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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Hohe Auszeichnung für den Darmstädter Künstler Helmut Lander

Eine Hommage

Von Renate Feyerbacher

Es war eine bewegende Feierstunde. Die hessische Staatssekretärin für Europaangelegenheiten, der Darmstädter Oberbürgermeister, Familie, Freunde und Bekannte waren gekommen, um Helmut Lander zu ehren. Ihm wurde in seinem Haus unweit der Mathildenhöhe in Darmstadt der Hessische Verdienstorden am Bande überreicht. Diese Auszeichnung wird vom Ministerpräsident für besondere Verdienste um Hessen und die Bevölkerung verliehen.

Lander wird für sein künstlerisch-kulturelles Lebenswerk gewürdigt, das „die Kunstszene in Hessen bereichert und geprägt“ habe.

Helmut Lander

Zu verdanken ist diese Ehrung einem Kunstfreund, der sich mit Helmut Lander und seinem Werk intensiv beschäftigt und eine Ausstellung organisiert hatte: Hans-Jürgen Byrchel liess nicht nach und wurde bei der Regierung in Wiesbaden immer wieder vorstellig. Schaut man in die Liste der bisherigen Ordensträger, die übrigens kaum Frauen aufweist, stellt sich die Frage, warum erst jetzt?

Europastaatssekretärin  Zsuzsa Breier war aus Wiesbaden gekommen, wo sonst die Auszeichnungen stattfinden, und fand anerkennenswerte Worte, die Helmut Landers Leben und Werk würdigten.

Helmut Lander, schon seit mehr als zwei Jahrzehnten an Parkinson erkrankt, wird in diesem Jahr 89 Jahre. Der Weg nach Wiesbaden war ihm nicht mehr zuzumuten.

In Landers „Museumsgarten“

Den Künstler und Menschen Helmut Lander kenne ich seit 40 Jahren.

Im November 1994 hat er in einer Hörfunksendung der Wissenschaftsredaktion im Hessischen Rundfunk über seine Krankheit gesprochen. Er und seine Frau Gisela, genannt „Sternchen“, ein Kosename, den er der frisch Angetrauten 1947 nach einem Kinobesuch und einem Blick in den Himmel gab, schilderten damals die mit der Erkrankung einhergehenden grossen Einschränkungen für ihn und die Anstrengungen für sie. Oft war sie erschöpft, aber sie hat ihn immer wieder ermutigt und motiviert. Die Reaktion nach der Sendung war beeindruckend. Viele Hörerinnen und Hörer hatten sich angesprochen gefühlt. Einige wollten mit ihm und seiner Frau sprechen. Es lag so viel Mutmachendes in den Worten beider.

Helmut Lander gab nie auf. Was für Werke hat er nach der Diagnose geschaffen! Wenige Tage vor der Sendung 1994 wurde in der Stadtkirche von Friedberg sein Fenster eingeweiht.

„Ökumene“, 1994, Bleiglasfenster

Der menschliche Kopf in verschiedenen Varianten ist eines seiner immer wiederkehrenden Motive. Als er die Diagnose erhielt, malte er zwei Monate lang viele Selbstbildnisse und schuf Köpfe, die Verletzungen hatten. Lander: „Ich habe diese Affinität immer auf den Krieg geschoben, bis mir der Gedanke gekommen ist, es hat vielleicht auch etwas mit dieser Krankheit zu tun“.

Kopf in Landers „Museumsgarten“

Ein besonderer Moment kam, als der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch Worte von Helmut Lander zitierte, die dieser selbst nicht mehr deutlich sagen konnte:

„Jahrgang 1924. Die Gnade der späten Geburt blieb mir versagt. Vier Jahre Krieg und Gefangenschaft, zu jung, zu naiv, zu idealistisch, um zu begreifen. Erst zu Ende des Krieges wuchs das Bewusstsein für die Schuld und die Verantwortung für den Tod von Millionen Menschen, unbeschreibliches Leid und Unrecht. Dieses Schuldgefühl wird meine Generation wohl bis zum Lebensende mit sich herumtragen müssen. Weder Wiedergutmachungsgelder noch Wiedervereinigungstaumel können uns davon freimachen. Diese Erkenntnis hat mich und meine Arbeit geprägt, zwingt zu Skepsis und kritischer Distanz gegenüber wohlfeilen Reden und überheblicher Selbstgefälligkeit. Unmenschlichkeit, Machtmissbrauch, Gewalt, Terror, Folter, Intoleranz und Menschenverachtung sind in vielen Ländern auch heute noch selbstverständliches Instrumentarium der Machterhaltung. Unbequem, lästig zu sein, immer wieder zu hinterfragen, quer zu denken, sehe ich als Verpflichtung meiner Generation, der wir ohne Verbitterung und Resignation gerecht werden sollten.“

Dieses Credo steht als Vorwort im Ausstellungskatalog der Darmstädter Kunsthalle anlässlich seines 70. Geburtstags im Jahr 1994.

In Landers „Museumsgarten“

Mit vielen seiner Werke protestierte Helmut Lander gegen Menschenverachtung, Terror, Machtmissbrauch. Zeitlebens ist er ein Querdenker.

Der Künstler ist umgeben von einer grossen Familie: zwei Kinder, sechs Enkelkinder, drei Urenkel. Tochter Petra Lander ist Förderschullehrerin an einer Sprachheilschule, verheiratet, Mutter von vier Kindern und Oma von drei Enkelkindern. Sie wohnt in seiner Nähe. Trotz vieler eigener Aufgaben kümmert sie sich um das Werk ihres Vaters, plant Ausstellungen. Ihr ist der schöne Schauraum zu verdanken, in dem sie einen Querschnitt aus Helmut Landers langer Schaffenszeit zusammen gestellt hat.

Blick in den Schauraum

Zur Zeit sind Exponate von Helmut Lander, der 1994 mit dem Ernst-Rietschel-Kunstpreis für Bildhauerei ausgezeichnet wurde, in einer Ausstellung aller Preisträger in der Ostsächsischen Kunsthalle in Pulsnitz zu sehen. Dort, unweit von Dresden, wurde Ernst Rietschel (1804 bis 1861), einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer des Spätklassizimus, geboren. Uns allen bekannt ist sein Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater in Weimar.

Um die vielen ausgezeichneten Werke des Künstlers Helmut Lander kümmert sich auch die Galerie Lattemann in Mühltal-Trautheim, die immer wieder eindrucksvolle Ausstellungen ermöglicht.

Helmut Lander mit der hessischen Staatssekretärin für Europaangelegenheiten Zsuzsa Breier

Der bedeutende Künstler, der charakterstarke Mensch Helmut Lander ist ein würdiger Träger dieses hohen Ordens.

Abgebildete Werke © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotos: Renate Feyerbacher

→  Helmut Lander zum 85. Geburtstag

 

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