nice“, sondern nice.“

Der Akademiepräsident, der anlässlich der Tagung sein durchaus elaboriertes Schulfranzösisch in seinem Grußwort herausgeholt hatte, hatte ebenfalls geschworen, dass er sich aufgrund dieser Erfahrung wieder dem Gebrauch der Vervollkommnung seiner Französischkenntnisse widmen würde. Damit wäre er in beiden Ländern ein leuchtendes Vorbild.

Dass Sprache und Kultur unmittelbar miteinander verbunden sind, und das Verstehen der anderen auch immer mit Hintergrundwissen verbunden ist, machte diese herausragende Tagung der Polytechnischen Stiftung deutlich. Hätte diese Erkenntnis sich in dem kaleidoskopartigen Europa durchgesetzt, wäre vermutlich manch heftige Auseinandersetzung anders ausgegangen. Und wie lautete das abschließende Thema, mit dem Barbara Cassin sich beschäftigte: „Eine Sprache kann man nicht besitzen“. Das wiederum hat uns der französische Philosoph Derrida gelehrt. Und man möchte ergänzen: aber man kann sie sich erarbeiten.

Eben erfuhren wir vom plötzlichen Tod des Präsidenten der Polytechnischen Gesellschaft Walther von Wietzlow, der noch am Kolloquium teilgenommen hat (s. Foto) und sind bestürzt. Die von ihm gestaltete Feier zum 200-jährigen Jubiläum der Polytechnischen Gesellschaft 2016 wird vielen in bester Erinnerung bleiben. Unter dem Motto ‚Zukunft entdecken‘ konzipierte er zahlreiche Vortragsveranstaltungen von hohem Niveau.

Alle Fotos: Petra Kammann

Buchmesse – Nach-Lese: Der Hessischer Film- und Kinopreis

2017, Oktober 17.

Glanzvolle Film-Gala in der Alten Oper

Text und Fotos: Renate Feyerbacher

Zur 28. Preisverleihung des Hessischen Film- und Kinopreises waren der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, Kunst- und Kulturminister Boris Rhein und viele Filmschaffende in die Alte Oper gekommen. Unter den Prominenten: die Schauspieler Ulrich Turkur, Jasna Fritzi Bauer, Corinna Harfouch, Caroline Peters, Tijan Marei, Jens Harzer, Ernst Stötzner, Manfred Zapatka, als Nominierte der Kategorien Beste Schauspielerin und Bester Schauspieler sowie Jörg Schüttauf, Josefine Preuß, August Zirner, Margareta Broich, ehemalige Ehrenpreisträgerin und Florian Bartholmäi, der in Berlin lebende Frankfurter als Jurymitglied. Umrahmt war die Show von Auftritten der Frankfurter Stage Musical School und der Pop-Sängerin Cassandra Steen. Moderiert wurde sie professionell von Schauspieler Jochen Schropp, weniger gekonnt und unsicher von den jungen Nachwuchshoffnungen. Insgesamt war es ein kurzweiliges, festlich-glanzvolles Ereignis.

Ulrich Tukur, Corinna Harfouch, Jens Harzer und Jasna Fritzi Bauer

Die Schauspieler

Ulrich Tukur brachte den Abend schnell auf hessische Linie. Der Ministerpräsident hatte den Felix-Murot-Darsteller im „Tatort“ einen besonderen Mitarbeiter des Landeskriminalamtes in Wiesbaden genannt. Der 60-Jährige, in Viernheim (Vernem) geboren, zählte in seiner Dankesrede seine jugendlichen Aktivitäten in Großkrotzenburg (Großkotzenbursch) auf und lud am Ende alle Anwesenden in Anspielung auf den undotierten Ehrenpreis zur „Fünf-Liter-Bembel“-Party nach Sachsenhausen ein.

Jasna Fritzi Bauer

Auch die Newcomerin Jasna Fritzi Bauer hat einen hessischen Geburtsschein, ausgestellt 1989 in Wiesbaden. Sie war im Jugendclub und im Ensemble des Hessischen Staatstheaters und besuchte dann die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Noch sehr jung wurde sie ans Wiener Burgtheater berufen, wo sie drei Jahre engagiert war. Mit Recht bezeichnete Minister Boris Rhein sie als eine der ausdrucksstärksten Schauspielerinnen der jungen Generation. In dem Filmdrama „Axokotl Roadkill“ (2017) nach dem Roman „Axokotl Roadkill“ von Helene Hegemann, welche  das Drehbuch schrieb und auch Regie führte, verkörpert Jasna Fritzi Bauer die 16jährige Mifti. Man mag den Film mögen oder nicht, aber sie überzeugt als schuleschwänzender, drogenkonsumierender Teenager, der schließlich in der Erwachsenenwelt untergeht. Einfach großartig! Der erstmals verliehene Newcomerpreis wurde mit 7.500 Euro belohnt.

Ulrich Tukur

Corinna Harfouch wurde in der Kategorie Beste Schauspielerin für ihre Leistung im Fernsehfilm „Viel zu nah“ (Hessischer Rundfunk) ausgezeichnet.

Caro ist Mutter, sie ist Polizistin und sie verdächtigt ihren Sohn eines Gewaltverbrechens. Obwohl sie sich gut mit Kollegen versteht, teilt sie niemandem ihre Vermutung mit und recherchiert inoffiziell. Kein Thriller, sondern ein Mutter-Sohn Konflikt. Regisseurin und Drehbuchautorin Petra K. Wagner hat der bühnenerfahrenen, großartigen Schauspielerin Corinna Harfouch, die oft auf der Bühne im Deutschen Schauspielhaus Berlin steht, in dieser Rolle schweigende, innehaltende, glaubwürdige Momente gegönnt, die faszinieren und den Preis für Corinna Harfouch rechtfertigen.

Bei der Entgegennahme der Trophäe war die Schauspielerin jedoch enttäuscht, hätte sie doch nur allzu gerne die goldfarbene Preistrophäe des Bildhauers Ottmar Hörl in Empfang genommen, die alle anderen Filmschaffenden erhielten. Schon einmal war das bei einer Preisverleihung bedauert worden.

Corinna Harfouch

Jens Harzer, auch ein gebürtiger Wiesbadener, wurde als Bester Schauspieler für den „Tatort – Amour fou“ (Regie Vanessa Jopp) geehrt. Auch er durch und durch Bühnenschauspieler, 2008 Schauspieler des Jahres, festes Ensemblemitglied am Thalia Theater Hamburg, lobte in seinen Dankesworten das Theater, auf dessen grossen Bühnen Berlin, Hamburg und Salzburg er immer wieder steht.

Ein schwules Paar im Berliner Stadtteil Neukölln, einer von ihnen Lehrer, kümmert sich im „Tatort –Amour fou“ um einen Halbwüchsigen aus schwierigen Verhältnissen, der auf die selbe Schule geht. An der Schule hält sich das Gerücht, der Lehrer habe in der Sportumkleidekabine mit dem Schüler sexuell verkehrt. Die Frage – Gerücht oder Tatsache?– bleibt. Der Lehrer wird suspendiert. Ist es seine Leiche, die später aufgefunden wird? Der überlebende schwule Ehemann, gespielt von Jens Harzer, beteuert: „Wir waren eine Familie“!“ Wer glaubt ihm? Der Tatort erfuhr Begeisterung als auch Ablehnung , aber einig war man sich über Jens Harzers Darstellung, die „eine ziemliche Sensation“ genannt wurde. Im SPIEGEl hieß es: „Einsamer als Jens Harzer kann man einen Menschen nicht spielen“. Er war die Triebfeder des Krimis, nahm sich aber Zeit, um die Figur des schwulen Partners zu entwickeln – zu einem Lehrstück. „Harzer erhebt es zu einer universellen Liebesgeschichte, zu etwas, was über den Zeitgeist hinausragt.“ Die Jury lobte seine berührende Darstellung.

Die Preisträger mit Ministerpräsident Volker Bouffier (l)

Die Filme

Spielfilm: „Nur Gott kann uns richten“ – Gewinner

Drei Spielfilme waren nominiert worden: „Vorwärts immer!“ von Franziska Meletzky, „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ von Katja von Garnier und „Nur Gott kann uns richten“ von Özgür Yildrim, der das Preisgeld von 25.000 Euro gewann.

Im Streifen des deutsch-türkischen, in Hamburg geborenen Regisseurs, der auch das Drehbuch verfasste, spielt Frankfurt eine Hauptrolle. Die Gangstergeschichte, die erzählt wird, ist in dem Schmelztiegel der verschiedenen Kulturen, im Rotlicht-Milieu, bestens angesiedelt, das überragt wird von den Bankentürmen, bevölkert von eleganten Bankern, die an Obdachlosen und Drogensüchtigen vorbeihetzen. Alle Drei wollen Gutes tun und verstricken sich in Schuld.

Özgür Yildrim, von Fatih Akin früh gefördert, zählt zu den talentiertesten Jungfilmern hierzulande. Özgür ist mittlerweile auch beim „Tatort“ engagiert. Diejenigen, die den Film bereits sahen – er kommt erst im Januar in die Kinos –, waren vollauf begeistert, nicht zuletzt von den spannenden Frankfurt-Bildern. Alle drei Charaktere der Milieustudie, Moritz Bleibtreu als Ricky, Edin Hasonovic als Rafael und Birgit Minichmayr als Diana skind exzellent besetzt.

Özgür Yildrim, Regisseur und neuer Shootingstar

Spielfilm: „Vorwärts immer!“ – Nominierung

Diese turbulente Komödie über die DDR in ihren letzten Tagen könnte das Publikum begeistern. Regisseurin Franziska Meletzky gelingen humorvolle realistische Momente. Gegen Ende hätte mir jedoch weniger Klamauk gefallen. Großartig allerdings das Schauspielerteam allen voran Jörg Schüttauf, der in einer Doppelrolle als falscher und echter Erich Honecker brilliert.

Spielfilm „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ – Nominierung

Im dritten Teil der Pferde-Saga „Ostwind“ sucht Mika nach den Wurzeln ihres Pferdes. Sie verlässt nach einem Streit mit der Großmutter das Gestüt und zieht mit Ostwind nach Andalusien, wo sie die Heimat des Tieres vermutet und landet auf einer Hacienda. Dort arbeitet sie als Stallgehilfin und fühlt sich nicht wohl. Sie vermutet, dass die Herde der Wildpferde, der sie beim Ausritt an der Quelle Ora begegnet, die ‚Familie‘ von Ostwind sind. Regisseurin Katja von Garnier, in Wiesbaden geboren und in Frankfurt studiert, mischt ihren Abenteuerfilm mit ökologischer Thematik. Sie zeigt, welche Macht Traditionen und persönliches Engagement haben können. Mika – dargestellt von Hanna Binke – gelingt es, andere zu mobilisieren, damit Natur nicht der Investmentgier anheimfällt. Das Pferderennen von Ora, an dem die schnellsten und wildesten Pferde einst teilnahmen, wird wieder belebt. Das soll das Naturgebiet um die Quelle von Ora retten. Gedreht wurde auf einem Gestüt in Nordhessen und in Andalusien. Das junge Publikum ist begeistert von den Ostwind-Filmen.

Dokumentarfilm: „Wunder der Wirklichkeit“ – Gewinner

Abermals waren drei Dokumentarfilme nominiert: Isabel Gathof für „Moritz Oppenheim“, ein Malerportrait,, Peter Rippl für „A Gravame“ und Thomas Frickel für „Ein Wunder der Wirklichkeit“. Kein Zweifel, dass dieser Beitrag zu Recht den 15.000 Euro-Preis erhielt. Der deutsche Film-Regisseur und Produzent schildert die Arbeit der Rüsselsheimer Künstler-Gruppe „Cinema Concetta“ um Martin Kirchberger. Er und sein Team stürzten am 22.Dezember 1991– es war der letzte Drehtag zum Satirefilm „Bunkerlow“ – in einem historischen Flugzeug in der Nähe von Heidelberg ab. Karin Malwitz, die Schwester des Kameramanns Ralf Malwitz, fand später die Kraft, den Film zusammen mit einer Cutterin fertig zu stellen. Das meiste Filmmaterial lagerte bereits im Elternhaus, Rest fand sie an der Absturzstelle. Aus den 15 geplanten Minuten wurde ein Opus von 19 Minuten. Thomas Frickel, der Martin Kirchberger persönlich kannte, schuf eine bewegende Hommage an einen Freund und Künstler, der mit 27 weiteren Filmschaffenden tödlich verunglückte.

Dokumentarfilm:A Gravame – das Stahlwerk, der Tod, Maria und die Mütter von Tamburi“ – Nominierung

Der Tatsachenbericht von Peter Rippl wäre auch ein würdiger Preisträger gewesen. Er lief bereits beim Lichter Filmfest Frankfurt International im Frühjahr 2017. Er schildert die dramatische Umweltktatastrophe durch das größte Stahlwerk Europas im süditalienischen Tarent. (Apulien).

Kurzfilm: „Familienzuwachs“

Die Studentin der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film Teresa Hoerl nimmt sich des Themas Flüchtlinge an. Sie selbst ist wie ihre Familie im Landkreis Gießen, in Kesselbach, in der Flüchtlingshilfe engagiert. Ihr Drehbuch in Bayern zu realisieren, fand sie nicht passend und kam auf die Idee, wegen ihrer Erfahrungen in Hessen, in Kesselbach, zu drehen. Die Geschichte: Renate, mit Manni verheiratet, lässt ohne Rücksprache mit ihm eine syrische Flüchtlingsfamilie einziehen. Klar, dass es zunächst Spannungen gibt, aber die werden weniger, als Manni sich den fremden Menschen öffnet. Humor, Situationskomik, Lokalkolorit und ein gelungenes Drehbuch bescheren dem 33-minütigen Kurzfilm ein Preisgeld von 5.000 Euro.

Hochschulfilm: „Ink of Yam“

Tom Fröhlich von der Media Hochschule Darmstadt hat zwei Männer aufgesucht, die in Jerusalem ein Tattoo-Studio eröffnet haben. Er hat den Menschen, die dorthin kommen, zugehört. Er erfährt vielfältige und persönliche Gründe, warum man sich ein Tattoo stechen lässt. Das sind intime Momente, die auch von Angst begleitet werden. „Dicht erzählt und gut strukturiert wird die Komplexität dieser Stadt für Außenstehende nachvollziehbar und gewährt einen tiefen Einblick in die junge Gesellschaft Israels“, begründet die Jury ihre Entscheidung. Glücklich war der junge Filmschaffende über die 7.500 Euro, die mit der Auszeichnung verbunden war.

Drehbuch: „Schneegestöber“

David Ungureit, ein Frankfurter Drehbuch-Urgestein, wird für sein Drehbuch „Schneegestöber“gefeiert. Darin geht es um die Geschichte eines todkranken Mannes, der zum Sterben in ein Hospiz geht. Der Ort Hospiz entpuppt sich dabei als überraschend lebendig. Das bedrückende Thema erzählt der Autor zusammen mit seinem langjährigen Schreibpartner Kollege Rolf Silber humorvoll und stark. Das Drehbuch „punktet mit einem gelungenen Spannungsbogen, hoher Emotionalität und guten Figuren [..] wie man es kaum erwarten konnte.“

Der Kinokultur-Preis ging schließlich an zehn gewerbliche und zehn nicht gewerbliche Kinos in ganz Hessen. Mit den Kinokulturpreisen werden außerordentliche Leistungen und herausragendes kulturelles Engagement von gewerblichen und kommunalen Kinos honoriert. Die preisverwöhnte Wiesbadener Caligari Filmbühne wurde mit dem Hessischen Kinokulturpreis 2017 für nichtgewerbliche Filmtheater ausgezeichnet.

Die Notwendigkeit, Hessen als Filmstandort auszubauen, wurde von der Landesregierung erkannt und die Filmförderung nun auf etwa 10 Millionen Euro aufgestockt. „Wir haben uns gemausert“, sagte Minister Boris Rhein bei der Pressekonferenz, dennoch werde Hessen niemals an die große Filmförderung in Bayern und NRW herankommen. Immerhin hat sich hierzulande in puncto Filmförderungeiniges getan.

 

Die Buchmesse schließt ihre Tore – Ein Résumé

2017, Oktober 15.

↑ Europa-Diskussion mit Staatspräsident Emmanuel Macron in der Frankfurter Goethe-Universität mit Daniel Cohn-Bendit und Gilles Kepel

Was aber bleibet…

Zahlreiche Politiker, darunter die französische Kulturministerin Françoise Nyssen, die Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters, die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles, der SPD-Vorsitzende Martin Schulz und der Präsident der Europäischen Linken Gregor Gysi, besuchten die Frankfurter Buchmesse. Mit einem Besucherplus von 6,5 Prozent am Messewochenende und einem leichten Rückgang von 0,2 Prozent an den Fachbesuchertagen ist die Frankfurter Buchmesse 2017 am heutigen Sonntag zu Ende gegangen. 286.425 Besucherinnen und Besucher kamen zur Frankfurter Buchmesse, das entspricht einem Zuwachs von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 7.300 Aussteller aus 102 Ländern nahmen in diesem Jahr teil. Insgesamt fanden in der Messewoche rund 4.000 Veranstaltungen statt. Bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse durch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron wurde ein starkes Zeichen für ein Europa der Kultur gesetzt.

Ein Höhepunkt der Buchmesse:
Der Friedenspreis an Margret Atwood

↑ Heinrich Riethmüller und OB Peter Feldmann gratulieren der Friedenspreisträgerin in der Paulskirche

↓ Auch frühere Friedenpreisträger wie Alfred Grosser (4.v.li) und Carolin Emcke (3.v.li) waren in die Paulskirche gekommen…

Der Vorsteher des Börsenvereins Heinrich Riethmüller rief in seinem Grußwort die Gründungsmotivation des Friedenspreises in Erinnerung. Was über viele Jahre so selbstverständlich zu sein schien. Nach den Vorfällen war es von besonderer Aktualität: „Angesichts der Gräueltaten des Naziregimes und der Tatenlosigkeit, wenn nicht sogar Anbiederung der Buchbranche haben Verleger und Buchhändler 1950 den Friedenspreis ins Leben gerufen.“ Man habe eine besondere Verantwortung für die Bewahrung und Vermittlung von Frieden und Freiheit. Die Laudatio von Eva Menasse war ebenso  fein ziseliert wie die Rede der diesjährigen Friedenspreisträgerin Margret Atwood selbst,  (Hier finden Sie ihre Rede) die anspielungsreich, amüsant und ein literarisches Vergnügen war.

Au revoir Frankreisch…

Ein Höhepunkt der Frankfurter Buchmesse 2017 war der Ehrengastauftritt Frankreichs. „Francfort en Français“ war das wichtigste und größte Kulturprojekt, das Frankreich jemals mit Partnern in Deutschland umgesetzt hat. Es beruhte auf der engen deutsch-französischen Freundschaft und lebte von der Vision, gemeinsam ein Europa des Geistes, der Literatur und der Kultur zu schaffen. 180 französischsprachige Autorinnen und Autoren trafen bei rund 350 Veranstaltungen auf der Frankfurter Buchmesse und in der Stadt ihre Leser. Tausende Besucherinnen und Besucher haben in den letzten Tagen den französischen Pavillon mit seiner kunstvollen Holzkonstruktion besichtigt und mit Leben gefüllt.

↑ Merci pour ces moments… Verabschiedung des Teams von „Francfort en français“

„Hospitalité où le plaisir d’habiter la langue de l’autre est compensé
par le plaisir de recevoir
chez soi,
dans sa propre demeure
d’accueil, la parole de l’étranger.“

Sprachliche Gastfreundschaft also, bei der das Vergnügen,
die Sprache des anderen zu bewohnen, vergolten wird durch das Vergnügen,bei sich,
in seiner eigenen, gern aufnehmenden Bleibe,
das Wort des Fremden
zu empfangen.“

„Unser diesjähriger Ehrengast Frankreich öffnete uns den Blick für den französischen Sprachraum. Wir haben den Reichtum, die thematische Vielfalt und Widersprüchlichkeit der französischsprachigen Literatur kennengelernt, die weit über die Staatsgrenzen unseres Nachbarlandes hinweg geschrieben und gelesen wird“, sagte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.

Paul de Sinety, Vorsitzender von „Francfort en français / Frankfurt auf Französisch“, resümierte: „Mit dem Ehrengastauftritt Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse war gleichwohl auch die französische Sprache eingeladen. Dies war uns eine große Ehre und Freude und die außergewöhnliche Gelegenhei,  zusammen mit unseren deutschen Freunden das Europa der Kultur neu zu denken. Dies ist eine Vision, die wir gerne mit unseren georgischen Freunden teilen möchten. Die Einladung Georgiens als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2018 ist in dieser Hinsicht sehr symbolträchtig und wir wünschen unserem europäischen Nachbarn über die Grenzen der Europäischen Union hinweg alles Gute.“

Jedes Jahr am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse findet eine ganz besondere Veranstaltung statt. Am Nachmittag des Messesonntags verabschiedet sich der amtierende Ehrengast und übergibt in einer feierlichen Zeremonie an den künftigen. Eigens dafür wurde das Objekt der GastRolle kreiert, welches jährlich um einen literarischen Beitrag des folgenden Ehrengastes erweitert wird. Ehrengast 2017, Frankreich, hatte ein Zitat von Paul Ricœur gewählt: Auf der Bühne begleiteten Pénélope Bagieu, französische Autorin und Illustratorin und der georgische Autor Davit Gabunia die GastRollen-Übergabe.

Juergen Boos, Medea Metreveli (Georgien) und Paul de Sinety bei der Übergabe der Gastrolle an den Ehrengast Georgien

Willkommen, Georgien 2018

„Mit Georgien kündigt sich nun ein Ehrengast an, dessen jahrtausendealte kulturelle Wurzeln vielen von uns noch weitgehend unbekannt sind“, so Juergen Boos.  Wir freuen uns auf die literarischen Entdeckungen und sind sehr gespannt auf die Persönlichkeiten und Geschichten, die uns das georgische Organisationskomitee im Oktober 2018 vorstellen wird.“ Medea Metreveli, Leiterin des Ehrengastkomitees Georgien 2018, versprach für das nächste Jahr weitere spannende und ungewöhnliche Begegnungen. „Unter dem Motto ‚Georgia – Made by Characters‘ wollen wir die große literarische Tradition des Landes, die bis ins 5. Jahrhundert zurückreicht und so reich an Genres ist, und die einzigartige Schrift präsentieren, in der sie niedergeschrieben wurde“, erklärte Medea Metreveli. „Wir wollen zeigen, wie sich die georgische Literatur seit der Unabhängigkeit Georgiens auf eine ganz andere und experimentelle Weise etabliert und wieder ihre eigene Identität entwickelt hat. Und schließlich möchten wir unsere historischen und kulturellen Erfahrungen und unsere Antwort auf die Herausforderungen der modernen Welt mit der ganzen Welt teilen.“

Georgien präsentierte sich auf der GastRolle mit einem Auszug aus dem Nationalepos „Der Recke im Tigerfell“ von Schota Rustaweli aus dem 12. Jahrhundert.

Wie die Sonne gleiche Lichtflut auf Gestrüpp und Rosen gießt,
sieh, dass Arm’ und Reiche du mit gleicher Fürstengnade misst.
Auch den Trotz bezwing durch Güte, die allzeit bezwingend ist
spende – wie die Flut, vom vollen Meere kommend, meerwärts fließt.

Der Beitrag Georgiens auf der GastRolle ist in den kunstvoll geschwungenen Buchstaben des georgischen Alphabets verfasst. Die einzigartige Schrift spielt auch für die britisch-georgische Sängerin Katie Melua, welche die GastRollen-Übergabe musikalisch begleitete, eine große Rolle: „Ihr verdanke ich, dass ich das Bücherlesen liebgewonnen habe und das spielte eine entscheidende Rolle bei der Herausbildung meiner Persönlichkeit“, so die Künstlerin. „Georgien ist stets in meinem Herzen. Mein Schaffen ist ein Teil meines Charakters, der nicht zuletzt aus georgischen Buchstaben geformt wurde.“

Emotionaler Auftritt mit der britisch-georgischen Sängerin Katie Melua

Die Buchmesse setzte sich auch in der Stadt weiter fort in den an fünf Orten rund um den Römer. Die OPENBOOKS, das von der Stadt Frankfurt unterstützte Lesefest, hat in diesem Jahr einen Wahrnehmungssprung gemacht. Zu den 120 kostenfreien Veranstaltungen  waren 16.00 Leser und Zuhörer geströmt. Wenn man das hört, glaubt man doch noch an die Zukunft des Buches.

OPEN BOOKS 2017

Überschattet wurde die Buchmesse selbst durch Konfrontationen zwischen rechten und linken Gruppierungen. „Auf der Frankfurter Buchmesse kommen an fünf Tagen mehr als 280.000 Besucherinnen und Besucher aus über 150 Ländern zusammen. Sie ist ein Ort, der von einer enormen Vielfalt an Meinungen lebt. Wir lehnen die politische Haltung und verlegerischen Aktivitäten der Neuen Rechten entschieden ab. Dennoch sind wir als Veranstalter der größten internationalen Messe für Bücher und Medien dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung verpflichtet. Konflikte bleiben hier nicht aus. In diesem Jahr wurden wir Zeugen von Handgreiflichkeiten, die von der Polizei aufgelöst wurden. Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung verurteilen wir aufs Schärfste“, sagte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.

Alle Fotos: Petra Kammann

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→ Frankfurt Buchmesse aktuell Teil 4

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  Frankfurt ist eine Messe wert – Die Jury des Prix Goncourt auf der Buchmesse

→ Starker Auftakt: Eröffnung der Frankfurter Buchmesse mit dem Ehrengast Frankreich

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