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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

FAT – Frankfurter Ateliertage 2014 (8)

Ateliers Schlitzer Strasse:
Franziska Kneidl
Jan Christian Pohl

Die „FAT“ (es wurde natürlich wie englisch „Fett“ ausgesprochen) abgekürzten Frankfurter Ateliertage 2014 sind längst vorüber und fast bereits Geschichte – was uns nicht davon abhalten soll, einige weitere Eindrücke von unseren Rundgängen zu publizieren. Über 400 Künstlerinnen und Künstler aus fast allen Bereichen der bildenden Kunst beteiligten sich mit der Öffnung ihrer – mehrheitlich zwar in den grossen Atelierhäusern angemieteten, ansonsten aber über das Stadtgebiet verteilten – Ateliers für das Publikum. Wer es schaffte, an den letztlich nur vier halben Besuchstagen allen diesen Vierhundert seine Aufwartung zu machen, darf sich getrost zu den Sprintkoryphäen zählen – gerecht werden konnte er den ausgestellten künstlerischen Werken und ihren Schöpfern dabei natürlich nicht. Zufrieden zeigte sich Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth: „Die Frankfurter Ateliertage stehen allen Künstlerinnen und Künstlern unserer Stadt offen – hier hat vom international renommierten Künstler bis zum Autodidakten und Kunstneuling jeder Kunstschaffende die Gelegenheit, seine Werke zu präsentieren. Die Atelierrundgänge an den letzten beiden Wochenenden spiegeln die Vielseitigkeit von Frankfurts Kunstszene sowie die Kulturbegeisterung der Bevölkerung wider.“

Der Osten Frankfurts ist „kunstmässig“ immer interessanter geworden, gehen wir zum Beispiel in die Schlitzer Strasse, zu Franziska Kneidl und zu Jan Christian Pohl:

Jan Christian Pohl, 1975 in Kiel geboren, studierte an der dortigen Muthesius-Hochschule für Kunst und Gestaltung. Der Künstler ist ein „Allrounder“: Er arbeitet in den Bereichen Malerei, Collage, Fotografie und Skulptur. „Seine Bilder sind amalgamiert aus verschiedensten Bildern und Bildwelten. Der Künstler selbst verweist bei seiner Arbeitsweise auf Sampling- oder Collage-Methoden …“ schrieb vor einigem Fabian Famulok im SCHIRN Magazin. Es gibt viel zu sehen in diesen Arbeiten, die manchmal zu einer Art „Puzzle“ geraten, der Betrachter kann, wenn er möchte, kombinieren und auf höchst individuelle Weise Zusammenhänge herstellen. Nie kann es dabei langweilig werden – titelte doch bereits Fabian Famulok in seinem Beitrag „Jan Christian Pohl – garantiert kurzweilig und einmalig“. So ist es!

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↑↓ Jan Christian Pohl, „O. T.“, 2014, Mischtechnik auf Leinen

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Franziska Kneidl hat es als Künstlerin „geschafft“ – will sagen, sie ist von hochrangigen Kunstinstitutionen anerkannt und somit – ja – eine Berühmtheit: Das Museum für Moderne Kunst Frankfurt erwarb einige ihrer Arbeiten – damenhaft anmutende Geschöpfe mit Namen wie L.B. und S.L. sind dort online-katalogisiert. Derzeit sind sie in der Eröffnungsausstellung „Boom She Boom“ des neuen MMK 2 am Taunustor zu bewundern.

Nicht minder bewundernswert ihre grandiosen grossformatigen „Kerzenbilder“: Darstellungen jeweils einer ruhig mit langer schmaler Flamme brennenden Kerze vor einem dramatischen Hintergrund, er erinnert uns an einen barock anmutenden Wirbel gewaltig sich aufbäumender Gewitterwolken. Das alles in einem feinst abgestuften – wir nennen es heute einmal – „Gerhard-Richter-bläulich-rötlich-Grau“.

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Franziska Kneidl, K.B., 2008, Pigmente und Acryl auf Leinwand, 220 x 180 cm

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Franziska Kneidl, G.O., 258 x 80 x 45 cm; S.T., 193 x 72 x 60 cm; K.G., 230 x 65 x 48 cm; jeweils 2014; Acryl, Lack, Kunststoff

Man denkt bei G.O., S.T. oder K.G. unwillkürlich an luftig-duftige Abendkleider; deren verführerischen Trägerinnen scheint jeweils ein Nimbus die unsichtbaren Köpfe zu umgeben. Betrachten wir es materialistisch: Die Künstlerin bemalt und besprüht mit Acryl und Lack transparente Kunststofffolien, die sie über aufgehängte Hula Hoop-Reifen in allerlei Faltenwürfen drapiert; aus dem flächigen Malgrund beziehungsweise Bild wird eine raumgreifende Skulptur.

Franziska Kneidl, 1967 in Bochum geboren, erlernte an den Münchner Kammerspielen Theatermalerei und arbeitete als Theatermalerin an der Berliner Staatsoper. Sie absolvierte ein Kunststudium an der Frankfurter Städelschule bei Professorin Christa Näher. Nicht nur das Frankfurter MMK, sondern auch die Bundesregierung erwarb für die „Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland“ eines ihrer Werke.

Abgebildete Werke © jeweilige Künstlerinnen/Künstler; Fotos: FeuilletonFrankfurt

→ FAT – Frankfurter Ateliertage 2014 (9)
→ FAT – Frankfurter Ateliertage 2014 (1)

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