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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für Oktober, 2014

25 Jahre Hessischer Film- und Kinopreis 2014

Freitag, 31. Oktober 2014

Grossartige Filme, zu viele Sprüche, gelungenes Fest

Von Renate Feyerbacher

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Der neue „hessische Oscar“, kreiert von dem bekannten Künstler Ottmar Hörl; © VG Bild-Kunst, Bonn

Am 10. Oktober 2014 wurde in der Alten Oper Frankfurt zum 25. Mal der Hessische Film- und Kinopreis und zum 12. Mal der Hessische Fernsehpreis – letzterer vergeben vom Hessische Rundfunk in Zusammenarbeit mit der Hessischen Filmförderung – verliehen. Namhafte prominente Film- und Fernsehschaffende gaben sich ein Stelldichein Weiterlesen

5 Jahre „KunstRaum Riedberg“ der Goethe-Universität

Mittwoch, 29. Oktober 2014

„Der KunstRaum Riedberg ist eine Erfolgs-Story, weil er von allen Studierenden und Mitarbeitern mitgetragen wird und dazu beigetragen hat, den Campus Riedberg ins Interesse der Bürger in der Region zu rücken. Der Campus Riedberg steht heute nicht nur für Wissenschaft und Forschung, sondern auch für zeitgenössische und junge Kunst.“
Universitäts-Vizepräsident Professor Manfred Schubert-Zsilavecz

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Bruno Feger, Gräser 5-9-11, Stahl, farbig gefasst, 238 x 107 x 63 cm

Weit schweift der Blick von der Terrasse des „KunstRaums Riedberg“ über den südlichen Hang des Campus-Geländes der Goethe-Universität auf Frankfurt am Main. Im Zuge einer Gruppenausstellung aus Anlass des 5-jährigen Jubiläums des „KunstRaums“ zeigt die Universität noch bis in die erste Novemberwoche 2014 hinein Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler, die in jenen fünf Jahren Einzelausstellungen auf dem Campus hatten Weiterlesen

Dina Draeger und ihre Heiligen der Linie 11

Montag, 27. Oktober 2014

„Mein Gelübde ist das Menschenbild.“ „Meine Kunst guckt zurück.“ (Dina Draeger)

„Wechselspannungen“: Doppelausstellung in der Christus- und der St. Markus-Kirche in Frankfurt-Nied

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Christuskirche; Dina Draeger in der Christuskirche vor einem ihrer Gemälde „No Name“; St. Markus-Kirche
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MMK 2 eröffnet unter dem Motto „Boom She Boom“

Donnerstag, 23. Oktober 2014

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„Sh Boom Sh Boom“ hallte es am Eröffnungsabend durch das Palast- und Kathedralenausmasse einnehmende Foyer des Hochhauskomplexes „TaunusTurm“ – fantastisch, atemberaubend und Begeisterungsapplaus entfachend gesungen und deklamiert von vier Damen des Ensembles bzw. Studios von Schauspiel Frankfurt: Verena Bukal, Paula Hans, Paula Skorupa und Carina Zichner.

Der „Ohrwurm“-Doo-Wop-Song „Sh Boom Sh Boom“ der „Chords“ aus den 1950er Jahren lieferte den leicht verballhornten Titel „Boom She Boom“ der Eröffnungsausstellung der neuen Dependance MMK 2 des international hohen Ruf geniessenden Frankfurter Museums für Moderne Kunst Weiterlesen

Max Beckmanns Faust-Zyklus im Museum Wiesbaden

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Der alte Faust alias Max Beckmann

Von Hans-Bernd Heier

Im Jahre 1976 gelang es der Bundesrepublik Deutschland zusammen mit dem Land Hessen, einen der bedeutendsten Werkkomplexe der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts aus Frankfurter Privatbesitz zu erwerben: den vollständigen Zyklus von Max Beckmann zu Faust II von Johann Wolfgang von Goethe – bestehend aus 143 Federzeichnungen. Das Auktionshaus Sotheby war ebenfalls am Erwerb der Schwarz-Weiß-Arbeiten interessiert, wollte jedoch die Blätter einzeln versteigern. Um den Zyklus zusammenzuhalten, erwarben der Bund und das Land Hessen das ganze Konvolut, das jetzt im Museum Wiesbaden inventarisiert ist und vom Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt aufbewahrt wird.

Zum ersten Mal nach über zehn Jahren wird der Zyklus wieder vollständig gezeigt. Das Museum Wiesbaden präsentiert unter dem Titel „Goethe – Faust – Beckmann“ alle 143 Blätter in einer großartigen Schau, die bis zum 31. Januar 2015 zu sehen ist. Wie Museumsdirektor Alexander Klar betont, ist die Ausstellung etwas ganz Besonderes: „Sie ist Sammlungspflege und zeigt die Schätze des Hauses“.

Die Arbeiten entstanden im Auftrag des Frankfurter Verlegers und ehemaligen Vorsitzenden des Freien Deutschen Hochstiftes, Georg Hartmann (1870 bis 1950), für den Beckmann bereits den Zyklus „Apokalypse“ illustriert hatte. Der Auftrag kam für den Künstler, der zu der Zeit in Amsterdam im Exil lebte, gerade recht. Den umfangreichen Werkzyklus fertigte Beckmann zwischen dem 15. April 1943 und dem 15. Februar 1944. An den Blättern arbeitete er äußerst intensiv, teilweise bis zur körperlichen Erschöpfung. Es existieren nur Bleistiftskizzen und Tuschezeichnungen, da die von Hartmann geplante illustrierte Monumentalausgabe wegen der Kriegswirren nie zustande kommen sollte.

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„Selbstbildnis als Faust“, 5. Akt; Bundesrepublik Deutschland und Museum Wiesbaden; © VG Bild-Kunst, Bonn

Max Beckmann gilt als einer der bedeutendsten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts. In seinem Werk, das durch einen expressionistischen Malstil geprägt ist, spielt das Selbstporträt eine bedeutende Rolle. Hauptthemen des Malers und Grafikers sind der einsame, bedrohte Mensch in einer apokalyptischen Welt sowie Unheil und Schrecken.

Bei dem im Februar 1884 Leipzig geborenen Künstler steht gleichberechtigt neben seinen Gemälden ein außerordentlich reiches zeichnerisches und druckgrafisches Werk. Als er in nur zehn Monaten die Federzeichnungen zu Goethes Faust II schuf, lebten er und seine zweite Frau Mathilde (genannt „Quappi“) seit fast sechs Jahren in Amsterdam. Dorthin hatte es das Paar verschlagen, nachdem er den Lehrauftrag am Städelschen Kunstinstitut Frankfurt 1933 durch die Nationalsozialisten verloren hatte und 1937 einige seiner Arbeiten in der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt wurden.

In dem Vertrag von Anfang April 1943 mit dem Verleger Hartmann verpflichtete sich Beckmann, für eine geplante reich bebilderte Ausgabe von Faust II etwa hundert Zeichnungen zu fertigen. Für einen Vorentwurf wurden dem Künstler 2.000 Reichsmark zugesagt und für die endgültige Ausführung ein Honorar von 10.000 Reichsmark.

Beckmann stand Goethe, den er etwas despektierlich in seinem Tagebuch als „Göthe“ bezeichnet, durchaus distanziert gegenüber. Dies belegt ein Schreiben vom Februar 1944 an den Kunsthistoriker Erhard Göpel: „Glauben Sie nur nicht, dass ich den alten Optimisten (Goethe) für diese Zeichnungen gebraucht hätte. Ich bewege mich in den gleichen Regionen, dort bin ich auch zu Hause“. Der selbstbewusste Beckmann sah sich durchaus auf Augenhöhe mit dem Dichterfürsten, teilte aber als Melancholiker und Pessimist nicht die optimistische Sichtweise des Dichters. Dennoch setzte er sich mit großer Intensität mit Goethes Opus Magnum auseinander und arbeitete oft bis zur körperlichen Erschöpfung. In einem wahren Schaffensrausch schuf er statt der vereinbarten 100 Zeichnungen 143 kleinformatige Federzeichnungen. Bisweilen ist eine Bleistiftvorzeichnung erkennbar.

Die Themen, die Beckmann beschäftigten, fand er auch in Goethes Tragödienstoff wieder, wie das Verhältnis von Mann und Frau, die irdische Welt als Bühnenstück und das bewegte Zeitgeschehen. „Dies erklärt auch,“ so Kurator Roman Zieglgänsberger, Kustos für klassische Moderne im Museum Wiesbaden, „warum dieser sich in die Figuren des Faust, Mephisto und auch Nero hineingezeichnet und damit identifiziert hat“. Wohl rund dreißigmal ist der markante, kantige Kopf Beckmanns in dem Faust-Zyklus zu erkennen.

Zum Auftakt der Wiesbadener Schau, gewissermaßen als „Prolog“, sind im vorderen Oktogon fünf Ölgemälde aus eigenem Besitz zu sehen, wie der berühmte „Weibliche Akt mit Hund“ sowie das „Selbstbildnis mit Zeichenblock“ – beide aus dem Jahr 1927.

Daran schließt sich die Präsentation der 143 kleinformatigen Tuschezeichnungen auf geripptem hellbeigem Papier an – keine größer als A4-Format Die einheitlich in hellbraunen Rahmen gefassten Arbeiten kommen auf dem grauen Fond der Wände gut zur Geltung. Auf den gegenüberliegenden weißen Wänden sind dazu passende Zitate aus Faust II zu lesen. Die Arbeiten sind entsprechend den Akten des Faust-Dramas gehängt. Info-Karten mit Zusammenfassungen des Inhalts der einzelnen Akte und Verweisen auf die Zeichnungen Beckmanns sind eine nützliche Orientierungshilfe für die Besucher. Ebenso die einzelnen Exponat-Beschriftungen mit den jeweiligen Versen aus Faust II, von denen sich Beckmann inspirieren ließ. Zum besseren Verständnis sind die auf den Zeichnungen wiedergegebenen Personen benannt, wie zum Beispiel: der alte Faust alias Max Beckmann.

Ganz ungewöhnlich ist die hochformatige Präsentation einer Landschaft, da diese üblicherweise im Querformat dargestellt wird.

Teilweise hat Beckmann nur den Umriss der Figuren gezeichnet, teils auch die Gesichter ganz ausgefüllt. Durch den Wechsel zwischen linearen und gefüllten Darstellungen bringt der Künstler Spannung in den Zyklus.

Goethes Tragödie endet optimistisch, als Gretchen Faust erscheint, um ihn in höhere Sphären zu geleiten und so sich das einst Gesagte erfüllt: „Das Ewig-Weibliche / Zieht uns hinan“. Bei dem Pessimisten Beckmann zieht das Weibliche mit der Schlange des Sündenfalls eher hinab.

Zum Ausklang der sehenswerten Schau, gewissermaßen als „Epilog“, ist noch der Zyklus „Day & Dream“ von 1946 zu sehen. Das 15 Lithografien umfassende Werk ist die letzte große Grafikmappe, die Beckmann in Amsterdam schuf, bevor er 1947 in die USA emigrierte. Bei dem expressiven Mappenwerk geht es um ein essentielles Thema in Beckmanns Œuvre, nämlich die Erkenntnis, dass es mehrere Ebenen im Dasein gibt – eine reale (Day) und eine geträumte (Dream), die zusammengezogen als Tagtraum nicht mehr zu trennen sind.

Am 27. Dezember 1950 bricht der Künstler auf dem Weg zur Ausstellung „American Paintings today“ (Metropolitan Museum, New York), wo sein Selbstbildnis in blauer Jacke zu sehen war, tot zusammen.

Ein opulenter, hochqualitativer Katalog, 240 Seiten, herausgegeben vom Museum Wiesbaden mit Beiträgen von Christiane Zeiller und Roman Zieglgänsberger, begleitet die gelungene Präsentation.

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Hessiche Kulturstiftung und „Freunde des Museums Wiesbaden“.

„Goethe – Faust – Beckmann“, Museum Wiesbaden, bis 18. Januar 2015

Bildnachweis: Museum Wiesbaden

→ „Max Beckmann kommt nach Frankfurt“