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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

„Park – Sichten“: 13. Skulpturenpark in Mörfelden-Walldorf

Skulpturen unter freiem Himmel, noch dazu in einer Umgebung mit Bäumen und Sträuchern, eignet etwas Besonderes. Sie sind schutzlos der Witterung und jedwedem Wetter ausgesetzt, sie sind – zumeist – dem Erdboden verhaftet, sie korrespondieren mit der sie umgebenden Vegetation, dem Licht des Tages und der Dämmerung des Abends. Sie leben, sie verändern sich und altern, denn Sonnenglut und Regen, Schnee, Frost und Eis zeichnen ihre Oberflächen, legen Zeugnis ab vom Lauf der Zeit.

Mehr und mehr Bildhauer wenden sich, nicht zuletzt vielleicht deshalb, für ihre Skulpturen im Aussenbereich neben dem Stein den Materialien Holz und Stahl beziehungsweise Eisen zu.

Zum 13. Mal öffnet sich der Skulpturenpark Mörfelden-Walldorf in der kleinen Parkanlage am Bürgerhaus Mörfelden dem interessierten Publikum, heuer unter dem beziehungsreichen Titel „Park – Sichten“. Der Veranstalter – die Kommunale Galerie der Stadt Mörfelden-Walldorf in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Galerien in Hessen und Rheinland-Pfalz – wählte dieses Jahr unter 35 Bewerbungen die Werke von 13 grossenteils bereits arrivierten und erfolgreichen Bildhauerinnen und Bildhauern aus, die die Frankfurter Galeristin Barbara von Stechow schon traditionsgemäss in der Eröffnungsveranstaltung vorstellte.

Neben den im folgenden präsentierten fünf Künstlerinnen und Künstlern zeigen in Mörfelden ausserdem

Lutz Brockhaus, Bruno Feger, Judith Franke, Guido Häfner, Joachim Kuhlmann, Volker Schönhals, Karina Wellmer-Schnell und Gerhard Völkle

Skulpturen und Installationen aus Holz, Eisen, Bronze, Holz und Flechtwerk, Stein, Epoxydharz, Stahl und Edelstahl. Arbeiten fast aller dieser Künstlerinnen und Künstler sind in privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten.

Mit der Natur setzt sich Roger Rigorth auseinander. In seinen beiden korrespondierenden Arbeiten „Sonne geschenkt“ – „1“ und „2“ – von 2006 verwendet er Eichenholz (215 x 200 x 23 cm) und Stahl (250 x 126 cm). Licht und Kraft der Sonne als unverzichtbares Lebenselixier bannt Rigorth im lebhaft gemaserten Holz und dem über die gesamte Fläche hinweg warmtönig oxidierten Stahl seiner Skulpturen.

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Roger Rigorth, 1965 im schweizerischen Saanen geboren, bezog von 1987 bis 1990 eine Ausbildung an der Berufsfachschule des Holz und Elfenbein verarbeitenden Handwerks in Michelstadt. Studienaufenthalte und die Teilnahme an Symposien führten ihn in nahezu alle Länder Europas sowie in alle fünf Erdteile. Rigorth, der zahlreiche Stipendien und Kunstpreise erhielt, arbeitet als freischaffender Künstler in Altheim bei Darmstadt.

Stephan Guber wurde 1965 in Bad Nauheim geboren. Von 1987 bis 1989 studierte er an der Fachhochschule Wiesbaden und widmete sich auch später noch dem Selbststudium im Umgang mit Erdfarben. Studienreisen und Symposiumsbesuche führten auch ihn in zahlreiche Länder insbesondere Nordeuropas. 2007 erhielt er den Nassauer Kulturpreis in Malerei. Guber lebt und arbeitet in Nidda.

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In Mörfelden fasziniert ein Kreis überlebensgrosser Figuren (von etwa 220 bis 240 cm Höhe) aus Eichenholz. Sie scheinen sich, introvertiert in sich versunken, zu einer mystischen Zusammenkunft gefunden zu haben. Die Figuren erwachsen, den benachbarten alten Bäumen ähnlich, gleichsam aus dem Erdboden (leider stören die jeweils quadratischen Metallplatten, auf denen sie, vermutlich aus statischen Gründen, verankert sind). Arme und Beine sind in den die Körper umschliessenden Umhang integriert. In ihrer säulenhaften Dominanz strahlen sie eine fremde wie geheimnisvolle Erhabenheit, ja Unnahbarkeit aus. Die plakativ sichtbaren Bearbeitungsspuren des Holzes durch Kettensäge, Messer und Beitel unterstreichen die Wuchs- und Naturhaftigkeit der Skulpturen in ihrer baumbestandenen Umgebung.

Der mal in einem warmen, zarten Violettrosa, mal in einem kühlen Eisblau schimmernde Block aus brasilianischem Blue Macaubas Quarzit von Rudolf Kaltenbach sticht kontrastierend hervor im Ensemble der ausgestellten Arbeiten. Der rund fünf Tonnen schwere Block misst ca. 150 x 180 x 150 cm.

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„Himmelsstein“ (im Hintergrund „Hommage an Caspar David Friedrich“ von Volker Schönhals)

Rudolf Kaltenbach verehrt Gestein. „Auch der Stein lebt, er ist gewachsen“, sagt er, „er ist soviel älter als wir und er wird soviel älter als wir werden“. Seine bevorzugten Materielien sind Diabas, Granit, Kalkstein und Marmor. Auf den ersten Blick mag der „Himmelsstein“ so erschrecken wie sein Anblick fasziniert: Hat ihm der Künstler nicht messerscharfe, tiefe Schnitte, Wunden zugefügt? Und doch breitet sich eine Art von Zärtlichkeit über den eingeschnittenen Flächen, die Kaltenbach sorgfältig wie behutsam polierte. Sie lassen das Innere des Steins in einem licht- bis eisblauen Schimmer leuchten, die Schnitte geben dem wild Gewachsenen Kontur und Struktur. Die Hand des Künstlers verstand es, das verborgene Schöne an den Tag zu bringen. Die Durchblicke erweisen sich als reizvoll  und werden dem Betrachter stets neue Perspektiven eröffnen, wenn die Arbeit an einem würdigen Ort eine Heimstatt finden wird.

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Rudolf Kaltenbach, 1956 in Hochheim/Main geboren, schloss 1986 sein Studium an der Fachhochschule Wiesbaden mit dem Design-Diplom ab. Zusätzlich studierte er von 1989 bis 1993 an der Universität der Künste (vormals HdK) in Berlin. Er erhielt unter anderem ein Stipendium des Senats von Berlin und des Bundespräsidenten. 2001 gründete er das Internationale Bildhauersymposium „Steine ohne Grenzen“, das er bis heute leitet. Kaltenbach lebt und arbeitet als freischaffender Künstler und Dozent für Bildhauerei in Berlin.

Angelika Summa, 1952 in Bayreuth geboren, studierte bis 1991 Kunstgeschichte, Archäologie und Germanistik mit dem Abschluss Magister Artium. 1995 erhielt sie den Kulturförderpreis der Stadt Würzburg und nahm 1998/1999 am Atelierförderprogramm des Freistaates Bayern teil. Symposien und Projekte führten sie unter anderem nach Straßburg und nach Merida/Mexiko. Zahlreiche Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen machten sie in Deutschland und im europäischen Ausland bekannt. Summa lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Würzburg.

Angelika Summa bevorzugt Draht und feine Rohre aus Metall, die sie zu geometrischen Formen verschweisst und verlötet. Ihre Kugeln von ca. 200 cm Durchmesser fügen sich beruhigend und harmonisch in die Parklandschaft ein. Am Fusse alter Bäume bilden sie mit ihrem rostfarben schimmernden, oxidierten Material mit diesen eine Symbiose von irdischem Werden, Wachsen, Altern und Vergehen.

13. Skulpturenpark Mörfelden, bis 12. September 2010.

(© abgebildete Werke: jeweilige Künstlerinnen bzw. Künstler; Fotos: FeuilletonFrankfurt)

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