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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Oktober, 2015

Nägel mit Kopf – Günther Uecker erhält den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen

2015, Oktober 31.

Petra Kammann besuchte den Künstler im vergangenen Jahr in seinem Düsseldorfer Atelier. Eine Hommage

Die Gruppe ZERO der Künstler Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker stellte in der Nachkriegszeit für die Bildende Kunst eine „Stunde Null“ dar. Gegründet wurde die Gruppe 1957 in Düsseldorf von Mack und Piene, 1961 kam Uecker hinzu. Die Zero-Künstler experimentierten in Räumen und unter freiem Himmel. Ihre Elemente waren Licht, Luft, Bewegung, Feuer und Metall. Der 1930 in Wensdorf geborene und seit 1955 in Düsseldorf lebende deutsche Maler und Objektkünstler Günther Uecker wurde vor allem durch seine reliefartigen Nagelbilder bekannt. Seither wird er der „Nagelkünstler“ genannt. Seit den 1960er Jahren benutzte er als kompositorisches Hauptelement weiß übermalte Nägel und erstellte auf seinen Bildern und in seinen Objekten strenge Ordnungen, die zum Teil mit seriellen Strukturen, aber auch mit optisch-kinetischen Effekten spielen wie zum Beispiel im legendären Düsseldorfer Szenelokal Creamcheese.

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Der Meister: Günther Uecker Weiterlesen

„Dialog der Meisterwerke“ im Städel (2)

2015, Oktober 30.

Hochkarätiger Besuch zum Jubiläum
Städel-Lieblinge treffen „Stars“ aus der ganzen Welt (2)

Von Hans-Bernd Heier

Am 15. März 1815 unterzeichnete der Frankfurter Bankier und Kaufmann Johann Friedrich Städel die letzte Version seines Testaments, in dem er sein Vermögen und seine Kunstsammlung der nach ihm zu benennenden Stiftung vermachte. 200 Jahre später gilt das Städel Museum als älteste und renommierteste Museumsstiftung Deutschlands. Die Ausstellung „Dialog der Meisterwerke. Hoher Besuch zum Jubiläum“ ist ein weiterer Höhepunkt des umfassenden Jubiläumsprogramms. Zum 200. Geburtstag hat die Galerie hochkarätigen Besuch aus führenden Museen der Welt: 65 Meisterwerke aus den renommiertesten Museen sind nach Frankfurt gereist, um mit erlesenen Spitzenwerke des Städel in einen anregenden Diskurs zu treten.

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Mit einem Riesen-Plakat an der Außenfassade wirbt das Museum für das „Star-Treffen“; Foto: Hans-Bernd Heier

Anlässlich des 500. Todestages von Sandro Botticelli (um 1444/45-1510) ehrte das Städel den großen Meister der italienischen Frührenaissance mit einer eindrucksvollen, überaus erfolgreichen Sonderausstellung, in der alle Schaffensphasen des Florentiners zu sehen waren. Die Besucher konnten das „Weibliche Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe)“, eines der Glanzstücke der Städel-Sammlung, im Umfeld von 40 anderen hochkarätigen Werken Botticellis und seiner Werkstatt bewundern. Weil Kurator Bastian Eclercy eine erneute Paarung des Bildnisses der Simonetta Vespucci mit einem anderen Werk des genialen Künstlers vermeiden wollte, wählte er als Pendant zu dem um 1480/85 entstandenen „Weiblichen Idealbildnis“ das Porträt „Fazio’s Mistress (Aurelia)“ von Dante Gabriel Rossetti (1828-1882) aus der Londoner Tate Gallery. Weiterlesen

„Iwan Sussanin“ von Michail Iwanowitsch Glinka an der Oper Frankfurt

2015, Oktober 29.

Ein zeitloses Gleichnis über Mut, ein Über-Sich-Hinauswachsen für ein höheres Ziel. Ein Held des Alltags

Von Renate Feyerbacher

Am 25. Oktober 2015 hatte die Oper „Iwan Sussanin“, die 1836 unter dem Titel „Ein Leben für den Zaren“ in Sankt Petersburg uraufgeführt wurde, in der Frankfurter Bearbeitung Premiere.

„Die Geschichte des Bauern aus Kostroma ist ein Gleichnis, resistent gegen alle Kontingenz der aufeinanderfolgenden Epochen“ (Dramaturg Professor Norbert Abels in seinen Überlegungen zum Werk: „Ist es etwa leicht zum Tode verurteilt zu sein?“ – Programmheft). Zusammen mit Regisseur Harry Kupfer, der vor knapp drei Monaten 80 Jahre wurde, hat Abels eine Frankfurter Fassung erarbeitet. Sie rief einige Buh-Rufe und heisse Diskussionen nach der Aufführung hervor.

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V.l.n.r.: Katharina Magiera (Wanja), Kateryna Kasper (Antonida), John Tomlinson (Iwan Sussanin) und Anton Rositskiy (Bogdan Sobinin); Foto © Barbara Aumüller

Ursprünglich hatte Michail I. Glinka die Oper „Iwan Sussanin“ nennen wollen, aber Zar Nikolaus I. bestand auf Umbenennung und der Komponist beugte sich. Belohnt wurde er mit einem Ring („viertausend Bankrubel … mit drei Reihen herrlicher Brillanten umgebenem Topas“. Michail I. Glinka (1804-1857), selbst aus adeligem Haus, war befreundet mit Künstlern, die zu den Dekabristen (dekabr – deutsch Dezember) Kontakt hatten. Diese revolutionäre Bewegung richtete sich im Dezember 1825 gegen die Herrschaft des Zaren Nikolaus I., gegen Leibeigenschaft, Zensur und Polizeiwillkür. In den Dumy (Träumereien, 1825) des Poeten Kondrati Fjodowitsch Rylejew, einem der Anführer der Dekabristen, der hingerichtet wurde, fand Glinka die Ballade vom Bauern Iwan Sussanin. Weiterlesen

„… und rinnt ein Gelb“ – Bärbel Holtkamp im Frankfurter Künstlerclub

2015, Oktober 28.

Abstrakt-expressionistische Mischtechnik auf Papier und Leinwand

Von Andrea Wolf
Einführung zur Ausstellungseröffnung

Bärbel Holtkamp ist seit vielen Jahren Mitglied des Frankfurter Künstlerclubs – 2007 wurde sie als Malerin mit unserem Kunstpreis ausgezeichnet – , sie ist Mitglied des BBK, des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler und mit Einzel-und Gemeinschaftsausstellungen in Frankfurt und hessenweit präsent. Ursprünglich stammt sie jedoch aus Berlin, hat dort freie und angewandte Kunst studiert; danach zog es sie nach Frankfurt am Main. Hier ließ sie sich in verschiedene Richtungen weiter ausbilden zur Werbegrafikerin und technischen Zeichnerin und als Lehrerin in der Erwachsenenbildung. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt.

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↑ „Ach so“
↓ „Schuhu“

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Nun aber möchte ich Sie einladen in die abstrakte Phantasie- und Bilderwelt von Bärbel Holtkamp.

Abstrakt? Was heißt Abstrakt? Weiterlesen

Charlotte McGowan-Griffin in der Galerie Maurer

2015, Oktober 26.

„From Sarsaparilla to Sorcery“: Papierschnitt-Arbeiten

Darf man heute von einer zeitgenössischen künstlerischen Arbeit sagen, dass sie von grosser Schönheit ist, ohne dafür sogleich von gestrengen Kunstkritikastern getadelt und, wenn man noch dazu Publizist ist, auf den Index gesetzt zu werden? Nun, wir fürchten weder Tadel noch Index und bekennen, was Sache ist: die Papierschnitt-Arbeiten der britischen Künstlerin Charlotte McGowan-Griffin sind hinreissend schön!

Nun fusst auch der heutige, künstlerische Papierschnitt auf dem alten, von China nach Europa überkommenen Scherenschnitt, der Psaligraphie, die hierzulande in der Goethezeit eine Blüte erlebte, aber auch in der Spätromantik und im Jugendstil anzutreffen ist. Danach wurde es stiller um dieses dem Kunsthandwerk zuzurechnende Metier. Erst in jüngerer Zeit besinnen sich – überwiegend – Künstlerinnen auf diese alte Technik und überführen sie aus kunsthandwerklicher Tradition in eine eigenständige freie künstlerische Formensprache.

So hatte FeuilletonFrankfurt wiederholt Gelegenheit, sich mit der atemberaubenden Schnittmeisterei von Corinna Krebber auseinanderzusetzen, die literarische und philosophische Texte mit unglaublicher Präzision und Geduld zu gefühlt unendlich langen Papierbuchstaben-Ketten ausschneidet und diese zu skulpturalen räumlichen Installationen formt, das geschriebene Wort wie auch dessen Gehalt also gleichsam zu einem körperlichen Gedankenraum transformiert. Oder mit den Scherenschnitten, die Valentina Stanojev mit nicht minderer Präzision und Geduld animiert und zu abenteuerlichen, vexierenden Filmsequenzen komponiert.

Nicht zuletzt im Blick auf Charlotte McGowan-Griffins kombinierte Papier-Schnitt- und -prägetechnik seien in diesem Zusammenhang auch die zuvor so noch nie gesehenen Papierprägearbeiten von Aja von Loeper erwähnt.

Doch zurück zu Charlotte McGowan-Griffin, seit vielen Jahren Galeriekünstlerin bei Brigitte Maurer: In den zwei als Paar ausgestellten grossformatigen collagierten Papierschnitt- und -prägearbeiten fügt sie die fünf platonischen Körper – Tetraeder, Hexaeder, Oktaeder (vulgo „Würfel“), Dodekaeder und Ikosaeder – in eine paradiesische Blattwerkszenerie mit Papageien ein. Platon, ein Schüler des Sokrates, verband vier dieser Körper mit seinem philosophischen System, mit dem er die Welt beschrieb, wobei das Tetraeder für Feuer, das Hexaeder für Erde, das Oktaeder für Luft und das Ikosaeder für Wasser stand. Im Sinne der Aristotelischen Lehre (Aristoteles war wiederum ein Schüler von Platon) stand schliesslich das Dodekaeder für Äther. Eine grossartige Arbeit in ihrer Verbindung von antikem philosophischem Wissen und biblisch-paradiesischer Schöpfungserzählung, die als ein Diptychon gesehen werden will.

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(li.): o. T. (the regular bodies) II, (re.): o. T. (the regular bodies) I, jeweils 2015, jeweils Collage und Handprägung auf geschnittenem Papier, Silberstift, 200 x 130 cm

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Fotografisch kaum festhaltbar: Feinste Präge- und Zeichnungsspuren des Originals

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