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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für September, 2016

„Rot, Red, Rouge.“ in der Galerie Jörg Schuhmacher

Freitag, 30. September 2016

Das Rot in der Kunst

Jüngst suchten wir nach Sinnlichkeit in der Kunst – und wurden abermals fündig: in der Galerie Jörg Schuhmacher. Sie eröffnete den diesjährigen Saisonstart der Frankfurter Galerien mit einer furiosen Themenausstellung zur Farbe Rot.

„Rot ist jener Farbreiz, der wahrgenommen wird, wenn Licht mit einer spektralen Verteilung ins Auge fällt, in der Wellenlängen oberhalb 600 nm dominieren“, lehrt uns das Lexikon. So entzaubernd kann die Sprache der Wissenschaft sein. Und es kommt schlimmer: „Der Farbeindruck Rot entsteht bei Anregung der L-Zapfen.“ Und weiter: „Der L-Zapfen des Menschen ist evolutionär alt und entspricht dem aller anderen Wirbeltiere. Auch er ist auf dem X-Chromosom kodiert.“ Bevor wir resignieren, suchen wir Zuflucht bei Johann Wolfgang Goethe und seiner Farbenlehre: Dem Rot ordnet der Dichterfürst in seinem Farbenkreis die Worte „Vernunft“, „schön“, „edel“ zu. Weiter wird ihm der Satz zugeschrieben: „Die vollendeteste Farbe ist das roth. Roth ist das Blut.“ Wir schöpfen wieder Hoffnung.

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↑ Rolf Hans (1938-1996), Ohne Titel, 1982, Pastell auf Papier, 65 x 49,5 cm, aus dem Nachlass des Künstlers
↓ Rolf Hans (1938-1996), Rot-Blau, 1963, Aquarell auf Papier, 27,5 x 37,5 cm, aus dem Nachlass des Künstlers
Bildnachweis/Foto: Galerie Jörg Schuhmacher

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„Waste of Beauty“ – Arbeiten von Patricia Thoma in der Galerie Christel Wagner

Mittwoch, 28. September 2016

Der Mainstream im aktuellen akademischen Kunstbetrieb scheint unverändert der konzeptuellen Kunst verpflichtet zu sein, in der die Erklärungsbedürftigkeit von Kunst oder eines oft immateriellen „Werkes“- falls man dann noch von einem solchen sprechen will – in gleicher Weise zunimmt wie die Distanz, gar Verdrossenheit oder Verweigerungshaltung grosser Teile selbst eines grundsätzlich kunstaffinen Publikums. Wo nämlich bleibt dabei, was wir, gemeinsam mit vielen anderen, als der Kunst auch immanent betrachten möchten: das Sinnliche, das Haptische, das vielfach vernachlässigte, gar mancherorts geschmähte Künstlerisch-Handwerkliche?

Im Zuge des Saisonstarts der Frankfurter Galerien haben wir auf der Suche nach solcher Sinnlichkeit mancherlei Entdeckungen gemacht, nur einige können wir in unserem Rahmen herausgreifen: hier eine Schau von wunderbaren Arbeiten der Künstlerin Patricia Thoma in der Galerie Christel Wagner.

Objekte sehen wir dort, „Brautkleider“, ebenso „Kronleuchter“, ferner feinst ausgeführte Zeichnungen auf Papier und Ölmalerei auf Holz.

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Brautkleid VI, 2014, Mülltüten, Nerz, Garn, Perlen, ca. 220 cm Weiterlesen

Krakau, April 2016 (Folge III)

Montag, 26. September 2016

Von Monika Müller-Löwenberg

Für Christa

FOLGE III

Es besuchte uns eine Sprecherin des Deutschen Konsulats in unserem Hotel und berichtete über die Probleme und die Fortschritte in Polen. „Lech Kaczyński spaltete Polen, er schaute rückwärts, womit die Hälfte der Polen nicht einverstanden ist.“

Polen hat eine sehr unterschiedliche politische Vergangenheit. Der Überfall des Deutschen Reichs am Beginn des Zweiten Weltkrieges und dessen Besatzungsherrschaft kostete Millionen Menschen, insbesondere jüdische Polen, das Leben.

Seit Mitte November letzten Jahres regiert die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) um Expremier Jarosław Kaczyński in Polen. Sie hat in beiden Parlamentskammern, im Sejm und im Senat, die absolute Mehrheit. Präsident ist Andrzej Duda, Ministerpräsidentin Beata Szydło. Beide gehören der PiS an. Mit ihrer Mehrheit hat die Regierung seither eine Vielzahl von Gesetzen verabschiedet, die unter anderem die Unabhängigkeit des Verfassungsgerichts und der Medien bedrohen.

Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen. Es kann sich ein jeder selbst kundig machen und recherchieren. Was ich vermisst habe, war mit polnischen Menschen zusammenzukommen, sie kennenzulernen, wie ich das von einer Städtepartnerschafts-Reise erwartet hätte.

Unsere Führerin schwärmte von den vielen Collegien, den vielen Studenten in der Stadt, besonders Studenten aus Europa. Wir besuchten das Collegium Maius, das Museum der Jagiellonen-Universität. Das älteste Universitätsgebäude in Polen. Zu jeder ungeraden Stunde ertönt ein Glockenspiel mit dem Vorüberzug der Akademiker-Puppen auf einem runden, kleinen Tableau. Krakau hat einhundert Kirchen, gefühlte neunundneunzig haben wir besichtigt.

Wir spazierten durch das Florianstor, sahen ein wenig mehr von der Altstadt, die umgeben ist von einem Grüngürtel, die grünen „Planty“ genannt, parkmäßig angelegt. Sehr gepflegte Blumenbeete, Skulpturen, wir schritten auf den Seitenstraßen des großen Platzes, des „Rynek“, hörten den Turmbläser von der Marienkirche, der jede Stunde aus den Turmfenstern in jede Richtung bläst, immer mit viel Applaus bedacht von der Menge, die auf ihn wartet und ihm zuwinkt.

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Synagoge in Krakau; Foto (chamois verfremdet): Monika Müller-Löwenberg Weiterlesen

Philipp Demandt Direktor auch der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Samstag, 24. September 2016

Philipp Demandt, bis Ende September 2016 Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin und ab 1. Oktober Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung, übernimmt zum genannten Datum erwartungsgemäss auch die Direktion der Schirn Kunsthalle Frankfurt und folgt damit in allen drei Positionen Max Hollein, seit Juni dieses Jahres Direktor der Fine Arts Museums of San Francisco. Einen entsprechenden förmlichen Beschluss fasste jetzt die Gesellschafterversammlung der städtischen Schirn Kunsthalle GmbH, bestehend aus den Mitgliedern des Magistrats der Stadt Frankfurt am Main. Sie folgte damit dem gemeinsamen Vorschlag von Oberbürgermeister Peter Feldmann als Vorsitzendem des Aufsichtsrats der Kulturinstitution und der Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Ina Hartwig.

„Philipp Demandt ist ein grosser Gewinn für die Kulturstadt Frankfurt. Seine umfangreichen Erfahrungen als Ausstellungsmacher und Kulturmanager prädestinieren ihn in hervorragender Weise für die Leitung der drei Häuser. Ich bin überzeugt, dass er mit zukunftsweisenden Ideen viele innovative künstlerische Vorhaben umsetzen und die grossen Erfolge von Schirn, Städel und Liebieghaus fortsetzen wird“, erklärte Oberbürgermeister Peter Feldmann. Und Kulturdezernentin Ina Hartwig betonte: „Die Bestellung von Philipp Demandt als Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt in Verbindung mit der Führung von Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung ist eine äusserst erfreuliche Lösung. Ich bin mir sicher, dass wir mit dem renommierten Kunsthistoriker Philipp Demandt und dem ebenso innovativen wie erfahrenen Team aufregende Ausstellungsformate erwarten können. Die Schirn Kunsthalle zeigt mit ihren publikumswirksamen Präsentationen ein unverwechselbares Profil und hat sich als eines der führenden zeitgenössischen Ausstellungshäuser positioniert. Sie korrespondiert auf eine hervorragende Weise mit den Sammlungsschwerpunkten des traditionsreichen Städel zu Alten Meistern und Werken der klassischen Moderne.“

Frankfurt/Main 23.09.2016 Magistrat bestellt neuen GeschŠftsfŸhrer der Schirn Kunsthalle Frankfurt v.l.n.r. : Inka DršgemŸller ( stellv. Direktorin der Schirn ), Peter Feldmann ( OberbŸrgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Schirn ), Dr. Philipp Demandt ( Direktor der Schirn ), Dr. Ina Hartwig ( Kulturdezernentin )

„Familienfoto“: (v.l.) Inka Drögemüller (stellvertretende Direktorin/Geschäftsführerin der Schirn Kunsthalle, Oberbürgermeister Peter Feldmann (Vorsitzender des Aufsichtsrats der Schirn Kunsthalle GmbH), Philipp Demandt (Direktor und Geschäftsführer der Schirn Kunsthalle), Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft; Foto: Presse- und Informationsamt Frankfurt am Main, © Alex Kraus Weiterlesen

Schirn Kunsthalle Frankfurt: Der Holzschnitt in Wien um 1900

Freitag, 23. September 2016

Der Holzschnitt im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit in seiner ganzen Vielfalt in der Donaumetropole zwischen 1900 und 1910

Von Petra Kammann

Eines der ältesten Druckverfahren der Welt, der Farbholzschnitt, unter Albrecht Dürer in Europa zu besonderer Blüte gelangt, wurde im späten 19. Jahrhundert wiederentdeckt und bekam, ausgelöst durch die „Kunst für  alle“-Bewegung, eine neue gesellschaftspolitische Dimension, vor allem im Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts.

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Blick in die Ausstellung „Kunst für alle“: Präsentation der Holzschnitte in aufwändig-dramatischer Atmosphäre, inszeniert von Theaterregisseur Ulrich Rasche und kuratiert von Tobias G. Natter, Experte für die Kunst um 1900; Fotos: (li., Ausstellungsansicht) Norbert Miguletz, (re. Tobias G. Natter) Petra Kammann

In der Frankfurter Schirn Kunsthalle ist – noch bis zum 3. Oktober 2016 – eine herausragende Ausstellung unter dem Titel „Kunst für alle“ zu sehen, die den Farbholzschnitt in der Wiener Moderne auf ungewöhnliche Weise, nämlich auf schwarzen stürzenden Wänden, in Augenschein nimmt. Die Schau dokumentiert am Beispiel von 240 Werken von 40 Künstlern und Künstlerinnen die Blüte dieser Drucktechnik in den goldenen Jahren des Wiener Jugendstils zwischen 1900 und 1910. Sie macht deutlich, dass der Farbholzschnitt die Entwicklung der modernen Bildsprache des beginnenden 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat. Im hochpreisigen Kunsthandel hatte der Farbholzschnitt mit seinen erschwinglichen Preisen den Erwerb von Originaldrucken auch für ein breites Publikum möglich gemacht. Durch seine Reproduzierbarkeit wurde er so zur „Kunst für alle“. Weiterlesen