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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für November, 2010

Das grüne Kanapee / 16

2010, November 30.

Bevor Sie, liebe Leserinnen und Leser, vom schönen warmen grünen Kanapee aufstehen und in der Kälte mit dem Auto hinaus in die weite Welt fahren, ist Eiskratzen angesagt. Hören Sie doch mal herein, wie es unserem Haus- und Hof-Dichter habust dabei erging.

(©  habust; Foto: GearedBull wikimedia commons GFDL)

Backen und Basteln für den guten Zweck: Weihnachtsbasar des ZONTA Clubs Frankfurt II Rhein-Main zugunsten des Mädchenbüros Bockenheim

2010, November 27.

Es gab alles, was man sich auf Tischen und Tresen eines veritablen Weihnachtsmarktes vorstellen kann, auch wenn es erst Anfang November war: So möchten wir lieber von einem Benefiz-Basar sprechen, zu dem der ZONTA Club Frankfurt II Rhein-Main lange vor Beginn der Adventszeit seine Mitgliedschaft nebst deren Gästen in die bekannte „Fabrik“ in Frankfurt-Sachsenhausen eingeladen hatte. Dennoch liessen sich die Damen des Clubs bei der Vorbereitung der Veranstaltung offensichtlich von vorweihnachtlichen Gefühlen leiten, gab es doch ein reichhaltiges Angebot an selbstgebackenen und selbstkonfektionierten jahreszeitlichen Köstlichkeiten aller Art (noch heute schwärmt der Autor von der herrlichen Schweizer Nusstorte einer Clubschwester und Frankfurter Künstlerin, deren Arbeiten demnächst in diesem Magazin Raum gegeben wird). Ebenso wenig fehlte es an allerlei weihnachtlichem dekorativem Schmuck, den die Clubdamen zum Teil selbst gebastelt hatten. Und nicht zu vergessen einige Bilder von jungen Hobby-Künstlerinnen des Mädchenbüros Bockenheim, von dem noch zu sprechen sein wird. Fast alles wurde verkauft.

Im Mittelpunkt des Benefiz-Abends standen ein Lichtbildvortrag der bekannten Altmeisterin der Fotografie Barbara Klemm (über die Näheres auszuführen Eulen nach Athen tragen hiesse), vor allem aber die Versteigerung einer ihrer Fotografien vom im Jahre 1995 von Christo und Jeanne-Claude künstlerisch verhüllten Berliner Reichstagsgebäude, die sie zum guten Zweck gespendet hatte. Am Ende erteilte die Frankfurter Stadträtin Elisabeth Haindl – die dabei bemerkenswerte Fähigkeiten als Benefiz-Auktionatorin unter Beweis stellte – bei 1450 Euro den Zuschlag.

Barbara Klemm neben dem für die ZONTA-Benefiz-Auktion ausgewählten Foto des verhüllten Reichstagsgebäudes (Foto: Claus-Dieter Knöchel) Weiterlesen

Das Frankfurter Nibelungen-Projekt 2010 / 2012

2010, November 25.

„Das Rheingold“ und „Die Walküre“

Von Renate Feyerbacher
Fotos: © Monika Rittershaus; Renate Feyerbacher

„Das Rheingold“ – Vorabend zum Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“

Die Oper Frankfurt, die Nummer Eins in Deutschland, hat mit der Inszenierung des Ring-Zyklus begonnen. Anfang Mai 2010 hatten „Das Rheingold“ Premiere, Anfang November „Die Walküre“. Ende Oktober 2011 sollen „Siegfried“ und im Januar 2012 „Götterdämmerung“ folgen. Für Juni 2012 und Januar / Februar 2013 sind zwei Ring-Zyklen geplant.

Der Anspruch und die Messlatte lagen hoch. 1985 haben Ruth Berghaus und Michael Gielen den Ring-Zyklus an der Oper Frankfurt realisiert – eine legendäre Produktion. 1994/1995 waren es Herbert Wernicke und Sylvain Cambreling.

„Das Rheingold“; unten v.l.n.r. Dietrich Volle (Donner), Barbara Zechmeister (Freia), Richard Cox (Froh), Martina Dike (Fricka), Terje Stensvold (Wotan), oben Statisterie der Oper Frankfurt

Aufbruch nach Walhall

Leb wohl und grüsse die Lieben! – Heute floss mir das Rheingold bereits durch die Adern: muss es denn sein, und kann es nicht anders sein, so sollt Ihr denn ein Kunstwerk bekommen, das Euch Freude machen soll!“

Diesen Brief schrieb Richard Wagner (1813 bis 1883) an seinen Freund und späteren Schwiegervater, den Komponisten Franz Liszt, der in Weimar wirkte. Weiterlesen

„Citywatch Office“ – Ein Projekt von Sandip Shah im ATELIERFRANKFURT

2010, November 24.

Vorsicht Künstler!

„Wegen Beteiligung an ausnahmslos guter Herstellung von gegenwartsnaher bildender Kunst werden steckbrieflich gesucht …

Mara Monetti / Andreas Rohrbach / Natalie Goller / Jörg Simon / Lionel Röhrscheid / Corinna Mayer / Edwin Schäfer / Sandip Shah / Raul Gschrey / Helge Steinmann / Anette Babl / Mirek Macke / Christoph Loew / Ralf Schmitt / Herbert Warmuth / Thomas Erdelmeier …“

„Für Hinweise, die zur Ergreifung der Gesuchten führen, sind … zur Belohnung ausgesetzt …“

so heisst es weiter in einer „schärferen“ Variante des Steckbrief-Plakats.

(Abbildung © Sandip Shah)
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Max Pauer: „Es werde Licht“

2010, November 23.

„Es werde Licht!“

Und es ward Licht.

So sprach der Herr (1. Mose 1, Vers 3).

Dann kamen die Menschen und machten Licht, viel mehr Licht, als es der Herr je gedacht hatte und als es gut ist.

Wege, Strassen, Häuser und die riesigen Flughäfen erleuchten sie, sobald es dunkel wird oder auch nur dämmrig.

Sie fackeln die Abgase ab, die bei der Förderung von Erdöl und in Raffinerien und chemischen Betrieben entstehen. Sogar Erdgas wird dort abgefackelt, wo Kosten für Aufbereitung und Transport die Profiterwartung übersteigen. Hell lodern die Flammen über den steilen Kaminen.

Dies alles reicht ihnen aber noch nicht. Deshalb erfanden die Menschen die Brandrodung. Unvorstellbar grosse Waldflächen fallen ihr zum Opfer, nicht nur in Brasilien oder auf Borneo verwüsten ihre Flammen die Erde. Weit leuchtet ihr Feuerschein in die Nacht.

Kriminelle entfachen alljährlich in Süd- und Südosteuropa Waldbrände, um spekulativ Nutz- und Bauland zu gewinnen; die Regierungen üben sich in anscheinender Machtlosigkeit.

Dann erfanden die Menschen die Raumfahrt und die NASA und die Weltraumstation ISS, und sie können jetzt von weit oben auf das herabschauen, was sie auf der Erde anrichten.

Sie fotografieren die Segmente der Erdoberfläche bei Nacht und setzen die Bilder  zu einer kreisrunden virtuellen Gesamtschau der Meere und Kontinente zusammen.

Und die Menschen der Astronauten-Generation freuen sich, wie sie die Dunkelheit der Nacht mit dem hellen Licht ihrer Zivilisation bezwingen. Sie nehmen nicht wahr, dass sie dabei ein Abbild sehen von Reichtum und Armut, Wohlstand und Elend, der Vernichtung von Natur und Umwelt.

Und die Erdatmosphäre erwärmt sich weiter und weiter …

Ein Märchen, ein schlechter Traum?

Ein Frankfurter Künstler, Max Pauer, nahm sich der virtuellen fotografischen Scheibe an und bannte das apokalyptisch anmutende Bild als Gemälde hinter Glas.


Max Pauer, Es werde Licht, 2010, Tondo, Hinterglasmalerei, 130 cm Durchmesser; im folgenden zwei Detailansichten Weiterlesen

20 Jahre Artist in Residence-Programm der Stadt Frankfurt am Main

2010, November 22.

Mit einer grossen Jubiläumsausstellung „Frankfurt in … / … in Frankfurt“ feiert das Artist in Residence-Programm der Stadt Frankfurt am Main seinen 20. Geburtstag. Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth, Projektleiterin Corinna Bimboese und Kurator Professor Peter Weiermair eröffneten am vergangenen Freitag die Werkschau im ATELIERFRANKFURT, in zeitlicher Verbindung mit den diesjährigen „Open Doors“ der Frankfurter Atelierhäuser und zahlreicher privater Ateliers, bei denen über 230 Künstlerinnen und Künstler der Öffentlichkeit einen Einblick in ihr Schaffen gaben.

Peter Weiermair, Felix Semmelroth und Corinna Bimboese Weiterlesen

Jahr der Stille 2010: November

2010, November 19.

Schweigen

Über den Wäldern schimmert bleich
Der Mond, der uns träumen macht,
Die Weide am dunklen Teich
Weint lautlos in die Nacht.
Ein Herz erlischt – und sacht
Die Nebel fluten und steigen –
Schweigen, Schweigen!

Georg Trakl (1887 bis 1914)


(Foto: FeuilletonFrankfurt)

Das „Jahr der Stille 2010“ lädt dazu ein, Stille begleitend in den Jahreslauf zu integrieren. Es will Aufmerksamkeit schaffen für einen Wert, dessen Wichtigkeit wir alle betonen – dessen konkrete Praxis wir aber oft vernachlässigen. Getragen wird das “Jahr der Stille 2010″ von über fünfzig Partnern – christlichen Bewegungen, Kirchen, Verbänden, Verlagen, Organisationen und Werken unterschiedlicher konfessioneller Prägung, die das Anliegen eint, das Thema Stille bewusst in ihre Aktivitäten einfliessen zu lassen.

FeuilletonFrankfurt wird das “Jahr der Stille” mit einem Beitrag zur Mitte eines jeden Monats begleiten.

Rolf Kissel in der Galerie Das Bilderhaus

2010, November 14.

Raum + Zeit: Rolf Kissel in der Galerie Das Bilderhaus

Von Brigitta Amalia Gonser
Kunstwissenschaftlerin

Fotos: © Sabine Lippert (10)

Rolf Kissel in der Vernissage (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Konstruktivistische Intentionen dominieren das künstlerische Werk des Avantgardisten Rolf Kissel, da bleibt nur wenig Spielraum für imaginative Intuition. Hilmar Hoffmann bezeichnete Kissel als „führenden Protagonisten der künstlerischen Nachkriegsgeneration“.

1929 in Frankfurt am Main geborenen und hier lebend, absolvierte Rolf Kissel 1961 die Frankfurter Städelschule, die Staatliche Hochschule für Bildende Künste, als Meisterschüler bei Professor Albert Burkart. Und schon 1966 erhielt er den Preis für „Junge Kunst in Hessen“ der Frankfurter Marilies-Hess-Stiftung. Er ist Mitglied der Neuen Darmstädter Sezession und des Deutschen Künstlerbundes e.V. in Berlin. Auch blickt er auf zahlreiche Einzelausstellungen zurück und hat Auftragsarbeiten im öffentlichen und architekturbezogenen Raum stehen. Weiterlesen

„Farbverströmung im Dialog“ – Klaus Straßheim im Frankfurter Künstlerclub

2010, November 12.

Beeinflusst Zufall die Gestaltung? Gestaltung den Zufall? Gestaltung und Zufall im Wechselwirken, im Dialog?

Sternenhimmel I und II, je 70 x 70 cm, Gouache / Acryl auf MDF-Platte

Klaus Straßheim – wir kennen den Künstler von früherer Gelegenheit her – spielt, bei aller Gestaltungskraft, mit dem Zufall, fordert ihn heraus und bändigt ihn zugleich, steht so in einem Dialog mit ihm. Weiterlesen

Imi Knoebel in der Galerie Bärbel Grässlin

2010, November 8.

Er soll kurz dagewesen sein, der Meister, aber ansichtig wurden wir seiner zur Eröffnung der Ausstellung „Weiss Schwarz“ in der Frankfurter Galerie Bärbel Grässlin nicht. Das kann sich leisten, wer im Veranstaltungsfoyer des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses des Deutschen Bundestages eine grossformatige Arbeit „Rot Gelb Weiß Blau 1-4“ installieren durfte, dessen Arbeiten im Sommer letzten Jahres im Zentrum der Ausstellung „Raum 19 III“ der Berliner Neuen Nationalgalerie standen, wer Schüler von Joseph Beuys war und den Namen Imi Knoebel führt.

So machten auch wir uns auf an jenem regnerischen Samstagvormittag zum Ausstellungstempel der Galerie Bärbel Grässlin. Jenem Ort, der gerade dazu geschaffen zu sein scheint, sich einem novembergrauen Himmel samt Nieselnässe entziehen zu können, um in das Licht des Wahren, Schönen und Guten einzutauchen.

Schon ein erster Blick in die Ausstellungshalle überwältigt uns. Vielleicht auch deshalb wenden wir uns und folgen zunächst, erst links, dann rechts, den Stufen hinauf in die beiden in ihrer Leichtigkeit über der Ebene zu schweben scheinenden Quader des Obergeschosses, wo wir in ihren Dimensionen überschaubare, fast schon kleinformatige Arbeiten des Künstlers antreffen. Sie sind – entgegen dem Titel der Ausstellung – allesamt farbig.

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