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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Städel Museum, Liebieghaus und Museum für Moderne Kunst erwerben 2012 bedeutende Werke

Ein Vilhelm Hammershøi für das Städel,
ein Jean-Antoine Houdon für das Liebieghaus,
ein Franz West für das MMK

Stillstand ist Rückschritt – dies könnte auch für die Frankfurter Museumslandschaft gelten, die ihre Position an der Spitze der internationalen Museumsszene nicht gefährden will: exemplarisch dargestellt an wichtigen Zukäufen der drei grossen Häuser Städel Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung und Museum für Moderne Kunst im sich dem Ende zuneigenden Jahr.

Mitte Oktober 2012 vermeldete das Städel Museum den Erwerb des Tafelbilds „Interieur. Strandgade 30“ des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi aus dem Jahr 1901. Hammershøi, 1864 in Kopenhagen geboren, woselbst er 1916 verstarb, zählte bereits zu Lebzeiten zu den gefragtesten Künstlern Europas. Vor allem seine Interieurs gelten als ein Markenzeichen des dem Kreis der Symbolisten zuzurechnenden Malers, dessen Werk Bezüge etwa zu Edvard Munch, Max Klinger oder Ferdinand Hodler wie ebenso zur holländischen Stubenmalerei des 17. Jahrhunderts aufweist. „Dieser spektakuläre Ankauf schlägt eine Brücke zwischen der Moderne und den alten Meistern und ist damit ein wahrer Glücksfall für das Städel“, freut sich denn auch Städel-Direktor Max Hollein. Ermöglicht wurde der Erwerb aus einer englischen Privatsammlung aus Mitteln des Städelschen Museums-Vereins; das Gemälde ist bereits seit Mitte November in der ständigen Sammlungspräsentation des Hauses zu sehen.

In seinen puristischen Interieurs stellt Hammershøi mit geometrischer Strenge die sparsam möblierten Zimmer seiner Wohnung in Kopenhagen dar. „Das Frankfurter Gemälde“, so das Städel-Museum, „zeigt im Vordergrund ebenfalls das spärlich ausgestattete Esszimmer des Künstlers, in welches von rechts eine Tür hineinragt. An der Stirnseite gibt eine weit geöffnete Zimmertür die Sicht auf eine Raumflucht frei … Der Blick des Betrachters [wird] in die Tiefe des Raums gelenkt … Dort steht die Frau des Künstlers, Ida Hammershøi … Obwohl sämtliche Türen weit geöffnet sind, zingeln diese in ihrer optischen Verlängerung Ida gleichsam ein; die Linienführung hält sie genau in der Mitte des Bildes gefangen. Die vermeintliche Offenheit der Türen bewirkt das Gegenteil: Anstatt einen Weg freizugeben, fixieren sie Ida im Zentrum des Gemäldes. Es sind solche visuellen Irritationsmomente, die Hammershøis wichtige Gemälde kennzeichnen und ein besonderes Qualitätsmerkmal seiner Kunst bilden“.

Vilhelm Hammershøi, Interieur. Strandgade 30, 1901, Öl auf Leinwand, 66 x 55 cm, © Städel Museum, Frankfurt am Main (Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.)

Anlässlich des 300. Geburtstags von Jean-Jacques Rousseau (1712 bis 1778) erwarb die Liebieghaus Skulpturensammlung im Sommer 2012 mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens-Kunststiftung und des Städelschen Museums-Vereins e. V. eine 1780 von Jean-Antoine Houdon geschaffene Porträtbüste des grossen Philosophen, Gelehrten und Schriftstellers.

Jean-Antoine Houdon, 1741 in Versailles geboren und 1828 in Paris gestorben, zählt zu den berühmtesten französischen Bildhauern der Aufklärung und Wegbereitern der Französischen Revolution. Im Winter 2009/2010 hatte das Liebieghaus dem Künstler bereits eine grosse Sonderausstellung gewidmet. „Die Rousseau-Büste“, so das Museum, „entstanden in der Blütezeit von Houdons Schaffen, überzeugt vor allem durch ihre bemerkenswerte Wirklichkeitsnähe und Lebendigkeit. Sie zeigt den berühmten Philosophen in der damals überaus modernen antikisierenden Hermenform, umhüllt von einer Toga und mit einem um den Kopf gewundenen Haarband, das Houdon als ‚Band der Unsterblichkeit‘ bezeichnete … Die hohe Qualität des … Werkes drückt sich in der physiognomischen Durchdringung und in der meisterhaften Oberflächenbehandlung aus. Wie kein anderer zeitgenössischer Bildhauer verstand es Houdon, die Züge seiner Modelle und deren Charakter zu erfassen“.

Houdon, der Rousseau zu dessen Lebzeiten nicht persönlich begegnet war, schuf die Büste mit den wirklichkeitsnah erscheinenden Gesichtszügen nach dessen Totenmaske und sicherlich bereits existierender anderweitiger Porträts.

Auch dieses Meisterwerk ist seit dem Spätherbst 2012 in der Sammlungspräsentation des Hauses zu sehen.

Jean-Antoine Houdon: „Jean-Jacques Rousseau“, 1780, Bronze, Höhe 45 cm, Höhe mit Sockel 57,5 cm, © Liebieghaus Skulpturensammlung Frankfurt am Main

Schliesslich gelang dem Museum für Moderne Kunst  im Herbst 2012 der Erwerb einer mehrteiligen Lampenarbeit des im Sommer dieses Jahres verstorbenen Künstlers Franz West.

Franz West, 1947 in Wien geboren, wo er am 26. Juli 2012 auch verstarb, auf der Biennale Arte 2011 in Venedig für sein Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, war einer der bedeutendsten bildenden Künstler Österreichs des 20./21. Jahrhunderts.

Die diesjährige „Grosse Tischgesellschaft“ der Freunde des MMK widmete dem Meister einen Galaabend mit einem Erlös von 60.000 Euro als Spendenbeitrag für den Ankauf. Auf einen Wunsch des MMK hin hatte Franz West zusammen mit dem Künstler Andreas Reiter Raabe eine Werkgruppe bestehend aus dreizehn Lampenobjekten mit dem Titel „Fleur Malle“ gefertigt, die der erwähnten „Grossen Tischgesellschaft“ präsentiert wurde. Die Arbeit wird anlässlich der grossen Franz West-Retrospektive des Museums, die Ende Juni 2013 eröffnet wird, dauerhaft im Museumsrestaurant „Triangolo“ installiert werden.

Franz West, Fleur Malle, 2012, Bildnachweis: © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Foto: Andreas Reiter Raabe

 

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