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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Corinna Krebber: [zustand: in der schwebe]

Text-Rauminstallation in der KunstKulturKirche Allerheiligen

Von Erhard Metz

Leserinnen und Lesern von FeuilletonFrankfurt ist die in Frankfurt am Main lebende und arbeitende Künstlerin Corinna Krebber bereits wohlbekannt: mit ihrer Papierinstallation „kopfsprung“ oder ihrer im Boden eingelassenen Skulptur „denkfigur/verortungen II“ aus Beton im Bergpark Bad Salzhausen.

[zustand: in der schwebe] – so betitelt die Künstlerin ihre aktuell in der KunstKulturKirche Allerheiligen am Frankfurter Zoo ausgestellte Arbeit. Ein Meisterwerk, das dort noch bis zum Sonntag, 14. Juli 2013, zu sehen ist.

Mit der bekannten, ihr eigenen Präzision und Obsession, ihrem aussergewöhnlichem Mass an künstlerischer Akribie und Disziplin hat Corinna Krebber den Text des Hymnus „Mnemosyne“ von Friedrich Hölderlin (1770 bis 1843) in Papierbahnen geschnitten und diese zu einer mehrere Meter hohen, an der Decke des Kirchenschiffs aufgehängten, luftig-lichten Raumskulptur gefügt. Der Beginn dieses berühmten, wahrscheinlich unvollendet gebliebenen Gesangs „Ein Zeichen sind wir, deutungslos …“ ist für die Künstlerin zum „Angelpunkt des Textes“ geworden, dem sie eine eigene ganze Schriftbahn gewidmet und den sie darin „geradezu wie ein Mantra“ wiederholt hat (Krebber im Gespräch mit Jens Heisterkamp, Katalog zur Ausstellung).

Das Ausschneiden von Texten aus Papierbahnen hat sehr viel mit einem Schreiben solcher Texte zu tun, wobei der Prozess des langsamen, konzentrierten Schneidens eine wesentlich intensivere, ja fast meditative Beschäftigung mit dem Textinhalt und der ihn gleichsam umkleidenden, erst zur Lesbarkeit bringenden Schrift bewirkt. Schrift also als Mittler des Gedachten, im Inneren Gesehenen und Gelesenen zur Aussenwelt, um mit einem anderen in eine Kommunikation einzutreten; Schrift als Medium, Gedachtes für künftige Zeiten zu manifestieren.

Das Meditative dieses Tuns überträgt sich auf den Betrachter der zwischen Decke und Boden, zwischen Himmel und Erde zu schweben scheinenden Arbeit. Der Betrachtende beginnt, einen Schrift- (Gedanken-)zug zu erfassen, und er verfolgt ihn weiter, bis er ihn aus den Augen verliert und ihm die eigenen Gedanken und Fantasien den Weg in Erinnerungen wie in eine neue Welt voller Geheimnisse öffnen … Eröffnet am Ende erst das Abhandenkommen von Lesbarkeit den Blick in das unlesbare Wesentliche, das Erhabene?

„Corinna Krebber arbeitet in ihren oftmals raumgreifenden Installationen mit Sprache, mit Text, mit dem, was sich aus der Welt der Gedanken in eine Sichtbarkeit auskristallisiert, sich aber gleichzeitig auch der leichten Lesbarkeit entzieht. Mit ihrer Text-Rauminstallation fügt die Künstlerin dem kargen und strengen Kirchenraum der KunstKulturKirche Allerheiligen die Dimension der Leichtigkeit, des Sphärischen hinzu. Die Schwerkraft scheint aufgehoben, Anziehung (vom Himmlischen) und Ablösung (vom Irdischen) halten sich die Waage. Der Betrachter ist aufgefordert, genau hinzuschauen, den Gedanken im Raum zu folgen und so in Bewegung zu kommen, innerlich wie äusserlich“ (KunstKulturKirche).

Corinna Krebber, [zustand: in der schwebe], KunstKulturKirche Allerheiligen, Frankfurt am Main, bis 14. Juli 2013

(abgebildetes Werk © Corinna Krebber; Fotos: FeuilletonFrankfurt)

 

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