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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Absolventenausstellung 2014 der Städelschule “Pashmina” im MMK-Zollamt (4)

Das 100-Bilder-Bild von Jagoda Bednarsky

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Ausstellungsplakat

„Pashmina“ – so lautet der Titel der diesjährigen Absolventenausstellung – wie das? Nun weiss inzwischen jeder, dass es sich bei einem Pashmina um ein Schultertuch handelt, das auch als Schal getragen werden kann.  Einst eine kultige Mode-Ikone (Lady Diana soll sie in der westlichen Welt bekannt gemacht haben) aus hochwertigem Material (Kaschmir und Kaschmir/Seide) für Eigner opulent bestückter Geldbeutel, ist das Textil seit langem zu einem Billigmaterial-Produkt degeneriert, das überall auf den Ramschmärkten dieser Welt anzutreffen ist. Anlass für die heutigen Hochschulabsolventen zu der Frage, „wie sich sowohl Bedeutung als auch Wertzuschreibung von Objekten im Laufe der Zeit und kontextabhängig verändern“.

Ach übrigens zum Plakat: Das wertvolle Kaschmir-Haar kommt bekanntlich von der Kaschmir-Ziege – sieht das liebe Tier aber nicht eher einem Schaf ähnlich?

Heute kommen wir – im Anschluss an die Präsentation der Arbeit von Raphaela Vogel – zu einem wiederum grossformatigen Werk, einer Malerei von Jagoda Bednarsky „Zweite Lese“ aus 2014, mit Öl, Acryl, Sprayfarbe und Farbdruck auf Leinwand, so die Materialbeschreibung. Das riesige Werk – wir veranschlagen die Leinwand auf etwa zwei mal drei oder noch mehr Meter – unter den Gegebenheiten und Beleuchtungsverhältnissen des Zollamtssaals angemessen zu fotografieren stellte uns vor eine schier unlösbare Aufgabe.

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Jagoda Bednarsky, Zweite Lese, 2014, Oil, acrylic, spray paint, c-print on canvas

Ein „Bilderteppich“ aus rund 100 Einzelarbeiten. Zum näheren Betrachten der oberen bedürfte es einer Leiter. Und insgesamt, sagen wir mal, einer runden Stunde an Zeit, die – angesichts der Arbeits- und Lebenszeit, die die Künstlerin ihrem Monumentalwerk gewidmet hat – gut wie gerecht investiert wäre.

Sind es kleine Erzählungen, Episoden eines Lebens, zusammengefügt zu einem grossen Bilderbogen, was wir da sehen? Ist es eine Bilanz über zurückgelegte zehn Semester an der Städelschule? Sind es assoziative Chiffren, die die Künstlerin dem Betrachter zu dechiffrieren aufgibt? Trägt das Werk nicht auch Züge einer Karikatur auf Sammlungen, vielleicht gar in „Petersburger Hängung“? Will die Künstlerin aufzeigen, wie das Einzelwerk in der allgegenwärtigen Flut von kaum mehr wahrzunehmenden Kunstwerken unterzugehen droht? Soll die durchaus provokante Wucht der grossformatigen Präsentation uns in unserem Seh- und Wahrnehmungsverhalten aufrütteln?

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↑↓ Ausschnitte der linken oberen und der unteren Bildfläche

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Abgebildes Werk © die Künstlerin;
Fotos: FeuilletonFrankfurt

“Pashmina. Absolventen der Städelschule 2014″; MMK-Zollamt; bis 10. August 2014

→  Absolventenausstellung 2014 der Städelschule “Pashmina” im MMK-Zollamt (5)

→  Absolventenausstellung 2014 der Städelschule “Pashmina” im MMK-Zollamt (1)

 

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