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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

FAT – Frankfurter Ateliertage 2014 (9)

Ateliers in der Töngesgasse:
Gabriele Sophia Aulehla
Hannes Michanek
Gregor Wald

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Ein aufgeräumtes, wohnliches Atelier: Wir sind zu Gast bei Gabriele Sophia Aulehla. Ihre Malerei schätzen wir schon seit längerem. Es sind ruhige Bilder, fernab jeder Leinwand-Gestik, jeder hektischen Betriebsamkeit und kunstbetrieblichen Aufgeregtheit, jeder künstlerisch-künstlichen Gschaftlhuberei, wie man im Süddeutschen vielleicht sagen würde. Die Farben vor unseren Augen werden zu Klangfarben, ja farblichen Klängen, einer in Sphären dahinfliessenden farblichen Symphonie. Es würde uns nicht verwundern, wenn man ihnen eine therapeutische Wirkung zuspräche.

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↑ o.T., 140 x 100 cm, Acryl/Hanf, 2014
↓ o.T., 80 x 80 cm, Acryl/Hanf, 2014

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Gabriele Sophia Aulehla, 1963 in München geboren, studierte zunächst mit Diplom-Abschluss an der Fachhochschule für Gestaltung in Würzburg und anschliessend an der Hochschule für bildende Künste – Städelschule – bei Professor Raimer Jochims und als Meisterschülerin von Professor Thomas Bayrle. Ein Austauschstudium führte sie an die renommierte  Cooper Union New York, dem weitere Studien- und Atelieraufenthalte in dieser Stadt folgten. Nach einer Gastdozentur an der freien Akademie Hannover und einem Lehrauftrag an der Städelschule ist Aulehla seit 2013 Dozentin an der freien Kunstakademie Frankfurt.

„Die Bilder sind auf der Wand und für die Wand gemalt und treten in Kontakt mit der jeweiligen Architektur, den Farben, dem Licht und Schatten im Umraum“, schreibt die Künstlerin. „Ich verbringe viel Zeit mit Umhängen und Beobachtungen, wie die Bilder sich gegenseitig beeinflussen und durch das Licht verändern, welche Rhythmen, Stimmungen und Perspektiven sich dabei ergeben. Oft sehe ich Farbkombinationen, die mich faszinieren, aber vieles entsteht aus Skizzen und vorhergehenden Bildern. Ich arbeite am Ausdruck und an der Komposition, weil die Farben in ihrer unendlichen Vielfalt schon da sind. Sie sind mein Motiv. Mich beschäftigt ihre Schönheit, Wandelbarkeit und Relativität, ihr Beziehungs- und Assoziationsreichtum, ihre räumliche, körperliche und seelische Wirkung, unabhängig von ideologischen Besetzungen“ (galerie hartwich, Sellin/Rügen).

Hannes Michanek trafen wir in seinem Atelier mitten bei seiner Arbeit an, auf der Staffelei stand ein unvollendetes Werk. Wir dürfen dennoch fotografieren.

Schon seit langem fallen uns die Arbeiten des Künstlers auf, nicht zuletzt bei der Absolventenausstellung 2012 der Städelschule, den Städelschul-Rundgängen seit 2009 sowie in der Ausstellungsreihe artspace RheinMain in Offenbach. Inzwischen – im Jahr 2012 –  hat auch das Museum für Moderne Kunst Frankfurt für seine Sammlung zwei Arbeiten des Malers erworben.

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Hannes Michanek hat an der Städelschule zu einem völlig eigenständigen Malstil gefunden. Seine grossartige, reine Landschaftsmalerei – gross übrigens gerade auch im kleinen Leinwandformat – , über deren hervorragende Qualität es keinen Zweifel geben dürfte (manche Kunstgurus mögen das anders sehen – das ist ja das Schöne an der Kunst), entwickelt Michanek fort: Zunehmend baut er in sie kleine, kunterbunte, überraschende wie auch irritierende menschliche Artefakte ein – Häuschen zum Beispiel mit allerlei Dachformen erinnern an Siedlungen – , da mögen von links ein Schiffchen ins Bild einschwimmen und von rechts kreisförmige wie kubische Gebilde sich Geltung verschaffen, und über allem flattern ein gelber Papagei und ein weiterer, elsternartiger Vogel.

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Hannes Michanek wurde 1979 im schwedischen Kristianstad geboren und studierte an der dortigen Kunstschule wie auch an entsprechenden Instituten in Munkaljungby und Gerlesborg. Seine Ausbildung schloss er mit einem Regelstudium an der Städelschule bei Professor Michael Krebber ab. Schon fast weltweit bestritt er zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.

Eine unerwartete Überraschung: das Atelier und die Arbeiten des Künstlers Gregor Wald. Er entfremdet in seinen Collagen, in denen er Porträts zerschneidet und übereinanderfügt, menschliche Gesichter, entlarvt die Doppelzüngigkeit und Doppelbödigkeit vieler in unseren Gesellschaften. Er widme sich „obsessiv und präzise der Befragung der Wirklichkeit“, hat man über ihn geschrieben. „Was ist Identität? Wald findet schmerzhafte Antworten.“

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In eine ähnliche Richtung weisen seine aus Pappe und Illustriertenausschnitten, nach Art eines Dioramas gefertigten Interieurs. Sie karikieren und persiflieren eine „heile Welt“ vergangener Jugend- und Familientraditionen in „gutbürgerlichen“ Wohnstuben der Nachkriegszeit samt ihrer damaligen „Helden“. Der 1966 in Frankfurt am Main geborene Künstler dürfte sie nur aus Erzählungen und alten Spielfilmen kennen.

Gregor Wald ist Autodidakt. Niemand braucht sich einer solchen Vita zu schämen, schon gar nicht ein Künstler. Autodidakten beziehungsweise Nicht-Akademiker waren, verfügbaren Informationen zufolge, beispielsweise die Künstler Richard Artschwager und Francis Bacon, Umberto Boccioni und Christian Boltanski, Paul Cézanne und Gustave Courbet, Max Ernst und Vincent van Gogh, Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner … die Reihe liesse sich alphabetisch mit den geschätzesten Namen des Kanons fortsetzen, vorläufig endend mit Andy Warhol, Lawrence Weiner oder mit Wols.

Abgebildete Werke © jeweilige Künstlerinnen/Künstler;
Fotos: FeuilletonFrankfurt

→ FAT – Frankfurter Ateliertage 2014 (10)
→ FAT – Frankfurter Ateliertage 2014 (1)

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