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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Juni, 2015

“kunstansichten” 2015 in Offenbach (2)

2015, Juni 29.

Nach unserem diesjährigen Eindruck haben die Offenbacher „kunstansichten“ eine bemerkenswerte Entwicklung genommen – kein Grund also, dass etwa die „Frankfurter Ateliertage“ allzu überlegen oder gar mildtätig lächelnd auf ihre nachbarliche Schwesterveranstaltung herabblicken könnten. Nein, wir haben vieles  an Beeindruckendem und Qualitätshaltigem gesehen und bedauern wie stets, uns im Rahmen einer zurückblickenden Reportage auf eine nur verhältnismässig kleine Auswahl beschränken zu müssen.

Von den „Zollamt Studios“ führte der Weg zunächst zum

Atelierhaus B 71 Bettinastrasse

Die Etagen durchstreifend – der Überblick über organisatorische Gegebenheiten, was etwa die, wenn wir richtig gezählt haben, immerhin 17 Ateliers und Ateliergemeinschaften anbetrifft, ist uns dabei trotz des hervorragend gestalteten Faltblatts etwas abhanden gekommen – sind wir an einer Künstlerin (streng gesagt an deren Werken) „hängengeblieben“: an den Arbeiten von Marilena Faraci Stangier.

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o.T. (aus der Serie „Flüchtige Ruhe“), 2015, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm

Ja, diese Malerei macht uns um einiges neugierig, nicht zuletzt bezüglich der Vita der Künstlerin: die 1963 bei Padua geborene, nach Studium der Psychologie und Kunst examinierte und, wenn wir das richtig verstanden haben, auch heute praktizierende Psychotherapeutin malt, nach weiterem Studium an der Städel-Abendschule, und das bereits seit 1991! „Künstlerisches Schaffen war mir schon immer ein Bedürfnis. In meinen abstrakten, farbigen Öl- und Acryl-Bildern setze ich emotionale Energie um, ich ‚entlade‘ mich auf der Staffelei“. Weiterlesen

Dario Zaffaroni: „Kinetische Geometrien“ in der Frankfurter Westend Galerie

2015, Juni 27.

Kenner und Freunde wissen und schätzen es: auf dem Programm der Frankfurter Westend Galerie steht primär die Vermittlung italienischer Kunst der klassischen und zeitgenössischen Moderne. Dass in der italienischen Kunst, insbesondere der Malerei, Licht und Farbe seit alters her und bis in die Moderne hinein eine bedeutende Rolle zukommt, ist bekannt. Als Beispiele sei auf die Ausstellungen „LUX LUCIS“ oder „Luce in colore“ der Galerie verwiesen. Wer in diesen Tagen deren Räume betritt, den empfängt jedoch ein Farbenrausch der besonderen Art.

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↑ Dinamiche policrome (4 toni) N 40-21-12, Fluoreszierendes Papier auf Holzfaserplatte, 2012, 40 x 40 cm
↓ Modularità cromatica (quartetto), N-80-03-12, Fluoreszierendes Papier auf Holzfaserplatte, 2012, 80 x 80 cm

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Es ist nicht Malerei, womit Dario Zaffaroni den Betrachter in den Bann zieht, obgleich seine Arbeiten durchaus malerisch wirken: Der 1943 in San Vittore Olona bei Mailand geborene Künstler arbeitet mit fluoreszierenden und metallisierten Papieren. Die aktuelle Ausstellung basiert auf einem kooperativen „Austausch“ eines Künstlers der Westend Galerie – Sandro Vadim – mit der Galerie Cortina Arte in Mailand. Weiterlesen

Frankreichs wenig bekannte Ecke: Die Vendée und die Atlantik-Inseln Noirmoutier und Yeu

2015, Juni 26.

Wo Zigtausende mit der Flut um die Wette laufen

Von Elke Backert

Noirmoutier-en-l’Ile. Das Besteck auf dem Tisch des Restaurants erinnert an das eines Chirurgen. Es wird tatsächlich gebraucht. Für die Meeresfrüchte, die der Ober auf riesiger Platte in die Tischmitte stellt. Mit dem Messer schneidet man die geschlossenen – noch lebenden – Muscheln auf. Die restlichen Werkzeuge bearbeiten Schnecken, Austern, Langustinen. Crevetten werden mit den Fingern gepult. Essen wie Gott in Frankreich.

Meeresfruechte-Besteck

Das Besteck auf dem Tisch des Restaurants wird tatsächlich gebraucht für die Meeresfrüchte, die der Ober auf dreistöckiger Platte in die Tischmitte stellt – ein Schlemmermahl für die Autorin Weiterlesen

„Julietta“ von Bohuslav Martinů an der Oper Frankfurt

2015, Juni 25.

Hin und Her zwischen Wirklichkeit und Illusion

Von Renate Feyerbacher
Fotografien: Barbara Aumüller/Oper Frankfurt

Es ist eine Frankfurter Erstaufführung. Die lyrische Oper „Julietta“ von Bohuslav Martinů, die 1938 in Prag uraufgeführt wurde, wird als die beste seiner sechzehn Opern bezeichnet. Er war mit über 400 Werken ein sehr produktiver Komponist.

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Kurt Streit (Michel) und im Hintergrund Juanita Lascarro (Julietta); Foto © Barbara Aumüller

Martinů, der 1890 „Auf dem Kirchturm“, wie es im Taufregister heisst, geboren wurde – sein Vater war Schuhmacher und Turmwächter in der kleinen Stadt Policka in Ostböhmen – , ging mit 33 Jahren nach Paris, wo er mit den Surrealisten und Dadaisten Kontakt bekam. 1930 wurde „Juliette ou la clé des songes“ (Juliette oder der Schlüssel zum Träumen) des Surrealisten Georges Neveux (1900-1982) in Paris aufgeführt, das heftige Diskussionen, aber auch Zustimmung auslöste. Bohuslav Martinů (1890-1959) war begeistert und machte sich ein paar Jahre später, als er Neveux kennengelernt hatte, ans Komponieren. Das Libretto schrieb er in tschechischer Sprache. Kurz vor seinem Tod schuf er zusammen mit Neveux eine französische Version. In Frankfurt wird in deutscher Sprache mit Übertiteln gesungen. Weiterlesen

“kunstansichten” 2015 in Offenbach (1)

2015, Juni 23.

Eine feste Grösse in der Kunst- und Kulturszene Rhein-Main sind sie geworden – die Offenbacher „kunstansichten“, ein „Festival der Kunst“, wie der Veranstalter – es ist der Magistrat der Stadt Offenbach am Main (Amt für Kultur- und Sportmanagement) – selbstbewusst formuliert. Mitte Juni 2015 fanden sie zum 14. Mal in Ausstellungsräumen und Ateliers, Galerien und Museen statt. „Zeitgenössische Kunst in all ihren Schattierungen und Formgebungen spiegelt sehr oft, dass Kunst gesellschaftliche Zusammenhänge und Probleme aufgreift und reflektiert. So entstehen ausdrucksstarke, eigenwillige und auch freche Kunstwerke qualifizierter, aussergewöhnlicher Künstlerinnen und Künstler“, schreibt Kulturdezernent Horst Schneider, zugleich Oberbürgermeister der sparsam regierten Stadt, in seinem Grusswort zur Ausstellung.

Um die 160 Kunstschaffende zeigten heuer ihre Arbeiten an über 50 verschiedenen Orten. Etwas zu vollmundig scheint uns dabei die Aussage geraten zu sein, es handele sich „wahrscheinlich um die grösste dezentrale Kunstausstellung in der Region“ – luden doch zu den jüngsten „Frankfurter Ateliertagen“ im November 2014 über 400 Künstlerinnen und Künstler das Publikum in ihre Arbeitsräume ein. Nun ja, Frankfurt und Offenbach – die alte rivalisierende „Freundfeindschaft“.

Und noch eines müssen wir bekritteln: Zwei lediglich halbe Schautage – ein Samstag- und ein Sonntagnachmittag – reichen natürlich bei weitem nicht aus, um auch nur einen Teil all des Kunstschaffens wahrnehmen, geschweige denn eingehender betrachten zu können. So muss sich auch unsere Nachlese auf eine nur kleine und in manchem eher Zeitnot und  Zufall geschuldete Auswahl beschränken.

Die „Zollamt Studios“

Beginnen wir mit dem Atelierhaus „Zollamt Studios“ in der Frankfurter Strasse, im Jahr 2014 für zunächst fünf Jahre von einer Bundesverwaltung angemietet: Es bietet Künstlern, Gestaltern und Kreativunternehmen über 50 attraktive Studios, Ateliers und Büroräume. Nicht alle, die wir dort vermutet hätten, trafen wir an.

Im Ausstellungsraum des Bundes Offenbacher Künstler e.V. BOK findet das gnadenlose Flugzeuggedröhne über Offenbach seinen künstlerischen Widerpart: in den fotografischen Arbeiten – Lambda-Print-Ausbelichtungen – von Hans-Jürgen Herrmann, 1958 in Bayreuth geboren, Absolvent der Hochschule für Gestaltung Offenbach HfG, Fotokünstler und Fotodesigner, mit dem Titel „Stille“.

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Hans-Jürgen Herrmann, boeing.viergrau, Lambda-Print auf Alu-Dibond, 90 x 90 cm Weiterlesen