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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für März, 2015

Eine Zwischenbetrachtung über die Natur

2015, März 31.

Essay

Von Gunnar Schanno

Die Natur, wenn der Mensch sie in reflektierter Weise von sich selbst trennt, ist dem Menschen gegenüber indifferent. Sie ist, wenn sie in anthropomorpher, vermenschlichter Weise wie ein handelndes Individuum versinnbildlicht wird, neutral und konsequent in ihren Reaktionen. Was ihr angetan wird, gibt sie zurück – gibt sie zurück mit absoluter Zuverlässigkeit, unbestechlich und integer, unnachsichtig und emotionslos. Selbst die im Menschen innerlich wirkende Natur zahlt das zurück, was der Mensch sich selbst, seiner Natur in sich, seinem Körper, gegeben hat, belohnt und bestraft im Maße dessen, was er ihr im eigenen Ich als biologische Zentrale zugefügt, entzogen, womit er sie überhäuft und strapaziert hat. Die von innen und außen wirkende Natur versetzt den Menschen in die Stadien zwischen den Grenzwerten von Gesundheit und Krankheit. Die Natur vergisst nichts. Sie ist nicht romantisch. Sie ist buchhalterisch gewissenhaft, wenn sie Bilanz zieht, wenn es um Plus oder Minus geht, sie verrechnet jedes Atom, jedes Molekül, jede Verknüpfung, sie registriert das Sichtbare und das Unsichtbare, den Stoß und die Strahlung, die physisch verträgliche und die unverträgliche Substanz.

Die Natur außerhalb des Menschen Ich ist angelegt auf Erhalt ihres je eigenen Lebensraums, auf Ausreizen ihres Terrains bis an des Menschen Grenzen. Wo er sich aus künstlichem, gestaltetem, künstlerisch verfremdetem, von ihm zum Kulturraum erklärten Areal zurückzieht, folgt die Natur in natürlicher, unstilisierter, originär unkultivierter Direktheit. Für die Natur ist der Mensch als selbstreflektierendes Wesen zum Waffenträger besonderer Art geworden. Wo er wirkt, hinterlässt er im Zuge technischer Ausstattung eine Spur der Naturverdrängung, des künstlichen, manipulierten Natursurrogats, der Naturverwüstung, wenn nicht der Naturzerstörung. Doch wo sie endet und durch den Menschen in seiner passageren Übermacht gegenüber der Natur nicht weiter verfolgt und sich selbst überlassen wird, schafft sich die Natur mit größter Selbstverständlichkeit ihren Raum, erobert ihn in völliger Absichtslosigkeit und doch zwischen Zielstrebigkeit und Gelassenheit zurück. Wo Natur sich selbst überlassen bleibt, der Zügelung, der Selektion, des Beschnitts und der Stutzung in Gärten und Parks nicht klein und domestiziert gehalten wird, wo sie aus der menschseits gewünschten Obhut und Zügelung, bis in ihre Gene manipulativ erzielten Dienerschaft und Einverleibung entlassen ist, da reißt sie alle Grenzen ein, zerkleinert, zermürbt, zerstäubt alles Menschenwerk, da kennt sie Limits nur noch, wo Ursache und Wirkung in Gegenseitigkeit den Grad ihrer Materialisierung und Objektivierung festlegen.

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Joseph Werner (genannt der Jüngere, 1637-1710): Diana von Ephesos als Allegorie der Natur, Radierung, um 1680, Art Institute of Chicago; wikimedia commons

Natur ist auch indifferent gegen sich selbst Weiterlesen

FLASH IN THE HOLE: Timo Behn und Christian Berg im KunstVoll Projektraum

2015, März 30.

Eine Präsentation von Sebastian Brandl im Rahmen seiner Ausstellungsreihe „anderswo“ im KunstVoll Projektraum

Von Esther Erfert
Kunsthistorikerin

Die Galerie Sebastian Brandl aus Köln ist mit ihrer Ausstellungsreihe „anderswo“ zu Gast im KunstVoll Projektraum. Dort präsentiert sie in der Ausstellung FLASH IN THE HOLE die zwei abstrakten Positionen der deutschen Künstler Timo Behn und Christian Berg.

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KunstVoll Projektraum, Ausstellungsansicht

Timo Behn, 1973 in Jena geboren, absolviert das Studium der Freien Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und schließt 2007 als Meisterschüler von Professor Ottmar Hörl ab Weiterlesen

200 Jahre Städel (6) – Tischbeins Goethe als Inspirator

2015, März 28.

Petra Kammann stellt ihre ganz persönlichen Schätze im Städel vor (6)

Panorama-Goethe

Die Ikone unseres in Frankfurt geborenen Dichterfürsten gehört auf jeden Fall an eine zentral exponierte Stelle im Städel: Tischbeins „Goethe in der römischen Campagna“ von 1787, wenngleich dieses Bildnis bei näherer Betrachtung durchaus irritierend ist. Es stellt Goethe über lebensgroß dar, in einer kaum wahrnehmbaren Unterperspektive.

Der so mächtig thronende wie nachdenklich dreinblickende Dichter mit dem großen Schlapphut und gehüllt in ein ecrufarbenes Gewand, lagert mit seinen leicht verdrehten Beinen und linken Füßen (man musste die Schuhe damals erst als rechten und linken Schuh einlaufen) auf den Überbleibseln einer antiken Kulisse: den Resten eines ägyptischen Obelisken, eines griechischen Reliefs, eines römischen Kapitells, die kampanische Landschaft im Rücken Weiterlesen

Norgall-Preis 2015 des Frankfurter IWC an Jasmina Prpic

2015, März 27.

„Niemand will die Heimat verlassen!“
„Ich – Mann. Du – Frau.“ Feste Rollen seit Urzeiten?

Von Renate Feyerbacher

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Preisträgerin Jasmina Prpic am Rednerpult

Einen Tag nach dem Geburtstag der Club-Gründerin Elisabeth Norgall (1887-1981) verlieh der International Women’s Club of Frankfurt (IWC) am 11. März 2015 in der Alten Oper Frankfurt – zum 38. Mal – den Elisabeth-Norgall-Preis, der mit 6.000 Euro dotiert ist. Wie in jedem Jahr geht er an eine aussergewöhnliche Frau, dieses Mal an die Bosnierin Jasmina Prpic. In ihrer Laudatio betonte die 1. Vizepräsidentin Helene Gressenbauer-Rösner, die die Juristin auch für den Preis vorgeschlagen hatte: „Die intensive Beschäftigung mit dem Thema Frauenrechte wird fortan ihren Lebensweg bestimmen und ihr uneigennütziger Einsatz für die Rechte der Frau wird zum Lebensinhalt.“ Weiterlesen

„Paradies/Schwarz“: Anna Lehmann-Brauns in der Frankfurter Galerie Greulich

2015, März 25.

Es ist bereits zum dritten Mal, dass Andreas Greulich in seiner Galerie in der Frankfurter Fahrgasse Werke von Anna Lehmann-Brauns ausstellt (zuvor schon hatte er Arbeiten der Künstlerin im Wiesbadener „Kunstadapter“ präsentiert), und der Beobachter der Ausstellungsszene müsste wissen, dass es sich um fotografische Werke handelt. Gleichwohl – wer sich nicht mehr daran erinnert oder heuer unbefangen durch die Schaufenster der Galerie blickt, wähnt nicht nur im ersten Moment, Malereien vor sich zu haben. Vielmehr verstärkt sich dieser Eindruck, wenn man die Galerie betritt und sich etwa dem Bild „Farbdosen“ nähert: Das soll kein Gemälde sein?

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Die Künstlerin mit ihrer Arbeit „Farbdosen“, 2014, Farbpigmentdruck auf Aluminium, Auflg. 6, 132 x 132 cm (Foto oben: FeuilletonFrankfurt)
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„Parsifal“, ein Bühnenweihfestspiel von Richard Wagner – Wiederaufnahme an der Oper Frankfurt

2015, März 24.

Männerbündische Gralsritterschaft contra Kundry

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus/Oper Frankfurt (aus Spielzeit 2005/2006) u. a.

Vor neun Jahren hatte die Inszenierung von Christof Nel ihre Premiere an der Oper Frankfurt. Nichts hat sie von ihrer Faszination eingebüsst.

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Franz Seraph Hanfstaengl (1804-1877), Richard Wagner, Fotografie um 1860; Bildnachweis: wikimedia commons

Richard Wagner (1813-1883) diente das Versepos „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach, verfasst zu Beginn des 13. Jahrhunderts, als Vorlage für seinen „Parsifal“. Das viereinhalbstündige „Bühnenweihfestspiel“ hat wenig Handlung. Lang sind die Erzählungen von Ritter Gurnemanz, der zunächst die Geschichte des Grals schildert Weiterlesen

Roger Pfund: „Dimension absurde“ im Museum Wiesbaden

2015, März 23.

Ölfarbe trocknet dem ungestümen Multitalent zu langsam
Landesmuseum mit fünf Sonderausstellungen voll bespielt

Von Hans-Bernd Heier

Roger Pfund ist ein Grafiker von Weltruhm und international anerkannter Maler. Seine kreativen Schöpfungen haben viele schon in der Hand gehabt, meist ohne es zu ahnen: Denn der 1943 in Bern geborene Künstler ist gefragter Gestalter von Banknoten, zum Beispiel für die Schweiz, Frankreich, Argentinien oder Russland.

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Roger Pfund in seinem Atelier; © Atelier Roger Pfund Communication visuell sa

Das Museum Wiesbaden widmet dem genialen Multitalent, der auch als Illustrator und Fotograf arbeitet, die große Sonderausstellung „Dimension absurde“. Der Titel der sehenswerten Schau, die das Wiesbadener Museum vom Musée d’art et l’histoire in Genf übernommen hat, stellt eine Referenz an eine frühe Selbstportraitserie des Schweizers aus dem Jahre 1974 dar, die er so benannt hat. Es war eine Studie entstanden mithilfe des damals neuen Phänomens Computer, ausgeführt in klassischer Kaltnadeltechnik. Diese schwarz-weißen Selbstbildnisse sind in der großen Präsentation im Landesmuseum ebenso zu sehen wie rund 250 weitere Exponate, die Pfunds ganze Bandbreite seines Wirkens demonstrieren Weiterlesen

Winterzauber in der nordhessischen Heimat der Gebrüder Grimm

2015, März 22.

Frau Holle in der Märchenwelt „Holleum“ und auf einem Rundweg in Hessisch Lichtenau, Frau Holle am Bollerofen der Viehhaushütte im Naturpark Meißner-Kaufunger Wald, Fackelwanderung im Winterwald am Hohen Meißner, Eisschnitzen in Germerode mit einem Eiskünstler

Von Elke Backert

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Frau Holle in jungen Jahren am Frau-Holle-Teich

Es war einmal … So fangen alle Märchen an. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Frau Holle ist eine der Märchenfiguren, die in der Heimat der Gebrüder Grimm putzmunter ihren Dienst tut. Was sie gerade macht, erkennt man vor Ort sofort. Wenn es neblig ist, wäscht sie, oder sie kocht, dass es dampft. Wenn sich am Abend der Himmel rot einfärbt, dann backt sie. Ist doch ganz logisch – oder? Und morgens bei Sonnenaufgang ist der Backofen noch heiß Weiterlesen

Pianistin Patricia Hase zu Gast im Hauskonzert von Viviane Goergen

2015, März 20.

Von Erhard Metz

Wer in Frankfurt am Main die Ehre hat, einem der Hauskonzerte der auf eine weltweite Karriere als Konzertpianistin zurückblickenden Viviane Goergen beiwohnen zu dürfen, kann sich glücklich schätzen. Denn die Hausherrin, der die Förderung junger herausragender Musikertalente eine Herzensangelegenheit ist, verfügt neben ihrer grossen Erfahrung im internationalen Konzertbetrieb über ein feines Gespür und ebenso über ein „glückliches Händchen“ bei der Auswahl der Solistinnen und Solisten, die sie zu ihren Hauskonzerten einlädt. In der ersten März-Triade 2015 nun spielte die Pianistin Patricia Hase vor etwa 30 geladenen, fachkundigen Gästen auf und entfachte ein musikalisches Feuerwerk, das allen Anwesenden nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

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Viviane Goergen und Patricia Hase; Foto: FeuilletonFrankfurt

„Eine Kombination von Natürlichkeit, Intelligenz und Mut – den Mut, ihren eigenen Weg zu gehen“ bescheinigt der renommierte Konzertpianist und Klavierpädagoge an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Professor Matti Raekallio, der Pianistin. Natürlichkeit, Intelligenz und Mut – und nicht wenig von Letzterem – trafen wir in der Tat bei Patricia Hase an. Ihr Konzertprogramm war um einiges mehr als anspruchsvoll: Es begann mit Johann Sebastian Bachs bekanntem und durchaus prägnantem Präludium in C-Dur aus dem ersten Band des Wohltemperierten Klaviers: Eine akzentuierte, ja etwas eigenwillige Interpretation sorgte bereits für ein die Konvention an Einspielungen sprengendes Musikerlebnis, gefolgt von Frédéric Chopins virtuoser Konzertetüde Opus 10 Nr. 1 mit nicht weniger eigenwilligen Akzenten der Pianistin – allgemein als Hommage an eben jenes Bachsche C-Dur- Präludium angesehen Weiterlesen

Sonnenfinsternis

2015, März 20.

Vorsicht Sonnenfinsternis!

Innere Führungs-Kettenreaktion von und mit dem unvergessenen Kabarettisten Wolfgang Neuss
(Quelle: Youtube.de/RBB Berlin)