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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Rundgang 2016 der Hochschule für Gestaltung Offenbach HfG (2)

Die Dimensionen, die die Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) inzwischen angenommen hat, und die Unmöglichkeit, noch dazu bei knappem Zeitbudget sich im Rahmen des diesjährigen (19.) Rundgangs auch nur einen einigermassen realen Überblick über das Hochschulgeschehen zu verschaffen, thematisierten wir bereits in unserem ersten Beitrag. Was also blieb zu tun übrig? Eine kleine, subjektive Auswahl zu treffen und darüber kurz zu referieren. Unser Weg führte in das sogenannte Banksy in der Kaiserstrasse. Und wenn wir von Dimensionen sprachen: auch hier ist dieser Begriff angebracht, gilt es doch Arbeiten der Studierenden in nicht weniger als sechs ausladenden Etagen (Tiefgarage, Erdgeschoss sowie Stockwerke 1 bis 4) zu besichtigen! Mit den Veranstaltern und Studierenden freuen wir uns, von einem grossen Publikumszuspruch berichten zu können. Ein sorgfältig gestalteter Prospekt nebst Grundrissen war uns hilfreich, enthielt jedoch weitgehend nur die Namen der jungen Künstlerinnen und Künstler ohne Werktitel und -beschreibungen.

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↑ Tobias Kasan
↓ Julia Eichler

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Zwei abstrakt-expressionistische Arbeiten sprachen uns an, die gegensätzlicher nicht sein könnten: von Tobias Kasan und Julia Eichler. Hier eine Komposition von hoher ästhetischer Formstrenge mit dominierendem Schwarz, dort eine von geradezu explosiver Entfaltungskraft, vorherrschend in den Grundfarben Rot-Gelb-Blau mit dominantem Rot. Jeweils ein Blickfang! Übrigens hörten wir ein Besucherpaar auf der 4. Etage fragen: Wo kann man hier ausgestellte Bilder eigentlich kaufen?

Yumi Kim zeigt ein Tableau verschiedener figurativer Arbeiten, die sich mit dem Flüchtlingsthema auseinandersetzen.

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↑ Yumi Kim
↓ Yong-Kang Yuan; Abbildung © VG Bild-Kunst, Bonn

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Eine ebenso grossformatige wie hoch präsente, die Aufmerksamkeit des Besucherpublikums weckende Arbeit präsentiert der 1987 in Hsinchu (Taiwan) geborene, in verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen agierende Yong-Kang Yuan. „Nachtmahr“ lautet der Titel seiner schwer in herkömmliche Kategorien einordenbaren, ausdrucksstarken Malerei.

Auch Dan Zhu betitelt sichtbar ihre zwei wundervollen, fantasiereichen, filigran ausgeführten, allerlei Märchen erzählenden Arbeiten: „Die Reise nach einem Bild“, von denen wir eine hier wiedergeben.

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↑ Dan Zhu, „Die Reise nach einem Bild“
↓ Jennifer Bannert

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Jennifer Bannert arbeitet im Spannungsfeld von Fotografie und Malerei, was sich in einer entsprechenden Mischtechnik niederschlägt. Der halb abgegessene Plastik-Teller mit Plastik-Gabel und die halb ausgetrunkene Suppenschale signalisieren, pardon, so sehen wir es, Unbehagen mit Ess-„Kulturen“, chinesische Schriftzeichen im Hintergrund stellen Bezüge her, Assoziationen an „Fastfood“ stellen sich bei uns ein (vielleicht aber ist alles ja auch ganz anders zu interpretieren, das ist ja das Grossartige an der Kunst). Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir essen sehr gern im China-Restaurant, aber nicht so.

Wir fügen an dieser Stelle einige Aussagen der Hochschule über deren Selbstverständnis des Fachbereichs Kunst ein:

„Die Fachrichtungen und Lehrgebiete des Fachbereichs Kunst zeichnen sich durch gegenseitige Offenheit und Verständnis aus. Die Studierenden haben zu fast allen Disziplinen von Kunst und Design freien Zugang. Dieses Konzept ist weltweit einzigartig und trägt dem Bedürfnis der Studierenden sowie den sich ständig wandelnden Herausforderungen von Kunst und Design Rechnung. Der Fachbereich qualifiziert für künstlerisch-gestalterische und wissenschaftliche Tätigkeiten in den Bereichen der bildenden Kunst und der angewandten Gestaltung. 

Das Studium konzentriert sich in allen Lehrgebieten auf die experimentelle Erforschung von Inhalten und neuen Möglichkeiten sowie auf die Weiterentwicklung der individuellen Sensibilität, Kreativität und Urteilsfähigkeit.​

Bildhauerei, Experimentelle Raumkonzepte, Konzeptionelles Zeichnen/Aktzeichnen und Malerei sind die Lehrgebiete der Fachrichtung Kunst im Fachbereich Kunst. 

Kunst wird hier vor allem als Forschung und Grenzüberschreitung verstanden: bestehende bildnerische Konventionen werden in Frage gestellt, Grenzen überschritten, neues Terrain wird erschlossen. Studierende des Studienschwerpunkts Kunst haben die Möglichkeit, sich auf rein künstlerische Projekte zu konzentrieren, können aber auch im Kontext aller Lehrgebiete der HfG eine hybride künstlerische Haltung formulieren. In der Überschneidung freier und angewandter Disziplinen können neue Möglichkeiten sondiert und bisher noch unbekannte Felder abgesteckt werden.

Anders als an klassischen Kunstakademien gibt es an der HfG weder Klassen noch Meister. In allen Bereichen geht es um die Entwicklung einer originären künstlerischen Perspektive. Die Studierenden können parallel bei verschiedenen Professor/innen studieren und durch eine Vielfalt von Fächern und Blickwinkeln eine eigene künstlerische Position entwickeln“ (Quelle: HfG).

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↑ Paul de Bruyn
↓ Richard Pruss

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Paul de Bruyn experimentiert mit „digitalen Bildern“: ein abstrakter Farben- und Formenreichtum (Titel: Lame Baby Game) stürmt auf den Betrachter vor dem Monitor ein. Faszinierend. Richard Pruss stattet ein eigenes Kabinett aus mit Videokunst und einer raumübergreifenden Installation. Ebenfalls faszinierend!

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Felicitas von Lutzau, „a white shake“

Felicitas von Lutzau schliesslich bezaubert den Betrachter mit ihrer hyperrealistischen Fotografie-Kunst. Überlange Belichtungszeiten führen in ihrer grundsätzlich analogen, oft „available light“-Fotografie mit Hilfe einer Taschenlampen-Beleuchtung zu den erstaunlichsten Effekten: Realität in der Hyperrealität – wie auch umgekehrt.

Abgebildete Werke © jeweilige Künstlerinnen und Künstler; Fotos: FeuilletonFrankfurt

→ Rundgang 2016 der Hochschule für Gestaltung Offenbach HfG (1)

 

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