home

FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

“Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (5)

Caroline Coolen zeigt die Gelbe Flagge

Wir sahen das grosse gelbe Etwas schon vor der Eröffnung der „Blickachsen“ auf dem Tieflager am Kurpark vorbeifahren, bevor es im Bad Homburger Oberen Schlosspark für die Zeit der Skulpturenschau seinen Platz fand. Wer sich dem Schloss von der Dorotheenstrasse her nähert, gewahrt es alsbald, und wer vom Unteren in den Oberen Park, vorbei an Goethes Ruh‘, aufsteigt, ebenso. Das Etwas gewinnt beim Herannahen Gestalt: es ist eine grossdimensionierte gelbe Fahne.

Eine figurative Skulptur also. Der Betrachter wird das Raster seiner Erinnerungen und Assoziationen abtasten. Mit dem Motor-Rennsport wird die Künstlerin wohl nichts am Hut gehabt haben: zwar befindet sich nahe dem belgischen Kurort Spa der bekannte Formel-1-Kurs, an dem man oft genug die „Gelbe Flagge“ gesehen haben wird – sie gebietet „Achtung, Gefahr voraus auf der Strecke, Bremsbereitschaft und Überholverbot!“. Und bei einer Tour d’Horizon durch das Œuvre der 1975 in Bree (Belgien) geborenen Zeichnerin und Bildhauerin trifft man des öfteren die Farbe Gelb an.

Caroline Coolen spielt mit den bildhauerischen Materialien, mit der Statik verbundener Objekte, mit dem Verhältnis verschiedener Objekte zueinander und wiederum zu den örtlichen Gegebenheiten – nicht ohne Witz und Ironie.

L1270272-600

Caroline Coolen, Flag, 2010, Kunstharz, Birke, 450 x 300 x 600 cm

L1270275-600

Vorzugsweise positioniert sie ihre „Flag“ irritierend an Orten, von denen man dies am wenigsten erwarten könnte wie beispielsweise auf einem Waldweg oder – wie derzeit im Schlossgarten – auf einem Parkweg. Platz zum Vorübergehen verbleibt zwar, aber der Passant wird gleichwohl aufgehalten, sei es in seinem schlendernden Spaziergang, sei es in seinem Bestreben, ein angestrebtes Ziel zu erreichen. Und vielleicht ist da doch so etwas wie ein Signal, ähnlich der Gelben Flagge an der Rennstrecke, das ein den Schritt Verlangsamen, ja gar ein Innehalten des Vorüberschreitenden erheischen will.

Wer stehenbleibt, gewahrt dazu etwas ungewöhnlich Unproportioniertes: Kein Fahnenmast hält das wehende Tuch, sondern die meterlange Fahne „hängt“ an einem vergleichweise lächerlich dünnen Birkenstämmchen. Genauer gesagt hält, ja stützt umgekehrt die Fahne ihren fragilen „Mast“, der an seinem Ende kraftlos auf dem Boden liegt. Caroline Coolen dreht die gewohnten Sehweisen und Erfahrungen um, sie stellt die Welt von den Füssen auf den Kopf.

Ein weiteres Werk der Künstlerin – es trägt ihre Gesichtszüge – steht im Bad Homburger Kurpark: ein „Selbstporträt als Landschaft“. An ihm wird wohl niemand einfach vorübergehen können, schlägt es doch den Betrachter in den Bann und gibt ihm, gleich der thebanischen Sphinx dem Wanderer, Rätsel auf. Damals war das lebensgefährlich: Löste der Reisende das Rätsel nicht, erwürgte und verschlang ihn das übermächtige Fabelwesen. Und heute?

L1250487-450

Self-portrait as a landscape, 2006, Bronzeguss, Ex. 2/2, 220 x 150 x 150 cm

Abbildungen: Courtesy Stiftung Blickachsen gGmbH, Bad Homburg; Fotos: FeuilletonFrankfurt

→ “Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (6)

→ “Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (1)

Comments are closed.