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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Mai, 2016

Kleine Pause

2016, Mai 30.

WIR MACHEN EINE KLEINE PAUSE – UND SIND BALD WIEDER FÜR SIE DA!

NEHMEN SIE INZWISCHEN ABSCHIED VON MAX HOLLEIN
UND TRÖSTEN SIE SICH: FEUILLETONFRANKFURT BLEIBT!

Quelle: Städel Museum

→ Max Hollein geht nach San Francisco
→ Frankfurt am Main im kulturellen Umbruch

Globalisierung – ein Megabegriff versus Kultur und Zivilisation?

2016, Mai 28.

Von Gunnar Schanno

Globalisierung ist zum Megabegriff geworden seit beginnendem 21. Jahrhundert. Globalisierung bestimmt unser tägliches Leben, erfasst die soziale und politische Welt, ergreift die ökonomischen Verhältnisse mit besonderer Dynamik. Globalisierung ist ein alle Bereiche des menschlichen Lebens erfassender Prozess. Globalisierung ist ein Zustand und wird es zunehmend werden, der sich aus Entwicklung und Dynamik dessen, was als Fortschritt bezeichnet wird, herauskristallisiert hat. Sie spiegelt die moderne, technologisch getriebene, Grenzen sprengende Massengesellschaft wider und prägt zugleich auch Zustand und Lebensbedingungen eines jeden von uns.

Der Begriff hat Karriere gemacht im Gebrauchsarsenal unserer Sprache – erstmals als Begriff in Umlauf gesetzt 1983 von Theodore Levitt in einem Artikel über die Globalisierung der Märkte in der Harvard Business Review. Inzwischen ist Globalisierung der neue Megabegriff, der zwei alte – zeitlose – , wie es scheint, überlagert: Kultur und Zivilisation. Letztere gelten in besagter Weise als Zustandsbegriffe der im weitesten Sinne von Emotio und Ratio gestalteten Lebenswelt.

Sind denn beide Begriffe – Kultur und Zivilisation – kompatibel mit dem Megabegriff der Globalisierung oder geraten sie unter die nivellierende, geradezu plattmachende Globalisierungsmaschine? Ist der globalisierte Mensch zerrissen zwischen Kultur und Zivilisation? Die Nachrichtenflut, die ganze Welt in mobiler Gerätschaft fast eines jeden Menschen, wo immer er sich aufhält, lässt fast jeden zum globalisierten Menschen werden.

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Das Hubble Ultra Deep Field ist ein Bild einer kleinen Himmelsregion, aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop über einen Zeitraum vom 3. September 2003 bis 16. Januar 2004. Dabei wurde eine Himmelsregion ausgewählt, die kaum störende helle Sterne im Vordergrund enthält. Man entschied sich für ein Zielgebiet südwestlich von Orion im Sternbild „Chemischer Ofen“; Bildnachweis: NASA und European Space Agency ESA/wikimedia commons Weiterlesen

Vorschau auf die Konzertsaison 2016/2017 des hr-Sinfonieorchesters

2016, Mai 26.

Vertiefen und entwickeln

Von Renate Feyerbacher

Eine Überraschung gab es bei der Pressekonferenz am 18. April 2016 im Foyer des Hessischen Rundfunks: Hörfunk-Programmdirektor Heinz-Dieter Sommer verkündete die Vertragsverlängerung mit dem Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada bis zur Saison 2020/2021. Der 1977 in Kolumbien geborene, in Wien ausgebildete und dort lebende Dirigent gehört heute zu den Grössen seiner Generation. Der Vertrag wurde in Anwesenheit der Journalisten unterzeichnet.

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Hörfunkdirektor Heinz-Dieter Sommer und Andrés Orozco-Estrada unterzeichnen den Verländerungsvertrag

Orozco-Estrada übernahm 2014 die Leitung des hr-Sinfonieorchesters. Er habe, wie er sagte, die hervorragenden Musiker des Klangkörpers von Anfang an sehr geschätzt. Nun kenne man sich natürlich besser und habe zu einem tiefen gegenseitigen Verständnis gefunden. Eine von Erfolg gekrönte Entwicklung. Weiterlesen

Kai Teichert: „Teufelssee“ im Kunstverein Familie Montez

2016, Mai 24.

Wer seinerzeit bei „Familie Montez“ nach weidlicher Betrachtung des 3,20 mal 9,90 Meter messenden Werkes „Pfaueninsel“ zwar mit durchgeschwitztem Hemd, aber ansonsten seelisch aufgerüstet und charakterlich gefestigt die heiligen Brückenhallen verlassen und sich wieder in das mainmetropolische gesellschaftliche Gefüge eingliedern konnte, der wird auch Kai Teicherts neue Arbeit „Teufelssee“ zwar mit leichten Schwindelgefühlen, aber ohne therapiebedürftige Nachwirkungen geniessen können. Gegenüber der ohnehin bereits monumentalen „Pfaueninsel“ geriet dieses (bisherige, in allerlei Wortsinn) Opus magnum mit Ausmassen von 2,60 mal 36 Metern in den Bereich des Absoluten, so dass Mirek Mackes wahrlich riesige Ausstellungswand in der rechten Halle unter der Honsellbrücke nicht ausreichte, um all das fröhliche Gewimmel im Battle Wood und Dragon Wood und noch weniger dasjenige am Venus Beach oder Shiva Shakti Beach aufzunehmen, ganz zu schweigen von dem, was sich auf dem „Float“ abspielt. Also mussten zusätzlich die beiden seitlichen Wände für die Bespannung mit dem mit Kohlezeichnungen versehenen Nesseltuch herhalten.

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Jens Andres: „Troublemakers“ auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität (3)

2016, Mai 21.

Vorsicht Kunst! Vorsicht Kunst-Falle!
Einweihung beim Frühlingsfest auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität

Also jetzt schlägt ’s abermals und endgültig dreizehn! Ein Parkplatz anstatt für ein Automobil für eine Kuh?

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Noch dazu neben zwei Parkplätzen für „Fliegende Untertassen“, genannt Ufos (Unbekannte Flugobjekte)? Nicht irgendwelchen Parkplätzen, sondern solchen „Nur für Berechtigte mit Parkausweis der Dekanate“ nahe dem Wissenschaftsgarten der Universität! Wir machten unserer Empörung bereits in Folge 1 und Folge 2 unseres Reports über solch unerklärliche Geschehnisse Luft! Weiterlesen

Daniel Libeskind: „One day in life“ in Frankfurt am Main

2016, Mai 19.

Der Musiker, Architekt und Stadtplaner mit seinen Operationen am Herzen der Stadt

Petra Kammann im Gespräch mit dem Künstler-Architekten

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Mit dem Konzertprojekt „One Day in Life“ von Daniel Libeskind und der Alten Oper Frankfurt wird die Stadt Frankfurt am Main am 21. und 22. Mai 2016 an 18 Spielstätten in mehr als 75 Konzerten zur Begegnungsstätte mit Musik und mit „Grunddimensionen des menschlichen Daseins“.

Die Erfahrungen des 1946 in Polen geborenen und in New York lebenden und arbeitenden Architekten Daniel Libeskind, seine Erfahrungen in Ost und West, in den Metropolen, fließen nicht nur in seine ungewöhnliche Architektur ein, sondern auch in ein ungewöhnliches musikalisches Konzept in Frankfurt am Main.

1957 emigrierte die Familie nach Israel, drei Jahre später in die USA. 1965 wurde Libeskind US-Bürger. Er studierte Musik in Israel und New York und verdiente sein Geld als professioneller Musiker, bevor er sich der Architektur widmete.

1999 wurde der langjährige Architekturtheoretiker mit seinem ersten Gebäude, dem Jüdischen Museum Berlin, schlagartig weltbekannt. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2003 in New York gewann Libeskind den Wettbewerb um den Masterplan für die Wiederbebauung von Ground Zero. Sein Masterplan bildete die konzeptionelle Basis und den inhaltlichen Rahmen für die Neu-Entwicklung des gesamten Komplexes.

Als einer der international renommiertesten Architekten hat Daniel Libeskind mit seinen Studios in New York, Mailand und Zürich in den vergangenen Jahren zahlreiche bedeutende Projekte unter anderem in Manchester, Denver, San Francisco, Dresden, Las Vegas, Warschau, São Paulo, Manila, Toronto, Düsseldorf, Kopenhagen und London geplant und realisiert.

Vom 9. Mai bis zum 14. Juni 2016 verweist außerdem eine 289 m² große Installation des Architekten Daniel Libeskind auf dem Frankfurter Opernplatz auf dieses Konzertevent und macht als begehbares Kunstwerk die Grundidee des Projektes im wahrsten Wortsinn zugänglich. Petra Kammann sprach mit Daniel Libeskind in Düsseldorf und in Frankfurt: Weiterlesen

Granada: das Paradies auf Erden

2016, Mai 19.

Von Elke Backert

Auf die Frage eines Fluggastes in der Iberia-Maschine nach Madrid, ob sie rechtzeitig lande, denn er müsse den Anschluss nach Granada erreichen, antwortet der Steward: „Oh, Sie wollen nach Gran Canaria.“ – „Nein, nach Granada“, und er erläutert auf Spanisch: „en Andalucía“. Ein anderer Fluggast hört das Gespräch mit und sagt: „Wir wollen auch nach Gran Canaria.“

Da wundert man sich schon, wie wenig bekannt Granada ist. Wo doch die zum UNESCO-Kulturerbe erklärte Alhambra, die größte und wohl weltberühmte Sehenswürdigkeit der Stadt zu besichtigen ist. Jenes Bauwerk – nein, jene Stadt in der Stadt -, von den Mauren mit Festung, Wohnhäusern für die hohen Beamten – der Medina -, Palästen und grandiosen Innenhöfen, den Patios, für den Sultan von Al-Andalus und Emir von Granada, seine Familie samt Haremsdamen und mit einer riesigen wasserreichen Parkanlage, dem Generalife, im 13. Jahrhundert erbaut. Jahrhundertelang war die Alhambra Palast, Zitadelle, Festung und Residenz der nasridischen Sultane, die die „Rote Burg“ in ein majestätisches Kunstwerk verwandelten, von den Flüssen Genil und Darro eingerahmt. Nur das gemeine Volk hatte dort nichts zu suchen, es musste draußen bleiben.

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↑ Blick auf die Alhambra
Der Patio de los Leones in der Alhambra

Patio de los Leones Alhambra 2015-11-07 Foto Elke Backert-670 Weiterlesen

Starke Stücke im Schauspiel Frankfurt (10)

2016, Mai 17.

Spielzeit 2015 / 2016 – eine Auswahl
Vorstellung der Spielzeit 2016 / 2017 – die letzte von Intendant Oliver Reese

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Birgit Hupfeld/Schauspiel Frankfurt

„Die Geschichte von Franz Biberkopf mit The Tiger Lillies“
„Der Sturm“
„Schuld und Sühne“
„Die Netzwelt“

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Martina Droste, Jan Fischer, Oliver Reese, Sibylle Baschung, Professor Felix Semmelroth, Clara Topic-Matutin; Foto © Jessica Schäfer

Etwas Wehmut lag über der Pressekonferenz von Schauspiel Frankfurt Ende April 2016, als der – seinerseits scheidende – Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth eine Lob- und Dankesrede auf Oliver Reese hielt, die bereits wie eine Rede zur Verabschiedung klang. „Ungeahntes wurde ermöglicht“, war einer seiner Sätze. In der Tat. Aber noch ist Intendant Reese da und leitet für ein Jahr die Geschicke des Frankfurter Schauspiels. Zwölf Premieren sind vorgeshen: im Schauspielhaus – Beginn am 10. September mit „Königin Lear“ des belgischen Autors Tom Lanoye – und in den Kammerspielen am 9. September „Iphigenie“ von Ersan Mondtag nach Motiven von Goethe, Euripides und Hauptmann. Mehrere Ur- und Erstaufführungen – nur von „lebenden Autoren“ – also keine Romanadaption sind dabei. Weiterlesen

Jens Andres: „Troublemakers“ auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität (2)

2016, Mai 16.

Vorsicht Kunst! Vorsicht Kunst-Falle!

Also jetzt schlägt ’s aber dreizehn! Was soll denn das hier – und noch dazu klammheimlich über die Pfingstfeiertage? Was sollen denn morgen die wieder arbeitenden, hier parkberechtigten Mitarbeiter der Dekanate machen?

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Am Pfingstsonntag erst diese Überraschung …

… und über Nacht am Pfingstmontag dann auch noch diese!

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Was geht hier eigentlich vor? Ist das denn überhaupt zulässig? Sollte die Polizei gerufen werden?

© VG Bild-Kunst, Bonn; Fotos: FeuilletonFrankfurt

→ Jens Andres: „Troublemakers“ auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität (1)
→ Jens Andres: „Troublemakers“ auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität (3)

 

„Lyrische Abstraktion“: Marilena Faraci im Nebbienschen Gartenhaus

2016, Mai 14.

Die Musik und das Bild

Von Hanneke Heinemann
(Eröffnungsansprache)

Den Titel „Lyrische Abstraktion“ entlehnt Marilena Faraci einer künstlerischen Strömung nach 1945, deren Künstler Vorläufer und Vertreter des Informel sind.¹ Marilena Faraci kennt selbstverständlich diese Vorbilder und sieht Gemeinsamkeiten. Für ihre Bilder befragt sie jedoch nicht die Kunstgeschichte, sondern hauptsächlich ihr Inneres; sie setzt „sinnliche Erlebnisse und Emotionen“ um, wie sie schreibt. Gleichzeitig will sie ihre Arbeiten nicht als „malerische Psychogramme“ oder als chaotisches ungesteuertes „Ausleben von Gefühlen auf der Leinwand“ verstanden wissen. Gefühle spürt man allerdings in den Arbeiten – und diese sind lyrisch.

Das Wort „lyrisch“ verweist auf Verse, auf Gedichte, jedoch wird das Wort auch in der Musik, u.a. bei der Beschreibung von Singstimmen verwendet im Gegensatz zu „dramatisch“. So ist der Lyrische Sopran, dessen Vokalität durchaus pathetisch und sentimental sein kann, „von einer gebundenen und gesanglichen Linie, die von weicher und hingebungsvoller Musik unterstützt wird und von langsamen Rhythmus“² gekennzeichnet. Sind dies nicht auch Charakteristika, die man in Form und Farbe übersetzt in Marilena Faracis Bildern findet?

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(li.) o.T., Öl auf Pergament, 40 x 50 cm; (re.) o.T., Öl auf Pappe, 40 x 30 cm

In ihren Arbeiten gibt es kaum ein Bild ohne verspielte Linien, meist sind sie verbunden mit etwas oder sie verbinden selbst Flächen und Farben. Und sind die Farben nicht „dolce“ ohne „süßlich“ zu sein? Und der Rhythmus der Bilder ist zwar nicht immer „lento“, aber häufig von spannungsreicher Mäßigung, denn man spürt immer die Emotionen, aus denen sie entstanden sind.

Dieser anekdotisch-musikalische Einstieg ist nicht ohne Grund gewählt, denn zwischen Musik und abstrakter Malerei gibt es große Parallelen, nicht nur beim Schaffen, Komponieren und Interpretieren, sondern auch beim Rezipieren. Musik setzt im Gehirn Endorphine frei, die ein mehr oder weniger starkes Glücksgefühl hervorrufen, was man mit bildgebenden Methoden wissenschaftlich belegen kann. Das Ausführen und auch das Betrachten von Kunst kann auch diesen glücksbringenden Effekt hervorrufen, besonders wenn man offen den Bildern gegenübersteht und schon eine gewisse Seherfahrung hat, die am besten schon in der frühesten Kindheit angelegt ist. Weiterlesen