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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für September, 2010

Bella Italia: Bambini & Cagnolini

2010, September 30.

Das sieht man so konsequent wohl nur in Bella Italia:

Perfekteste Hochzeits- und Abendgarderoben für die Bambini, für Fünf- bis Zehnjährige. Wir haben sie nicht nur in den Schaufenstern entdeckt, sondern an Sonntagen oder bei Familienfeiern auch im – zugegebenermassen feinen – Hotel, begleitet und behütet von stolzen Eltern und Grosseltern, Tanten und Onkeln.

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Da dürfen die geliebten Cagnolini natürlich nicht nachstehen:

In feschen Jeans-Mäntelchen für die jugendlich-modebewussten Hundedamen und -herren …


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Pisa von innen (10)

2010, September 28.

Pisa von innen
Eine authentische Erzählung

von © Salias I.

Erster Teil (10)

Freitag, 7.3.8

5.44 Uhr. Die Pein der gequälten Kreatur, die sich nicht stellen will und sich stellen muss, das Ich sammelt sich im Jammer, zwingt sich per Pflicht, im Dunkeln fällt der Tag mir ein: ein Schrecken: heute BGJ, aber gemildert: Im BGJ lasse ich die Klassenarbeit schreiben, so können sie mir nicht viel antun. Und in der Bahn kann ich schlafen, weiter schlafen!
Gutgut: Heute kriege ich meine Nachdosis auf den Schienen. Mit taubem Geist und müden Gliedern trete ich kraftlos in die Pedale, lasse das alles wie unwahr an mir vorüberziehen. Ohne den W ist nichts als Ödnis, also fort in die Träume … Weiterlesen

Pisa von innen (9)

2010, September 25.

Pisa von innen
Eine authentische Erzählung

von © Salias I.

Erster Teil (9)

5.+6. Stunde: 12 FOS I1

Der B sitzt am Laptop, der Beamer steht still. Warum, ein Verlängerungskabel fehlt! Also, wer holt so ein Teil beim Hausmeister? Keiner. Der B muss selbst laufen.
Derweil arbeite ich die Anwesenheit auf. Der L fehlt! Schon in 3.+ 4. Stunde war er nicht mehr da – wahrscheinlich hat der angehende Kampfflieger oder Offizier schwer an der Standpauke des Philologen zu schlucken gehabt? Kann er sich nicht damit trösten, nachher Bomben auf diese Intellektuellen schmeißen zu dürfen? Nein, ich tu dem L unrecht, die Jugend ist gewiss nicht böse, der L wird die Bomben bestimmt nur auf Befehl platzieren? Und Befehle führen wir ja alle aus, oder?
Nach zehn Minuten kriegt der Beamer seinen Strom – das ist erfreulich, Weiterlesen

„DeutschSommer“ – ein richtungweisendes Projekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main

2010, September 22.

Der „DeutschSommer“, das Sprachförderprogramm der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, ging bereits 2007 an den Start, lange bevor also Thilo Sarrazins jüngst erschienenes Bestseller-Buch „Deutschland schafft sich ab“ die Politik aufschreckte oder besser gesagt aufweckte.

Als Exkurs und um es gleich vorweg zu nehmen: Wir halten es insofern mit dem ruhig abgewogenen, differenzierenden Urteil eines Frank Schirrmacher („Ein fataler Irrweg“ oder „Frau Merkel sagt, es ist alles gesagt“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung von 29. August bzw. 19. September 2010). Und auch mit dem provokanten, den Nagel aber auf den Kopf treffenden Kommentar eines Volker Zastrow „Körperzellenrock“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 12. September 2010, der eine realitätsferne, sich vielfach im Weggucken und Wegducken erschöpfende „political correctness“ der politischen Kaste geisselt. Denn leider und unbestreitbar gibt es einen nicht unerheblichen Anteil an Migranten in Deutschland, der sich integrationsfern bis integrationsverweigernd darstellt, mit allen sich daraus für die Gesellschaft wie auch für die Betreffenden selbst ergebenden absehbar negativen Konsequenzen.

Da sucht man verzweifelt nach Auswegen oder gar Lichtblicken. Und findet sie: in dem erfolgreichen Projekt „DeutschSommer“ der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main.

(Bildnachweis: „DeutschSommer“; Foto: D. Buschardt) Weiterlesen

Pisa von innen (8)

2010, September 19.

Pisa von innen
Eine authentische Erzählung

von © Salias I.

Erster Teil (8)

Erste Pause

Pause: Ich bewache den Ausgang, bis die Schüler ihren Müll aufgesammelt haben, wische dann die Tafel, treffe auf dem Flur dann den Kollegen C, den Klassenlehrer dieser X1, erzähle ihm den Vorfall mit K – nicht überraschend, der K nervt uns schon lange mit unmöglichem Verhalten, wir wollen ihn am liebsten abmahnen, wissen aber, dass man Schüler bei uns nicht so einfach ausschulen kann, dafür kriegen wir keine Unterstützung von der Schulleitung, also verabreden wir, dass ich die Eltern anrufe. Und dann die Rückmeldung des Kollegen C zu meiner zwölften Klasse: gerade im Englischunterricht habe der L laut gerülpst, worauf er ihn zusammengestaucht habe: mit seinen üblen Manieren sei L „bei der Bundeswehr gut aufgehoben“, aber wir könnten mit solchen Idioten nichts anfangen … Weiterlesen

„lagqaffe“ ist Elisabeth Wolf

2010, September 17.

Heute entführen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, virtuell nach Leipzig, und wer weiss, ob sich dem Virtuellen nicht bald eine reale Reise in diese Stadt anschliessen könnte, die zu den weltweit ältesten Universitäts- und Messeplätzen zählt. Und weil auch die Kunst in Leipzig prominent zu Hause ist, so würde es sich schicken, den 30. September ins Auge zu fassen, und wenn Sie denn tatsächlich vor Ort wären, sollten Sie Ihre Schritte gegen 18 Uhr in das „Eishaus“ in der südvorstädtischen Karl-Liebknecht-Strasse lenken, wo ohnehin „die Post abgeht“, der Bär steppt oder in diesem Fall besser gesagt „der Affe los ist“. Denn dort ist Vernissage mit Arbeiten der Künstlerin „lagqaffe“! Sie stellt unter dem Titel „In Zwischenzeiten“ gemeinsam mit dem Berliner Graffiti-Künstler Paot aus. Weiterlesen

Zeit ist die Zeit ist die Zeit ist die Zeit … Florian Jenett und Jürgen Krause im Frankfurter 1822-Forum

2010, September 8.

„Rose is a rose is a rose is a rose …

Page ages page ages page ages …“

Gertrude Stein (1874 bis 1946), „Sacred Emily“ (Auszug)

Was ist Zeit, Raumzeit?

Wann hat sie begonnen? Wann wird sie enden? Hat sie überhaupt jemals begonnen? Wird sie überhaupt jemals enden? Was war vor „der Zeit“? Was wird nach „der Zeit“ sein?

Wie gehen wir mit Zeit um?  Kann Zeit im künstlerischen Prozess sichtbar gemacht, materialisiert werden?

Viele Künstlerinnen und Künstler dokumentieren in ihrer Arbeit das „Vergehen“ von Zeit. Unlängst zeigte das Frankfurter Museum für Moderne Kunst MMK aus seiner Sammlung Hanne Darbovens minimalistisch-konzeptuelle 900seitige Schreibzeit „Ein Jahrhundert – Johann Wolfgang von Goethe gewidmet“: eine in zwölf Monaten Arbeit im Jahr 1971 entstandene rechnerische Visualisierung eines Jahrhunderts von einem Jahr 00 an bis zu einem Jahr 99. Ebenfalls in der Sammlung des MMK befindet sich von Jens Risch das „Seidenstück I“: 1000 Meter Seidenfaden in weit über 1000 Stunden sorgfältig dokumentierter Arbeit zu einem weniger als faustgrossen Gebilde verknotet.

Noch für knapp zwei Wochen zeigt nun das Frankfurter 1822-Forum Arbeiten von Jürgen Krause und Florian Jenett, die sich aus recht unterschiedlichen künstlerischen Positionen heraus mit „Zeit“ befassen und „Zeit“ materialisieren.

Jürgen Krause stellt in seiner Serie „Werkzeuge“ handelsübliches Holzbildhauergerät aus – Flacheisen, Schnitzmesser, Stechbeitel – , deren Klingen er, beginnend im Jahr 2002, über lange Zeiträume hinweg mittels spezieller japanischer Schleifsteine auf das Äusserste schärft und poliert, anschliessend auf einem groben Schleifstein wieder bis zur völligen Stumpfheit abwetzt, um darauf den Prozess des Schärfens zu wiederholen – so lange und so oft, bis die Klingen auf eine Kürze heruntergearbeitet sind, die keine zweckgerechte Verwendung der Werkzeuge mehr erlaubt. Auf gleiche Weise verfuhr er mit einem Schweizer Victorinox-Taschenmesser. Die Exponate stellt er in eigens entworfenen, akkurat gefertigten Vitrinen aus. Der Künstler versteht seine Arbeit auch als eine Form von Meditation.

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Pisa von innen (7)

2010, September 7.

Pisa von innen
Eine authentische Erzählung

von © Salias I.

Erster Teil (7)

Donnerstag, 6.3.8

Morgens das übliche Elend. Ich tröste mich mit dem Vorsatz, im Zug nachzuschläfern, und lasse die gewohnten Verrichtungen ablaufen. Da durchzuckt mich die Erkenntnis, dass donnerstags der Kollege W denselben Zug benutzt. Kein Schlaf, kein Trost.
Doch, es gibt einen Trost: Vier Stunden in meiner 12! Nur die erste Stunde in der 10 wird anstrengend sein. Wenn man es nur sehen könnte wie eine Meditation: Die ganze Woche sei eine Meditation, die Zeit sei nichts, das Sein sei alles, und es werde nichts sein als Sein.

Das schöne Sein umfängt mich sogleich, in der Bahn begrüßt mich der Kollege W lächelnd mit Handschlag, sofort sind wir in Beziehung, und Beziehung ist die absolute Form des Seins.
Der W ist ein älterer Kollege, dessen Erfahrung ihn jedoch hinsichtlich der beruflichen Sinnsuche im Stich lässt – oder?
„Ja, lieber W, Weiterlesen

Am „Webstuhl der Zeit“: Michael Beutler in der Galerie Bärbel Grässlin

2010, September 4.

Im Kleinen kann sich mitunter das Grosse zeigen, wie sich Grosses umgekehrt oft nur als Kleines entpuppt. Manchmal aber entfaltet sich Grosses im Grossen, in der voluminösen Form. Wenn man Glück hat, kann man einer solchen Offenbarung angesichtig werden. Wie heuer im Kunsttempel der Frankfurter Galerie Bärbel Grässlin.

Dort hat der an Lebensjahren noch junge, hochbegabte Städelschul-Absolvent Michael Beutler eine monumentale Arbeit installiert, um deren wuchtige Präsenz und Kraft ihn mancher um ein Alterswerk ringender Künstler bestaunen wie beneiden mag. Ihr Titel: “ ‚Elefant und Schwein im 3D-Wandteppichstall‘, 2010, 3D-Webstuhl, Schneidemaschine, Tragehilfen, Wellpappe aus Schrenzpapier, Karton, Tusche, Textilfarbe, Mindestvolumen 8,5 x 13 x 5 m“.

Womit auch deren Dimension geklärt wäre.

Im Zentrum dieser Arbeit, die den grossen, mit Beutlers „Wandteppichen“ verkleideten Ausstellungssaal der Galerie zur Gänze für sich vereinnahmt, steht ein gewaltiger Webstuhl.

Webstuhl Weiterlesen

Pisa von innen (6)

2010, September 2.

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Pisa von innen
Eine authentische Erzählung

von © Salias I.

Erster Teil (6)

Mittwoch, 5.3.8

Am nächsten Morgen piept der Wecker eine Stunde später, aber brutal wie immer. Eigentlich ist der Mittwoch mein unterrichtsfreier Tag. Aber seit vier Wochen ist der Deutschunterricht in meiner 10 ausgefallen; laut Stundentafel sollten die 10er vier Wochenstunden Deutsch haben, aber sie kriegen grundsätzlich nur zwei, und weil eine Kollegin krank war, hatten sie schon zu Beginn des Schuljahres ein paar Wochen lang kein Deutsch. Und zum Halbjahresende haben zwei Deutsch-Kolleginnen unsere Schule verlassen, Weiterlesen