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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Februar, 2012

Die Kunst in den Sarg? Saâdane Afif im MMK-Zollamt

2012, Februar 27.

(Bildnachweis: Museum für Moderne Kunst)

Manche unter Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, werden stöhnen: schon wieder Konzeptkunst! Das versteht doch kein Mensch! Da muss man doch Kunstwissenschaftler sein oder zumindest erst dicke Bücher lesen, um zu kapieren, worum es gehen soll. Ach ja, trotzdem – bleiben Sie uns geneigt und lesen Sie bitte weiter. Es gibt jetzt nämlich „schwarzen Humor“!

„Saâdane Afif. Anthologie de l’humour noir“

heisst die neue Ausstellung in der Dependance Zollamt des Frankfurter Museums für Moderne Kunst. Es ist die erste museale Einzelpräsentation des Künstlers in Deutschland. Zuvor, im Herbst 2010, war sie schon im Musée National d’Art Moderne im Pariser Kunst- und Kulturzentrum Centre Pompidou zu sehen. Dort erhielt Afif im Jahr 2009 den angesehenen, mit 35.000 Euro dotierten Prix Marcel Duchamp, der an französische oder in Frankreich lebende Künstler vergeben wird. Für die Präsentation im MMK-Zollamt hat Afif die damalige Ausstellung jetzt entsprechend weiterentwickelt.

In jenem Centre Pompidou war es, dass der junge Afif seinerzeit beschloss, Künstler zu werden. Und nun gab ihm im Zuge der Preisverleihung das berühmte Haus Anlass, sich mit dem „Museum“ als Institution auseinanderzusetzen. Dort fand vor Jahren eine Ausstellung mit Figurensärgen aus Ghana statt. Prompt bestellte er beim dortigen Hersteller einen Figurensarg: in Gestalt einer Nachbildung des Centre Pompidou!

Ausstellungsansicht Weiterlesen

Aufstieg in die World League: Max Holleins Städel Museum

2012, Februar 24.

Blickrichtung: Kulturmanager und Museums-Macher Max Hollein

Mal ehrlich: Wenn uns jemand vor zehn Jahren gesagt hätte, die Ausstellungsfläche des Städel Museums werde sich an Ort und Stelle um 3.000 m² vergrössern, wir wären kopfschüttelnd von dannen gegangen; und wenn uns jemand vor zehn Jahren gesagt hätte, das Museum werde in sehr überschaubarer Zeit in seinem Bestand rund 1.200 Werke der Gegenwartskunst versammeln, wir hätten um den geistigen Zustand dieses Verwirrten gebangt.

Aber nun, Ende Februar 2012, sind beide Vorhersagen Realität. Neben den Sammlungen „Alte Meister“ und „Moderne“ vereinigt das Haus mit dem dritten grossen Sammlungskomplex „Gegenwartskunst“ rund sieben Jahrhunderte abendländischer Kunstgeschichte unter einem Dach: rund 3.000 Gemälde, 600 Skulpturen, 500 Fotografien und über 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken. Weiterlesen

Kunsthalle Mainz: Peter Sauerer, Elly Strik, Eva Weingärtner

2012, Februar 23.

Peter Sauerer. Trabant
Elly Strik. Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke
Eva Weingärtner. we are one

Von Vera Mohr

Mainz näherte sich dem Höhepunkt der Fastnachtskampagne, und die klirrende Kälte liess ungeschützte Oberflächen platzen, wohl dem, der sich in der närrischen und frostigen Zeit hinter einer Maske verstecken konnte. Und die gibt’s nicht nur bei Occupy, sondern für einige Zeit in der Kunsthalle Mainz.

Der Künstler Peter Sauerer hat im obersten Geschoss der Kunsthalle, von wo der Blick auf das im Wandel befindliche Hafengebiet schweift, seine Werke positioniert. Weiterlesen

Vom Traumauto-Designer zum Aquarellisten: Ernst-Dietrich Haberland

2012, Februar 21.

Jubiläumsausstellung zum 80. Geburtstag des Malers im Nebbienschen Gartenhaus

Entweder man hat es – oder man hat es nicht: den Blick für Proportionen und Harmonie der Form; das Gefühl für und Freude an Ästhetik; das erkennende Auge und die geschulte, sichere Hand der Ausführung beim Zeichnen und Malen.

So sähe – neben den Automobil-Legenden 300 SL und 190 SL von Mercedes-Benz sowie dem 507 von BMW – der vierte Traumroadster der 1950er Jahre aus: die Karosserie eines Borgward-Roadsters, im Jahr 1954 entworfen von niemand anderem als Ernst-Dietrich Haberland.

In Serie gebaut wurde dieser elegante Roadster leider nicht. Deshalb gibt es auch keinen entsprechenden Oldtimer im heutigen Wert einer sechsstelligen Euro-Summe, wie sie das erst Jahre später in geringer Stückzahl gefertigte Bordward Isabella Coupé Cabriolet mühelos auf dem heutigen Liebhaber-Markt erreicht (wie armselig dagegen das Einheitsdesign heutiger Automobile mit immer denselben sinnlosen Linien und den hässlich-unproportionierten Buckel-Hecks).

Haberland, 1931 im preussischen Königsberg geboren, flüchtete 1945 mit seiner Familie in den Westen und erlernte zunächst den Beruf des Stellmachers, also den Wagen- und Kutschenbau in Holz. Dem Siegeszug der Motorisierung in den Nachkriegsjahren folgend besuchte er in den 1950er Jahren die Karosseriebauschule in Kaiserslautern mit dem Abschluss Meister und Ingenieur – sein „Meisterwerk“ haben wir soeben vorgestellt. Anschliessend war er zunächst als Karosseriekonstrukteur und später in anderen Positionen in der Automobilindustrie tätig.

Dies alles ernährte seinen Mann, wie man zu sagen pflegt, aber nicht das nach dem Ästhetisch-Schöpferischen strebende Gemüt. Kein Wunder also, dass Haberland schon früh mit Skizzenheft, Zeichenblock und Aquarellpapier unterwegs war Weiterlesen

Claudia Bosse: Burning Beasts

2012, Februar 18.

Eine performative Installation auf dem ehemaligen Krönungsweg

Der Schauplatz: Frankfurt am Main, der „Krönungsweg“ der deutschen Kaiser (1562 bis 1806) zwischen dem Rathaus Römer und dem Kaiserdom.
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Städelschule: Rundgang 2012 (3)

2012, Februar 16.

Rundgang 2012 – Jahresausstellung der Studierenden der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule

Man sieht: in der Städelschule wird intensiv gearbeitet, sogar mit Pflanzen

Zieht etwa die Botanik als Disziplin in die Städelschule ein? René Schohe befasst sich in einer beim diesjährigen Rundgang ausgestellten Arbeit eingehend mit Desmodium Motorium bzw. Desmodium Gyrans. Solches tat nun lange vor ihm schon ein gewisser Charles Darwin, den besagte Pflanze bereits im Jahr 1855 derart in Bann zog, dass er sich ihrem Studium bis zu seinem Tod im April 1882 widmete, ohne ihr jedoch alle Geheimnisse entlockt zu haben. Oder nach anderer Lesart: Er nahm deren Geheimnisse, die zu den seinigen wurden, mit in sein Grab.

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Städelschule: Rundgang 2012 (2)

2012, Februar 14.

Rundgang 2012 – Jahresausstellung der Studierenden der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule

Rundgang-Plakat 2012

Einmal jährlich – oder sozusagen eineinhalb Mal, wenn man die Absolventenausstellung im Herbst mitrechnen will – öffnet sich die Städelschule, die Staatliche Hochschule für bildende Künste, wie sie offiziell heisst, dem Publikum, unlängst wieder am vergangenen Wochenende beim traditionellen „Rundgang“, an dem sich auch heuer wieder fast alle der rund 150 Studierenden der freien bildenden Kunst sowie die rund 40 Studierenden der Architekturklasse beteiligten. Die „Rundgänge“ sind längst zu einem festen Bestandteil der Frankfurter Kulturwelt geworden Weiterlesen

Felix Mussil

2012, Februar 13.

Goethe-Plakette für den politischen Karikaturisten

Text und Fotos: Renate Feyerbacher

Mitte Januar 2012, wenige Tage nach seinem 91. Geburtstag, erhielt der gebürtige Berliner die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main.

Felix Mussil und der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth

Endlich wurde dieser legendäre Meister der politischen Karikatur ausgezeichnet. Viele prominente Freunde aus Kultur und Politik und ehemalige Kollegen der Frankfurter Rundschau waren in den Frankfurter Römer gekommen, um Felix Mussil zu feiern. Bescheiden, fröhlich, fein lächelnd verkraftete er den Gratulations-Strom der Bewunderer. Warten war angesagt. Weiterlesen

Städelschule: Rundgang 2012 (1)

2012, Februar 12.

Statement von Graziano Capitta gegenüber der Mensa, darunter seine Arbeit „Teflon Painting“, 2012

Rundgang 2012 – Jahresausstellung der Studierenden der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule

Studierende, die in der Mensa der Städelschule, im Haupthaus an der Dürerstrasse, zu Mittag essen, haben Gelegenheit, sich mit dem Statement von Graziano Capitta im benachbarten, durch eine gläserne Wand getrennten Flur auseinanderzusetzen. Und natürlich auch die Besucher der Schule, die in grosser Zahl an diesem Wochenende die Kaderschmiede künftiger Kunstschaffender zum traditionellen Rundgang aufgesucht haben. Ein Statement von geradezu grandioser Ambivalenz, angesiedelt zwischen Reflexion und Provokation, zwischen Selbstzweifel und Selbstbewusstsein, zwischen dem so fern erscheinenden Wunschziel, auf dem Kunstmarkt einmal ein grosses Rad zu drehen, und dem Zorn auf eben diesen Markt in all seiner kapitalismusunterworfenen Kommerzialität und Fragwürdigkeit. Ist es ein Traum, einmal ein „Jeff Koons“ zu sein, oder eher ein Alptraum? Weiterlesen

Sandro Vannini in der Frankfurter Westend Galerie

2012, Februar 11.

Impronte egiziane – Ägyptische Spuren

Von Barbara Thurau
Frankfurter Westend Galerie

Sandro Vannini wurde 1959 in Rom geboren. Seit 1980 arbeitet er als Fotograf und lebt heute in Viterbo und Kairo.

Nach Fotoarbeiten in den Bereichen Illustration und ethnografische Reportage, Architektur und Landschaft beginnt er 1997 mit der aussergewöhnlichen Dokumentation der Archäologischen Schätze Ägyptens: Er hält die Kultur der Pharaonenzeit sowie die Werke der koptischen und der islamischen Kunst für die Nachwelt fest. Als offizieller Fotograf der staatlichen ägyptischen Antikenverwaltung geniesst er exklusiven Zugang zu den Altertümern und arbeitet eng mit Zahi Hawass, dem berühmtesten zeitgenössischen Ägyptologen zusammen. Als eingespieltes Team schufen die beiden in den vergangenen Jahren mehrere Bildbände wie zum Beispiel „Die verbotenen Gräber in Theben“. Diese Grabstätten, unweit des Tals der Könige, sind grösstenteils nur Forschern zugänglich, und die darin verborgenen, beinahe unversehrten Wandgemälde und Reliefs sind von einzigartiger Schönheit.

Thoth as Ibis (a und b) Weiterlesen