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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Das Kunstwerk der Woche (19)


Die Arbeit einer Künstlerin oder eines Künstlers
aus den Atelierhäusern in Frankfurt am Main

Suzanne Wild, Städtische Ateliers Schmickstrasse

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Little Blue Pleated Skirt 2, 2015, Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm, Foto: Suzanne Wild

Wir sehen einen Faltenrock, den Blick auf viel „Innenleben“ freigebend und scheinbar aufgehängt an einem Haken an einer etwas grob hellgetünchten Wand. Sollten wir die Farbe definieren, so entschieden wir uns für ein bleu royal, das englische Royal blue, das Königsblau. Eine Farbe, einst beliebt bei höfischem wie auch militärischem Zeremoniell. Und nun verwendet für eine Welt des Femininen, einen beschwingt-leichten Faltenrock für, nehmen wir einmal an, junge bis mitteljunge Damen. Und wir sehen Farbflächen, sehen, wie der Lichteinfall auf dem Königsblau spielt, wie die Falten gleich Gebirgszügen Schatten werfen, wie die grob getünchte Wand an farbigem Leben gewinnt.

Frau Wild, Ihre laufende Ausstellung in der Galerie Nathalia Laue birgt nicht nur für mich einige Überraschungen, nachdem ich Sie vor drei Jahren als Malerin verträumt-romantischer Landschaften und luftiger Interieurs kennengelernt habe – gleichsam als miteinander verbundener Innen- und Aussenwelten. Und jetzt – nun ja – Damenbekleidung samt Unterwäsche, Damenperücken? Gibt es da einen Zusammenhang mit Ihren früheren Werken?

Suzanne Wild: So weit von einander sehe ich die Werkgruppen nicht. Mein Thema ist immer noch Licht. Leicht durchsichtige Gardinen oder schwingende Unterröcke aus Tūll. Ein schwerer Vorhang oder ein Minirock aus Samt. Die Perūcken sind da auch nicht unähnlich, lange glatte, seidige Haare, dicke glänzende Locken.

Es wird schwerlich jemanden geben, der Ihre neuen Sujets nicht als erotisch empfindet. Möchten Sie, jenseits aller künstlerisch-formalen Aspekte, den männlichen Betrachter dieser Bilder mit seinen mutmasslichen Fantasien ein wenig in Verlegenheit bringen, spielen Sie mit ihm ein nettes kleines kokettes Spiel?

Suzanne Wild: Die Stoffe, ihre Durchsichtigkeit und ihren Glanz finde ich sinnlich. Unterwäsche bleibt meistens verborgen, jetzt, wenn man den Luxus hat hinzuschauen, dann mag es schon sein, dass manche Kleidungsstücke sogar Fantasien freisetzen. Natürlich könnte man über die Identität der früheren Besitzerin spekulieren, über ihr Aussehen, ihr Alter usw., aber für mich sind alle Kleidungsstücke Objekte, welche ich porträtiere, seien es Handschuhe, Jacken, Party-Kleider oder eben Unterwäsche.

→ „… and other objects of interest“: Suzanne Wild in der Frankfurter Galerie Nathalia Laue
→ Suzanne Wild – Malerin

→ Das Kunstwerk der Woche (1)

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