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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für Oktober, 2016

Laure Prouvost im Frankfurter MMK 3

Sonntag, 30. Oktober 2016

„all behind, we’ll go deeper, deep down and she will say:“

lautet der Titel der ersten umfassenden Einzelausstellung von Laure Prouvost in Deutschland. Wir sehen ein „Environment“, eine raumausfüllende Installation mit filmischen, skulpturalen und malerischen Arbeiten, insgesamt 15 an der Zahl mit jeweils verschiedenen Titeln, wie eine gut betextete und illustrierte Handreichung des Museums ausweist.

Geben Ausstellungseröffnungen im MMK 3 meist Anlass zu einem quirligen Stelldichein eines jungen Publikums, zu dem massgeblich auch Studierende der Städelschule und der Hochschule für Gestaltung Offenbach gehören, so war seinerzeit das Eröffnungspublikum der nun leider am kommenden Wochenende schliessenden Ausstellung von Laure Prouvost, im Jahr 2013 Laureatin des hoch renommierten Turner Prize, in seiner Quantität ziemlich überschaubar. Das konnte nicht verwundern, hatten damals just für den selben Abend „AtelierFrankfurt“ zu seinem Spätsommerfest und der Kunstverein Familie Montez zu einer Ausstellungseröffnung ebenfalls sommerfestlichen Charakters eingeladen – „Locations“, mit denen der dröge, kleine, baustellenflankierte Vorplatz vor dem alten Zollamtsgebäude nun wirklich nicht mithalten kann. Schade – , die Vernissage hätte ein grösseres Eröffnungspublikum verdient gehabt, aber das Angebot in der Kunst- und Kulturstadt Frankfurt am Main ist eben erfreulicherweise überaus gross. Wer die Ausstellung noch nicht gesehen haben sollte, sollte dies jetzt unbedingt und alsbald nachholen – nicht allein deshalb, weil man schliesslich nicht alle Tage, wenn nicht Jahre das aktuelle Werk einer Turner-Preisträgerin zu sehen bekommt.

Zunächst sollte man die Worte beherzigen, die auf einer spiegelnden Tafel – zu Beginn des Ausstellungsparcours bereits an der Hausfassade platziert – zum „alles Hintersichlassen“ auffordert.

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IDEALLY YOU WOULD LEAVE EVERYTHING BEHIND, 2016, Installationsansicht, © Laure Prouvost, Courtesy of the Artist, Foto: FeuilletonFrankfurt Weiterlesen

„Kommen und Gehen – von Courbet bis Kirkeby“ im Museum Giersch (2)

Freitag, 28. Oktober 2016

Künstleraufenthalte in der Region Frankfurt/RheinMain aufgespürt

Von Hans-Bernd Heier

Unter dem Titel „Kommen und Gehen – von Courbet bis Kirkeby. Künstleraufenthalte in der Region Frankfurt/RheinMain“ beleuchtet das  Museum Giersch der Goethe-Universität das facettenreiche Thema. An über 50 ausgewählten Künstlerpersönlichkeiten von Mitte des 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts thematisiert die Ausstellung die spannenden Wechselbeziehungen zwischen den Kunstschaffenden und ihrer temporären Wahlheimat. Neben monografischen Räumen bieten in der klar strukturierten Schau sogenannte „Themenräume“ wie beispielsweise „Freilichtmalerei“, „Künstlerfreundschaften“, „Künstlerkolonie Darmstadt“, „Rheinländische Künstler in Frankfurt“, „Vertreibung“ oder „Anschluss an die internationale Moderne nach 1945“ Einblicke in die lebendige Kunstszene

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Hans Thoma „Wächter vor dem Liebesgarten“, 1895; Öl auf Leinwand, 79 x 68,5 cm; Privatbesitz; Foto: Uwe Dettmar, Frankfurt a. M. Weiterlesen

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Carolin Emcke

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Seit 1950 vergibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse den mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In diesem Jahr ging der Preis an die Journalistin, Philosophin und Schriftstellerin Carolin Emcke, die viele Jahre als Redakteurin und Krisengebietsreporterin beim „Spiegel“ und für „Die Zeit“ arbeitete, seit 2008 als freie Publizistin, u.a. als Kolumnistin für die Süddeutsche Zeitung. Ehmke wurde mehrfach für ihre journalistische Arbeit ausgezeichnet, am Ende der Frankfurter Buchmesse nun mit dem renommierten Friedenspreis. Unter den rund 1000 Gästen der Feier waren auch Bundespräsident Joachim Gauck und dessen Lebensgefährtin Daniela Schadt sowie ihre eigene Lebensgefährtin Silvia Fehrmann. Die Laudatio hielt die Philosophin Seyla Benhabib.

Ein Beitrag von Petra Kammann

„Wow!“ So begann die zunächst scheinbar so improvisierte Wucht und Überraschung einer sehr frischen Rede der diesjährigen Preisträgerin Carolin Emcke. Als sie mit „Wow!“ endete, schloss sich ein klug komponierter Kreis aus Fragen, Argumenten und Antworten, mit dem sich das angesprochene Publikum auseinandersetzen konnte. Carolin Emcke ist in jeder Hinsicht eine moderne, wachsame und behutsam formulierende Frau. Angesprochen auf die Maximen der Französischen Revolution formulierte sie kürzlich in ihrer Rede zur Eröffnung der diesjährigen Ruhrtriennale: „Es braucht Erzählungen davon, wie die Freiheit schmeckt, wie die Gleichheit sich anfühlt, wie die Brüderlichkeit klingt.“

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Verleihung des Friedenspreises in der Frankfurter Paulskirche: Bundespräsident Joachim Gauck, Preisträgerin Carolin Emcke und Oberbürgermeister Peter Feldmann; Foto: Petra Kammann Weiterlesen

Il-Jin Atem Choi in der Frankfurter Galerie Heike Strelow

Dienstag, 25. Oktober 2016

„Are you a ginger?“

„You are a ginger“ hat wohl mal jemand, wenn wir es recht verstanden haben, zu Il-Jin Atem Choi gesagt. Ginger: ein genetisch bedingt rothaariger Mensch mit blasser, sommersprossiger Haut; als Slang-Wort gebraucht, um jemanden als minderwertig herabzuwürdigen, böse Zungen behaupten gar, ein „ginger“ habe keine Seele. Eine Beleidigung. Und nun stellt der Künstler mit dem Titel seiner Ausstellung in der Galerie Heike Strelow die Frage „Are you a ginger?“ Befragt er reflexiv sich selbst? Fragt er den Besucher der Ausstellung, den Betrachter seiner Arbeiten? Ist das alles nur eine Metapher für etwas anderes?

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Untitled, 2016, Tusche, Sprühfarbe, Plexiglas, Holz, Kunstharz, je 190 x 124 cm Weiterlesen

Pianistin Maki Wiederkehr zu Gast im Hauskonzert von Viviane Goergen

Sonntag, 23. Oktober 2016

Wer Joseph Haydns Klaviersonate in D-Dur Hob. XVI:24 kennt, wusste um deren markantes 3/4-Takt-Aufspiel. Dennoch überraschte Maki Wiederkehr im Hauskonzert von Viviane Goergen das Auditorium: Länger, als man es vielleicht gewohnt sein mag, verharrte sie in sich gekehrt über der Klaviatur, um plötzlich-eruptiv, fast einem Auf- und Weckruf ähnlich, mit einem Fortissimo dominant und präsent in den Kopfsatz einzusteigen: furiose Eröffnung eines grossen musikalischen Nachmittags, an dessen Beginn die Sonate mit den Sätzen Allegro – Adagio – Finale: Presto stand.

Haydn komponierte dieses Werk im Jahr 1773 – in der Mitte seines Lebens und künstlerischen Schaffens – als eine von sechs Sonaten des seinem Dienstherrn, dem Fürsten Nikolaus Esterhazy, gewidmeten Zyklus (op. 13). Es erinnert mit seinen toccatenhaften Passagen an die Zeit barocker Kompositionen. Sehr weich, warmtönig und kantilenenhaft führt Maki Wiederkehr das Adagio in d-Moll aus, das ohne Unterbrechung in das synkopenreiche Finale-Presto in D-Dur mit Thema und Variation einmündet. Erwartungsgemäß markant und mit hartem Anschlag geniesst die Pianistin zum Ende des Satzes den frechen, schräg-dissonanten Akkord – man könnte durchaus an Haydns 94. Sinfonie (mit dem Paukenschlag) denken, mit der er der Legende nach ein schläfriges höfisches Publikum wieder in den Wachzustand zurückrufen wollte. Wie auch immer es sich damals mit dem berühmten Paukenschlag verhalten haben mag – das Auditorium des nachmittäglichen Recitals im Haus von Viviane Goergen jedenfalls lauschte Maki Wiederkehrs Spiel hellwach und applaudierte begeistert!

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(li.) Joseph Haydn (1732-1809), Gemälde von Ludwig Guttenbrunn um 1770; (re.) Claude Debussy (1862-1918), Fotografie von Nadar (Gaspard-Félix Tournachon) um 1908; Bildnachweis jeweils wikimedia commons

Mit der bekannten, zu Recht berühmt-populären „Suite Bergamasque“ von Claude Debussy setzte die Künstlerin ihr attraktives, im Schwierigkeitsgrad sich allerdings steigerndes Programm fort. Debussy schrieb sie im Jahr 1890, doch wurde sie erst sehr viel später – 1905 – veröffentlicht. Weiterlesen