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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

“kunstansichten” 2015 in Offenbach (1)

Eine feste Grösse in der Kunst- und Kulturszene Rhein-Main sind sie geworden – die Offenbacher „kunstansichten“, ein „Festival der Kunst“, wie der Veranstalter – es ist der Magistrat der Stadt Offenbach am Main (Amt für Kultur- und Sportmanagement) – selbstbewusst formuliert. Mitte Juni 2015 fanden sie zum 14. Mal in Ausstellungsräumen und Ateliers, Galerien und Museen statt. „Zeitgenössische Kunst in all ihren Schattierungen und Formgebungen spiegelt sehr oft, dass Kunst gesellschaftliche Zusammenhänge und Probleme aufgreift und reflektiert. So entstehen ausdrucksstarke, eigenwillige und auch freche Kunstwerke qualifizierter, aussergewöhnlicher Künstlerinnen und Künstler“, schreibt Kulturdezernent Horst Schneider, zugleich Oberbürgermeister der sparsam regierten Stadt, in seinem Grusswort zur Ausstellung.

Um die 160 Kunstschaffende zeigten heuer ihre Arbeiten an über 50 verschiedenen Orten. Etwas zu vollmundig scheint uns dabei die Aussage geraten zu sein, es handele sich „wahrscheinlich um die grösste dezentrale Kunstausstellung in der Region“ – luden doch zu den jüngsten „Frankfurter Ateliertagen“ im November 2014 über 400 Künstlerinnen und Künstler das Publikum in ihre Arbeitsräume ein. Nun ja, Frankfurt und Offenbach – die alte rivalisierende „Freundfeindschaft“.

Und noch eines müssen wir bekritteln: Zwei lediglich halbe Schautage – ein Samstag- und ein Sonntagnachmittag – reichen natürlich bei weitem nicht aus, um auch nur einen Teil all des Kunstschaffens wahrnehmen, geschweige denn eingehender betrachten zu können. So muss sich auch unsere Nachlese auf eine nur kleine und in manchem eher Zeitnot und  Zufall geschuldete Auswahl beschränken.

Die „Zollamt Studios“

Beginnen wir mit dem Atelierhaus „Zollamt Studios“ in der Frankfurter Strasse, im Jahr 2014 für zunächst fünf Jahre von einer Bundesverwaltung angemietet: Es bietet Künstlern, Gestaltern und Kreativunternehmen über 50 attraktive Studios, Ateliers und Büroräume. Nicht alle, die wir dort vermutet hätten, trafen wir an.

Im Ausstellungsraum des Bundes Offenbacher Künstler e.V. BOK findet das gnadenlose Flugzeuggedröhne über Offenbach seinen künstlerischen Widerpart: in den fotografischen Arbeiten – Lambda-Print-Ausbelichtungen – von Hans-Jürgen Herrmann, 1958 in Bayreuth geboren, Absolvent der Hochschule für Gestaltung Offenbach HfG, Fotokünstler und Fotodesigner, mit dem Titel „Stille“.

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Hans-Jürgen Herrmann, boeing.viergrau, Lambda-Print auf Alu-Dibond, 90 x 90 cm

Den wunderbaren Buchstaben- und Chiffrenmalereien von Karl H. Thiel (1951 im Westerwald geboren, wie Hans-Jürgen Herrmann HfG-Absolvent), die wir schon vor zwei Jahren kennenlernen konnten, werden wir einen monografischen Einzelbericht widmen, in welchem wir den Geheimnissen dieser Werke nachspüren wollen.

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Karl H. Thiel, aus der Serie „Buchstäblich gezeichnet“, 2014, Öl auf Papier auf Leinwand kaschiert, 40 x 30 cm, Foto © Karl H. Thiel

Torsten „To“ Kühne , 1967 geborener Fotokünstler und Fotodesigner, zitiert, reanimiert oder persifliert – ganz wie Sie wollen, geneigte Leserinnen und Leser – in der Ausstellung all die Brillo-Boxen und Campbell’s-Dosen seines von ihm verehrten Vorbilds Andy Warhol.

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Die BrilTo-Boxen und Kuehne’s Tomato Soup-Dosen des Künstlers, der auch gern als Andy-Warhol-new posiert …

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… und in seinen fotografischen Meisterwerken nicht selten als „Enfant terrible“ – hier als Blechtrommler Oskar Matzerath – auftritt.

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To Kühne, Aus der Reihe „Profilbilder“, Fotografie, Foto © Torsten Kühne

Auch Alwin Dorok trafen wir an; der Maler, Wandgestalter und Feng Shui-Berater wurde 1961 in Wattenscheid geboren. Seine Malereien – überwiegend Tempera und Enkaustik – und Papierarbeiten zeugen von künstlerisch-gestalterischer Disziplin und sind von ruhiger, erhabener Strenge.

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Alwin Dorok, Schaukasten 15/6 gelb, grün, orange, pink, Öl auf Holz

Im Raum des Frankfurter Kunstvereins Eulengasse – er kooperiert mit dem Bund Offenbacher Künstler BOK – begegneten wir Andrea Blumör. Die 1967 in Hanau geborene Künstlerin studierte unter anderem an der Freien Akademie der bildenden Künste in Essen als Meisterschülerin von Professor Stephan Paul Schneider. Studien- und Arbeitsreisen führten sie nach Russland, Israel, China und in die USA sowie nach Algerien, Ghana, Kenia und in den Senegal. Pass-Seiten, Fahrkarten oder behördlich gestempelte Schriftstücke sind Vorlagen für ihre vielfach an der eigenen Biografie orientierten Arbeiten.

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Andrea Blumör, o.T., 2013, Tusche auf Papier

Die 1970 in San Juan, Puerto Rico geborene Malerin Michelle Concepción lernten wir bereits vor zwei Jahren (damals noch im Atelierhaus Bettinastrasse) sowie in der Galerie ARTE GIANI kennen. Ihre Arbeiten faszinieren uns nach wie vor.

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Michelle Concepción, Pop 9, 2010, Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: P. W. Voigt

Abgebildete Werke © jeweilige Künstlerinnen und Künstler; Fotos (soweit nicht anders bezeichnet): FeuilletonFrankfurt

→ “kunstansichten” 2015 in Offenbach (2)

→ “kunstansichten” 2013 in Offenbach

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