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Das Online-Magazin von Erhard Metz

LUX LUCIS – Claudio Olivieri, Raffaele Cioffi und Marco Brianza in der Frankfurter Westend Galerie

Von Barbara Thurau

(Einführender Text aus dem Katalog zur Ausstellung)

Licht als Quelle des Lebens und der Inspiration für Wissenschaft, Technik und Kultur steht im Fokus des durch die UNESCO proklamierten «Internationalen Jahr des Lichts» 2015. Auch die Ausstellung «Lux Lucis» in der Frankfurter Westend Galerie nimmt sich dieses für die bildende Kunst grundlegenden Themas an. Licht in ein Gemälde zu bringen, ist für die Maler seit jeher eine Herausforderung, denn es gilt, etwas Immaterielles durch Materie sichtbar zu machen.

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Claudio Olivieri
↑ Passaggio, 2000, Öl auf Leinwand, 70 x 50 cm
↓ In assenza, 2010, Öl auf Leinwand, 75 x 50 cm

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Claudio Olivieri, Immemore, 2011, Öl auf Leinwand, 130 x 90 cm

Claudio Olivieri, einer der bedeutendsten Vertreter der analytischen Malerei in Italien, beherrscht das Spiel mit dem Licht wie kein anderer. Seine magischen Lichtsäulen bringt er mit Ölfarbe auf die Leinwand. Durch die meist vertikal angelegten Kompositionen strömt ein weiches dunstiges Licht. Es breitet sich nach oben aus und vertreibt sanft die Dunkelheit an die seitlichen Ränder der Bildfläche. Keine Pinselspur verrät den Ursprung dieser Lichtquelle. Die Materialität der Farbe und der eigentliche Malprozess sind sogar so weit zurückgenommen, dass man meint, eine Lichtinstallation vor sich zu sehen. Das Bestreben der Malerei, mit Farbe Licht zu evozieren, hat sich bei Olivieri vom Gegenstand losgelöst und seine reinste Form erreicht. Dieses absolute Licht verselbständigt sich und scheint schließlich Gestalt anzunehmen, die Gestalt einer menschlichen Figur, eines weiblichen Torsos.

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Raffaele Cioffi
↑ Sipario, 2015, Öl auf Leinwand, 90 x 90 cm
↓ Sipario, 2015, Öl auf Leinwand, 130 x 90 cm

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Raffaele Cioffi, Alla Luce della croce, 2013, Öl auf Leinwand, 90 x 90 cm

Die Begegnung mit Claudio Olivieri war für den jüngeren Malerkollegen Raffaele Cioffi prägend, der das Thema Licht und Farbe weiterführt. Seine Werke bewegen sich in der Schwebe zwischen Materialität und Spiritualität. Er inszeniert Farb- und Lichträume, die sich ins Unendliche weiterdenken lassen. Das Unwirkliche und Geheimnisvolle akzentuiert er durch materielle Elemente, beispielsweise in den «Sipari», imaginären Bühnenvorhängen, deren ausladende Falten durch vertikale, leuchtende Farbbahnen plastisch dargestellt sind. Einzelne, pastos aufgetragene Streifen oder in die Oberfläche eingeritzte dünne Linien verleihen ihnen zusätzliche Stofflichkeit. Im Zyklus «Alla luce della croce» (Im Licht des Kreuzes) ist das Spirituelle nicht nur inhaltlich präsent, sondern auch formal sichtbar. Gerade eben wahrnehmbar taucht das christliche Symbol im gleißenden Licht auf – oder wird zu seiner Quelle.

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Marco Brianza
rgb parrot, 2015, einstündiger Farbverlauf, Tintenstrahldruck auf Papier, Unikat, 40 x 40 cm
rgb parrot, 2015, zehnstündiger Videoloop, bearbeiteter LED-Leuchtkasten, 30 x 30 cm

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Den beiden Malern, die das Licht mittels Farbe auf der Leinwand erzeugen, stellt die Ausstellung einen Künstler gegenüber, der unmittelbar mit dem Medium Licht arbeitet. Marco Brianza ist gelernter Informatiker und nutzt digitale Techniken, Fotografie und Video. Die Lichtobjekte für die aktuelle Ausstellung strahlen ein diffuses Licht aus; Farben bewegen sich in Schleiern über die Oberfläche und verwandeln sich in immer neue Farben. Die Abfolge von Lichteffekten beruht auf einer speziellen Software, die der Künstler für die Leuchtdioden hinter dem Bildschirm entwickelt hat und bringt eine zeitliche Komponente ins Spiel. Die einzelnen Momentaufnahmen stehen den Leinwänden von Claudio Olivieri atmosphärisch nahe – und sind auch ganz bewusst so konzipiert. Die suggestive und immaterielle Energie des Lichts fließt hier mit gänzlich anderen Mitteln und bleibt stets rätselhaft, sie weckt und trägt Emotionen und verwandelt Bilder und Räume.

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Marco Brianza, (links) peacock, (rechts) leopard; jeweils 2015, zehnstündiger Videoloop, bearbeiteter LED-Leuchtkasten, 30 x 30 cm

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Raffaele Cioffi, Salvatore A. Sanna, Leiter der Galerie, Barbara Thurau und Marco Brianza

Claudio Olivieri, 1934 in Rom geboren, Studium an der Accademia die Belle Arti di Brera, Mailand, Teilnehmer an der Biennale Venedig 1966, 1980, 1986 und 1990, an der documenta Kassel 1977, lebt und arbeitet in Mailand.

Raffaele Cioffi, geboren 1971 in Desio bei Mailand, Studium an der Accademia di Belle Arti di Brera, lebt und arbeitet in Nova Milanese (Mailand).

Marco Brianza, 1972 in Varese geboren, Studium der Informatik in Mailand, lebt und arbeitet in Sesto San Giovanni (Mailand).

LUX LUCIS, Frankfurter Westend Galerie, bis 30. April 2015

Fotos: FeuilletonFrankfurt

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