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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Februar, 2014

Städelschule: Rundgang 2014 (7)

2014, Februar 26.

Eine zweite Rundgangs-Nachlese: Zurück zur Malerei

Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung: dem traditionellen Rundgang durch die Städelschule von Mitte Februar folgt im Sommer die ebenso traditionelle Absolventenausstellung 2014, wiederum im MMK-Zollamt – dann wohl bereits „MMK 3“ geheissen. Heute beschliessen wir mit einem weiteren Blick auf die Malerei unseren Rundgangs-Report.

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Olga Cerkasova, Untitled (Marie-Guillemine Benoist), 2014, oil on canvas

Eine Hommage an die neoklassizistische französische Malerin Marie-Guillemine Benoist (1768 – 1826), deren reiches Œuvre heutzutage viel zu wenig bekannt ist, und zeifellos an ihr berühmtes Bild „Portrait d’une négresse“ Weiterlesen

Unterwegs in China – Das Essen

2014, Februar 22.

Von Ingrid Malhotra
© Text und Fotos

Essen ist hier richtig spannend …

Vor einiger Zeit war ich zu einem Vortrag im China-Institut, über Marco Polo, genauer gesagt, über die nach wie vor nicht so recht gelöste Frage „War er nun in China oder nicht?“

Spannendes Thema, spannende Frage, spannender Vortrag.

Aber sehr überrascht hat mich die Information des Vortragenden, dass Marco Polo in den chinesischen Annalen der Zeit nicht erwähnt wird. Gut, klar, Chinesen interessieren sich in erster Linie für China und andere Chinesen. Und im 13. Jahrhundert sowieso, ausländische Barbaren waren ja so unglaublich unwichtig …

Aber dennoch, angesichts des unbändigen Stolzes, mit dem viele Chinesen reagieren, wenn man Marco Polo erwähnt – schliesslich habe er die bedeutendsten Errungenschaften chinesischer Gourmetkultur, nämlich Nudeln und Teigtaschen, dem rückständigen und unwissenden Rest der Welt mitgeteilt -, ging ich eigentlich davon aus, dass der Besuch des Marco Polo sich ins kollektive Gedächtnis der Chinesen unauslöschlich eingebrannt hatte.

Muss aber wohl doch ein neueres Phänomen sein …

Die Gourmetkultur hingegen ist alles andere als neu!

Es ist nahezu unmöglich, in China schlecht zu essen!

Hier glauben ja immer noch erschreckend viele, chinesisches Essen sei dieses pseudo-eingedeutschte, pseudo-kantonesische Zeug. Es geht nichts über gesunde Vor- und Fehlurteile, nicht wahr? Denn DAS chinesische Essen gibt es ebenso wenig, wie es DAS europäische Essen gibt. Der Spannungsbogen reicht von Sichuan bis Beijing, von Shanghai bis Hohhot, von Hong Kong bis Xi’an.

Und die zahlreichen Regionalküchen unterscheiden sich nicht nur in Details der Zubereitung, sondern schon in den Grundzutaten. Im Süden Chinas wächst Reis, dort ist Reis dementsprechend auch immer dabei, als Beilage, als Bestandteil von Gerichten, als Reisnudel und als Reisbrei. Im Norden wächst Weizen, und natürlich ist der dann immer dabei, als Nudel, als Pfannkuchen, als Brei, als praktische Teigtasche für eine Vielzahl von delikaten Inhalten.

(Übrigens, unsere Lieblingsbeilage, die Kartoffel, gilt in China als Gemüse … Aber das ist ja auch leicht zu erklären, denn als die Kartoffel aus Südamerika sich anschickte, den Rest der Welt zu erobern, hatten die Chinesen schon längst leicht zuzubereitende Beilagen, bei uns sah das damals noch ein bisschen anders aus!)

Das hat den grossen Vorteil, dass man in den nordöstlichen Landesteilen schon zum Frühstück nicht nur den allgegenwärtigen Reiscongee bekommt, sondern auch leckere Teigtaschen mit den unterschiedlichsten Füllungen. So frühstücke ich gerne, manchmal gibt es sogar auch einen trinkbaren Kaffee dazu …

Congee ist übrigens ein dünnflüssiger Reisbrei, der intensiv nach gar nichts schmeckt. Deshalb mischen die Chinesen gerne eingelegte Gemüse, gebratenes Hackfleisch oder geschnetzeltes Lamm hinein, auch Fisch ist ziemlich beliebt. Aber mir macht es entschieden mehr Spass, über Mittag- und Abendessen nachzudenken. Vielleicht unternehmen wir einmal eine kleine Rundreise und schauen, was man an verschiedenen Orten so zu essen findet und was für die jeweilige Region typisch ist:

Am besten starten wir vielleicht in Hong Kong, denn erstens gehört Hong Kong trotz der Rückgabe an China irgendwie doch nicht so recht dazu, und zweitens ist Hong Kong ein einziger Gourmettempel: es gibt nichts, was es hier nicht gibt! Ein Spaziergang durch die verschiedenen Märkte ist ein gewaltiges Vergnügen, auch wenn es für europäische Augen gewöhnungsbedürftig ist, dass sogar die Teile der zerschnittenen Fische noch zappeln und auf dem Holzblock umherspringen. Aber die Zutaten müssen eben total frisch sein. Und manche Fische sind zu gross, um sie lebend in einem Plastiktütchen mit Wasser nach Hause zu tragen.

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Dim Sum in Hong Kong

Hier gibt es ganze Strassenzüge, die auf bestimmte Arten von Restaurants spezialisiert sind Weiterlesen

„Horizont Jawlensky“ im Museum Wiesbaden

2014, Februar 21.

Traumausstellung“ bietet Farbfest fürs Auge

Von Hans-Bernd Heier

Im Frühjahr 2014 jährt sich Alexej von Jawlenskys Geburtstag zum 150. Mal. Aus diesem Anlass präsentiert das Landesmuseum in Wiesbaden dem 1864 in Torschok (Russland) geborenem und 1941 in Wiesbaden gestorbenem Maler eine große Sonderschau. Unter dem Titel „Horizont Jawlensky – Alexej von Jawlensky im Spiegel seiner künstlerischen Begegnungen 1900–1914“ sind über 180 Arbeiten zu bewundern, davon rund 100 von Jawlensky und 80 Werke von Künstlern, die seinen künstlerischen Werdegang maßgeblich beeinflusst haben. Für die überragende Schau erhielt das Museum kostbare Leihgaben aus aller Welt.

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Alexej von Jawlensky „Selbstbildnis mit Zylinder“, 1904; © Privatbesitz

Zu Ehren des bedeutendsten Künstlers der Landeshauptstadt richtet das Museum Wiesbaden gemeinsam mit der Kunsthalle Emden eine opulente Geburtstagsschau aus. Diese beleuchtet sein weniger bekanntes Frühwerk und stellt es in Kontext zu Künstlern, mit deren Arbeiten sich Jawlensky malerisch auseinandersetzte Weiterlesen

Städelschule: Rundgang 2014 (6)

2014, Februar 19.

Ein Feuerwerk an Esprit, Witz und Kreativität

Die Rundgangstage an der Städelschule sind vorbei, das Publikumsinteresse war überaus gross. Früher hörte man, auch in Kreisen und Institutionen, von denen man solches nie vermutet hätte, mitunter Sottisen wie „Die werfen ein paar Bretter und einen alten Lumpen in die Ecke und sagen, das sei Kunst“. Derlei Provokantes mag es vielleicht und durchaus gegeben haben. Seit langem, in unseren Tagen gar, wird man solches jedoch nirgends antreffen. Es sind zwar beileibe nicht alles bereits Kunstwerke, die wir beim Rundgang sehen – und mancher Ausstellungsraum mag hier und da auch enttäuschen -, sondern es sind vielfach Stationen einer Entwicklung, eines Prozesses. Doch bereits „auf dem Weg“ ist Qualität angesagt – je mehr Zeit sich der Besucher nimmt, umso deutlicher reift ihm diese Erkenntnis. In der kleinen, feinen Kunsthochschule, wo fast jeder jeden kennt, bereitet manch eher primär Provokantes zwar – und berechtigter Weise – Spass und Genugtuung. Aber die gegenseitige kritische Beobachtung, ein gewiss wahrzunehmender wie zunehmender Wettbewerbsdruck, die Tatsache, dass Gruppen von Studierenden Ausstellungsräume gemeinsam diskutierend gestalten und „kuratieren“, bewirkt einen erkennbaren „Qualitätsdruck“.

Mit der symbolischen Brille eine andere Sicht der Dinge gewinnen. Ein Pinsel, dessen Zwinge mehrfarbige Haarlocken umschliesst. Ein Bild aus gelocktem und gezwirbeltem Haar. Krawatten und deren Futterstoffe als bildartige Skulpturen. Eine trotz bunter Tischdecke und Blumenstrauss unwirtliche – und doch familiäre, hoffnungsvolle? – Begegnungsstätte. Blumenzwiebeln als Wandskulptur. Tiffanyglas auf schwarzen Fischernetzen. Ein Mann im Zweiteiler mit Krawatte, der unendliche Patiencen mit schneeweissen Karten legt. Am Ende steht, in der Sprache ironisch-analphabetisch verballhornt, gar nicht mal zynisch, sondern überraschend offen und zweifellos lernbegierig: „Lehren behindert“.

Das neugierige Erkunden und – von Wissen und Selbsterfahrung unterlegte – Hinterfragen von Möglichkeiten der Alltagsgüter und deren Materialien, der Farben und Formen. Alles Hergebrachte steht immer wieder zur Disposition an, zur Dekonstruktion, zur Neukonstruktion.

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Hilda Stammarnäs, Smoothy, 2014, Mask, Air-drying clay, sunglasses, acrylic paint, 25 x 19 cm Weiterlesen

„Falstaff“ – Commedia lirica von Guiseppe Verdi an der Oper Frankfurt

2014, Februar 18.

Die Welt – ein Narrenhaus. Alle sind Geprellte

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus /Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher

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Zeljko Lucic (Falstaff) und Leah Crocetto (Mrs. Alice Ford); Foto © Monika Rittershaus

Am 9. Februar 2014 wurde die Neuinszenierung von Guiseppe Verdis „Falstaff“ an der Oper Frankfurt vom Publikum frenetisch gefeiert.

Ohne Introduktion, geradezu überfallartig und wuchtig beginnt die Commedia musikalisch und optisch. Dr. Cajus durchbricht wie einst Baron Münchhausen auf einer Kugel schwebend die Bühnenrückwand. Verrückt wie alles Weitere, was kommen wird. Weiterlesen