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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Körper und Geist: Erste Gross-Skulptur von Jaume Plensa in Deutschland

„Unser Körper ist der Sitz des Geistes. Die Universität ist eine Ausweitung unseres Körpers. Ein Versammlungsort, an dem sich Menschen und Ideen, Tradition und Zukunft zu Zwiegesprächen treffen und das Netz menschlichen Wissens weben“.

Jaume Plensa am 16. Dezember 2010 in Frankfurt am Main

Der katalanische Bildhauer Jaume Plensa kommentierte auf diese Weise in einer kleinen Feierstunde Mitte Dezember 2010 die förmliche „Einweihung“ seiner Skulptur „Body of Knowledge“. Sie steht auf dem zentralen Platz des Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität.

Eigentlich ist es jetzt einer der schönsten Plätze der Stadt Frankfurt am Main, schwärmte Universitätspräsident Professor Werner Müller-Esterl in der entsprechenden Pressekonferenz. Dem können wir uns anschliessen. Und Müller-Esterl weiter: „Die Skulptur kann zu einem Sinnbild und Markenzeichen für unsere Universität werden. Der Titel ‚Body of Knowledge‘ umschreibt sehr schön den Gedanken der wissenschaftlichen Gemeinschaft, die unterschiedlichen Schriftzeichen visualisieren die Internationalität der Goethe-Universität, die Transparenz des Kunstwerks symbolisiert die Offenheit des wissenschaftlichen Diskurses und die Öffnung der Universität als Wissensspeicher für die Bürger der Region.“

Jaume Plensa und Werner Müller-Esterl

FeuilletonFrankfurt-Leserinnen und -Leser kennen den Künstler auch von den Bad Homburger „Blickachsen 7“ im Jahr 2009: Jaume Plensa war dort mit drei Arbeiten vertreten, unter anderem mit der fünf Meter hohen Skulptur „Nosotros“ (Wir), die er in einem reizvollen Gegensatz zu den beiden Denkmälern für Kaiser Friedrich III. und dessen Ehefrau Victoria (“Kaiserin Friedrich”) im Kurpark aufstellte – eine Auseinandersetzung mit historischen monarchischen Strukturen und Personen und einer entsprechenden Erinnerungskultur in der heutigen – wie es so schön heisst globalisierten – Welt mit allem, was sich damit an Positivem wie auch Negativem verbinden mag.

„Body of Knowledge“ erreicht eine Höhe von fast acht Metern. Die sich nach innen zu einem Dreiviertelrund öffnende, transparente Skulptur erinnert an die Gestalt eines hockenden Menschen. Sie besteht, ebenso wie „Nosotros“, aus miteinander verknüpften Buchstaben und Zeichen aus weiss lackiertem Edelstahl, hier aus acht verschiedenen Alphabeten. Im Innenrund versenkt angebrachte Lichtquellen erleuchten die Skulptur nach Einbruch der Dämmerung. Die Verwendung von Lettern und Schriftzeichen ist ein typisches Merkmal der Arbeiten Plensas. Mit diesen Elementen versucht er, ohne dass sich konkret lesbare Worte oder Sätze ergeben, den Zusammenhang von Spiritualität und Materie, von körperlicher und geistiger Sphäre des Menschen in seiner individuellen wie kollektiven kulturellen Vielgestaltigkeit zu visualisieren. Plensa sieht in diesen, von manchen auch als „Schriftkörper“ bezeichneten Arbeiten, wie er ausführte, „Gefässe für die Seele“.

Bemerkenswert die Transparenz der Skulptur, die Auflösung der Grenzen zwischen Aussen- und Innenraum, die Verflüchtigung der Volumina, das kontemplative wie würdevolle Ruhen in sich selbst.

Frankfurt am Main verfügt damit über die erste in Deutschland aufgestellte Gross-Skulptur des international renommierten Künstlers. Sie wurde von Johanna Quandt, Ehrensenatorin der Universität, gestiftet.

Jaume Plensa wurde 1955 in Barcelona geboren. Er studierte an der dortigen Escola de la Llotja und der Reial Acadèmia Catalana de Belles Arts de Sant Jordi. Es folgten Studienaufenthalte in England und in Frankreich. Darüber hinaus arbeitete er in Berlin, Brüssel und in den USA. Seit 1980 bestreitet er weltweit zahlreiche Ausstellungen. Sein Œuvre umfasst neben Skulpturen auch Zeichnungen, Grafiken, Collagen und Entwürfe für Bühnenbilder. Der Künstler lebt und arbeitet in Barcelona und in Paris.

(Fotos: FeuilletonFrankfurt)

→  „Blickachsen 9“ in Bad Homburg und Rhein-Main (8)

 

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