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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Dezember, 2012

Erste umfassende Saura – Retrospektive in Deutschland im Museum Wiesbaden

2012, Dezember 30.

Die Leinwand als unbegrenztes Schlachtfeld

Von Hans-Bernd Heier

Der 1930 in Huesca/Spanien geborene Antonio Saura (1930 bis 1998) gehört zweifelslos zu den bedeutenden Künstlern des 20. Jahrhunderts und zu den prägendsten Exponenten der spanischen Malerei seiner Epoche. Für Alexander Klar, Direktor des Wiesbadener Landesmuseums, zählt Saura neben Antoni Tàpies und Eduardo Chillida zu dem „grossen Dreigestirn der spanischen Nachkriegskunst“.

Allerdings hat der Autodidakt Saura, obwohl zu dessen Lebzeiten seine ausdrucksstarken Werke in vielen internationalen Ausstellungen präsentiert wurden, nicht einen vergleichbaren Bekanntheitsgrad in Deutschland wie Tàpies und Chillida erreichen können. Das mag auch daran liegen, dass die letzte, allerdings kleinere Retrospektive von Saura in Düsseldorf aus dem Jahre 1979 datiert. Mit der ambitionierten, grössten Retrospektive in Deutschland im Museum Wiesbaden sollte sich das ändern.

An der gut besuchten Pressekonferenz nahmen (von links) Olivier Weber-Caflisch, Präsident der Fondation archives antonio saura, Marina Saura, Wiesbadens Museumsleiter Alexander Klar sowie Gastkurator Cäsar Menz, Honorardirektor Musées d’art et d’histoire in Genf, teil und erläuterten das Werk des Künstlers; Foto: Hans-Bernd Heier

Die zusammen mit der Stiftung Antonio-Saura-Archiv in Genf und dem Kunstmuseum Bern organisierte facettenreiche Schau umfasst gut 220 Werke und widmet sich sämtlichen Schaffensperioden des immens produktiven spanischen Künstlers. Die Retrospektive war zuvor in der Schweizer Hauptstadt zu sehen. Weiterlesen

Städel Museum, Liebieghaus und Museum für Moderne Kunst erwerben 2012 bedeutende Werke

2012, Dezember 29.

Ein Vilhelm Hammershøi für das Städel,
ein Jean-Antoine Houdon für das Liebieghaus,
ein Franz West für das MMK

Stillstand ist Rückschritt – dies könnte auch für die Frankfurter Museumslandschaft gelten, die ihre Position an der Spitze der internationalen Museumsszene nicht gefährden will: exemplarisch dargestellt an wichtigen Zukäufen der drei grossen Häuser Städel Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung und Museum für Moderne Kunst im sich dem Ende zuneigenden Jahr.

Mitte Oktober 2012 vermeldete das Städel Museum den Erwerb des Tafelbilds „Interieur. Strandgade 30“ des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi aus dem Jahr 1901. Hammershøi, 1864 in Kopenhagen geboren, woselbst er 1916 verstarb, zählte bereits zu Lebzeiten zu den gefragtesten Künstlern Europas. Vor allem seine Interieurs gelten als ein Markenzeichen des dem Kreis der Symbolisten zuzurechnenden Malers, dessen Werk Bezüge etwa zu Edvard Munch, Max Klinger oder Ferdinand Hodler wie ebenso zur holländischen Stubenmalerei des 17. Jahrhunderts aufweist. „Dieser spektakuläre Ankauf schlägt eine Brücke zwischen der Moderne und den alten Meistern und ist damit ein wahrer Glücksfall für das Städel“, freut sich denn auch Städel-Direktor Max Hollein. Ermöglicht wurde der Erwerb aus einer englischen Privatsammlung aus Mitteln des Städelschen Museums-Vereins; das Gemälde ist bereits seit Mitte November in der ständigen Sammlungspräsentation des Hauses zu sehen.

In seinen puristischen Interieurs stellt Hammershøi mit geometrischer Strenge die sparsam möblierten Zimmer seiner Wohnung in Kopenhagen dar. „Das Frankfurter Gemälde“, so das Städel-Museum, „zeigt im Vordergrund ebenfalls das spärlich ausgestattete Esszimmer des Künstlers, in welches von rechts eine Tür hineinragt. An der Stirnseite gibt eine weit geöffnete Zimmertür die Sicht auf eine Raumflucht frei … Der Blick des Betrachters [wird] in die Tiefe des Raums gelenkt … Dort steht die Frau des Künstlers, Ida Hammershøi … Obwohl sämtliche Türen weit geöffnet sind, zingeln diese in ihrer optischen Verlängerung Ida gleichsam ein; die Linienführung hält sie genau in der Mitte des Bildes gefangen. Die vermeintliche Offenheit der Türen bewirkt das Gegenteil: Anstatt einen Weg freizugeben, fixieren sie Ida im Zentrum des Gemäldes. Es sind solche visuellen Irritationsmomente, die Hammershøis wichtige Gemälde kennzeichnen und ein besonderes Qualitätsmerkmal seiner Kunst bilden“.

Vilhelm Hammershøi, Interieur. Strandgade 30, 1901, Öl auf Leinwand, 66 x 55 cm, © Städel Museum, Frankfurt am Main (Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.) Weiterlesen

E. R. Nele in der Frankfurter KunstKulturKirche Allerheiligen

2012, Dezember 27.

„halt dich warm“

so lautet der Titel E. R. Neles jüngster Ausstellung in Frankfurt am Main: in der KunstKulturKirche Allerheiligen in der Nähe des Frankfurter Zoologischen Gartens.

„Halt dich warm“ – eine Aufforderung, sich zur Ausstellungseröffnung in winterlicher Jahreszeit mit wärmender Kleidung zu versehen? Wohl kaum. Vielleicht der Rat, in Zeiten neoliberalistischer gesellschaftlicher und menschlicher Kälte – auf dem Weg zur Kulturkirche hat man hinreichend Gelegenheit, auch im nachweihnachtlich-illuminierten Strassenbild einige Lagerstätten von Obdachlosen wie auch Billigst-Kaufhäuser zu passieren, in denen Menschen sichtbar an der Armutsgrenze oder diese unterschreitend ein- und ausgehen, – Geist und Seele mit einem stählernen Schutzmantel zu verschliessen, um innerer Wärme gewahr zu werden, falls sie sich denn einstellt?

Im Kirchenraum finden wir unter anderem einige der bekannten Mantelskulpturen aus dem fast benachbart gelegenen Atelier der europa- wie weltweit beachteten Stahlbildhauerin E. R. Nele, über deren diesjährige Jubiläumsausstellungen zum 80. Geburtstag wir berichteten. Die Mäntel, die wir hier antreffen, sind hohl, jedoch innerlich besetzt: von Menschen, die wir zwar nicht sehen, deren Anwesenheit wir aber wohl erahnen, fühlen können. Es sind Mäntel, die nicht wärmen, sondern den Betrachter zunächst erschauern und frieren lassen.

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Weihnachten 2012

2012, Dezember 25.

 

 

FeuilletonFrankfurt

wünscht seinen Leserinnen und Lesern

ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!


Scrovegni-Kapelle in Padua (Bildnachweis: Rinina25/wikimedia commons GFDL)

Giotto di Bondone (1266 bis 1337), Geburt Christi, Fresko (1304 /1306), Scrovegni-Kapelle in Padua (Bildnachweis: wikimedia commons)

 

Adventskalender 2012: 24. Dezember

2012, Dezember 24.

Werke von Künstlerinnen und Künstlern des
Atelier Goldstein

„Es ist normal, verschieden zu sein.“

FeuilletonFrankfurt beschliesst seinen diesjährigen Adventskalender mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern des Atelier Goldstein mit einer Installation des Frankfurter Künstlers Selbermann.

Wir lernten Selbermanns Arbeiten bereits vor knapp drei Jahren in der wunderbaren Ausstellung „Bilder, die bewegen“ in der Frankfurter Heussenstamm-Galerie kennen. Der 1962 in Frankfurt am Main geborene Georg Vaternahm, so der bürgerliche Name des Künstlers mit – wie wir uns zu sagen angewöhnt haben – geistiger Behinderung, gab sich dieses Pseudonym im Sinne der Redensart „Selbst ist der Mann“. Allein dies eine beachtliche schöpferische Leistung.

Geistige Behinderung – was will dieser Begriff eigentlich aussagen angesichts der vielfachen mentalen Sperren, der mannigfaltigen ideologischen oder extremistisch religiösen oder weltanschaulichen Voreingenommenheiten oder Fixierungen der sich selbst als „nicht behindert“ erachtenden Mehrheit der Bevölkerung, angesichts der politischer oder religiöser Radikalität und dem Reiz nackter Gewalt verfallener Kreise der Gesellschaft? Wer sind die eigentlichen geistig „Kranken“ und die „Krankmacher“ in unseren nationalen wie globalen wirtschaftlichen und politischen Systemen? Sind es die berüchtigten Londoner und New Yorker Investment-Zocker und Hedgefonds-Manager, sind es die in dieser Welt immer noch ihr Unwesen treibenden, wenn auch von vielen „gewählten“, vielfach korrupten Diktatoren und Gewaltherrscher, sind es – im Herzen Europas – Leute vom Schlage eines Bunga-Bunga-Berlusconi?

Solche Überlegungen und Fragen, wir wissen es, vernehmen manche sich in einer oft garstigen Welt nach Harmonie Sehnenden nicht gerne. Manche werden auch an der abgebildeten Installation von Selbermann kaum – schon gar keinen weihnachtlichen – Gefallen finden. Trotzdem – oder besser gesagt gerade deshalb – beschliessen wir an Heiligabend 2012 unseren Zirkel mit einem dokumentarischen Foto dieser Installation.

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