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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für Juli, 2014

Andalusien – christlich-islamischer Kulturschatz / 8

Dienstag, 29. Juli 2014

Ein Reisebericht

8. Teil und Schluss: Granada (2)

Text und Fotos: Renate Feyerbacher

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Blick in eine Geschäftsstraße mit Sonnensegeln

Unser ausgefallen eingerichtetes Hotel lag mitten in der Innenstadt – in der Calle de los Mesones, einer sehr belebten Einkaufsstrasse mit feinen Läden. Sehr freundlich wurden wir begrüsst – wie überhaupt in allen offiziellen Einrichtungen und im Tourismusgewerbe die Leute zuvorkommend waren. Ganz besonders, wenn man sich bemühte, die Unterhaltung auf Spanisch zu führen. Dagegen auf der Strasse zuweilen gleichgültiges Treiben und Verhalten. So war mache Gasse übersät mit Zigarrettenkippen. Es fiel geradezu auf. Ansonsten waren die Strassen, die nachts gereinigt wurden, sauber. Weiterlesen

Absolventenausstellung 2014 der Städelschule “Pashmina” im MMK-Zollamt (7)

Sonntag, 27. Juli 2014

Margarethe Kollmer: „exhibit“

Unsere Reihe der Ausstellungsberichte schliessen wir mit einer Arbeit, die – über die aktuelle Absolventenausstellung der nunmehr die Hochschule verlassenden Studierenden hinaus – von grundsätzlicher Bedeutung ist, ja aus unserer Sicht in gewisser Weise ein „Schlüsselwerk“ darstellt und deshalb, wie wir meinen, ebenso den Absolventenpreis verdient hätte.

Der eine oder andere Besucher der Absolventenausstellung nun wird „exhibit“, die grossformatige Videoarbeit der Frankfurter Künstlerin Margarethe Kollmer, womöglich gar nicht wahrgenommen haben, befindet sich die Projektion doch an der rückwärtigen Wand über dem Treppenaufgang zum Zollamtssaal, und wer sich nach erfolgtem Aufstieg nicht Raphaela Vogels imposantem Saurier von allen Seiten genähert und dabei das filmische Geschehen auf besagter Wand entdeckt hat, wird am Ende gar erst spät bei Verlassen des Saals darauf aufmerksam werden.

Die nach Art der Künstlerin wiederum ruhige, unaufdringliche, vom Betrachter aufmerksame Zuwendung wie auch Geduld eher ersuchende als verlangende Arbeit zeigt – nichts, und doch so vieles, das den Betrachter zu Kopfarbeit fordert: langsame Kamerafahrten wie durch einen Weichzeichner durch den leeren Zollamtssaal, über den grauen Boden und die rötlichen Fliesen, die Wände entlang, hier und da länger innehaltend, gerichtet auf das saaltypische Klinkerwerk oder weisse Wandflächen. Einiges verzerrte Stimmengewirr im Hintergrund, man geht auf Schuhabsätzen klackend hin und her, scheint aus der Nähe wie aus der Ferne über dies und jenes zu diskutieren, ohne dass wir es genauer verstehen können. Doch es wird uns vieles klar.

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Ausstellungsansicht mit der Arbeit „exhibit“ der Künstlerin über dem Treppenaufgang der MMK-Dependance Zollamt

Ausführungen von Künstlerinnen und Künstlern zu ihren Arbeiten dokumentieren wir in aller Regel zwar nicht, heute jedoch tun wir es und überlassen Margarethe Kollmer gern das Wort Weiterlesen

100 Jahre Goethe-Universität Frankfurt am Main (2)

Freitag, 25. Juli 2014

Die einflussreichen Gelehrten

Von Renate Feyerbacher

Im Anschluß an die erste Folge „Die Gründungsväter der Universität Frankfurt und ihre Mitbegründer und Stifter“ folgt ein Blick auf einige einflussreiche Gelehrte an der Hochschule.

Die einflussreichen Gelehrten

Eine aussergewöhnliche Persönlichkeit war Franz Oppenheimer (1864-1943). Der assimilierte Jude, der auch anfangs mit Hitler sympathisierte, verliess 1938 Deutschland. Er, der sich in der deutschen Kultur verwurzelt fühlte, bekannte sich zeitlebens zu ihr, kehrte aber zu Lebzeiten nicht mehr zurück und wurde – testamentarisch verfügt – 2007 auf dem Sachsenhäuser Friedhof neben seiner zweiten Frau begraben.

Oppenheimer studierte zunächst Medizin, unter anderem bei Paul Ehrlich, der später in Frankfurt lehrte und dessen Dissertation betreute. Er hatte in seiner Praxis, die er nachher aufgab, die Not der Menschen kennengelernt. Er betätigte sich als Chefredakteur und Schriftsteller. Die Gedankenwelt des Sozialismus und der „Freiländer“-Bewegung erreichten ihn und wurden in seinem Leben bestimmend. Er gründete eigene landwirtschaftliche Siedlungsprojekte in Deutschland und in Palästina. Alle Gründungen scheiterten im Endeffekt. Kurz nach der Jahrhundertwende begegnete er Theodor Herzl, dem Begründer des politischen Zionismus, und beteiligte sich massgeblich an dieser Bewegung.

Danach folgten der philosophische Doktorgrad in Kiel, Promotion und Habilitation im Fachgebiet Volkswirtschaftslehre, Privatdozentur, dann Titularprofessur in Berlin, die ihn bis 1919 beschäftigten. Dann übernahm er die erste Professur für Soziologie an der Frankfurter Universität, die er zehn Jahre lang inne hatte.

Oppenheimer war kein Marxist. Er war überzeugt, mit seinem „liberalen Sozialismus“, der keine Wettbewerbsbeschränkung zuliess, einen Beitrag zur Lösung der sozialen Frage zu leisten. Mit seinen wirtschaftstheoretischen Ausführungen, seinem „Dritten Weg“, „der weder im Kapitalismus noch im Kommunismus enden sollte“, hatte er Erfolg. Dagegen waren die interdisziplinären Vorlesungen seiner „Frankfurter Schule“ bei den Studenten, zu denen der spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard, der Vater der Sozialen Marktwirtschaft, gehörte, sehr beliebt. Oppenheimers Bild schmückte Erhards Bonner Arbeitszimmer.

Einer, der auch nicht mehr nach Deutschland zurückkehrte, war der Quantenphysiker Otto Stern (1888-1969), der 1933 in die USA emigrierte und in Pittsburgh eine Forschungsprofessur erhielt. Nur einmal nach Kriegsende besuchte er aus privaten Gründen Ostberlin. Dennoch lebte er trotz der Emigration in der deutschen Kultur weiter, sprach Deutsch und schrieb in Deutsch. Zürich wurde für Monate im Jahr zur neuen Heimat.

Er ist einer der ganz Grossen seines Fachbereichs. Seine bahnbrechende Methode schuf die Voraussetzung, um den inneren Bauplan des Atoms zu entschlüsseln. Er war der erste, der einzelne Atome isolieren und daran Quanteneigenschaften messen konnte. Er wurde zum Wegbereiter der modernen Quantenphysik, dem es wie seinem Lehrer und Freund Albert Einstein allerdings schwerfiel, sie zu akzeptieren. Kernspintomographie, Maser und Laser, Atomuhr und anderes sind ohne Otto Sterns Forschungsergebnisse nicht denkbar.

Frankfurt war in den 1920er Jahren ein Zentrum der Physik von internationaler Bedeutung. Namhafte Wissenschaftler arbeiteten hier, unter ihnen Max von Laue, ab 1914 Professor für Theoretische Physik, der im gleichen Jahr den Nobelpreis erhielt. Es gelang ihm, Otto Stern als ersten Privatdozenten in der Physik nach Frankfurt zu holen. Nach kurzem Intermezzo liess dieser sich beurlauben, da er sich als Kriegsfreiwilliger gemeldet hatte. Laut Vorlesungsverzeichnis hielt er aber Vorlesungen. Öfters kam er auch nach Berlin, wo er Albert Einstein traf. Nach dem 1. Weltkrieg war er Privatdozent bei Max Born. Dieser, ebenfalls Nobelpreisträger, war schon bald dem Ruf nach Göttingen gefolgt, weil die Universität Frankfurt Otto Stern eine etatgesicherte Professur verweigerte. Born schrieb dem gemeinsamen Freund Einstein, der Dekan habe geäußert, „Stern hat einen entsetzlichen jüdischen Intellekt“. Einstein hatte dagegen eine „ausgezeichnete Meinung“ von ihm. Stern wechselte die Universität, wurde Professur in Rostock und folgte einem Ruf nach Hamburg. Hier forschte und lehrte er zehn Jahre, unterbrochen von einem Forschungssemester in Berkeley.

In seiner kurzen Frankfurter Zeit schrieb Otto Stern Physikgeschichte. Hier gelang ihm zusammen mit Walther Gerlach das Stern-Gerlach-Experiment – im Gebäude des Physikalischen Vereins in der Robert-Mayer Strasse. Dieses grundlegende Experiment, dessen Ergebnisse heute noch aktuell sind und diskutiert werden, hatte, wie noch zwei andere Experimente, Nobelpreisqualität. Den Nobelpreis erhielt er jedoch erst 1943, obwohl er mehrfach vorgeschlagen worden war. Mit dem Weggang Otto Sterns, dessen menschliche Qualitäten gewürdigt wurden, endeten Frankfurts physikalische Sternstunden.

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Plakat mit Otto Stern; Foto: Renate Feyerbacher
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Absolventenausstellung 2014 der Städelschule “Pashmina” im MMK-Zollamt (6)

Donnerstag, 24. Juli 2014

Malerei: Tobias Donat, Lena Grewenig, Huseyin Oylum, Marcel Petry, Lena Philipp, Giovanni Sortino

„Le roi est mort, vive le roi!“ Die Malerei ist tot, es lebe die Malerei!

Quicklebendig ist sie, in der Tat. Eine Reihe von Künstlerinnen und Künstlern, die sich vorwiegend der Malerei verschrieben haben und die wir in manchen Rundgangsveranstaltungen der Städelschule haben beobachten können, gibt sich jetzt in der aktuellen Absolventenausstellung ein letztes gemeinsames Stelldichein.

Giovanni Sortino gefällt uns seit langem mit seinen grossformatigen, reliefartigen Malarbeiten: 2013 lernten wir „Charlotte“ kennen und im jüngsten Rundgang 2014 ein mit „Untitled“ bezeichnetes Werk im stattlichen Format 280 x 480 cm. 2013 erhielt er den Jürgen H. Conzelmann-Rundgangspreis. Wir werden Sortinos Arbeiten in Zukunft sicher öfter im Ausstellungs- und Galeriebetrieb begegnen.

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↑ Giovanni Sortino, Nonna Rosalia, 2014, Acrylic and venyl paint on canvas Weiterlesen

Absolventenausstellung 2014 der Städelschule “Pashmina” im MMK-Zollamt (5)

Mittwoch, 23. Juli 2014

Billie Maya Johansen: „Lines in Transparency“
oder: Grau mit zehn Prozent Weiss

Wir haben länger überlegt, ob wir uns überhaupt auf ein Ranking einlassen sollten und wenn ja, welche Arbeit der 34 ausstellenden diesjährigen Absolventinnen und Absolventen der Städelschule wir – aus unserer subjektiv-individuellen Sicht – als die „beste“ ausgezeichnet hätten. Denn jede künstlerische Arbeit ist im Grunde eine singuläre Leistung. So ist es also gewiss kein leichtes Unterfangen, doch kommen wir zu einem Ergebnis. Und wenn wir nun schon unsere „Lieblingsarbeit“ benennen, dann muss auch eine „Urkunde“ her. Hier ist sie:


Urkunde

 

FeuilletonFrankfurt

verleiht seinen

Preis zur Absolventenausstellung 2014

an

Billie Maya Johansen

für ihre Arbeit

Lines in Transparency

Von seiner Aufmachung und Ausstattung her ist das rund zehnminütige Video, in Wiederholungen abgespielt über einen grossformatigen Monitor, im Grunde bereits ein Kurzfilm. Drehbuch und Dialoge schrieb die Künstlerin. Die Hauptrolle der Clara Krug spielt die Schauspielerin Stephanie Engel. Gedreht wurde der Film in den Räumen der DWS Investments Company in der Mainzer Landstrasse. Die Arbeit wurde von der Hessischen Filmförderung unterstützt. Weiterlesen