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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Preis „ZONTA Art Contemporary“ für Eva Weingärtner

Sie ist nach Anke Röhrscheid, Ellen Poppy und Anne Imhof die vierte Gewinnerin des Kunst- und Förderpreises „ZAC – ZONTA Art Contemporary“: die Offenbacher Video- und Videoperformance-Künstlerin Eva Weingärtner. Vergeben wird der mit 2.400 Euro dotierte Preis alle zwei Jahre vom ZONTA-Club Frankfurt II Rhein-Main. Die Preisverleihung findet traditionell im Frankfurter Museum für Moderne Kunst MMK statt.

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Eva Weingärtner, Foto: FeuilletonFrankfurt

Der Preis geht auf eine Initiative der freischaffenden Frankfurter Künstlerin Jutta Heun zurück, das Wissen und Denken über aktuelle weibliche Positionen in der Kunst sowie junge, vorzugsweise im Rhein-Main-Gebiet ansässige Künstlerinnen zu fördern. Das Findungs- und Auswahlverfahren liegt bei zwei dafür eingerichteten Gremien: einer Vorschlagenden Jury, der dieses Mal Peter Gorschlüter, Stellvertretender Direktor des MMK, Jutta Heun und die Frankfurter Galeristin Brigitte Maurer angehörten, sowie der Auswählenden Jury, die für den aktuellen Preis mit Professor Jean-Christophe Ammann, ehemals Direktor des MMK, Sophie von Olfers, Kuratorin der Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst Portikus, und Heike Strelow, Galeristin in Frankfurt und derzeit Vizepräsidentin des Zonta Clubs Frankfurt II Rhein-Main, besetzt war. Den Preis überreichte dieses Jahr Bettina von Bethmann, Mitglied des ZAC-Kunstteams.

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Heike Strelow, Foto: FeuilletonFrankfurt

In ihrer Laudatio würdigte Heike Strelow den künstlerischen Werdegang und das künstlerische Schaffen der Preisträgerin. Weingärtners Arbeiten sind zumeist auf den ersten Blick als solche erkennbar, arbeitet die Künstlerin in ihren zwar minimalistisch anmutenden, dabei mit grösster Präzision und Konzentration gefertigten Videos doch fast auschliesslich mit ihrem Körper und vor allem mit ihrem Gesicht. „Mit minimalen Gesten und Handlungsabläufen“, so die Laudatorin, „gelingt es der Künstlerin, den Betrachter emotional zu berühren. Akteurin in ihren Filmen und Videoperformances ist immer sie selbst. Das ‚Ich‘ steht dabei im Zentrum, jedoch weniger in der tatsächlichen Person Eva Weingärtners, sondern vielmehr im übertragenen Sinne“ … Selbst- und Fremdwahrnehmung ist eines der zentralen Themen der Künstlerin“.

In dem gut vierminütigen Video „2me“ aus dem Jahr 2010, das im Anschluss an die Laudatio vorgeführt wird, sieht man die Künstlerin in einem innigen Kontakt und Dialog mit ihrem Spiegelbild, das sie inbrünstig liebkost und küsst, ebenso fragend, distanziert, quälerisch, gar in Selbsthass betrachtet – das Antlitz immer unmittelbar an den Spiegel gepresst. Tränen rinnen über ihre Wange. Am Ende ergibt sich ein Eindruck von Versöhnung. Weingärtner mutet dem Zuschauer, wie wir selbst in manchen Gesprächen über diese Arbeit erfuhren, viel, fast schon zu viel zu, sie bedrängt ihn, bringt ihn unentrinnbar in die Situation eines Voyeurs, in der es ihm auch gar nichts nützte, wenn er zeitweilig bewusst wegsähe oder die Augen verschlösse. Er will dieses Extrem an Intimität eigentlich nicht sehen – und schaut doch immer wieder hin. Er fühlt sich ertappt und betroffen – vielleicht sogar in seinem eigenen Narzissmus beschämt.

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Videostill from: 2me, 2010, Video (DVD), 4’19 min, © Eva Weingärtner

In ihrem als zweites präsentierten, rund zweieinhalbminütigen Video „ONE ME“ aus dem Jahr 2013 blickt Eva Weingärtner den Betrachter mit einiger Empathie an. Doch bald zieht ein – als ihr Profil erkennbarer – Schatten über die Szenerie. Fühlen wir uns wiederum ertappt in unserem eigenen, von Licht wie Schatten geprägten Sein?

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Videostill: ONE ME, (2013), Full HD Video, 2’29, © Eva Weingärtner

Vielleicht mag uns die Künstlerin selbst eine Wegweisung geben: „(…) Wer sich selbst nur im Spiegel betrachtet und sich nur selbst im anderen spiegelt, der bleibt gefangen im Kreis und dem Leid über die Unmöglichkeit der Liebe. Erst wer es aushält die eigenen Schattenseiten zu sehn, der kann den anderen als den anderen erkennen. In ONE ME habe ich meinen Schatten auf mein Gesicht gelegt und mich dabei gefilmt. So kann man beides sehn, die helle und die dunkle Seite (…)“ – Eva Weingärtner aus: „Texte zu schwarz und weiss“, 2013.

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Eva Weingärtner, Brigitte Maurer, Jutta Heun, Bettina von Bethmann, Foto: FeuilletonFrankfurt

Derzeit – noch bis 30. März 2014 – sind in der Epiphaniaskirche im Frankfurter Nordend unter dem Titel „Be happy“ drei Videoarbeiten von Eva Weingärtner sowie drei Soundcollagen des Künstlers Jörg Simon zu sehen und zu hören (Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag und Freitag jeweils von 16 bis 19 Uhr).

 

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