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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für Dezember, 2014

Erst heiß, dann Eis

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Nach der Rauchsauna ins Eisloch, so lieben es die Finnen

Von Elke Backert

Birkenreiser, je nach Jahreszeit frisch, getrocknet oder tiefgefroren, sind auf dem Markt von Helsinki der Renner. Und nicht nur dort. Auch die Birken selbst wachsen wie wild in dem 1.200 Kilometer lang gestreckten, aber nur halb so breiten nordischen Land. Spätestens in der Sauna dämmerte mir, wozu die schlanken, weißstämmigen Bäume gut sind.

In Finnland kann man mitbekommen, dass die Nordländer sich mit dem Schwitzbad keinen Luxus leisten, hier gehört es zum täglichen Leben wie bei uns Dusche und Badewanne. Als Luxus allerdings betrachten die Finnen eine spezielle Form des Heißluftschwitzens: die Rauchsauna.

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↑ Holz, Holzkohle und Birkenreiser, Foto: Elke Backert
↓ Sitzbretter in einer Rauchsauna, Bildnachweis: wikimedia commons / Snugdoc GFDL

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Eine unvergessliche Zeremonie machen daraus die an Seen liegenden Ferienanlagen. Und Seen soll es genau 188.887 geben. Oder doch mehr? Die Rauchsauna wird ähnlich zelebriert wie bei uns das Grillen mit Holzkohle. Erst wenn die Kohle zu Glut geworden ist, darf das Fleisch drauf. Wenn also das Birkenholz die Saunahütte am See in eine Räucherkammer verwandelt hat, tasten sich die Saunagänger zu den geschwärzten Sitzbänken vor. Obwohl – vielleicht auch weil – der beißende Rauch einem Tränen in die Augen zwingt, heißt es tief durchatmen. Sobald sich mein Auge an die Dunkelheit gewöhnt hat, nehme ich zwei Eimer mit Wasser wahr, in denen die berühmten Birkenbüschel „weichen“, um, mit kräftiger Hand geschlagen, mir selbst oder dem Nachbarn zur Massage zu dienen. Vergessen ist die Schmerzvorstellung, denn zart klatscht das Laub auf Schenkel, Bauch und Schultern. Weiterlesen

Ausstellung „Himmelstürmend“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM)

Dienstag, 30. Dezember 2014

Eine Stadt erfindet sich neu: Frankfurts Skyline

Von Petra Kammann

An einem Sonntagnachmittag im Frankfurter Architekturmuseum: Fasziniert stehen Jungens vor einem Bildschirm und schauen zu, wie in einer Endlosschleife durch die Sprengung der 116 Meter hohen AfE-Turm der Frankfurter Universität zunächst in einer gigantischen Rauchwolke – und dann im Nichts versinkt. Es war das bislang höchste Hochhaus in Europa, das da inmitten anderer Häuser dem Erdboden gleichgemacht wurde. Ein Glücksfall, dass in der bebauten Umgebung niemand zu Schaden kam. Aber Sprengungen, Baukräne, Ab- und Wiederaufbau gehören in Frankfurt seit 1945 förmlich zum Tagesgeschäft. Sie geben der Stadt die Energie und den Glauben an Erneuerung und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sowohl die Sprengung des AfE-Turms als auch der Abriss des Henninger-Turms schufen jeweils neuen Raum für künftige Stadtentwicklungen, wie sie im Palais-Quartier, im Maintor-Quartier, entlang der Europa-Allee und demnächst auf der „Marieninsel“ zwischen Taunusanlage und Marienstraße sowie in „Gateway Gardens“ am Frankfurter Flughafen sichtbar werden.

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Sprengung des AfE-Turms, 2. Februar 2014, Bildnachweis: DAM, Foto © Boris Zdravkovski, 2014

Dabei wurde die schwer kriegsgeschädigte Stadt am Main in den Sechziger und Siebzigern als „Krankfurt“ oder „Bankfurt“ gescholten, hatte sie doch nach dem Verlust der mittelalterlichen Struktur mit den im 19. Jahrhundert hinzugewonnenen Erweiterungsringen beim Wiederaufbau kein rechtes Gesicht mehr. Weiterlesen

Internationaler Hochhauspreis 2014

Montag, 29. Dezember 2014

Naturnahes Wohnen – ein Projekt für die Zukunft

Von Renate Feyerbacher
Fotos: DekaBank und Renate Feyerbacher

Ende November 2014 war es wieder soweit und der Internationale Hochhauspreis (IHP) wurde in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Er ging nach Mailand, der Partnerstadt von Frankfurt, ins Studio Boeri (Architekten Stefano Boeri, Gianandrea Barreca, Giovanni La Varra), für den Bosco Verticale (Der vertikale Wald).

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Bosco Verticale, Mailand, Architekten: Boeri Studio, Foto: DekaBank/Kirsten Bucher

2004 wurde der IHP kreiert , initiiert von der Stadt Frankfurt, vom Deutschen Architekturmuseum und der DekaBank. Alle zwei Jahre – nun zum 6. Mal – wurde er verliehen. Das Preisgeld beträgt 50.000 Euro. Überreicht wird ausserdem die Nachbildung einer Statuette, geschaffen vom international renommierten Künstler Thomas Demand, deren Original aus hauchdünnen Titanschichten im Besitz der DekaBank ist. Weiterlesen

„Verzweigt!“ im Sinclair-Haus

Sonntag, 28. Dezember 2014

Spannender Streifzug durch „Bäume in der zeitgenössischen Kunst“

Von Hans-Bernd Heier

Der weltberühmte Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781) lamentierte einst: „Ach, diese ewig grünen Bäume, warum können sie nicht einmal blau sein …“. Sie können! Die aktuelle Ausstellung im Museum Sinclair-Haus dürfte dem Autor von „Nathan der Weise“ sicher Freude bereitet haben. Denn in „Verzweigt! – Bäume in der zeitgenössischen Kunst“ sind die mythenbehafteten Bäume auch blau, rot, violett, braun, schwarz und bisweilen sogar ganz bunt. Sie stehen nicht nur vertikal in der Landschaft, sondern durchaus schief und bisweilen gar auf dem Kopf. Und die Baumskulpturen sind nur teilweise aus Holz, auch aus Bronze, Stahl, Stoff, Draht und Pappmaschee.

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Laura Ford, „Tree Girl with Birds“, 2013, Stahl, Jesmonite, Textilien, 208 x 82 x 82 cm; © Courtesy Galerie Scheffel, Bad Homburg

Mit dem Zyklus, den der Baum jährlich durchläuft, mit seiner stetigen Erneuerung, steht er nicht nur wesenhaft für die menschlichen Lebensalter, sondern ist auch universell ein Symbol für den Lauf der Welt und des Lebens. Auch optisch gleichen die Verzweigungen seiner Äste und Wurzeln den Adern und Gehirnverästelungen im menschlichen Körper Weiterlesen

Philibert, mon amour: Das königliche Kloster Brou im Flamboyant-Stil

Samstag, 27. Dezember 2014

Von Petra Kammann

Gut eine Stunde von Frankfurts Partnerstadt Lyon entfernt, bei Bourg-en-Bresse in der lieblichen Landschaft des Ain, liegt der Franzosen liebstes Nationaldenkmal, das Monastère royal de Brou, das königliche Kloster Brou. Sowohl die bauliche Anlage als auch die Vorgeschichte dazu sind höchst bemerkens- und einen Abstecher wert. Schon aus der Ferne erkennt man das Kloster an seinen leuchtenden Dachziegeln.

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Brou, vue aerienne, credit © Herwey Ville Bourg-en-Bresse

Veranlasst wurde die Kirche im Flamboyant-Stil durch Margarete, Regentin der habsburgischen Niederlande (1480 bis 1530). Margarete, Tochter des Habsburger Kaisers Maximilian I. und Enkelin des letzten Großherzogs von Burgund, Karl des Kühnen, hatte schon in jungen Jahren ein besonderes Schicksal ereilt Weiterlesen