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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Städelschule: Rundgang 2013 (8)

Malerei und mehr

Wie bereits die Absolventenausstellung 2011 oder der Rundgang 2012 der Städelschule erkennen liessen, gehört die Malerei, und zwar auch die figurative bzw. gegenständliche, trotz des Vordringens der Kunstformen Video und Performance durchaus noch zu den gefragten Disziplinen der derzeitigen Generation der an der Hochschule Studierenden. Ihr widmen wir die letzte Folge unseres subjektiven Reports über den Rundgang 2013, wobei wir einigen Studierenden, deren Arbeiten uns auffielen, bislang noch nicht begegnet sind.

Jagoda Bednarsky, Troprismicana no 2, 2013, Öl, Papier auf Leinwand, 140 x 110 cm

Die 1988 in Goldberg geborene Jagoda Bednarsky verfügt bereits über einige Ausstellungserfahrung, beispielsweise in der Frankfurter Galerie Detterer, im 1822-Forum oder in den Rüsselsheimer Opelvillen (Schleuse), wo sie mit dem Ausstellungstitel „Auch wenn dir der tiefere Sinn verborgen bleibt, folge meinen Anweisungen“ überraschte. Die Künstlerin arbeitet, wie oben zu sehen, mit verschiedenen Techniken und gelangt in ihrer lebhaften, abstrakten Malerei zu einem erstaunlichen perspektivischen Reichtum.

Lena Philipp, 1985 in Lörrach geboren, studiert, nach früherer Theaterarbeit in Lörrach und einem Studium der Malerei an der Alanus Hochschule in Alfter, seit 2010 an der Städelschule (wie Jagoda Bednarsky in der Klasse der Professorin Christa Näher). „Dare to fly“ schrieb sie einmal in einer kurzen autobiographischen Notiz. Ihr „Rainbowworrier“, wie viele andere ihrer Arbeiten in zarten Pastelltönen gemalt, scheint kurz vor dem Abheben zu sein; er hat uns besonders gefallen.

Lena Philipp,  rainbowworrier, Öl auf Leinwand, 22 x 26 cm

Alexander Rojas,
↑ O.T., 2013, Öl auf Leinwand
↓ Autist, 2010, Acryl und Öl auf Leinwand, 120 x 90 cm

Alexander Rojas, der mit mehreren Arbeiten beim Rundgang 2013 vertreten war, konnten wir bisher noch nicht begegnen. Seine – auch bei aller Abstraktion noch stets erkennbar figurative – Malerei mögen und brauchen auch gar nicht jedermanns Zustimmung zu finden – sie gibt einige Rätsel auf, mit denen wir uns jedenfalls länger beschäftigen können und möchten.

Ebensowenig kennen wir bislang die Künstlerin Alice Yang, die ihre beiden Arbeiten lediglich mit dem Hinweis auf ihre Website „alicesparklykat.com“ versieht, auf der den Besucher zunächst ein wunderschönes Katzenporträt empfängt. Beim Rundgang zeigt sie zwei interessante kleinformatige, collagierte Gemälde, die sie mit reflektierender Folie versieht, deren Wirkung an Kinegramme erinnert.

Alice Yang (ohne nähere Angaben)

Marcel Petry, Snails, Acryl / Öl auf Leinwand, und: o.t., Acryl auf Leinwand, jeweils 2012, je 120 x 90 cm

Marcel Petry, 1972 in Frankfurt am Main geboren, ist manchen durch seine Performance in der U-Bahn-Passage Dom / Römer vor gut einem Jahr bekannt. Seine figurative, erzählerische, in manchem surrealistisch anmutende Malerei gibt uns ebenfalls eine Fülle von Rätseln auf. Die eine Speise zubereitende Frau in der Küche hebt den Deckel vom Kochtopf, die Katze schaut erwartungsvoll zu, doch über das Gesicht der Köchin fällt dichter schwarzer Haarwuchs. Und kocht sie wirklich Schnecken, wie der Titel suggeriert? Ihr „Partner“ auf dem gleichformatigen benachbarten Bild bearbeitet mit seiner bis über den Unterarm dick verbundenen linken Hand seinen Nacken mit drei Trommelschlegeln. Fantasien, Träume, gar Albträume, hervorbrechende Ängste?

In traumhafte Regionen führt (und verführt) uns auch die Malerei des 1985 geborenen, von Ausstellungen unter anderem in Amsterdam, London oder Mailand weit bekannten und am vielbeschworenen „Kunstmarkt“ bereits erfolgreichen  Seth Pick – wir kennen ihn als Gewinner des wohldotierten letztjährigen Förderpreises der Hans und Stefan Bernbeck-Stiftung. Zweifellos: von diesem Maler werden wir in Zukunft noch sehr viel hören und vor allem sehen.

Seth Pick:
↑ D and A, 2012, Öl auf Leinwand, 65 x 49 cm
↓ Chuang-Tzu, 2012, 57 x 44 cm, und Psyche, 2012, 50 x 38 cm, jeweils Öl auf Leinwand

Moritz Grimm, Maja Kalenderparty

Von Moritz Grimm wissen wir bislang leider nur, dass er 2010 im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden ausgestellt hat. Seine durchaus malerische Collage „Maja Kalenderparty“ verlässt die Bildebene, aus dem Röhrchen „Kurz vor“ regnet es kleine bunte Teilchen wie farbenfrohe Glassplitter aus einem zerbrochenen Kaleidoskop. Wir finden die Arbeit, wie sollen wir sagen, erfrischend, geistreich, witzig – und schön?

Daniel Hörl, 1982 in Fulda geboren, studierte nach einer ersten Ausbildung zum Steinbildhauer zunächst an der Meisterschule für Steinmetze und Steinbildhauer in Freiburg und anschliessend Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg mit dem Abschluss Meisterschüler bei Professor Claus Bury. Der Künstler arbeitet bei seinem Exponat zum diesjährigen Rundgang mit Acryl und Wachskreide auf Marmor: ein Flachrelief mit zugleich grossem malerischen Charakter und, obgleich seiner Auffassung nach noch nicht vollendet, bereits von grosser Kunstfertigkeit und Ästhetik. Je länger man es betrachtet, umso mehr kann man in dieser bemerkenswerten Arbeit entdecken und versuchen, sie zu dechiffrieren. Ein interdisziplinäres Werk, wie wir es bislang noch nicht gesehen haben.

Daniel Hörl, a taste for bitters (twenty installations), Acryl und Wachskreide auf Marmor

Giovanni Sortino, Charlotte, 2013, 200 x 135 cm

Giovanni Sortino schliesslich erhielt zum Rundgangs-Auftakt den diesjährigen Jürgen H. Conzelmann Preis. Wir bringen den Künstler zunächst mit einem Studium an der renommierten Mailänder Accademia di Belle Arti di Brera in Verbindung. Seine grossformatige Arbeit „Charlotte“ macht uns mehr als neugierig … Wir imaginieren mit ihr Ausgrabungsfelder antiker Siedlungsstrukturen, Spuren vergangener menschlicher Zivilisationen. Wir haben uns längere Zeit vor diesem Werk aufgehalten.

Abgebildete Arbeiten © jeweilige Künstler(innen);
Fotos: FeuilletonFrankfurt

→ Städelschule: Rundgang 2013 (1)

→  Städelschule: Rundgang 2014 (1)

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