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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Januar, 2015

Deutsches Architekturmuseum und Museum für Moderne Kunst: Kooperationsprojekt „Raum für Kunst“

2015, Januar 30.

W„Hahnsinn“ an der Otto-Hahn-Schule in Frankfurt Nieder-Eschbach

„Raum für Kunst“ heisst ein gemeinsames Projekt des Deutschen Architekturmuseums (DAM) und des Museums für Moderne Kunst (MMK), das 2012 an der Frankfurter Elisabethenschule begann und jetzt an der Otto-Hahn-Schule im Stadtteil Nieder-Eschbach fortgesetzt wird, unterstützt vom Kulturamt und vom Kooperationspool der Stadt Frankfurt am Main. Initiiert von den Leiterinnen der Abteilung Vermittlung der beiden Häuser, Christina Budde (DAM) und Katharina Mantel (MMK), und mit tatkräftiger Unterstützung des Künstlers Jorma Foth, der insoweit für beide Museen tätig war, entwickelten Schülerinnen und Schüler einen „Raum für Kunst“: An der Otto-Hahn-Schule ist es jetzt eher ein Räume, Flure und Treppenhäuser umfassender „Kunstpfad“, der diese Ausstellungsorte zur längerfristigen Nutzung miteinander verbindet.

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Wohlüberlegte wie pfiffige Holzkonstruktionen, die die architektonische Sprache der Fensterfront der Pausenhalle aufgreifen, dienen künftig als Wechselrahmen zur Präsentation eigener Werke der Schülerinnen und Schüler Weiterlesen

Goethe und „Rembrandt der Denker“ im Frankfurter Goethe-Museum

2015, Januar 28.

Das Dichter-Genie im Dialog mit dem größten Radierer –
Exquisite Werke aus der Graphischen Sammlung Weimar

Von Hans-Bernd Heier

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„De practiceerende Alchimist (Faust)“, Radierung, Kaltnadel und Grabstichel, um 1652; © Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum

Bereits der junge Goethe hat Druckgrafiken von Rembrandt Harmensz van Rijn kennengelernt. Goethes intensive Beschäftigung mit Arbeiten des holländischen Ausnahmekünstlers setzte bereits Anfang der 1770er Jahre ein. Als 25jähriger schreibt er: „Ich zeichne, künstle p. Und lebe ganz mit Rembrandt“. Zeit seines Lebens sollte er sich mit dem größten Radierer der Kunstgeschichte auseinandersetzen Weiterlesen

„Sehnsucht“: Rafael Herlich in der Frankfurter Heussenstamm-Galerie

2015, Januar 27.

Subtile Fotografien auf der Suche nach dem Schicksal der Familie

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Rafael Herlich, Foto: FeuilletonFrankfurt

Es ist eine sehr persönliche Geschichte, die uns Rafael Herlich in den Fotografien seiner Ausstellung erzählt, eben seine Geschichte, die aber zugleich auch ein Stück die unsrige und die der Menschheit ist. Die Mitglieder seiner Familie wurden in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern in Polen ermordet, einzig sein Vater überlebte das Lager Auschwitz-Birkenau Weiterlesen

200 Jahre Städel-Stiftung – Städel Museum Frankfurt am Main

2015, Januar 25.

Geburtstag ist am 15. März 2015 –
Geburtstagsgeschenke gibt es schon heute

Von Erhard Metz

Über Geburtstagsgeschenke freut sich ein jeder – auch der Direktor des Städel Museums Frankfurt, Max Hollein, und überhaupt freut er sich über Geschenke an das in der Weltliga spielende Museum, wie er in der Jubiläums-Pressekonferenz augenzwinkernd werbend bekannte. Die (ersten?) Geschenke, ein Reni und ein Degas, kommen als Ankäufe vom Städelschen Museumsverein. Allerdings hätte dessen Finanzkraft – angesichts des finanziellen Volumens der Erwerbe von insgesamt rund 2 Millionen Euro – allein nicht ausgereicht – vielmehr kamen finanzielle Engagements in beträchtlicher Grössenordnung hinzu. Der Ankauf von Renis „Himmelfahrt“ wurde durch eine Spendenkampagne mit grosszügiger Unterstützung von Fritz und Waltraud Mayer, Ibeth Biermann, Dieter und Ingrid Seydler sowie zahlreiche weitere Gross- und Kleinspenden von Vereinsmitgliedern und fördernden Institutionen ermöglicht; die Mittel für den Erwerb der Degas-Zeichnung brachte eine Frankfurter Mäzenin im Rahmen einer Einzelspende auf.

Ein Geburtstags- und Jubiläumsjahr gilt es also heuer anzukündigen – mit grossen Ausstellungen und festlichen Events und einem Publikumstag für alle am 15. März, die Fügung will es: just an einem Sonntag, an dem ein grosses Publikumsinteresse erwartet werden kann.

Warum der 15. März 2015?

„Mittwochs, den 15. März im Jahr Eintausend Achthundert und Fünfzehn“ war es, als Johann Friedrich Städel, der „hiesige Burger und Handelsmann“ in seinem Stiftungsbrief „als Testirer“ beurkundete, „meine beträchtliche Sammlung von Gemählden, Kupferstichen und Kunstsachen nebst meinem gesammten dereinst zurück lassenden Vermögen … der Stiftung eines besonderen, für sich bestehenden und meinen Namen führenden Kunstinstituts zum Besten hiesiger Stadt und Bürgerschaft zu widmen“. Wobei er das „Kunstinstitut“ sowohl als Museum als auch als Kunstschule – der Nukleus der heutigen Städelschule – ausgestaltet wissen wollte. Städel, 1728 in Frankfurt am Main geboren, betrieb ein Handelsgeschäft mit Spezereien sowie später Kommissions- und Bankgeschäfte, wurde dabei überaus vermögend und baute in seinem Haus am Rossmarkt eine umfangreiche Kunstsammlung auf, die er gern auch Dritten auf Wunsch zeigte. 1816 verstarb Städel kinder- und erbenlos.

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Johann Nepomuk Zwerger (1796-1868), Bildnisbüste Johann Friedrich Städel, 1829, Marmor, Städel Museum Frankfurt am Main; Foto: Städel Museum

Das Städelsche Haus am Rossmarkt erwies sich bald als zu klein, und Museum nebst Kunstschule bezogen 1833 das Palais des Thurn und Taxisschen Oberpostmeisters Freiherr von Vrints-Treuenfeld in der Neuen Mainzer Strasse Weiterlesen

Richtfest für das Historische Museum Frankfurt

2015, Januar 22.

Impressionen von der Grossbaustelle –
Ausblick auf das neue Museumsquartier:
Ein Bilderbogen

Von Erhard Metz

An Richtfesten im vor allem durch Abriss- und Umbauwut gekennzeichneten Zentrum von Frankfurt am Main fehlte es sicherlich nicht im zu Ende gegangenen Jahr 2014, aber zwei dieser Feierlichkeiten kommt eine besondere kultur- und stadtgeschichtliche Bedeutung zu: dem Richtfest für das Stadthaus in der „neuen Altstadt“ Mitte Oktober und insbesondere – kurz vor den Weihnachtsfeiertagen am 17. Dezember und damit genau ein Jahr nach der Grundsteinlegung – für den Erweiterungsbau des Historischen Museums der erstmals 794 in einer Urkunde Karls des Grossen namentlich erwähnten Stadt, für deren Kernfläche bereits eine jungsteinzeitliche Besiedelung nachgewiesen ist.

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Trotzten beim Richtfest Nässe und Kälte: Oberbürgermeister Peter Feldmann, Bürgermeister Olaf Cunitz, Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth (verdeckt) und Museumschef Jan Gerchow

Mächtig schallte bei Regen und gefühlter 0-Grad-Temperatur der in Versform gesprochene Richtspruch über die Baustelle, vorgetragen von einem stimmgewaltigen Zimmerer- und Betonbaumeister in der traditionellen schwarzen Kluft Weiterlesen

Neu im Städel Museum: Werke von Jusepe de Ribera und Lotte Laserstein

2015, Januar 20.

Ein „lebendiges“ Museum muss darauf bedacht sein, seine Sammlung nicht nur zu pflegen, sondern auch in sinnvoller Weise zu erweitern und auszubauen. Da sich die öffentlichen Haushalte von der unterstützenden Finanzierung derartiger Aktivitäten (wir sprechen hier primär von Museen namentlich in öffentlicher oder gemeinnütziger Trägerschaft, das Städel Museum hingegen ist ein öffentliches Museum in gemeinnütziger, privater Trägerschaft) weitestgehend zurückgezogen haben, sind diese Häuser mehr oder weniger allein auf Mäzenatentum, Vermächtnisse, Schenkungen oder Spenden angewiesen. Beim Städel Museum sind hier Sponsoren und Partnerschaften, aber auch das „Städelkomitee 21. Jahrhundert“ zu nennen, das mit substantiellen jährlichen Spenden gezielt den Ankauf zeitgenössischer Kunst fördert, und nicht zuletzt der Städelsche Museums-Verein, dem mittlerweile über 7600 Kunstfreunde angehören.

Im vergangenen Jahr konnten sich nun das Frankfurter Städel Museum und seine Besucher über eine Reihe wichtiger Neuerwerbe und Schenkungen freuen. Zwei markante Gemälde möchten wir hier herausgreifen; über den auf einer grosszügigen Spende beruhenden Erwerb der Skulptur “Aetas Aurea” von Medardo Rosso hatten wir bereits berichtet.

Im Dezember vergangenen Jahres bescherte die Frankfurter Mäzenin, Gründerin einer nach ihr benannten Stiftung und langjährige Förderin des Städel, Dagmar Westberg, aus Anlass ihres 100. Geburtstags der Sammlung Alter Meister des Museums einen der wichtigsten Neuzugänge des letzten Jahrzehnts: eine grossformatige Leinwand mit dem Bildnis „Der Heilige Jakobus der Ältere“ des spanischen Malers Jusepe de Ribera (1591-1652). Das kostbare und kunsthistorisch bedeutsame Werk hat inzwischen seinen Platz im „grossen Italiener-Saal“ gefunden.

„Seit nunmehr fast 200 Jahren lebt das Städel Museum vom Engagement einzelner Bürgerinnen und Bürger. Dieser Traditionslinie folgend ist Dagmar Westberg ein leuchtendes Vorbild und eine in jeder Hinsicht herausragende Persönlichkeit, der wir zu grösstem Dank verpflichtet sind. Ihre Schenkung des ‚Heiligen Jakobus des Älteren‘ von Ribera kann ohne Zweifel als Meilenstein in der langen Sammlungsgeschichte des Hauses angesehen werden. Ein schöneres Geschenk – zumal aus dem besonderen Anlass ihres 100. Geburtstages – hätten wir uns nicht träumen lassen können. Wir sind glücklich und stolz, dass Frau Westberg ihren Ehrentag im und mit dem Städel feiert“, schrieb jetzt im Dezember Städel-Direktor Max Hollein. Und Bastian Eclercy, Sammlungsleiter für italienische, französische und spanische Malerei vor 1800, fügte hinzu: „Mit Riberas Jakobus ist ein herausragendes Beispiel der frühen Caravaggio-Rezeption in die Sammlung gelangt, das einen eindrucksvollen Akzent im grossen Italiener-Saal setzt. Ein Bild, vor dem man stehenbleibt.“

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Jusepe de Ribera (1591–1652), Der Heilige Jakobus der Ältere (um 1615/16), Öl auf Leinwand, 133,1 x 99,1 cm, Städel Museum; Foto: Städel Museum

Jusepe de Ribera wurde 1591 in Játiva geboren, zog aber als Maler bald nach Italien, wo er in Rom, Parma und Modena die Malerei der italienischen Meister studierte und sich in Neapel niederliess, wo er 1652 auch verstarb. Sein Vorbild wurde Caravaggio (1571-1610), ein Meister des italienischen Naturalismus und des Chiaroscuro, der Hell-Dunkel-Malerei. Weiterlesen

56. Biennale Arte Venedig 2015

2015, Januar 17.

Die 56. Kunst-Biennale in Venedig wird am 9. Mai 2015 eröffnet. Zum Kurator der Welt-Kunstschau, die am 22. November 2015 endet, wurde im Dezember 2013 Okwui Enwezor berufen.

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Okwui Enwezor, Kurator der 56. „Esposizione Internazionale d’Arte“, und Paolo Baratta, Präsident der Biennale di Venezia; Foto: Giorgio Zucchiatti, Courtesy la Biennale di Venezia

Okwui Enwezor, 1963 in der nigerianischen Hafenstadt Calabar geboren, ist ein international agierender Kurator, wohlbekannt auch in Deutschland Weiterlesen

Kulturpreis der Ingrid zu Solms-Stiftung an die Dirigentin Eun Sun Kim

2015, Januar 14.

Feierliche Preisverleihung im Anschluss an die neunte Aufführung des Melodramma von Vincenzo Bellini „La Sonnambula“ in der Oper Frankfurt

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(v.l.) Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels, Vorsitzende der Ingrid zu Solms-Stiftung, Eun Sun Kim, Professorin Heike Allgayer, Vorsitzende des Ingrid zu Solms-Fellowship, Foto © Wolfgang Runkel

Es war ein in der Oper Frankfurt selten gesehenes und von Intendant Bernd Loebe ausnahmsweise gestattetes Ereignis: Zwei Herren trugen in den stürmischen Schlussapplaus zu „La Sonnambula“ von Vincenzo Bellini – Chor und Ensemble waren noch auf der Bühne versammelt – ein Stehpult nebst Mikrofon herein, und Eingeweihte wussten, was nun folgen sollte: Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels, Vorsitzende der nach ihrem Namen benannten Stiftung, überreichte der Dirigentin des Abends, Eun Sun Kim, den diesjährigen (mit 5000 Euro dotierten) Kulturpreis der ausschliesslich gemeinnützige und wissenschaftliche Zwecke verfolgenden Einrichtung Weiterlesen

Oberammergau

2015, Januar 12.

König-Ludwig-Lauf im Winter, Oper und Theater im Sommer

Von Elke Backert

Was ist das bloß für eine Gegend, von der schon Maler und Poeten früherer Jahrhunderte schwärmten. „Bayern ist schöner als ein Traum“, urteilte der englische Schriftsteller D. H. Lawrence (1885-1930) während seines Aufenthaltes in Oberbayern. Ludwig Ganghofer potenzierte alle positiven Eindrücke mit dem Ausspruch: „Wen Gott lieb hat, den lässt er fallen in dies gelobte Land.“ Oberammergau ist nur eines der Dörfer in diesem „gelobten Land“, wo laut eines Tagebucheintrags Richard Wagners „alles über alle Beschreibung schön“ ist. Ein Dorf, heute durch die alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele weltbekannt, wurde auch durch einen König berühmt.

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Das Geburtshaus des bayerischen Heimatdichters Ludwig Thoma

Ludwig II., der „Märchenkönig“, ließ ganz in der Nähe Schloss Linderhof bauen. Als einziges wurde es zu seinen Lebzeiten fertig gestellt (1876) und lässt Besucher staunen.

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Schloss und Garten Linderhof (Fotos: FF)

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Nein, soviel Prunk darf es nicht geben. Klein in den Ausmaßen – gerade ausreichend für einen zurückgezogen lebenden Menschen! -, erzeugen zwei gegenüber liegende Spiegel die Illusion eines nie enden wollenden Ganges Weiterlesen

Kai Teichert im Kunstverein Familie Montez

2015, Januar 10.

Wieder einmal sind wir bei „Familie Montez“ in den Bögen der Honsellbrücke zu Gast, das ist schön, aber dieses Mal stehen wir vor einer besonderen Überraschung:

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Sofern also unter Ihnen, den geschätzten Leserinnen und Lesern, jemand sein sollte, der das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, so müssen wir diese(n) jetzt bitten, das Buch zuzuklappen respektive FeuilletonFrankfurt zu verlassen respektive sich dort anderen Beiträgen zuzuwenden, etwa denen – in der Regel jugendfreien – unseres ebenso geschätzten Haus- und Hofliteraten, Zeichners und Sängers habust.

Nun betreten wir – nicht ohne einige Besorgnis, was uns dort erwarten könnte – die grosse rechte Ausstellungshalle mit den raumfüllenden Arbeiten „Treibhaus – Gewächshaus-Voliere-Wintergarten“ von Kai Teichert. Bereits ein erster Rundumblick steigert nicht nur den Blutdruck, sondern veranlasst den sich einem Schweissausbruch nähernden Betrachter, trotz winterlich kühl bis kalter Halle Hut, Mantel und gegebenenfalls weitere Kleidungsstücke abzulegen. Doch wird er in der Schwüle nicht allein gelassen: Der Künstler versorgt ihn mit einer sechsseitigen, engzeilig bedruckten „Handreichung“ Weiterlesen