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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

“Blickachsen 9″ in Bad Homburg und Rhein-Main (10)

Masayuki Koorida im Römerkastell Kleiner Feldberg

Masayuki Koorida, Core, 2012, und Correlation, 2011, jeweils Granit

Frankfurt liegt nicht nur am Main (und natürlich, liebe Wetterauer und Oberhessen, auch an der Nidda), sondern ebenso am Limes, jedenfalls nahe daran, genauer gesagt am obergermanisch-raetischen Limes, der den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes geniesst, mit dem weltbekannten, bereits zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert recht weitgehend rekonstruierten Kohortenkastell Saalburg.

Heute führen wir unsere verehrte Leserschaft an den Limes im Hochtaunus, zum römischen Numeruskastell Kleiner Feldberg, dessen Grundmauern fast vollständig erschlossen und gesichert sind, in 700 Meter Höhe nahe dem Passübergang Rotes Kreuz das höchstgelegene Kastell am obergermanisch-raetischen Limes und – klar – ebenfalls Teil des UNESCO-Welterbes. Ausserhalb des einen knappen Hektar messenden Festungsvierecks, dessen Besatzung sich auf eine Truppenstärke von 150 bis 200 Mann belief, befanden sich eine zum Kastell gehörende, grössere zivile Siedlung sowie das Kastellbad, dessen Grundmauern ebenfalls sehr gut erschlossen und konserviert sind. In das Kastellrechteck, einer der inzwischen zahlreichen Spielstätten der diesjährigen „Blickachsen 9“, stellt Masayuki Koorida, uns bereits bestens von seinen Arbeiten im Kurpark bekannt, acht aus Granit gefertigte Skulpturen „Core“ und „Correlation“ auf.

↑  Stabsgebäude (principia), links im Hintergrund vier Skulpturen Core und Correlation
↓  Kastellbad (balnearium)

Core, Kern, und Correlation, Zusammenhang, (Wechsel-)Beziehung: Bereits aus den formalen Titeln der Arbeiten wird ihr beabsichtigtes Zusammenspiel deutlich. Die Cores sind – zumeist aufrechte – Granitblöcke, deren oberen Teil der Künstler zu einem halbkugel- bzw. halbellipsoidförmigen Abschluss meisselte und diesen fein polierte. Umgekehrt und durchaus in Wechselbeziehung zu den Cores schlug er in die – wiederum mitunter aufrecht stehenden – Correlations halbkugel- und halbellipsoidförmige Vertiefungen, die er ebenfalls fein auspolierte.

↑  Core, im Hintergrund eines der vier von Doppeltürmen flankierten Portale
↓  Correlation, Im Hintergrund Stabsgebäude und Portal

Die Skulpturen korrespondieren – und korrelieren – , der Programmatik der „Blickachsen“ folgend, zugleich mit ihrer Umgebung, hier also dem noch aufstehenden Mauerwerk des Kastells und seiner Gebäude, markant den acht die vier Portale flankierenden Türmen. Diesen scheinen den Cores zu entsprechen, die Corralations könnte man mit den Wannen der Badeanlagen oder den Behältnissen im Speichergebäude in einen Zusammenhang bringen. Reizvoll wiederum einerseits die Korrespondenz, aber auch der Kontrast andererseits der runden, optisch „weichen“ Erhöhungen bzw. Vertiefungen der Skulpturen zu den vom rechten Winkel beherrschten Kastell- und Gebäudegrundrissen, aber auch zu den Halbkreise bildenden Apsiden des Fahnenheiligtums und der Bassins der Badeanlagen.

Portal mit Doppeltürmen

Core

↑  Zwei Cores, eine Correlation
  Apsis des Fahnenheiligtums (aedes), rechts im Hintergrund zwei Cores

Ein ausserordentlich sehenswerter „Skulpturengarten“ also, dessen Besuch wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wärmstens empfehlen können, zumal er ohne Zweifel zugleich Ihrer Gesundheit dienlich sein wird, setzt er doch einige hundert Meter an Fusswanderung voraus – in herrlicher, garantiert grob- wie feinstaubfreier Höhenwaldluft.

Und wenn Ihnen dieser Beitrag einschliesslich der vorgeschlagenen Waldwanderung gefallen hat, so möchten wir bereits hier auf unseren nächsten innerhalb dieser Reihe aufmerksam machen, der eine weitere gesundheitsfördernde Fusswanderung bedingt und ihnen dann hoffentlich ebenso zusagen wird.

Abgebildete Werke © Masayuki Koorida, Fotos: FeuilletonFrankfurt

→ “Blickachsen 9″ in Bad Homburg und Rhein-Main (Folge 11)

→ “Blickachsen 9″ in Bad Homburg und Rhein-Main (Folge 1)

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