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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für August, 2015

Harmonie und Hässlichkeit: Installationen bei der Ruhrtriennale 2015

2015, August 31.

Von Dietmar Zimmermann

Wahrhaft internationale Strahlkraft hat von den zahlreichen Festivals in Nordrhein-Westfalen wohl nur eines: die Ruhrtriennale. Ihre Einzigartigkeit verdankt sie ihren Spielstätten. Tief im Westen, wo die Sonne längst nicht mehr verstaubt, hatten Kohle- und Schwerindustrie einen unvergleichlichen Niedergang zu verkraften, aber die Ruinen alter Zechen und Stahlwerke sowie die gigantischen Produktionshallen wurden zu Kulturzentren mit einzigartigem Ambiente umfunktioniert. Jahrelang war die Bochumer Jahrhunderthalle, eine monumentale Stahlkonstruktion, die einst als Kraftzentrale die Hochöfen des Bochumer Vereins mit Energie versorgte und die sich nach mehrfacher Erweiterung über eine Fläche von fast 9.000 qm erstreckt, das Epizentrum der Ruhrtriennale. Während der Intendanz von Heiner Goebbels (2012 – 2014) verlagerte sich der Schwerpunkt der Aufführungen mehr und mehr in den Landschaftspark Nord in Duisburg. Dort entwickelt sich rund um die Reste eines stillgelegten Hüttenwerks eine artenreiche Flora und Fauna, während die stummen Zeugen einer schwerindustriellen Vergangenheit zu lebendigen Veranstaltungsräumen erwachen. Johan Simons, der die aktuelle Triennale von 2015 – 2017 verantwortet, hat weitere Spielstätten identifiziert, darunter die raue, unbearbeitete, riesige Kohlenmischhalle der Zeche Lohberg in Dinslaken.

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Kohlenmischanlage Zeche Lohberg Dinslaken; Foto © Julian Röder

Von Beginn an war die Ruhrtriennale vor allem ein Theater- und Musikfestival, das sich immer wieder auch experimentellen Formen der Darstellenden Künste öffnete. Sieht man von einer Installation des baskischen Bildhauers Agustín Ibarrola auf der Halde Haniel in Bottrop im Gründungsjahr 2002 ab, war es erst Heiner Goebbels, der das Festival durch Kooperationen mit dem Folkwang-Museum Essen sowie urbane Interventionen in unmittelbarer Nähe der Spielstätten in Duisburg, Essen und Bochum um die Bildende Kunst erweiterte. Weiterlesen

60 Jahre Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus

2015, August 28.

„Eine Bereicherung für die Kultur unserer Stadt“
Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main

Zur Jubiläumsfeier am vergangenen Sonntag gab sich Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann höchst persönlich die Ehre: Er würdigte die Arbeit des Frankfurter Künstlerclubs als einer „wichtigen Frankfurter Kulturinstitution“. „Das Besondere am Frankfurter Künstlerclub ist seine vielfältige Mitgliedschaft. Ob Musiker, Maler, Schauspieler, Bildhauer, Schmuckmacher, Graphiker oder Schriftsteller, alle finden im Künstlerclub ihren Platz, tauschen sich aus und lernen voneinander“, sagte er. Und weiter: „Die monatlich wechselnden Ausstellungen, sonntäglichen Musikveranstaltungen und Lesungen und die freitäglichen Jazzkonzerte sind aus unserem kulturellen Leben nicht mehr wegzudenken“.

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(v.l.) Guenther Uttecht, Erster Vorsitzender des Frankfurter Künstlerclubs, Oberbürgermeister Peter Feldmann, Ernst-Dietrich Haberland, langjähriger ehemaliger Erster Vorsitzender; in der Mitte Marty Fuchs, Referentin für Literatur, und die Malerin Monika Gimbel; Foto © Sylvia Bugla

Die Historie des Frankfurter Künstlerclubs und sein vielfältiges wie inhaltlich reichhaltiges Programm haben wir bereits bei früheren Gelegenheiten in rund 20 Beiträgen dargestellt, ebenso die Auftritte einer Reihe von Künstlerinnen und Künstlern, so dass an dieser Stelle darauf verwiesen werden darf.

Über die Jahrzehnte hinweg erhalten blieb der ureigene Genius loci inmitten der Bockenheimer Wallanlage: Weiterlesen

Trevor Paglen: „The Octopus“ im Frankfurter Kunstverein

2015, August 26.

Wer zum bevorstehenden Frankfurter Museumsuferfest unterwegs sein will – und das werden nicht wenige sein -, sollte keinesfalls die Doppelausstellung im Frankfurter Kunstverein versäumen, die am kommenden Sonntag, 30. August 2015, auslaufen wird.

Thomas Feuersteins opulentes Werk PSYCHOPROSA“ haben wir bereits vorgestellt. Heute werfen wir einen Blick auf die Parallelaustellung mit dem Werk „The Octopus“ des US-amerikanischen Künstlers Trevor Paglen.

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Trevor Paglen, Bildnachweis: Frankfurter Kunstverein

„Trevor Paglen macht sichtbar, was nach Willen der NSA unsichtbar bleiben soll. Der Frankfurter Kunstverein zeigt sein jüngstes Werk … Die Paglen-Retrospektive … liefert ein sehr gutes Argument dafür, warum eine Stadt neben den grossen Museumstankern einen Kunstverein braucht.“ Julia Voss, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Juni 2015

Trevor Paglens Bilder zeigen dokumentarisch geheime Orte der Macht, die nach den Interessen der die Macht Ausübenden verborgen bleiben sollten. Seine Kunst ist eine hoch politische, kann jedoch zugleich in einem gewissen, wohl eher zufällig sich ergebenden Kontext zu zwei anderen derzeit in Frankfurt gezeigten Ausstellungen gesehen werden, bei denen es ebenfalls um ein Verstecken, ein Verbergen, um ein Tarnen und „Unsichtbarmachen“ (wie es dem Tintenfisch, einer Oberart des Octopus, gelingt) geht: „Vom Verbergen“ – so bereits der Titel – im Museum Angewandte Kunst und – in einem weiteren Sinne – auch die Präsentation „Tuchfühlung – Kostas Murkudis und die Sammlung des MMK“ im MMK 2, bei der es unter anderem um ein lustbetontes textiles Verbergen des – weiblichen – Körpers geht. FeuilletonFrankfurt wird auf die Ausstellungen zurückkommen. Weiterlesen

Hilmar Hoffmann zum 90. Geburtstag

2015, August 25.

Umtriebig, ideenreich, tatkräftig auch heute noch

Von Renate Feyerbacher

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Heute, am Dienstag, 25. August 2015, feiert der Filmhistoriker, Museums- und Theatergründer, Schriftsteller, Hochschullehrer, Stadtentwickler Hilmar Hoffmann in Frankfurt am Main seinen 90. Geburtstag. Zwanzig Jahre lang, von 1970 bis 1990, war er Kulturdezernent in Frankfurt. Er hatte die Idee für das Museumsufer, begründete das Kommunale Kino und schuf den Begriff „Kultur für alle“.

Wenige Tage zuvor waren an seinem Lieblingsort, dem Deutschen Filminstitut/Filmmuseum, Freunde zusammengekommen, unter ihnen Ferry Ahrlé, Claudia Dillmann, Barbara Klemm, Tom Königs, Petra Roth, Felix Semmelroth und Wilhelm Zimmermann, um ihn zu ehren. Der Anlass war das von Claus-Jürgen Göpfert, langjähriger Autor und Journalist der Frankfurter Rundschau, geschriebene Buch über den Kulturpolitiker, den er 35 Jahre journalistisch begleitet hatte. Weiterlesen

“Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (6)

2015, August 22.

Franz West: „Sphairos“ – David Nash: „Black Butt“

Zwei Kugeln – zwei Globen, Weltkugeln, Raumkörper?

Seit jeher spielen die Kugel beziehungsweise die Kugelform, in welcher Gestalt auch immer, in der bildenden Kunst und namentlich in der Bildhauerei eine grosse Rolle. Bereits in der Antike ersetzten gebildete Naturwissenschaftler und Philosophen (Pythagoras, Platon, Aristoteles etc.) die archaische Vorstellung von der Erde als Scheibe auf einem Ur-Ozean durch das Kugelbild, und gleiches galt auch für die Gestirne. Stets faszinierte die Kugel – sie kennt kein oben oder unten, kein links oder rechts – mit ihrer endlichen, aber unbegrenzten Oberfläche die Menschen und forderte zu künstlerischer Gestaltung heraus.

Nehmen wir den „Black Butt“ des 1945 in Esher/Surrey geborenen Bildhauers David Nash: verbeult und zerklüftet, irgendwie rund und einer Kugel ähnlich ist das Werk. Eindrucksvoll und mit über zwei Meter Durchmesser Aufmerksamkeit einfordernd steht/liegt es auf einer weiten Wiesenfläche im Kurpark, der Blick schweift bis hinunter zum Schwanenteich mit seiner Fontaine, und je weiter sich der Betrachter von ihm entfernt, desto rundgefügter erscheint es ihm.

Ganz anders die kugelförmige Arbeit des berühmten Allround-Künstlers Franz West (1947 – 2012) im Oberen Schlossgarten von Bad Homburg. Der Korpus – dessen Durchmesser beträgt eineinhalb Meter – aus ungleich zugeschnittenen Aluminiumplatten wirkt deformiert und „verbeult“, nähert sich jedoch stärker der idealen Kugelform an, als dies bei David Nash der Fall ist. Den Titel „Sphairos“ entlehnt Franz West der griechischen Mythologie respektive der Elementen- und Epochenlehre des Empedokles: Die einheitlich vermischten Elemente bilden eine göttliche Kugel als vollkommenen Körper, den „Kugelgott“ Sphaíros, aus dem der Philosoph wiederum die Entstehung der Weltkugel, also der Erde, ableitet.

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Franz West, Sphairos, 1998, Aluminium, bemalt, 150 x 150 x 150 cm, Sammlung Middelheimmuseum, Antwerpen

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Die Aluminiumbleche hat Franz West in einem Ton zwischen Gold, Kupfer und Orange bemalt. Ein zusätzliches Braun verläuft sich vom oberen Kugelpol ausgehend zum Gegenpol und damit zur Basis der Skulptur.

Zwei sehr unterschiedliche Werke also, die sich in verschiedener Weise mit dem Wesen des Kugelkörpers auseinandersetzen und entsprechend, kongenial kuratiert, an zwei sehr unterschiedlichen Ausstellungsorten präsentiert werden: Bei David Nash spüren wir im zu Bronze umgesetzten verkohlten Holz das Vegetative, Irdisch-Vergängliche, im Werk von Franz West das Sphärische, Feierlich-Zeremonielle, Religiös-Transzendente.

Abbildungen: Courtesy Stiftung Blickachsen gGmbH, Bad Homburg; Fotos: FeuilletonFrankfurt

→ „Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (8)
→ “Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (1)

Struwwelpeter zieht in den Krieg – Ausstellung im Frankfurter Struwwelpeter Museum

2015, August 20.

Von Winfred Kaminski

Im seit 1977 im Frankfurter Westend beheimateten Struwwelpeter-Museum lädt eine lohnenswerte Sonderausstellung zum Thema „Kriegserziehung im Bilderbuch“ ein.

Seit seiner Gründung hat sich das Museum in ausgezeichneter Weise um das illustratorische und schriftstellerische Werk des Arztes, Psychiaters, Schriftstellers und Kinderbuchautors Heinrich Hoffmann (1809 – 1894) verdient gemacht. Momentan zeigt das Haus unter der Überschrift „Struwwelpeter wird Soldat“, wie das Bilderbuch in Dienst genommen wurde. Die Leiterin des Museums, Beate Zekorn-von Bebenburg, hat es mit dieser Ausstellung erneut vermocht, eine weitere Facette der langanhaltenden Wirkungsgeschichte des Kinderklassikers herauszuarbeiten.

Die Ausstellung bezieht sich selbstverständlich auf Hoffmanns Bilderbuch, aber es wird eingebunden in den umfassenderen Kontext von Karikaturen und Bilderbüchern zum Ersten Weltkrieg. Dabei beeindruckt immer wieder zu sehen, dass Heinrich Hoffmanns 1844 mit seinem Struwwelpeter zum einen eine Ikone geschaffen hat und zum anderen, wie ambivalent diese geraten ist. Wer bisher meinte, diese Phantasiegestalt repräsentiere allein das Aufmüpfige, Widerspenstige und sei eben eine Antifigur zur brav-biedermeierlichen Lebens- und Kindheitsidee, der wird durch die Ausstellung eines besseren belehrt.

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„Der Kriegs-Struwwelpeter“, © Sammlung Struwwelpeter-Museum Weiterlesen

TTIP und kollaterale Kultur

2015, August 18.

Einige Anmerkungen von Gunnar Schanno

Das von der deutschen Regierung für alternativlos erklärte Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA ist in öffentlich ansteigender Diskussion. Ihr Niederschlag in Medien und Netzwerken ist unübersehbar, geradezu gigantisch geworden. Seit 2011 bei einem EU-USA-Gipfel als Verhandlungs-Abkommen ins Leben gerufen, hat sich Idee und Realisierung institutionalisiert. Mit zwanzig „High-level-working groups on jobs and growth“ soll sich das seit 2013 in Verhandlung stehende Freihandelsabkommen nach acht Verhandlungsrunden finalisieren. Ihre Verhandlungsbühnen haben sie meist in Washington und Brüssel.

Als Vorbild steht die Europäische Union und als „Vision“ die größte Freihandelszone der Welt, die ein Gegengewicht gegen den pazifisch-chinesischen Wirtschaftsraum bilden soll. Darin liegt die globale Dimension von TTIP. Als nicht zu beweisendes Versprechen steht das Generieren Tausender neuer Jobs vor allem in Deutschland. Doch TTIP ist als „Transatlantic Trade & Investment Partnership“ (Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft) ein Handels- und kein völkergemeinschaftliches Abkommen. Deshalb stehen ihre Hauptziele als klare Vorgaben, wie sie Deutschlands verhandlungsverantwortliche Instanz, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi.de/go/ttip), deutlich nennt: Abbau von Bürokratie und Zollschranken, Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse, Erzielen von Kostenvorteilen durch Synergie, Angleichung von Standards und Industrienormen, Erleichterung des Marktzugangs für Investoren in den USA.

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Treffen der Regierungschefs der USA und einiger europäischer Staaten zu TTIP einen Monat vor Beginn der Verhandlungen am Rande des G8-Gipfels in Enniskillen, Nordirland, im Juni 2013; Foto: Peter J. Souza, Bildnachweis: White House/wikimedia commons

Die ansteigende Diskussion hat die „Kultur“ erreicht. Handel ist nicht Kultur. Wirtschaft reklamiert für sich, nicht für Ethik zuständig zu sein. Für die Ökonomie ist Kultur ein Phänomen, das im Sog wirtschaftsliberaler Dynamik eher kollateral mitgerissen wird – im föderalen Deutschland meist nicht zum Nachteil der Kultur. Auch unter TTIP-Regeln ginge es jedenfalls „nicht um Abbau von sozialen oder kulturellen Standards“, so das BMWi. Das Abkommen werde „das deutsche Bildungssystem nicht ändern“. Vielmehr: TTIP wolle zur Nachhaltigkeit beitragen und zwar „im Einklang mit dem Besitzstand der EU und ihrer Mitgliedstaaten“. Kultur stehe auch unter dem Anspruch öffentlicher Daseinsvorsorge. Das „Niveau der Rechtsvorschriften, Normen in Umwelt- Arbeitsrecht und Gesundheitsschutz“ und die „Förderung kultureller Vielfalt müssen gewahrt werden“. Eine Art Versprechen! Doch eine Garantie liegt in dieser Formulierung nicht. Weiterlesen

“Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (5)

2015, August 15.

Caroline Coolen zeigt die Gelbe Flagge

Wir sahen das grosse gelbe Etwas schon vor der Eröffnung der „Blickachsen“ auf dem Tieflager am Kurpark vorbeifahren, bevor es im Bad Homburger Oberen Schlosspark für die Zeit der Skulpturenschau seinen Platz fand. Wer sich dem Schloss von der Dorotheenstrasse her nähert, gewahrt es alsbald, und wer vom Unteren in den Oberen Park, vorbei an Goethes Ruh‘, aufsteigt, ebenso. Das Etwas gewinnt beim Herannahen Gestalt: es ist eine grossdimensionierte gelbe Fahne.

Eine figurative Skulptur also. Der Betrachter wird das Raster seiner Erinnerungen und Assoziationen abtasten. Mit dem Motor-Rennsport wird die Künstlerin wohl nichts am Hut gehabt haben: zwar befindet sich nahe dem belgischen Kurort Spa der bekannte Formel-1-Kurs, an dem man oft genug die „Gelbe Flagge“ gesehen haben wird – sie gebietet „Achtung, Gefahr voraus auf der Strecke, Bremsbereitschaft und Überholverbot!“. Und bei einer Tour d’Horizon durch das Œuvre der 1975 in Bree (Belgien) geborenen Zeichnerin und Bildhauerin trifft man des öfteren die Farbe Gelb an.

Caroline Coolen spielt mit den bildhauerischen Materialien, mit der Statik verbundener Objekte, mit dem Verhältnis verschiedener Objekte zueinander und wiederum zu den örtlichen Gegebenheiten – nicht ohne Witz und Ironie.

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Caroline Coolen, Flag, 2010, Kunstharz, Birke, 450 x 300 x 600 cm Weiterlesen

Die Prignitz – eine Wunder-Welt

2015, August 13.

Ideal für Familien-Radtouren zwischen Elbe, Havel und Müritz

Von Elke Backert

Sie kennen die Prignitz? Nein, für Sie ein weißer Fleck auf der Landkarte? Wer will denn da schon hin, wenn das aus dem Slawischen stammende Wort „Prignitz“, erstmals 1349 in einer Urkunde erwähnt, „unwegbares Waldgebiet“ bedeutet und die Einwohnerzahl stetig schrumpft.

O doch, als Tourist gern, denn aus dem „Unwegsamen“ wurde „Wegsames“, ohne die Natur anzutasten und die Ruhe zu stören. Über 300 Kilometer Radwege zwischen den Flüssen Elbe, Elde, Dosse und Havel sind beschildert und leicht auch mit Kindern befahrbar. „Wir haben keine Berge, die höchsten Erhebungen sind die Autobahnbrücken.“

Die Prignitz Landidyll an der Havel

Die Prignitz: Landidyll an der Havel

Es war einmal, von 1383 bis 1552, da zog das Wunder der drei von einem Brand verschonten, jedoch mit Blut befleckten Hostien Tausende von Pilgern an Weiterlesen

18. Skulpturenausstellung 2015 in Mörfelden-Walldorf (2)

2015, August 12.

Emilia Neumann: Der Protist

Wer sich mit den Skulpturen von Emilia Neumann beschäftigt, lernt allerlei Wesenheiten kennen, denen er bislang noch nicht begegnet ist. Im Frankfurter Kunstverein, im Rahmen der Neuauflage der “New Frankfurt Internationals” unter dem Motto “Solid Signs”, war es in diesem Frühjahr das „Qualja“, welches in zweierlei Gestalt auftrat und ganz offensichtlich viel Aufmerksamkeit wie Empathie der Betrachter fand. Die Bildhauerin schuf weiterhin bereits ein „Antrum“, allerlei „Crinkles“ oder sogar ein „Ridozorm“. Googeln wir doch einfach mal, was das ist, so ein Ridozorm: 17 Ergebnisse finden wir, alle verweisen auf Emilia Neumann. Aha, so klärt sich das …

Nun, im diesjährigen Skulpturenpark Mörfelden-Walldorf sehen wir unter freiem Himmel den Protist – wie seinerzeit das Qualja im Kunstverein sogleich zu zweit auftretend. Den Protist gibt es – dem Lexikon sei Dank – tatsächlich, nur unterscheidet er sich beträchtlich von Emilia Neumanns Geschöpfen: Man kann ihn nicht mit blossem Auge sehen. Obwohl bereits im 17. Jahrhundert entdeckt, ist er immer noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen – nicht Tier, nicht Pflanze, nicht Pilz – oder als ein „Urwesen“ doch ihnen jeweils auf gewisse Weise als „Urahn“ zuzurechnen? Man versteht heute unter Protisten wohl „alle ein- bis wenigzelligen Eukaryoten“. Und was bitte sind Eukaryoten? Alle Lebewesen, deren Zellen einen Zellkern besitzen. Nun gut. Das alles hilft uns Kunstinteressierten jedoch nicht wirklich weiter.

Weiter hilft allein, nach Mörfelden-Walldorf, in den Bürgerpark, zu kommen und den Protist I sowie seinen Bruder oder sonstigen Anverwandten, den Protist II von Emilia Neumann ganz persönlich und unmittelbar kennenzulernen.

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Protist I und Protist II, 2015, Stahlbeton, Pigmente, jeweils etwa 130 x 80 x 70 cm Weiterlesen