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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für September, 2014

Rheingau-Musikpreis 2014 an Christoph Eschenbach

2014, September 27.

Ein fulminanter Musikabend mit dem Gustav Mahler-Jugendorchester

Von Renate Feyerbacher

Vor wenigen Tagen ist das diesjährige Rheingau Musik Festival zu Ende gegangen. Ein Höhepunkt am 4. September 2014 war die 21. Verleihung des Rheingau Musik Preises an den aussergewöhnlichen Musiker, Pianisten, Dirigenten und Mentor Christoph Eschenbach sowie das anschliessende Konzert in der Basilika Kloster Eberbach.

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Rheingau Musik Festival in der Basilika von Kloster Eberbach

In seiner Dankesrede wurde der Geehrte, der 1940 in Breslau geboren wurde, persönlich. Er erinnerte an seine „Mutter“, die nicht seine leibliche Mutter war, die er aber so nannte. Es war die Kusine seiner Mutter, die ihn adoptierte und bei der er aufwuchs. Die Mutter war bei der Geburt gestorben, der Vater, ein Musikwissenschaftler, während des Krieges. Weiterlesen

Diskussions- und Benefiz-Abend der Frankfurter ZONTA-Clubs „Prostitution in Deutschland“

2014, September 25.

Deutschland – zum „Bordell Europas“ geworden?

Von Renate Feyerbacher

“Leicht beieinander wohnen die Gedanken,
Doch hart im Raume stossen sich die Sachen”

Friedrich Schiller, Wallenstein in: Wallensteins Tod, 2. Aufzug, 2. Auftritt

Die beiden Frankfurter ZONTA-Clubs – „ZONTA Club Frankfurt am Main“ und „ZONTA Club Frankfurt II Rhein-Main“ – hatten zu einem Diskussions- und Advocacy-Abend „Das geht uns alle an: Prostitution in Deutschland“ in die Weissfrauen Diakoniekirche eingeladen. Die beiden Club-Präsidentinnen Caroline Willeke und Heike Strelow führten in das Thema ein, das Grusswort sprach Esther Gebhardt, Vorsitzende des Vorstands des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt am Main. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft der hessischen Ministerin der Justiz Eva Kühne-Hörmann, die Justiz-Staatssekretär Thomas Metz zu einem Grundsatzreferat entsandt hatte. Der Abend wurde von Christoph Baierl und seiner Band aus Regensburg musikalisch untermalt.

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Die Präsidentinnen der Frankfurter Clubs:
↑ Heike Strelow (ZONTA Club Frankfurt II Rhein-Main) und ↓ Caroline Willeke (ZONTA Club Frankfurt am Main)

Caroline-Willeke-FeuilletonFrankfurt-450 Weiterlesen

Eröffnung des MMK 2 rückt näher!

2014, September 24.

„And coming events cast their shadows before“ – Und kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus (Thomas Campbell, 1777-1844)

Noch rund einen Monat, dann ist es soweit: zur grossen Eröffnungsfeier der MMK-Dependance MMK 2 am Sonntag, 19. Oktober 2014, 14 bis 18 Uhr! Schon heute ist es unübersehbar:

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Das kennt man doch – richtig! Einst stand sie im Eingangssaal des MMK – so lange ist es noch gar nicht her, im Herbst 2013 war es – die fröhliche Schlange von Franz West, in der Ausstellung „Wo ist mein Achter?“ Einen Titel trägt die 2012 posthum gefertigte Arbeit des Meisters nicht – er starb am 25. Juli 2012. Im Werkverzeichnis des Museums konnten wir sie noch nicht antreffen. Aber sie steht jetzt am Eingang „Taunustor 1“ des neuen MMK 2: hier der Beweis – oder ist es eine Kopie? Wohl kaum. Franz West verstand seine Kunst meist partizipativ, zum Anfassen und Daraufsetzen, zum Mitwirken also.

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Nobel geht es zu Weiterlesen

Anja Czioska eröffnet ihre ACAC-Gallery

2014, September 23.

Malerei und Zeichnungen: Isabel Friedrich, Bernhard Martin, Manfred Peckl

Wo Anja Czioska ist, da ist Kunst – oder auch umgekehrt: Wo Kunst ist, da ist auch Anja Czioska.

Dies gilt allemal für die zumindest in Sachen Kunst friedlich-schiedlichen Nachbarstädte Frankfurt und Offenbach und ebenso für Rhein-Main insgesamt. Die stets ebenso umtriebige wie ideenreiche frühere Städelschul-Absolventin und Meisterschülerin des renommierten Kunstprofessors, Museumsdirektors und Gründers des Frankfurter Portikus Kasper König ist zuletzt von ihrer vielteiligen Ausstellungsreihe „artspace RheinMain @ Ölhalle am Hafen Offenbach“ im Jahr 2013 in bester Erinnerung. Unter ihrem Label ACAC – Anja Czioska Art Consulting – eröffnete sie nun gestern in der Frankfurter Weserstrasse 4, in der vierten Etage, die ACAC-Gallery – wie wär’s da mit einem Werbemotto „weser hoch 4“?

In dem in schlichtem Weiss gehaltenen, tageslichtdurchfluteten Ausstellungsraum präsentiert Czioska unter dem Motto „Superstar & Upcoming & New Babe“ Malereien von Isabel Friedrich und Manfred Peckl sowie Zeichnungen von Bernhard Martin.

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Isabel Friedrich, trallafitti, 2014, Öl auf Leinwand, 80 x 115 cm

Isabel Friedrich, 1977 in Essen geboren, studierte an der Städelschule als Meisterschülerin im Fach Interdisziplinäre Kunst bei Professorin Ayse Erkmen und ist nach einer Reihe von Ausstellungen weiss der Himmel kein „New Babe“ mehr. Titel wie „stets ungetrübte stimmung notiz der nachbarn“, „jucheissassa jucheissassa erklinge“ oder „bilanzierungsepos“ machen auf ihre Arbeiten neugierig. „Anknüpfend an die Bilderzyklen der letzten Jahre thematisiert auch meine aktuelle Arbeit die Vernetzung realer Geschehensgefüge und innerweltlicher Wahrnehmungsprozesse“, schreibt die Künstlerin. „Triebfeder für meine Arbeit ist die Auseinandersetzung mit typischen Inhalten unserer westlichen Hemisphäre, in der ein immer grösser werdender Druck auf den einzelnen sowie Reizüberflutung und Schnelllebigkeit den sich rasant verändernden Alltag der Moderne prägen. Es geht um die Infragestellung und Definition von Werten und derer Bedeutung.“ Isabel Friedrich lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und in Essen.

Bernhard Martin wurde 1966 in Hannover geboren. Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel und war Gastdozent an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg sowie der École Supérieure des Beaux-Arts in Genf. Martin lebte und arbeitete in Barcelona, Frankfurt am Main und Berlin, bevor er 2011 ein Atelier in London einrichtete. Im Alter von sieben Jahren soll er seinen ersten Ölmalkasten bekommen haben, mit zehn Jahren durchforstete er die von Manfred Schneckenburger geleitete Kasseler documenta 6, mit 16 Jahren begann er das Kunststudium. Nach manchen anderen Auszeichnungen erhält er den namhaften, mit 10.000 Euro dotierten Fred-Thieler-Preis 2015. Einige seiner weltweit bekannten Arbeiten befinden sich unter anderem im New Yorker Museum of Modern Art (MoMa), im Museum der Moderne Salzburg und in der Kunstsammlung der Deutschen Bank. Ein „Superstar“ eben, wie auch Anja Czioska feststellt.

Manfred Peckl, Anja Czioskas „Upcoming“ also, wurde 1978 im österreichischen Wels geboren. Nach seinem Studium an der Hochschule für Gestaltung Linz und an der Frankfurter Städelschule bekleidet er einen Lehrauftrag für „Neue Formen der Malerei“ an der in die Johannes Gutenberg-Universität eingegliederten Akademie für Bildende Künste in Mainz. Die Anzahl seiner Einzel- und Gruppenausstellungen füllt bereits mehrere DIN A4-Seiten. In der Ausstellung jetzt in der Weserstrasse wartet der in Berlin lebende und arbeitende Künstler, der auch mit Text- und Musik-/Soundarbeiten unterwegs ist, mit neuen Werken auf, deren Preisniveau allemal deren hoher Qualität entspricht.

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Helga Rausch, Anja Czioska und Isabel Friedrich in der neuen Galerie

Eine ebenso mutige, anspruchsvolle wie gelungene Zusammenstellung aktuellen Kunstgeschehens, die Anja Czioska mit ihrer Eröffnungsausstellung in der neuen ACAC-Gallery anbietet. Gemeinsam mit Helga Rausch – mit ihrem Mann Hartmut ehemals Halbpart des schon heute legendären Hausmeisterehepaars der Städelschule – wünscht FeuilletonFrankfurt zum Galeriestart ein herzliches „Glückauf!“.

ACAC-Gallery Anja Czioska Art Consulting, Weserstrasse 4 / 4. Etage, Besichtigung nach Vereinbarung (Tel.: 0177 / 723 1100)

Abgebildetes Werk © Isabel Friedrich; Fotos: FeuilletonFrankfurt

 

Michelangelo heute – Michelangelo oggi

2014, September 22.

Die Frankfurter Westend Galerie würdigt das Genie aus Anlass des 450. Todestages

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Giovanni Cerri, Il Padre, 2005, Öl auf Papier auf Leinwand, 100 x 80 cm

Wer sich in Frankfurt am Main, ja in Hessen und sogar deutschlandweit für klassische moderne sowie zeitgenössische italienische Kunst begeistert, kennt sie ebenso wie das renommierte italienische Blatt „Corriere della Sera“: die Frankfurter Westend Galerie im Haus der Deutsch-Italienischen Vereinigung. 1966 gegründet, wird sie bis heute ehrenamtlich geleitet. Seit jeher gehören international bekannte Künstlerinnen und Künstler wie zum Beispiel Lucio Fontana zum Programm der Galerie im Stadtteil Westend. Aber auch jungen Nachwuchskünstlern sowie deutschen Künstlern mit Verbindungen zu Italien widmet die Galerie unter der Leitung von Salvatore A. Sanna – zugleich Vorsitzender des Vorstands der Deutsch-Italienischen Vereinigung und Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Stiftung für deutsch-italienische Studien – immer wieder einige Ausstellungen. Weiterlesen

5. Frankfurter Goethe-Festwoche: „Goethes Eros“ – über Leben und Liebe des Frankfurter Dichters

2014, September 20.

Marianne von Willemer und Goethe im Spiegel des „West-östlichen Divan“ im Frankfurter Goethe-Haus

Von Hans-Bernd Heier

Unter dem Titel „Goethes Eros – In tausend Formen magst du dich verstecken“ greift die diesjährige Goethe-Festwoche ein Thema auf, das Leben und Werk des Dichters entscheidend prägte.

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Gerhard von Kügelgen (1772-1820), Johann Wolfgang von Goethe, Öl auf Leinwand, 1810

Zur fünften Frankfurter Goethe-Festwoche vom 19. bis 28. September 2014 haben die Beteiligten ein äußerst abwechslungsreiches und farbiges Festival-Paket geschnürt. Freunde und Verehrer des größten deutschen Dichters erwarten eine große Ausstellung im Frankfurter Goethe-Haus, ein Sonderprogramm auf hr2-kultur sowie insgesamt 23 Veranstaltungen, mit denen die verschiedensten Facetten dieses unerschöpflichen, ewig reizvollen Themas beleuchtet werden. Weiterlesen

Valentina Stanojev: Animierte Scherenschnitte im 1822-Forum

2014, September 18.

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Plakat zur Ausstellung

Ins Varieté wollten wir eigentlich nicht, sondern ins Kunstforum; und überhaupt, was soll das, Scherenschnitte? Wir leben doch nicht mehr im 19. Jahrhundert, wo solches einmal „modern“ war!

Nun steht „Contemplation“ auf dem Plakat, und weiter lesen wir, dass uns wohl unheimliche, seltsame, exotische, quälende Erzählungen erwarten Weiterlesen

„Sirenen – Bilder des Begehrens und des Vernichtens“ von Rolf Riehm an der Oper Frankfurt

2014, September 17.

Kirke, Odysseus, Telegonos – ein unheilvolles Dreiecksverhältnis.
Du lebst oder Du kommst um“

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Oper Frankfurt /Wolfgang Runkel und Renate Feyerbacher

SIRENEN - Bilder des Begehrens und des Vernichtens (Oper Frankfurt, 2014)

In der Mitte auf der Treppe stehend Lawrence Zazzo (Odysseus [Sänger]) und das Solistenensemble (Sirenen); Foto © Wolfgang Runkel

Eine Oper? Ein Gesamtkunstwerk mit aussergewöhnlicher Musik, Sängerinnen und einem Sänger, mit Sprechrollen, mit tänzerischen Elementen, mit Video-Einspielungen und überzeugendem Bühnenbild-, Licht- und Kostümensemble.

Das Auftragswerk der Oper Frankfurt wurde am 14. September 2014 uraufgeführt. Weiterlesen

„Panta Rhei“: Fotografien von Meike Fischer in der Frankfurter Heussenstamm-Galerie

2014, September 16.

Es ist an der Zeit, auf eine Fotografie-Ausstellung in der Frankfurter Heussenstamm-Galerie zurückzukommen. Die Galerie-Chefin und auch Kuratorin der Ausstellung Dagmar Priepke präsentiert dort unter dem Titel „Panta Rhei“ Fotografien von Meike Fischer. „Panta rhei“, der bekannte Platonsche, jedoch auf Heraklit zurückzufühende Aphorismus kann gemeinhin mit „alles befindet sich im Fluss“ – nach Platon etwa: „alles bewegt sich fort und nichts bleibt“ – sinngemäss übersetzt werden. Dass alles im Fluss ist, entspricht der geschichtlichen Entwicklung ebenso wie individueller Lebenserfahrung. Allein wohin fliesst denn nun „alles“ – und zu welchem Zweck, Sinn oder Ziel?

Sich durch die Stadt – vornehmlich die Innenstadt – Frankfurt am Main zu bewegen, sei es per Kraftfahrzeug, Fahrrad oder zu Fuss, bereitet verstärkt seit vielen Monaten, ja seit über einem Jahr wenig bis keine Freude. Das allseits wahrzunehmende Stadtbild wird signifikant bestimmt durch eine schier kein Ende nehmen wollende Kette von insbesondere Grossbaustellen. Das Mass an Behinderungen der oft schlicht von gewohnten Wegen weggesperrten Stadt- und Pendlerbevölkerung ist nach allgemeiner Einschätzung „voll“, übervoll. Und vor dem Bauen steht zunächst in aller Regel der Abriss von vorhandenen Baulichkeiten, mit allem Lärm und Dreck; Abriss von Bausubstanz vor allem im Bereich der Gewerbe-, aber auch Wohnimmobilien, die sich übrigens im Grunde vielfältig noch als funktionstüchtig und auch ästhetisch durchaus befriedigend darstellt. Nur hat solche Altsubstanz in der Regel den Schönheitsfehler, dass sie steuerlich abgeschrieben ist, als Neukapitalanlage nicht hinreichend Gewinn verspricht und somit die Lebensdauer von heutzutage kaum mehr als einer Menschengeneration – will heissen von etwa 30 Jahren – erreicht hat. Also weg damit!

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Windeckstrasse/Sonnemannstrasse

Bei alledem ergibt sich bei Passanten wie Verkehrsteilnehmern das Bild von ziemlicher Unkoordiniertheit und Planungslosigkeit Weiterlesen

Karl – Charlemagne – Der Große

2014, September 14.

„Last Minute“ der Aachener Ausstellung

Von Renate Feyerbacher

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Büste Karls des Großen in der Aachener Domschatzkammer; © Domkapitel Aachen, Foto: Andreas Herrmann

Nur noch bis Sonntag, 21. September 2014, ist die beeindruckende Ausstellung über Macht, Kunst und Schätze in Aachen zu sehen. Sie ist über drei Orte verteilt, die nahe beieinander liegen: im Rathaus, im Centre Charlemagne und in der Domschatzkammer.

In der Schule haben wir alle von ihm, Kaiser Karl dem Großen, gehört, aber gewusst wenig oder gar nichts. Das Datum 800 n.Chr. war mir immer präsent, auch seine kulturellen, künstlerischen und bildungspolitischen Verdienste. Eine Vorstellung von diesem mächtigen Herrscher erhielt ich aber erst, als ich begann Weiterlesen