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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

17. Skulpturenausstellung “Kräftespiele” in Mörfelden-Walldorf / 3

Eisen und Stahl: Michael Ernst, Sonja Edle von Hoeßle und Robert Kögel

Mit Skulpturen aus Eisen und Stahl beschliessen wir unsere Auswahl an Arbeiten aus der 17. Skulpturenausstellung in Mörfelden-Walldorf. Und im Blick auf den Ausstellungstitel „Kräftespiele“ darf auch durchaus einmal an den vielfach Muskelkraft erfordernden Umgang mit derartigen Werkstoffen erinnert werden.

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Windzirkel, 2012, dreiteilige kinetische Eisenskulptur geschmiedet, gebogen, geschweisst, Drucklager und Kardangelenk, H/B/T 620/290/290 cm, Bewegungsradius ca. 250 cm

Ähnlich wie Michael Hischer arbeitet auch Michael Ernst bei seinen Skulpturen mit beweglichen, dem Winddruck unter freiem Himmel ausgesetzten Elementen, wobei aber der Korpus fest am Boden verankert ist. Die kardanische Lagerung bewirkt einen umfassenden Bewegungsspielraum, die fragile Balance zwischen der Kugel und den dünnen, ins Extreme verlängerten windmühlenartigen Flügeln stellt sich nach langsamen Neigungen in bewegter Luft in der Flaute zur Ruheposition wieder ein. Das Eisen rostet, ohne jedoch jene zauberhafte Oberfläche gewinnen zu können, die allein dem Corten-Stahl eignet.

Auf vergleichbare Weise wirkt die Skulptur „Kleine Raumschwinge“, nur dass dort eine Kugel aus Naturstein als Pendel dem einzigen, meterlangen Flügel als Gegengewicht dient. Es sind wunderschöne Arbeiten, die den dem Grossstadtlärm entfliehenden Betrachter durchaus in einen angenehmen Zustand von Ruhe und Entspannung versetzen können – könnten, denn unweit des Skulpturenparks verlärmen dröhnend aufsteigende Flugzeuge jedwede Idylle.

Michael Ernst, 1973 in Stolberg/Harz geboren, erlernte den Kunstschmiedeberuf. Studienreisen führten ihn zu Metallbildhauern in Frankreich, Grossbritannien und Schottland, Japan sowie Portugal. Seit 2002 arbeitet er als freischaffender Künstler, zunächst in Berlin und heute in einer kleinen Gemeinde im Weimarer Land.

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Kleine Raumschwinge, 2009, kinetische Eisenskulptur mit Naturstein, geschmiedet, geschweisst, verkeilt, kardanisch aufgehängt, H/B/T 530/105/80 cm, Bewegungsdurchmesser ca. 700 cm

Die Malerin und Bildhauerin Sonja Edle von Hoeßle, 1960 in Wiesbaden geboren, studierte Visuelle Kommunikation an den Fachhochschulen in Mainz und in Würzburg mit dem Diplomabschluss. Sie arbeitet mit dem sich auf das Herrlichste im Edelrost verfärbenden Corten-Stahl. Bemerkenswert, dass auch sie nach Jahren in Berlin, wo sie bis 2011 ein Atelier unterhielt, nunmehr in Riedenheim bei Würzburg und in Kranidi im Süden der Argolis, einst Zentrum der mykenischen Kultur, lebt und arbeitet.

In Mörfelden-Walldorf sehen wir „Endlosschleifen“, wie bereits gesagt aus Corten-Stahl, jeweils als ein Vierkantrohr-System, spannungsreich zusammengeschweisst aus Bogensegmenten und Geraden, einem Ouroboros ähnlich einen endlosen „Kreis“-Lauf bildend. Reizvoll auch dieses Spannungsverhältnis: Die „eigentliche“ Skulptur, im engeren Sinne, bildet das materielle stählerne Konstrukt. Jedoch umschliesst dieses einen begrenzten und definierten Raum, so dass man sozusagen von einer „Skulptur hinter der Skulptur“ in einem umfassenderen Sinne sprechen kann. Bezeichnender Weise tragen zwei ihrer aktuellen Ausstellungen den Titel „Panta Rhei“ beziehungsweise „Parallelwelten“.

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↑ Endlosschleife X
↓ Endlosschleife 04

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Robert Kögel, 1954 in Frankfurt am Main geboren, studierte zunächst Betriebswirtschaft mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann, eignete sich jedoch, wie er schreibt, Fertigkeiten im Holz- und Metall-Bildbau sowie „bildnerischer Techniken und Ausdrucksformen im Selbststudium“ an. Kögel lebt und arbeitet im südhessischen Dreieich.

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↑ Tep, Stahl
↓ Vertebra, Stahl

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Der Metall- und Holzbildhauer – Kögel arbeitet darüber hinaus auch mit Papier – nennt seine Werke unter anderem „Spine“ (Rücken, Rückgrat, Wirbelsäule) oder „Vertebra“ (Wirbel). Den Holzarbeiten liegt Eiche als Material zugrunde, in einigen Werkreihen kombiniert er das Eichenholz mit Metall. Es entstehen Objekte aus ineinander auf vielfältige Weise verschränkten Elementen.

Wir möchten – und setzen des Künstlers Einverständnis dazu voraus – Robert Kögel in einem bemerkenswerten Dialog mit einem Kunstwerk zu Wort kommen lassen, und zitieren aus dem Anfang seiner entsprechenden Betrachtungen „Artist View„:

„Wer bist Du?

Betrachte ich ein Kunstwerk, das mein Interesse geweckt hat, näher, so will ich möglichst viel darüber erfahren.
Ich taste mich heran:

Material, Herstellungsprozess, Absichten des Erzeugers (Schöpfers).
Wer hat Dich gemacht und warum? – Und WARUM ist sehr oft eine ziemlich ernst zu nehmende Frage.

Und schon bin ich mittendrin im Dialog mit …

Was ist Dein Erzeuger für ein Mensch?
Was hättest Du alles sein können und jetzt bist Du das und so und nichts anderes.
Du bist ein Tropfen, geschöpft aus einem Meer von Möglichkeiten.
Es gibt auch kein Zurück mehr für Dich – Du bist einmal in die Welt gesetzt.
Als Option gestartet – manifest geendet – typisch, spezifisch, geworden. Und jetzt sollst du Deine Existenz auch noch begründen:

Du bist kein Abbild im eigentlichen Sinn. Du stellst auch nichts dar.
Weil Du kein Darsteller bist, keiner, der in verschiedene Rollen schlüpft.
Du bist nur das. Das aber durch und durch …“

(Robert Kögel, Mai 2012)

17. Skulpturenausstellung “Kräftespiele”, Kommunale Galerie, Mörfelden-Walldorf, Parkanlage am Bürgerhaus Mörfelden, Blumenstraße/Ecke Parkstrasse, bis 7. September 2014

Abgebildete Werke © jeweilige Künstlerinnen/Künstler; Fotos: FeuilletonFrankfurt

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