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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Städelschule: Rundgang 2013 (5)

THE SILVER STUDIO – A SPACE ODDITY

Freitag, 8. Februar 2013: noch wird fleissig aufgebaut, Städelschul-Rektor Nikolaus Hirsch beobachtet es mit Interesse …

… der gesamte Raum samt Fenstern und allem Inventar wird sorgfältig in hochglänzende Alufolie eingepackt (es soll sich um sogenannte Rettungsfolie zum Zudecken etwa von Unfallopfern handeln) … wer erkennt noch den Wasserhahn? Als dann alles fertig ist, kommt der Besucher aus dem Staunen nicht heraus.

Wir befinden uns im SILVER STUDIO, eingerichtet von der First Year Group der Architekturklasse, betreut von Professor Johan Bettum.  Die Studierenden sind: Sadaf Ahadi, Sundeep Balagurvaiya, Elene Beradze, Soso Beridze, Adil Bokhari, Helga Boldt, Mahsa Chaharjoui, Sujata Chitlangia, Amin Eivani, Sabina Eivazova, Peyman Esmaeelpour, Alexander Garibashvili, Julian Gonzales, Eva Goula, Ashwanth Govindaraji, Lidija Grozdanic, Anastasios Ioannou, Theodora Janenita, Damjan Jovanovic, Yulia Kuzhleva, Tornike Matitashvili, Curtis McLean, Ronak Namdari, Sophia Passberger, Mehran Rahmani, Adham Selim, Kalpak Shah, Vasily Sitnikov und Maria Yablonina. Mitgewirkt haben die beiden namhaften Thomas Bayrle-Schüler Sebastian Stöhrer und Stefan Wieland.

Zu dem Raum inspirieren liessen sich die Studierenden von Andy Warhols legendärer Silver Factory, die er von 1964 bis 1968 an der East 47th Street in Manhattan unterhielt und deren Wände und Fenster vollständig mit Silberfolie und silberner Farbe bedeckt waren. „Space oddity“ – Raumkuriosität – , einen „Raum der architektonischen Exzesse“ nennen die Studentinnen und Studenten ihr Werk, das sie im Rahmen des Semesterthemas „Innerlichkeit“ entwickelt haben – „ein Zustand, der von sich aus architektonisch und voll mit sozialen, politischen und philosophischen Nuancen ist“.

„Ein Ort für Selbstentblössung und Reflexion“ sei das Studio, so die Studierenden weiter. Wie Andy Warhols damalige Silver Factory als Vorlage „ist die glänzende Beschichtung des SILVER STUDIO perfekt oberflächlich“.

Nun vermag viele bereits solch „glänzende Oberflächlichkeit“ zu faszinieren, eine im Grunde jedoch immer gleiche Oberfläche, wie wir sie allerorten in allen Städten antreffen, wo ebenso zeitgeistige wie einfallslose „Investoren-Architektur“ sich breitmacht. Beispiele dafür finden sich zahlreich in der Frankfurter Innenstadt, wo vieles, was älter als eine Menschengeneration und damit steuerlich abgeschrieben ist, niedergerissen und durch Einerlei-Fassaden ersetzt wird.

Umso bemerkenswerter die in die Folie des SILVER STUDIO eingebetteten Modellarchitekturen der Jungarchitekten, luftig-lichte, zu schweben scheinende und doch dem Grund verwurzelte, vielfach den Konstruktionsprinzipien der Natur nachempfundene Gebilde. Den Wellen des Meeres und der Landschaft entlehnte, terrassenförmige Siedlungsformen könnte man erahnen. Amphitheatrische räumliche Situationen lassen in der Fantasie erblühen, was Architektur leisten könnte, aber unter den vorherrschenden ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen offenbar nicht zu leisten im Stande ist.

 Fotos: FeuilletonFrankfurt

→  Folge 6

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