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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Andalusien – christlich-islamischer Kulturschatz / 2

Ein Reisebericht

2. Teil: Ronda – das schöne „weisse Dorf“

Text und Fotos: Renate Feyerbacher

Unsere nächste Station ist Ronda. Der Amarillos-Bus startet am gut organisierten Bus-Bahnhof in Málaga, fährt vorbei an pittoresken „Weissen Dörfern“ und hält in einigen an. Nur knapp zehn Euro kostet die Fahrt pro Person.

Quartier beziehen wir für eine Nacht im Hotel Ronda, einem intimen Familienhotel. Die Betten sind so breit, dass ich nachfrage, ob das Zimmer für vier Personen gedacht ist. Aber nein, schüttelt die gebildete Señora, eine ehemalige Lehrerin, den Kopf. Die deutschen Besucher seien ihr die liebsten Gäste.

Die Kleinstadt Ronda liegt auf Felsmassen – 780 Meter hoch. Es ist eines der schönsten „Weissen Dörfer“ mit herrlichen Panoramen. Die Stadt, durch eine tiefe Schlucht (El Tajo) mit dem Flüsschen Guadelevin zweigeteilt, wird durch einen Viadukt, die Puente Nuevo, verbunden. Wir steigen über den Treppenpfad, der an der Plaza de Maria de Auxiliadora beginnt, in die Schlucht, denn die architektonische Schönheit dieser Brücke ist erst unten im Tal zu sehen. Sie ist ein Meisterwerk der Ingenieurkunst aus dem 18. Jahrhundert des Architekten Antonio Martin Aldehuela, der sich nach 42 Jahren Bauzeit von dort oben 160 Meter in die Tiefe stürzte. Ronda gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der deutsche Dichter Rainer Maria Rilke war hier 1913 ein begeisterter Gast, ebenso Ernest Hemingway.

Viadukt

Oben wieder angelangt, machen wir Pause in der Casa Don Bosco in der Calle Tenorio 20. Dieses Landadelshaus mit herrlichem Blick auf die Puente Nueva und in die Schlucht hat schöne Bänke aus Fliesen.

Casa Don Bosco

Auch heute noch haben reiche Stadtspanier ihr Landhaus in Ronda.

Ronda wurde 711 maurisch und zur strategisch wichtigen Zwischenstation auf dem Weg von Cordóba, dem Herrschersitz, zur Küste. Erst Ende des 15. Jahrunderts konnten die Katholischen Könige die Stadt zurück erobern.

In der Neustadt, von den Christen angelegt, steht die imposante Stierkampfarena, die zu den ältesten Spaniens gehört. In Ronda wurden die noch heute geltenden strengen Regeln des Stierkampfes festgelegt.

Uns interessiert La Ciudad, die Altstadt, dort liegt die Casa del Rey Moro, das Haus eines grausamen, maurischen Taifa-Königs. Ein Portrait aus Kacheln erinnert an ihn. Schön sind die über dem Abgrund hängenden Gärten mit der in den Fels gehauenen Treppe, die zum Fluss führt.  Während der Kämpfe zwischen Mauren und Christen mussten die christlichen Gefangenen das Wasser hochschleppen. „Gott behüte mich vor den Wasserkrügen von Ronda!“ heisst ein Sprichwort.

Uns interessiert vor allem das Minarett, heute der Glockenturm der Kirche Santa-Maria-la Mayor, die Reste des Palacio de Mondragón, die Residenz des letzten maurischen Herrschers, die Reste der arabischen Stadtmauer und vor allem die arabischen Bäder aus dem 13. Jahrhundert, die in der Ebene liegen. Sie gelten als die besterhaltenen der iberischen Halbinsel. Noch heute sieht man die Empfangshalle, drei Baderäume, Umkleideraum, Wasserrad, das mit einem kleinen Aquädukt die Wasserzufuhr übernahm, Holzlager und Heizkessel. Geheizt wurde wie in den römischen Thermalbädern. Allerdings wurde nicht im heissen Wasser gebadet, sondern nur der Dampf benutzt.

Arabische Bäder

Mühsam ist der Aufstieg in der wahnsinnigen Hitze. Links von der nicht enden wollenden Treppe – gute Kondition erforderlich – liegt der Palacio del Marqués de Salvatierra, ein Adelspalast aus dem 18. Jahrhundert. Ungewöhnlich ist das Detail seiner Aussenfassade: die Gebälkträger des Dreiecksgiebels über dem Portal sind nackte Azteken-Figuren oder Inka-Paare, zwei von ihnen bedecken schamvoll den geschlechtlichen Teil, eine streckt die Zunge heraus. Die Familie hatte einen Adelstitel der mexikanischen Stadt Salvatierra.

Calle Tenorio bei Nacht

Die Strapazen lassen wir uns durch wunderbares Essen belohnen. Im Restaurant La Puerta Grande, ein Tipp der Señora vom Hotel Ronda, genossen wir am Vorabend Lammkoteletts und Iberische Lende. Essen und Service sind so vorzüglich, dass wir nach dem anstrengenden Kulturprogramm am nächsten Tag noch einmal hingehen. Diesmal gibt es die regionale Spezialität Frittierte Auberginen mit Honig und süssem Wein überzogen, Paëlla mit Gemüse und als Geschenk noch Gazpacho Andaluz, eine kalte Suppe aus pürierten Gemüsen.

Crew des Restaurants La Puerta Grande

Einen Tag mehr hätten wir für Ronda gebraucht, denn die Wege in die Schlucht, zu den Bädern und durch den alten Stadtteil dauern lang und sind anstrengend.

Ronda ist ein Muss auf einer Andalusien-Reise.

→  Andalusien – christlich-islamischer Kulturschatz / 1 (Málaga)

→  Andalusien – christlich-islamischer Kulturschatz / 3 (Cádiz)

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