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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für September, 2015

„Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (11)

2015, September 30.

Bart Van Dijck: „De dood van Jacob Van Artevelde“

Das recht umfangreiche, oft erzählerische Werk Bart Van Dijcks (1974 im belgisch-flandrischen Bonheiden geboren) – es umfasst Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien, Videos und Performances – lässt sich nicht so ganz einfach erschliessen, umfasst es doch manche Volkstraditionen, Rituale und kulturelle Identitäten, die nicht jeder Betrachter kennen kann. Seine im Bad Homburger Schlossgarten installierte Arbeit bezieht sich auf den flandrischen Freiheitskämpfer Jacob Van Artevelde, um 1290 in Gent geboren, woselbst er 1345 ermordet wurde. Der Protagonist spielte im anglo-französischen, sogenannten Hundertjährigen Krieg eine nicht unumstrittene Rolle zwischen den beiden rivalisierenden Mächten. Die Stadt Gent setzte ihm 1863 – in der Zeit nationalistischer Strömungen also – auf dem Freitagsmarkt ein imposantes Denkmal.

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Jacob Van Artevelde: Denkmal auf dem Freitagsmarkt in Gent; Foto: Donar Reiskoffer/wikimedia commons GFDL

Im Schlossgarten, an der mächtigen, 1822 gepflanzten, heute über 20 Meter hohen und über 35 Meter ausladenden, dem Landgrafen Friederich VI. Joseph vom Duke of Cambridge geschenkten Libanonzeder lehnt der ermordete Jacob Van Artevelde – nein, das tut er natürlich nicht, es ist eine Puppe, die der Künstler an den weit über Bad Homburg hinaus bekannten, berühmten Baum legt.

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De dood van Jacob Van Artevelde, 2008, Polyurethan, Vubonite, Rindsleder, Epoxidharz, 100 x 106 x 260 cm Weiterlesen

„Max Beckmann kommt nach Frankfurt“

2015, September 29.

Institut für Stadtgeschichte zeigt Druckgraphiken der Jahre 1915 bis 1925

Von Hans-Bernd Heier

Die Ankunft des schon damals bekannten Malers, Graphikers und Zeichners Max Beckmann in Frankfurt am Main jährt sich heuer zum 100. Male. Aus diesem Anlass zeigt das Institut für Stadtgeschichte bis zum 15. November 2015 die von Professor Klaus Gallwitz, ehemals Direktor des Städelschen Kunstinstituts, kuratierte Ausstellung „Max Beckmann kommt nach Frankfurt. Druckgraphik 1915-1925“. In der sorgfältig arrangierten Schau im Refektorium des Karmeliterklosters sind insgesamt 75 erlesene, hochqualitative Drucke Beckmanns zu sehen.

Nach Kriegsausbruch 1914 meldete sich Max Beckmann (1884 – 1950) freiwillig als Krankenpfleger zum Sanitätsdienst nach Ostpreußen. Bereits im folgenden Jahr wurde er als Sanitätssoldat nach Belgien an die Flandern-Front verlegt. Dort – mit den unbeschreiblichen Kriegsgreueln konfrontiert – erlitt Beckmann im Juli 1915 einen Nervenzusammenbruch und wurde krankheitsbedingt zunächst vom Kriegsdienst beurlaubt und zwei Jahre später entlassen.

Der gemütskranke Beckmann kam nach seiner Beurlaubung als „klägliches Nervenbündel“ auf der Suche nach einer Unterkunft nach Frankfurt am Main. Eines Oktobermorgens stand der damals 31-jährige vor dem Haus in der Schweizer Straße 3, in dem sein Studienfreund aus Weimarer Tagen Ugi Battenberg mit seiner Frau Fridel wohnte, und fragte: „Wollen Sie mich für ein paar Tage aufnehmen?“ Beide sagten spontan zu: Aus Tagen sollten Wochen, Monate und Jahre werden. Aus dem kurzen Besuch wurde ein Aufenthalt von insgesamt 17 Jahren. In keiner anderen Stadt lebte und arbeitete Beckmann länger als in der Mainmetropole.

Der gastfreundliche Heinrich Rudolf Hermann – mit dem Künstlernamen Ugi – Battenberg überlässt dem Studienfreund sein eigenes Atelier in der vierten Etage und ein angrenzendes Zimmer. In dem geräumigen Dachatelier stand auch eine Handdruckpresse. Von Anfang an nutzt der Ankömmling diese eifrig und fertigt in den ersten zehn Jahren seines Frankfurt-Aufenthalts ganz überwiegend Graphiken.

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Die Hinweistafel an der Hauswand der ansehnlichen Immobilie Schweizer Straße 3 informiert nicht ganz exakt über die Aufenthaltsdauer des Künstlers; Foto: Hans-Bernd Heier

Das unerwartet lange Bleiben führte keineswegs zu einem Zerwürfnis von Gastgebern und Beckmann. Zeugnisse seiner Freundschaft mit Ugi und Fridel Battenberg sind die zahlreichen Bildnisse des Ehepaars. Die Radierung „Der Abend“ hielt der Künstler nach eigener Einschätzung gar für „eine meiner besten Arbeiten“, wie er seinem Verleger Reinhard Piper schrieb. Seine Wertschätzung für Ugi zeigte sich auch an der Teilnahme an Jahresausstellungen des „Frankfurter Künstlerbundes“, dessen Malerausschuss Battenberg angehörte

In Frankfurt beginnt der als Künstler bereits etablierte Beckmann radikal neu.Stilistisch werden seine Werke kantiger und die Konturen seiner Motive schärfer. Kriegserlebnisse, die Nachkriegszeit und ihre Menschen geben die Themen seiner Graphik vor. Diese wird für ihn mehr als zehn Jahre zum bevorzugten Ausdrucksträger. „Nicht vor der Staffelei, sondern mit der Radiernadel auf der Kupferplatte fasste Beckmann wieder Fuß“, schreibt Kurator Klaus Gallwitz in dem profunden Ausstellungskatalog. Über die Schwarz-Weiß-Graphik findet Beckmann wieder zur Malerei. Dabei liefert ihm die Stadt am Main mit ihren Straßen, Gesichtern und Lokalitäten reiches Bildmaterial.

„In dieser Schau wird sehr deutlich, dass Max Beckmann nicht nur einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts gewesen ist, sondern auch ein herausragender Porträtist der Stadt Frankfurt am Main und ihrer Gesellschaft vor 1933“, betonte Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth bei der Ausstellungseröffnung. In der Präsentation werde ein spezieller, auf Frankfurt bezogener Ausschnitt aus dem graphischen Œuvre Beckmanns in den Blick genommen, der auch stadthistorisch spannende Aspekte biete, ergänzt Evelyn Brockhoff, Leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte.

Dem im Jahr 1884 in Leipzig geborenen Künstler gefiel Frankfurt. Er schätzte besonders die Mischung aus „modernem Großstadtbetrieb“ und „altertümlicher Enge“. In der Stadt fand er offenbar das richtige Umfeld, um seine Kriegserlebnisse künstlerisch zu verarbeiten. „Gerade jetzt habe ich noch mehr als vor dem Krieg das Bedürfnis, unter den Menschen zu bleiben. In der Stadt. Gerade hier ist jetzt unser Platz“, schreibt er in einem seiner vielen Briefe.

Obwohl Beckmann als ein wortkarger Einzelgänger galt, konnte er dank der guten Verbindungen der Battenbergs und Ugis Schwiegervater Julius Carl, Inhaber einer traditionsreichen Textilhandelsfirma, schnell hilfreiche Kontakte knüpfen. Er war, wie es heute heißt, in Frankfurt gut vernetzt. Nicht nur von Galerien, Kritikern und Sammlern wie dem Ehepaar von Schnitzler erfuhr er große Unterstützung. Ebenso nützlich war für ihn, dass er freitags zum Mittagstisch bei Heinrich Simon, dem Chefredakteur der Frankfurter Zeitung, eingeladen wurde, wo er auch auf den Städeldirektor Georg Swarzenski und den Leiter der Städelschule Fritz Wichert traf, der ihm ab 1925 dort einen Lehrauftrag vermittelte.

Vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Maler sich bereits in Berlin mit impressionistischen Gemälden einen Namen gemacht. Nun verlegte er sich in Frankfurt nach dem Einschnitt durch den Krieg auf die Druckgrafik. Die ihm von Ugi Battenberg überlassene Handdruckpresse sollte sich für Beckmanns Wiederaufnahme der künstlerischen Arbeit als unschätzbar erweisen. In Radierungen, Lithografien und Holzschnitten verarbeitete er seine Kriegserlebnisse. „Kaum mehr als etwa ein Dutzend Bilder malte Beckmann während der Kriegszeit im Frankfurter Atelier. Im Gegensatz dazu hatte“, so Gallwitz, „die graphische Produktion Hochkonjunktur“. In der Zeit zwischen 1915 und 1925 entstanden mehr als zwei Drittel des graphischen Gesamtwerks. Vier Mappenwerke, Buchillustrationen, zahlreiche Porträts, Caféhaus-Szenen und Stadtlandschaften druckte er auf der Handpresse.

Kaum ein anderer Künstler hat sich so häufig selbst dargestellt wie Max Beckmann. So auch auf vielen druckgraphischen Blättern während der Frankfurter Zeit. Bei den Selbstinszenierungen schlüpfte der selbstbewusste Beckmann in unterschiedliche Rollen. Da im Karmeliterkloster etliche Selbstporträts zu sehen sind, werden für den Betrachter die Unterschiede in dem Duktus des Strichs und der Techniken deutlich. Egal welche Rolle der Künstler wählte, sein markanter Charakterkopf ist unverkennbar.

Bis zu seiner Heirat im Jahre 1925 mit seiner zweiten Frau Mathilde von Kaulbach, die er Quappi nannte, wohnte und arbeitete Beckmann in der Schweitzer Straße 3 im vierten Stock. Zunächst zog das junge Paar in ein Hotel, danach auf den Sachsenhäuser Berg.

1925 übernahm auch die Malerei wieder die Hauptrolle in seiner Arbeit. Der damalige Leiter des Feuilletons der Frankfurter Zeitung, Benno Reifenberg, dazu: „Ich glaube, die Graphik half dem aus dem Krieg auftauchenden und in die Nachkriegszeit taumelnden Mann sich unmittelbar und mit einer wilden Entschiedenheit zurechtzufinden.“ Das hat er mit der ihm eigenen Entschlossenheit auch geschafft. „Die Druckgraphik der Nachkriegszeit sollte sich bald als der Schrittmacher für die Malerei entpuppen … Mit dem Jahr 1925 begannen die Jahre des Erfolgs und des hart erkämpften zweiten Ruhms“, resümiert Gallwitz.

Das Atelier in der Schweizer Straße führte Beckmann bis zu seiner Vertreibung aus dem Lehramt an der Städelschule durch die Nationalsozialisten 1933 weiter. Mit seiner Frau zog er nach Berlin, später nach Amsterdam ins Exil und schließlich 1947 in die Vereinigten Staaten. Obwohl Max Beckmann wie kein anderer Maler der Moderne mit Frankfurt verbunden war, sollte er nie mehr in die Mainmetropole zurückkehren

Die Idee zu der beeindruckenden Ausstellung geht auf Rechtsanwalt Jürgen Conzelmann zurück. Er ist der heutige Eigentümer der Liegenschaft Schweizer Straße 3, in der Battenberg seinen Studienfreund so gastfreundlich aufnahm. Der Großteil der in der Schau präsentierten Blätter (47) stammt aus der Sammlung Jürgen und Antje Conzelmann. Insgesamt sind 75 hochkarätige Arbeiten Beckmanns zu sehen, davon 28 Leihgaben der Graphischen Sammlung des Städel Museums. In den 1950er Jahren erhielt die Grafische Sammlung des Städel von Ugi und Fridel Battenberg eine umfangreiche Schenkung an Beckmann-Grafiken. Eine Auswahl davon ist im Refektorium des Karmeliterklosters zu sehen. Das Schwarz-Weiß der Druckgraphik Max Beckmanns tritt dort in einen Dialog mit den vorbarocken Wandgemälden von Jörg Ratgeb (um 1480 – 1520). Ergänzt werden Beckmanns Arbeiten durch Archivalien und zeitgenössische Fotos, die Einblick in das Frankfurt geben, wie es der Künstler seinerzeit erlebt hat.

Zur Ausstellung ist eine opulente Katalog-Box erschienen, die einen Aufsatzband zum graphischen Werk Beckmanns, einen Katalogband sowie 30 Bildkarten der eindrucksvollsten gezeigten Werke umfasst.

„Max Beckmann kommt nach Frankfurt. Druckgraphik 1915-1925“, bis 15. November 2015 im Institut für Stadtgeschichte – Refektorium des Karmeliterklosters

Bildnachweis (soweit nicht anders bezeichnet): Institut für Stadtgeschichte

→ Max Beckmanns Faust-Zyklus im Museum Wiesbaden

Petra Johanna Barfs: „Die Blaue Stunde“ im Projektraum KunstVoll Neu-Isenburg

2015, September 24.

Von Esther Erfert
Kunsthistorikerin

Petra Johanna Barfs, Künstlerin aus Frankfurt, wächst in einem politisch aufgeklärten Elternhaus auf. Ihr Großvater, ein sehr engagierter Sozialdemokrat, spielt auch nach seinem Tod, als Barfs geboren wird, eine wichtige Rolle in der Familie. Ihr wird in Erzählungen über ihn ein „indirektes Deutschsein“, wie Barfs es nennt, vermittelt.

Dies und auch ihre frühe Vorliebe für den deutschen Heimatfilm, der in der Nachkriegszeit den Menschen durch die schönen Landschaftsaufnahmen und die scheinbare Emotionalität eine heile Welt suggerieren sollte, wird später in ihrer Kunst zu einer wichtigen Anregung.

Während des Studiums der Interdisziplinären Kunst an der Akademie Minerva in Groningen in den Niederlanden wird Barfs durch ironische Bemerkungen öfter auf ihre Herkunft gestoßen und beginnt sich mit dieser noch bewusster auseinanderzusetzen. Themen wie die eigene deutsche und die gemeinschaftliche Identität, deutsche Geschichte und deutsche Landschaft, Erinnerung und Heimat beschäftigen sie und werden nun zu konkreten Themen in ihrer Kunst. Barfs entwickelt ein Interesse an gesellschaftlichen Systemen, die versuchen eine Welt zu idealisieren und eine Perfektion anstreben, deren Ziel es ist, das Individuum zu lenken und zu reglementieren.

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Petra Johanna Barfs und Esther Erfert am Eröffnungsabend; Foto: FeuilletonFrankfurt

Während der Zeit in Groningen beschäftigt sich Barfs intensiv mit dem Medium Film, denn die Malerei war, wie sie sagt, damals eher „verpönt“. Nach dem Aufenthalt in den Niederlanden absolviert sie ein Aufbaustudium „Elektronische Medien“ bei Professor Bernd Kracke an der HfG Offenbach und ein Gaststudium in der Filmklasse bei Professorin Monika Schwitte an der Städelschule Frankfurt. Parallel dazu arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeitern am Filmmuseum in Frankfurt. Weiterlesen

„Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Helmut Lachenmann an der Oper Frankfurt

2015, September 23.

Durch Hören zu sich kommen – ein „Wahrnehmungsabenteuer“

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus/Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher

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Helmut Lachenmann am Abend der Erstaufführung an der Oper Frankfurt; Foto: Renate Feyerbacher

„Musik mit Bildern“ hat Komponist Helmut Lachenmann sein Werk genannt, das 1997 an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt und am 18. September 2015 seine szenische Erstaufführung an der Oper Frankfurt hatte. Konzertant war das Opus bereits 2002 in der Alten Oper Frankfurt zu hören.

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Michael Mendl (Schauspieler; in der Bildmitte sitzend und auf der Leinwand) sowie im Hintergrund die Zuschauer, das Ensemble und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester; Foto © Monika Rittershaus

„Es war fürchterlich kalt“, so beginnt das Märchen von Hans Christian Andersen (1805-1875), das eines der traurigsten der Weltliteratur ist. Weiterlesen

„Blickachsen 10“ in Bad Homburg und Rhein-Main (9)

2015, September 22.

Peter Rogiers: „Wild Boys & Girls“

Es war bereits beim Aufbau leicht erkennbar: es wird ein Sockelwerk!

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Aber steht der Sockel nicht ein wenig schief? Nein, eine Täuschung, durch die besondere Position der eigentlichen Skulptur auf dem Sockel, wenn man vor der Arbeit steht.

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Wild Boys & Girls, 2013, Aluminiumguss, Betonsockel, 178 x 65 x 84 cm Weiterlesen

Medienpreis der Steuben-Schurz-Gesellschaft an Ulf-Jensen Röller

2015, September 21.

Von Renate Feyerbacher

Zum 18. Mal verlieh die Steuben-Schurz-Gesellschaft (SSG) ihren Medienpreis, in diesem Jahr an einen Mann, der seit 23 Jahren im Fernsehen aktiv ist: Ulf-Jensen Röller, 1964 in Frankfurt am Main geboren, studierte an der Katholischen Universität Eichstätt Journalistik, Politikwissenschaft und Soziologie und kam mit 28 Jahren zum ZDF. Heute leitet er das Auslandsstudio Washington der Fernsehanstalt mit 30 Mitarbeitern, zuständig für die USA und eine Reihe von Ländern Mittel- und Südamerikas.

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Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels, Präsidentin der Steuben-Schurz-Gesellschaft, und Preisträger Ulf-Jensen Röller

Für seine Verdienste um die deutsch-amerikanische Verständigung überreichte ihm Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels, die Präsidentin der Steuben-Schurz-Gesellschaft, am 7. September 2015 in Frankfurt am Main die Preis-Urkunde. Die Laudatio hielt der ZDF-Journalist Reinhard Schlieker. Weiterlesen

56. Biennale Arte Venedig 2015 (2)

2015, September 20.

Zum Empfang schwarzer Trauerflor von Oscar Murillo, muffig riechende Säcke von Ibrahim Mahama:
Die diesjährige 56. Kunstbiennale von Venedig – was ist mit ihr los?

Eröffnet wurde die Esposizione Internazionale d’Arte di Venezia bereits am 9. Mai 2015, die üblichen Preview-Tage waren deshalb vom 6. bis 8. Mai vorgeschaltet – das Ganze fand einen Monat vor den in der Vergangenheit üblichen Zeiten Anfang Juni statt, warum, ist uns nicht recht plausibel geworden, es soll einen Zusammenhang mit der Eröffnung der Expo 2015 am 1. Mai 2015 in Mailand gegeben haben.

Nun, in der deutschen Tagespresse und im deutschen Kunstzeitschriften-Blätterwald fand die zu den weltweit bekanntesten und bedeutendsten Kunstausstellungen zählende Biennale dieses Jahr nur eine erstaunlich geringe Resonanz, und, sofern es eine solche überhaupt gab, war sie eher zurückhaltend, lustlos bis kritisch. Dies gilt auch für den deutschen Pavillon, auf den wir noch zurückkommen werden.

Nun darf man die Dinge nicht mit den beiden vorangegangenen Biennalen vergleichen, die aus deutscher Sicht unter einem besonderen Vorzeichen standen und eine überaus breite Beachtung in den hiesigen Medien fanden: In den Jahren 2011 und 2013 war diese Aufmerksamkeit zweifellos der Tatsache geschuldet, dass Susanne Gaensheimer, die Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst MMK, die Aufgabe der Kommissarin/Kuratorin des deutschen Pavillons bekleidete und dass sie 2011 mit einer Präsentation der Arbeit des kurz zuvor verstorbenen Christoph Schlingensief auf Anhieb (und für viele nicht unerwartet) den Goldenen Löwen gewann. Da hat es der diesjährige Kommissar/Kurator des deutschen Pavillons, Florian Ebner vom Folkwang Museum Essen, um einiges schwerer.

Was uns dieses Jahr besonders nervte: Die sogenannten Preview-Tage – anderenorts der Fachwelt und den Pressevertretern vorbehalten – sind vollends entwertet: Hinz und Kunz vom Enkel bis zum Ur-Opa zeigten ihre Einlassbescheinigungen vor und machten in diesen Tagen die Ausstellungsstätten zu einem völlig überfüllten, italienisch-temperamentvoll familiären Volksfest – Bella-Italia-Trubel ist ja schön, aber welcher Teufel reitet da die Biennale-Organisation?

Und: Der Zentralpalast – Palazzo dell’Esposizione Internazionale – , der „Padiglione Centrale“ der Biennale also, erschien noch unübersichtlicher und labyrinthischer als je zuvor: Er war von oben bis unten und von links bis rechts vollgestopft mit Arbeiten bis zum „Es-geht-nicht-mehr“ – da half auch der in den Presseunterlagen gereichte Lageplan in Mikroschrift nicht – eine Lupe zusätzlich zur Lesebrille hatte wohl kaum jemand zur Hand.

Düster, ja dunkel empfangen der zentrale Ausstellungspalast in den Giardini und die Arsenale den Besucher:

Der bekannte Schriftzug „la Biennale“ über dem Säulenportal des Palastes ist mit einer Schrift-Skulptur „blues, blood, bruise“ (Depression/Traurigkeit, Blut, Quetschung/Prellung/Verletzung) überbaut, einer Arbeit des US-amerikanischen Künstlers Glenn Ligon (1960 im New Yorker Stadtteil Bronx geboren) „A small Band“ aus dem Jahr 2014. Nicht genug damit: Zwischen und hinter den vier Rundsäulen des Portals hängen 20 schwarze Riesenleinwände wie übermächtige Fahnen schlaff von der Decke herab und konterkarieren subversiv die neoklassizistische Fassade des 1894 errichteten und seitdem mehrfach von renommierten italienischen Architekten umgebauten und erweiterten Gebäudes – ein Werk des 1986 in La Paila geborenen, in London lebenden kolumbianischen Künstlers Oscar Murillo mit dem Titel „signaling devices in now bastard territory“.

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Oscar Murillo, signaling devices in now bastard territory (Ausschnitt), 2015, paintings of oil, oil stick, thread and dirt on canva, Courtesy the Artist and David Zwirner, New York and London; Weiterlesen

Atelier de luthier: Julien Gendre in Le Bono

2015, September 18.

Dans l’origine du mot «luthier» se cache le mot «le lyth». Le luth est connu depuis la plus haute antiquité et il est issu de l’arabe «al ud» («le bois»). On construisait des instruments des bois qui résonnait comme l’épicéa et l’érable. Aujourd’hui on utilise en français le mot luthier dans un terme plus général, donc dans le sens de constructeur d’instruments. Julien Gendre, un jeune luthier innovateur, construit des guitares en utilisant des bois locaux et en ajoutant une nouvelle forme pour l’instrument. Il a developpé entre autre des guitares pour Nguyên Lê , musicien et compositeur de jazz français d’origine vietnamienne.

L’ouverture de l’atelier aura lieu le 19 et le 20 septembre 2015 à Le Bono en Bretagne-Sud.

Petra Kammann

est venue voir le luthier avant l’ouverture de son atelier

In dem französischen Wort „luthier“ steckt das Wort Laute. Schon in der Antike wurden aus den Tonhölzern wie Fichte und Ahorn Saiteninstrumente gebaut. Das Wort „Al lud“ (Laute) bedeutet im Arabischen „Holz“. Heute ist aus dem Lautenmacher im Französischen schlicht der Instrumentenbauer geworden.  Der innovative Luthier Julien Gendre baut Gitarren, bei denen er auf die Tradition heimischer Hölzer zurückgreift. Dem besonderen Klang des Holzes fügt er jedoch eine neue Gestalt hinzu. In Zusammenarbeit mit dem vietnamesischen Weltmusiker Nguyên Lê entwickelte er so ganz eigenwillige Gitarrenformen.

Am Wochenende des 19. und 20. September 2015 eröffnet er sein Atelier in der kleinen Hafenstadt Le Bono in der südlichen Bretagne.

Petra Kammann

besuchte den Instrumentenbauer vor der Eröffnung der Werkstatt

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Atelier de luthier: Julien Gendre beim Aufbau seiner Instrumentenwerkstatt, die am 19 und 20. September in Le Bono eröffnet wird

Noch wird in der Rue Pasteur 36 in Le Bono gehämmert, gezimmert und gestrichen. Der Instrumentenbauer Julien Gendre richtet im Haus der früheren Bar „Le Clam“ und der einstigen „Bar du Marin“ – Le Bono war einmal ein wichtiger Fischerort mit einer renommierten Austernzüchterei – sein neues Domizil sowie seine neue Gitarrenwerkstatt ein. Er ist mit seiner Lebensgefährtin Caroline, seinen beiden Töchtern, mit Hund und Katze aus der Normandie in der Nähe von Cherbourg, wo er seit 2003 eine Gitarrenwerkstatt betrieb, in die Süd-Bretagne gezogen. Hier genießen sie schon jetzt das mildere Klima. Eröffnet wird am 19. und 20. September 2015, wo er zu einem Atelierbesuch einlädt. Weiterlesen

Jean-Christophe Ammann verstorben

2015, September 18.

Am 13. September 2015 verstarb, wie das Museum für Moderne Kunst MMK soeben informiert, Jean-Christophe Ammann im Alter von 76 Jahren in Frankfurt am Main.

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Jean-Christophe Ammann am 12. Januar 2015 im 1822-Forum zur Eröffnung der Ausstellung „Meine Geliebten“ von Annika van Vugt; Foto: FeuilletonFrankfurt

Jean-Christophe Ammann, sein charakteristisches Temperament, die Vehemenz seiner Worte, seine einzigartige Fähigkeit, zeitgenössische Kunst zu vermitteln, die leidenschaftliche Zuwendung, mit der er bis in die letzten Monate seines Lebens hinein junge künstlerische Positionen und Persönlichkeiten begleitete und förderte, werden uns allen, die wir ihn kennen und schätzen gelernt haben, schmerzlich fehlen.

Ammann, 1939 in Berlin geboren und anschliessend in der Schweiz aufgewachsen, studierte Kunstgeschichte, Christliche Archäologie und Deutsche Literatur. Nach Mitarbeit in der Kunsthalle Bern leitete er von 1968 bis 1977 das Kunstmuseum Luzern und anschliessend bis 1988 die Kunsthalle Basel. 1991 eröffnete er als dessen erster Direktor das neugegründete Museum für Moderne Kunst MMK in Frankfurt am Main, das er bis 2001 leitete.

1995 war Ammann Kommissar des deutschen Pavillons auf der Kunst-Biennale Venedig – ungewöhnlicher Weise ohne die turnusgemässe Wiederberufung auch für die nachfolgende Biennale (1997) – , seit 1998 Professor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

 

Reinhold Ewald: ein Künstler – zwei Ausstellungsorte

2015, September 17.

Museum Giersch und das Historische Museum Hanau präsentieren Ewalds expressives, experimentelles und eigenwilliges Œuvre

Von Hans-Bernd Heier

Am 30. März 2015 jährte sich der Geburtstag von Reinhold Ewald zum 125. Mal. Aus diesem Anlass widmen das Museum Giersch der Goethe-Universität und das Historische Museum Hanau im Schloss Philippsruhe dem ausdrucksstarken Maler der Moderne eine Doppelausstellung. Während das Museum Giersch in Frankfurt am Main Ewalds Verbindungen zur Mainmetropole beleuchtet, thematisiert das Historische Museum Hanau Ewalds Künstlerleben in seiner Heimatstadt. Beide Ausstellungen ergänzen sich zu einer großangelegten Retrospektive und würdigen das qualitätsvolle Gesamtwerk des vielseitigen Künstlers, dessen außerordentlichen Rang es wieder zu entdecken gilt. Die beiden Präsentationen mit dem Titel „Expressiv. Experimentell. Eigenwillig. Reinhold Ewald 1890-1974“ sind bis zum 24. Januar 2016 in Frankfurt und Hanau zu sehen.

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„Zwei stehende Mädchen“, um 1925, Öl auf Holz, 160 x 120,8 cm; Privatbesitz; Foto: Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Es ist das erste Kooperationsprojekt der beiden Ausstellungshäuser Weiterlesen