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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Juni, 2015

Lichtdesign-Preis für den Frankfurter Lichtdesigner Christian Uitz, RAUMLABOR

2015, Juni 12.

Der schöne Schein im urbanen Raum

Vor fünf Jahren wurde der Deutsche Lichtdesign-Preis ins Leben gerufen, um der professionellen Lichtplanung öffentliche Wertschätzung zu verleihen. Eine unabhängige Fachjury zeichnete unlängst bei der Verleihung des Lichtdesign-Preises 2015 in Frankfurt am Main insgesamt zehn Planungsbüros aus für die gelungene Interaktion von Licht und Architektur sowie für den Einfluss des Lichtdesigns auf die Identitätsbildung von Gebäuden. Ein Treffen mit dem Preisträger Christian Uitz, der für die Beleuchtung des Frankfurter Hauptbahnhofs ausgezeichnet wurde:

Von Petra Kammann

Eigentlich hatte Christian Uitz Innenarchitektur in Darmstadt studiert. Als es dann in die Examensphase ging, war seine Dozentin so begeistert von der Lichtplanung, die der technisch begabte Student Uitz für sein Diplomthema „Naxoshallen in Frankfurt ESA-Museum für Raumfahrt“ ausgetüftelt hatte, dass sie ihm riet: „Überleg dir doch, ob du nicht Lichtplaner werden willst“. Dieser Hinweis gab seinem Wunsch, vor allem Atmosphäre in Innenräumen zu schaffen und eigene Möbel und Lampen zu entwerfen, eine neue, folgenreiche Richtung. So gelangte der frisch diplomierte Ingenieur in ein Limburger Lichtplanerbüro und musste sich gleich mit der aufwändigen Beleuchtung des Münchner Kaufhauses Oberpollinger beschäftigen: eine ihn prägende positive Erfahrung.

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Der Lichtdesigner Christian Uitz setzt sich in seinem Atelier mit der Zusammensetzung und Qualität des Lichts auseinander, bevor er eine Beleuchtungskonzeption entwickelt Weiterlesen

Thomas Feuerstein: „Psychoprosa“ im Frankfurter Kunstverein

2015, Juni 10.

„Psychoprosa“: Von „Psilamin“ aus Dopamin und Psilocin und von Schleim als bildhauerischem Material

Von Erhard Metz

Ob der 1829 gegründete Frankfurter Kunstverein – er zählt nicht nur zu den ältesten, sondern inzwischen auch zu den grössten und international renommiertesten Kunstvereinen Deutschlands – jemals ein solches Spektakel in seinen Räumlichkeiten beherbergt hat, wie es sich derzeit im historischen, 1464 begründeten Steinernen Haus samt seinem heute unter Denkmalschutz stehenden Anbau aus den 1960er Jahren ereignet, wissen wir nicht, halten es aber kaum für möglich. Über die drei Ausstellungsebenen hinweg hat der österreichische Künster Thomas Feuerstein eine skulpturale Installation in Gestalt eines riesigen Laboratoriums errichtet, in welchem er aus Algen und Pilzen Dopamin und Psilocin gewinnt, mit denen er das von ihm synthetisierte und als „molekulare Skulptur“ deklarierte „Psilamin“ erzeugt. Und es kommt noch toller: Aus all den biochemischen Prozessen entsteht als Neben-, – wenn nicht gar als Hauptprodukt – Schleim!

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Thomas Feuerstein im Pressegespräch

Nun, Thomas Feuerstein, 1968 in Innsbruck geboren, ist wie gesagt Künstler, studierte in seiner Geburtssstadt Kunstgeschichte und Philosophie, promovierte, übernahm Lehraufträge und Gastprofessuren an verschiedenen Einrichtungen in Österreich und der Schweiz und an der Universität für angewandte Kunst in Wien, wo er heute lebt und arbeitet. Wenn er jetzt also „Psilamin“ erzeugt, so geschieht dies – wie er schmunzelnd einräumt – in „enger Zusammenarbeit“ mit zwei Biochemikern: Thomas Seppi von der Medizinischen Universität Innsbruck und dem Chemiker Ingo Wartusch.

Von einem Spektakel sprachen wir – und erinnern uns heute noch lebhaft an die riesige „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ von Joseph Beuys zur documenta 6 im Jahr 1977 im Fridericianum Kassel (unserer Heimatstadt, in der wir zur Liebe zur Kunst sozialisiert wurden), oder etwa auch an Paola Pivis „Cocktail Party“ im Frankfurter Portikus, bei der gewaltig dröhnende Maschinerien unter anderem Rotwein, Olivenöl und Milch in einen überdimensionalen wie nachdenklich stimmenden Kreislauf brachten Weiterlesen

Pianist Xi Zhai im Hauskonzert von Viviane Goergen

2015, Juni 9.

Ein feinsinniger Virtuose

Von Renate Feyerbacher

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Viviane Goergen und Xi Zhai

Die Hauskonzerte der Luxemburgerin Viviane Goergen in Frankfurt am Main sind ein Geheimtip. Die einst in vielen internationalen Konzertsälen spielende Pianistin, die vor einer Königin (Niederlande), vor einem Kaiser (Japan), vor einem Großherzog (Luxemburg), vor einem Hohenzollernprinzen und vor manchen Politikern konzertierte und ausserdem mentale Trainerin ist, engagiert sich in der Förderung junger, ausgezeichneter Klaviertalente. Wie immer lud sie im Mai prominente Gäste, unter ihnen Professor Joachim Volkmann von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt oder den luxemburgischen Pianisten Jean Muller, zum Konzert mit dem chinesischen Künstler Xi Zhai ein Weiterlesen

Uralte Steine, Wälder und Meer: Legenden und Magie in der Bretagne

2015, Juni 7.

Von Petra Kammann

Hohe Himmel und enge Gassen – weites Land und paradiesische Sandstrände, aber auch bedrohliche Klippen, wie an der „Wilden Küste“ der Halbinsel Quiberon, am Cap Fréhel oder an der Pointe du Raz: In der Bretagne wechseln je nach Region mehr oder weniger hohe Steilküsten mit herrlichen Sandstränden, fjordartigen Flussmündungen (bretonisch: abers) und Feucht- und Brackwasserzonen ab. Für die Franzosen ist die Bretagne mit ihren scheinbaren Widersprüchen von jeher eine exotische Provinz mit ebenso dickköpfigen wie herzlichen Bewohnern, den Bretonen. Als Land der Legenden, der Poesie und der Traditionen verfügt die Bretagne (auf bretonisch: Breizh) in ihren fünf Départements (Ille et Vilaine, Côtes d’Armor, Finistère, Morbihan, Loire Atlantique) über eine Vielzahl an Landschaften von außergewöhnlicher Schönheit, deren rauem Charme man sich einfach nicht entziehen kann.

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Herrliche Sandstrände neben den wilden Küsten

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Ausstellungswechsel im Frankfurter MMK 2

2015, Juni 6.

Auf „Boom She Boom“ im MMK 2 folgt im Juli 2015 „Tuchfühlung. Kostas Murkudis und die Sammlung des MMK“

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Von Erhard Metz

Sie ist zu einer festen Grösse in der Frankfurter Museumslandschaft geworden – die am 19. Oktober 2014 eröffnete Dependance des Museums für Moderne Kunst mit dem Namen „MMK 2“ im Frankfurter TaunusTurm. „Boom She Boom“ lautet der Titel dieser jetzt am 14. Juni 2015 endenden ersten Sammlungspräsentation am neuen Zweit-Standort. Sie stand unter einem ganz besonderen Vorzeichen: Gemäss der Sentenz von Jean-Christophe Ammann „Das 21. Jahrhundert gehört den Künstlerinnen“ und dem kaum abzustreitendem Befund „die Kunst ist weiblich – es heisst ja schliesslich nicht der Kunst“ – wurden ausschliesslich Werke von 28 Küstlerinnen aus dem Bestand des Museums gezeigt. Ein Ausstellungsformat, das so schnell nicht wiederkehren wird – für diejenigen, die die Schau noch nicht gesehen haben sollten, wird es jetzt also allerhöchste Zeit. Zu sehen sind in dieser einmaligen Zusammenstellung Arbeiten von Jo Baer, Vanessa Beecroft, Shannon Bool,  Andrea Büttner, Vija Celmins, Hanne Darboven, Rineke Dijkstra, Marlene Dumas, Parastou Forouhar, Katharina Fritsch, Isa Genzken, Tamara Grcic, Bethan Huws,  Anne Imhof, Barbara Klemm, Eva Kotátková, Franziska Kneidl, Teresa Margolles, Sarah Morris, Cady Noland, Anja Niedringhaus, Christa Näher, Charlotte Posenenske, Jewyo Rhii, Taryn Simon, Sturtevant, Rosemarie Trockel und Adrian Williams. Weiterlesen

„An unserem Fluss“ von Lior Navok an der Oper Frankfurt

2015, Juni 5.

Ein Konflikt, der überall stattfindet, nicht nur in Palästina und Israel

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus/Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher

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Michael Porter (Sipho) und Kateryna Kasper (Lucia); Foto © Monika Rittershaus

Lior Navok, 1971 in Tel Aviv geboren, ist ein junger israelischer Komponist und Dirigent. Er studierte in Jerusalem und in Boston. Die Oper Frankfurt, die bereits seine Kompositionen „Die kleine Meerjungfrau“ und „Pinocchios Abenteuer“ uraufgeführt hatte, gab ihm den Auftrag zu einem neuen Werk, das zum ersten Mal am 31. Mai 2015 im Bockenheimer Depot aufgeführt wurde. Die Kammeroper „An unserem Fluss“ hat den Untertitel „A Study in Conflict“ Weiterlesen

Karl-Ströher-Preis für Tamara Grcic

2015, Juni 3.

Zum 14. Mal verlieh jetzt die Karl-Ströher-Stiftung in Darmstadt den Karl-Ströher-Preis zur Förderung der Kunst, insbesondere der „zeitgenössischen bildenden Kunst unter Berücksichtigung junger Künstlerinnen und Künstler“, die bereits ein „gefestigtes Werk“ vorzuweisen haben. Wie erinnerlich bildet die Sammlung Ströher den Grundstock des Museums für Moderne Kunst Frankfurt (MMK) und nicht zuletzt den Anlass zu dessen Gründung.

1950 begründete der Darmstädter Unternehmer und Kunstmäzen Karl Ströher (1890-1977, Wella-Konzern) den nach ihm benannten „Ströher-Preis“ für Malerei. Zu den Preisträgern gehörten seinerzeit Künstler wie Ernst Wilhelm Nay, Fritz Winter oder Heinz Trökes. Seit 1986 vergibt die nach seinem Willen eingerichtete Stiftung den „Karl-Ströher-Preis“ in seiner heutigen Form. Die mit mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung teilt sich auf in ein Preisgeld von 10.000 Euro für das bisherige künstlerische Wirken des Preisträgers und einen gleichen Betrag für den Ankauf einer von ihm neu geschaffenen Arbeit. Dem Stiftungs-Kuratorium gehören zur Zeit Ulrike Crespo, Rainald Pohl (der auch die Preisurkunde überreichte) und MMK-Chefin Susanne Gaensheimer an. Preisträger der letzten Jahre waren Tobias Zielony (2011), Cyprien Gaillard (2009), Melvin Moti (2007), Marc Brandenburg (2005), Tobias Rehberger (2003), Michael Kalmbach (1999), Miriam Cahn (1997), Udo Koch (1995), Heiner Blum (1993), Andreas Slominski (1991), Rosemarie Trockel (1989), Christa Näher (1987) und Dieter Krieg (1986).

Preisträgerarbeit ist dieses Jahr die Installation „Numbers“ von 2014, die die Frankfurter Künstlerin Tamara Grcic eigens für die aktuelle Ausstellung „Boom She Boom“ im MMK 2 entwickelte. Sie geht als Dauerleihgabe der Stiftung in den Bestand des MMK über.

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Numbers, 2014, Glaszylinder, Herrenstrümpfe, Holzkonstruktion, 16 Lautsprecher, 2 Verstärker, Sound, Installationsansichten und Details Weiterlesen

“Blickachsen 10″ in Bad Homburg und Rhein-Main (1)

2015, Juni 2.

Nicht nur Venedig hat alle zwei Jahre seine Kunst-Biennale – um die diesjährige scheint es übrigens schon bald nach deren Eröffnung ziemlich ruhig in den Medien geworden zu sein (FeuilletonFrankfurt wird demnächst in einigen Folgen berichten). Denn auch Bad Homburg mitsamt einem Teil des Rhein-Main-Gebiets hat seine Biennale, eine für Skulpturen: die alle zwei Jahre veranstalteten „Blickachsen“, deren zehnte Ausgabe jetzt am vergangenen Sonntag eröffnet wurde. Die grosse Skulpturenschau dauert bis Anfang Oktober 2015 – Zeit genug also, wieder in mehreren Folgen eine Reihe ausgewählter Werke vorzustellen.

Präsentiert werden – an den neun Standorten Bad Homburg, Burg Eppstein, Darmstadt, Eschborn, Frankfurt am Main, Hessenpark, Kastell Saalburg,  Kloster Eberbach und Kronberg – über 90 Arbeiten von über 30 bereits renommierten wie auch noch nicht so sehr bekannten Künstlerinnen und Künstlern. Veranstalter ist wieder die Stiftung Blickachsen mit deren Gründer, Kurator und geschäftsführendem Gesellschafter Christian K. Scheffel, der Magistrat der Stadt Bad Homburg, die dortige Kur- und Kongress-Gesellschaft sowie die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. Partner ist in diesem Jahr das Middelheimmuseum in Antwerpen, ein Freilichtmuseum für moderne und zeitgenössische Kunst.

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↑ Presserundgang: (v.l.) Michael Korwisi, Oberbürgermeister von Bad Homburg, Christian K. Scheffel, Sara Weyns, Direktorin des Middelheimmuseums, und deren Co-Kurator Lieven Segers Weiterlesen

„Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss an der Oper Frankfurt

2015, Juni 1.

Die Marschallin Fürstin Werdenberg im Betreuten Wohnen

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus/Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher

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Amanda Majeski (Feldmarschallin; rechts stehend) und eine Statistin der Oper Frankfurt, Foto © Monika Rittershaus

Den „Rosenkavalier“ – ach, den kennt man doch als Opernfreund! Nein, man kennt ihn nicht genug. Regisseur Claus Guth, der für die Frankfurter Inszenierung von „Pelléas et Mélisande“ den FAUST Theaterpreis 2013 erhielt, zeigt am Premierenabend, dem 24. Mai 2015, eine neue Sicht auf die „Komödie für Musik“ von Hugo von Hofmannsthal (1874-1929). Weiterlesen