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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Oktober, 2014

25 Jahre Hessischer Film- und Kinopreis 2014

2014, Oktober 31.

Grossartige Filme, zu viele Sprüche, gelungenes Fest

Von Renate Feyerbacher

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Der neue „hessische Oscar“, kreiert von dem bekannten Künstler Ottmar Hörl; © VG Bild-Kunst, Bonn

Am 10. Oktober 2014 wurde in der Alten Oper Frankfurt zum 25. Mal der Hessische Film- und Kinopreis und zum 12. Mal der Hessische Fernsehpreis – letzterer vergeben vom Hessische Rundfunk in Zusammenarbeit mit der Hessischen Filmförderung – verliehen. Namhafte prominente Film- und Fernsehschaffende gaben sich ein Stelldichein Weiterlesen

5 Jahre „KunstRaum Riedberg“ der Goethe-Universität

2014, Oktober 29.

„Der KunstRaum Riedberg ist eine Erfolgs-Story, weil er von allen Studierenden und Mitarbeitern mitgetragen wird und dazu beigetragen hat, den Campus Riedberg ins Interesse der Bürger in der Region zu rücken. Der Campus Riedberg steht heute nicht nur für Wissenschaft und Forschung, sondern auch für zeitgenössische und junge Kunst.“
Universitäts-Vizepräsident Professor Manfred Schubert-Zsilavecz

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Bruno Feger, Gräser 5-9-11, Stahl, farbig gefasst, 238 x 107 x 63 cm

Weit schweift der Blick von der Terrasse des „KunstRaums Riedberg“ über den südlichen Hang des Campus-Geländes der Goethe-Universität auf Frankfurt am Main. Im Zuge einer Gruppenausstellung aus Anlass des 5-jährigen Jubiläums des „KunstRaums“ zeigt die Universität noch bis in die erste Novemberwoche 2014 hinein Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler, die in jenen fünf Jahren Einzelausstellungen auf dem Campus hatten Weiterlesen

Dina Draeger und ihre Heiligen der Linie 11

2014, Oktober 27.

„Mein Gelübde ist das Menschenbild.“ „Meine Kunst guckt zurück.“ (Dina Draeger)

„Wechselspannungen“: Doppelausstellung in der Christus- und der St. Markus-Kirche in Frankfurt-Nied

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Christuskirche; Dina Draeger in der Christuskirche vor einem ihrer Gemälde „No Name“; St. Markus-Kirche
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MMK 2 eröffnet unter dem Motto „Boom She Boom“

2014, Oktober 23.

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„Sh Boom Sh Boom“ hallte es am Eröffnungsabend durch das Palast- und Kathedralenausmasse einnehmende Foyer des Hochhauskomplexes „TaunusTurm“ – fantastisch, atemberaubend und Begeisterungsapplaus entfachend gesungen und deklamiert von vier Damen des Ensembles bzw. Studios von Schauspiel Frankfurt: Verena Bukal, Paula Hans, Paula Skorupa und Carina Zichner.

Der „Ohrwurm“-Doo-Wop-Song „Sh Boom Sh Boom“ der „Chords“ aus den 1950er Jahren lieferte den leicht verballhornten Titel „Boom She Boom“ der Eröffnungsausstellung der neuen Dependance MMK 2 des international hohen Ruf geniessenden Frankfurter Museums für Moderne Kunst Weiterlesen

Max Beckmanns Faust-Zyklus im Museum Wiesbaden

2014, Oktober 22.

Der alte Faust alias Max Beckmann

Von Hans-Bernd Heier

Im Jahre 1976 gelang es der Bundesrepublik Deutschland zusammen mit dem Land Hessen, einen der bedeutendsten Werkkomplexe der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts aus Frankfurter Privatbesitz zu erwerben: den vollständigen Zyklus von Max Beckmann zu Faust II von Johann Wolfgang von Goethe – bestehend aus 143 Federzeichnungen. Das Auktionshaus Sotheby war ebenfalls am Erwerb der Schwarz-Weiß-Arbeiten interessiert, wollte jedoch die Blätter einzeln versteigern. Um den Zyklus zusammenzuhalten, erwarben der Bund und das Land Hessen das ganze Konvolut, das jetzt im Museum Wiesbaden inventarisiert ist und vom Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt aufbewahrt wird. Weiterlesen

Raum und Licht – Malerei von Friederike Walter in der Galerie Maurer

2014, Oktober 19.

„Der gefundene Raum“

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Friederike Walter vor „Blickwechsel“, 2013, Öl auf Leinwand, 40 x 40 cm (FF)

Es ist Malerei in einer reinsten Form. Raum wird Licht. Licht öffnet Raum. Raum und Licht scheinen sich, wenn wir diese Bilder länger betrachten, zu entmaterialisieren, entgleiten zu astralen Erscheinungen, transzendieren in eine unbestimmbare Dimension.

Es sind deshalb keine realen Räume. Menschen, Fauna, Flora – nichts Belebtes ist zu sehen. Es sind Gedankengebilde, in einem eigenartigen Zwischen- und Schwebezustand zwischen Figuration und Abstraktion, jenseits eines Raum-Zeit-Gravitations-Gefüges. Weiterlesen

„Hänsel und Gretel“ – Märchenspiel von Engelbert Humperdinck an der Oper Frankfurt

2014, Oktober 17.

Fantasievolle Kinderoper –
tiefgründiges Erwachsenenstück

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus /Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher

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im Vordergrund Katharina Magiera (Hänsel)  und Louise Alder (Gretel), dahinter Elizabeth Reiter (Sandmännchen)  sowie im Fenster stehend Heidi Melton (Mutter) und Alejandro Marco-Buhrmester (Vater), Foto © Monika Rittershaus

Das Vorspiel, „eine Art symphonischer Prolog“, das viele Leitmotive des Märchenspiels, das am 12. Oktober 2014 Premiere hatte, anklingen lässt, wird auf der Bühne visualisiert durch eine Guckkasten-Puppenbühne, auf der Kleinst-Marionetten das Märchengeschehen zusammenraffen. Grosse Marionetten sind auch später immer wieder dabei. Die Hexe – männlich besetzt, was Humperdinck nicht wollte – posiert schon mal in Lackleder gekleidet. Vor dem Puppentheater sitzen Kinder, die nachher im geräumigen, spitzgiebeligen Raum in den Betten liegen – Waisenhausatmosphäre. Weiterlesen

Künstlerduo Wiebke Grösch / Frank Metzger in der Galerie Heike Strelow

2014, Oktober 16.

„Schilf ohne Wasser“ – der Titel der Ausstellung

Nichts geht ohne Wasser – eine „Binsenweisheit“: Wobei wir gleich wieder beim Wasser sind, bevorzugen Binsen doch – ebenso wie Schilfrohr oder Röhricht, von dem noch die Rede sein wird – feuchte bis nasse Standorte an Gewässern, Feuchtwiesen oder Mooren.

Die Arbeiten des Künstlerduos Wiebke Grösch / Frank Metzger, die jetzt in der Galerie Heike Strelow (nur noch bis 24. Oktober 2014) zu sehen sind, beziehungsweise deren Werkstoffe haben ebenfalls in bestimmter Weise mit Wasser oder zumindest flüssigen Zuständen zu tun: Beton ist zunächst flüssig, bevor er erhärtet; gleiches gilt für Gips; vom die Nähe des Wassers schätzenden Schilfrohr handelten wir bereits; ein Feigenbaum wird schwerlich ohne Wasser seine Blätter ausbilden; und auch Glas schliesslich ist zunächst flüssig.

Es geht – wie zumeist bei dem Künstlerduo Grösch/Metzger und im übrigen auch im Ausstellungsprogramm der Galerie – um konzeptuelle Kunst, in der Überlegungen und Ideen, Bedeutungszusammenhänge und Assoziationen dem künstlerischen Ausführungsprozess gleichgestellt wie auch übergeordnet sind. Wir greifen hier eine Auswahl aus den gezeigten Werken auf.

Zum Titel der Ausstellung wie ihrer Arbeiten in Beton nehmen Grösch/Metzger auf den utopischen, 500 Jahre in der Zukunft spielenden Roman „Die Abschaffung der Arten“ von Dietmar Dath Rekurs, in dem nach dem Verschwinden aller biologischen Arten und weitgehend der Menschen intelligente Wesen eine selbstbestimmte, gänzlich andere Existenz führen – wo also „Schilf“ auch ohne „Wasser“ gedeihen könnte – oder eben gerade nicht. Wir sehen Abgüsse in Beton von Schilfmatten, die gemeinhin vorwiegend der Abdeckung von Materialien oder als Sichtschutz bei Gärten oder Balkonen Verwendung finden. Die dünnen Betonplatten wurden nach Erhärtung gebrochen und können deshalb als Skulpturen frei im Raum stehen. Das angeblich Harte (Bert Brecht: „Du verstehst, das Harte unterliegt“) erweist sich als fragil, die bruchbedingten Ritzen ermöglichen einen Durchblick und konterkarieren die Abschirmfunktion der Matten.

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↑↓ Schilf ohne Wasser, 2014, Objekt 2/3, Beton, Gips, Metall, 110 × 110 × 3 cm Weiterlesen

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2014 an Jaron Lanier

2014, Oktober 15.

Die Notwendigkeit von Regeln, die eine Art von Humanismus im Hightech schaffen

Lasst uns die Schöpfung lieben“

Von Renate Feyerbacher

Am Sonntag, den 12. Oktober 2014, wurde in der Frankfurter Paulskirche in Anwesenheit von 1000 geladenen Gästen dem amerikanischen Internet-Pionier der ersten Stunde und heutigen Internetkritiker Jaron Lanier der Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verliehen. In der Begründung lobt die Jury Laniers Einsatz für das „Bewahren der humanen Werte“, die „Grundlage eines friedlichen Zusammenlebens, auch in der digitalen Welt“. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Die Begründung des Stiftungsrats: „Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2014 an Jaron Lanier und ehrt mit dem amerikanischen Informatiker, Musiker und Schriftsteller einen Pionier der digitalen Welt, der erkannt hat, welche Risiken diese für die freie Lebensgestaltung eines jeden Menschen birgt.

Eindringlich weist Jaron Lanier auf die Gefahren hin, die unserer offenen Gesellschaft drohen, wenn ihr die Macht der Gestaltung entzogen wird und wenn Menschen, trotz eines Gewinns an Vielfalt und Freiheit, auf digitale Kategorien reduziert werden. Sein jüngstes Werk ‚Wem gehört die Zukunft‘ wird somit zu einem Appell, wachsam gegenüber Unfreiheit, Missbrauch und Überwachung zu sein und der digitalen Welt Strukturen vorzugeben, die die Rechte des Individuums beachten und die demokratische Teilhabe aller fördern.

Mit der Forderung, dem schöpferischen Beitrag des Einzelnen im Internet einen nachhaltigen und ökonomischen Wert zu sichern, setzt Jaron Lanier sich für das Bewahren der humanen Werte ein, die Grundlage eines friedlichen Zusammenlebens, auch in der digitalen Welt, sind.“

Der Preisträger

Jaron Laniers Biografie ist europäisch geprägt. Die Mutter hatte Wien mit 15 Jahren verlassen, der Vater stammte aus der Ukraine und war schon vorher vor den antijüdischen Pogromen geflüchtet. Jaron Lanier wurde 1960 in New York geboren, wuchs aber in der Nähe von El Paso, Texas, auf. Die Mutter starb bei einem Autounfall, als der Junge neun Jahre alt war. Die Kindheit verlief sehr turbulent. Der Vater starb vor kurzem, „während ich diese Worte schreibe“, das sind letzte Sätze in seiner Paulskirchen-Rede, die er tief bewegt ausspricht. Er ist der Einzige, der von seiner Familie blieb, viele kamen in den Konzentrationslagern um.

Mit 15 Jahren verliess Lanier die High School, aber ein Nachbar vermittelte die Begegnung mit einem Wissenschaftler und fortan besuchte er Mathematik- und Chemieseminare an der New Mexico State University. Er gewann erste Einsichten in die Computer-Technologie.

Heute lehrt Jaron Lanier Informatik an der University of California in Berkeley, wo er mit Frau und Tochter lebt. Er erhielt unter anderem zwei Ehrendoktortitel und weitere hohe Auszeichnungen. Als ein Multitalent ist er auch Musiker. Er spielte mit dem Komponisten Philipp Glass, mit Yoko Ono, Sean Lennon und vielen anderen Musiker verschiedener Couleur. Er komponiert Konzerte, Ballette und Filmmusiken. Und er malt. Seine Zeichnungen, Gemälde und Kunstinstallationen – für Steven Spielberg schuf er virtuelle Bühnenbilder – wurden in den USA und Europa gezeigt. Er ist Buchautor („Gadget. Warum die Zukunft uns noch braucht“ und „Wem gehört die Zukunft? ‚Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt.‘ „). Er hat eine Sammlung von mehr als tausend seltenen alten Musikinstrumenten, von denen er am Ende der Preisverleihung in der Paulskirche eine alte Bambusflöte aus Laos, eine Khaen, spielte.

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Jaron Lanier in der Paulskirche mit einer Flöte aus Laos Weiterlesen

Liebieghaus präsentiert “Die grosse Illusion – Veristische Skulpturen und ihre Techniken” (Folge 2)

2014, Oktober 13.

Lebensnahe Menschenbildnisse mit Glasaugen, echten Haaren und Kleidern

Von Hans-Bernd Heier

In einer spektakulären Sonderausstellung widmet sich das Liebieghaus der faszinierenden Tradition der realistischen Skulptur. Unter dem Titel „Die große Illusion. Veristische Skulpturen und ihre Techniken“ bietet die Skulpturensammlung bis zum 1. März 2015 einen fesselnden Einblick in die über 4000 Jahre alten Bestrebungen von Bildhauern, lebensnahe Menschenfiguren zu schaffen – von der Antike an bis zum Hyperrealismus. Mit Echthaar, Glasaugen und aufwendigen Bemalungen fesseln und irritieren die naturgetreuen, bisweilen schonungslosen und sozialkritischen künstlerischen Darstellungen.

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Jesuskind aus dem Ursulinenkloster St. Joseph in Landshut, Süddeutschland, 16./18. Jh., Gliederfigur aus Holz, originale Fassung, Glasaugen, Wollhaar, Textilien u.a, Ursulinenkloster St. Joseph, Landshut; Foto: Thomas Dashuber, © Diözesanmuseum Freising

Die hyperrealistischen, täuschend echt wirkenden Figuren von zeitgenössischen Künstlern wie Duane Hanson, John De Andrea oder Sam Jinks beeindrucken aufgrund ihrer verblüffend lebensechten Erscheinung. Irritierend illusionistische Effekte von Skulpturen sind allerdings kein neues, sondern ein bereits rund 4500 Jahre altes Phänomen. Doch welche technischen Mittel verwendeten die meist unbekannten Künstler und Handwerker, um möglichst wirklichkeitsnahe Figuren zu schaffen? Schon in der Antike wurden Perücken aus natürlichem Haar, Kleidung aus echten Textilien und Schmuck für die Skulpturen verwendet. Bis heute werden – unabhängig vom Ausgangsmaterial der Skulptur wie Holz, Stein, Metall, Wachs oder Kunstharz – ganz ähnliche Methoden genutzt. Weiterlesen