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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Sommerausstellung in der Galerie Barbara von Stechow: Wolfgang Dieter Bauer, Robyn W. Fairclough und Angel Peychinov

Fürwahr, nicht nur bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius ging es sommerlich zu bei der Vernissage zur Ausstellung „Dreaming in the Summer“ der Galerie Barbara von Stechow: Hotel- und Urlaubsszenen aus fernen Ländern, Damen in sommerlich-leichter Bekleidung und an sandigen Stränden weilende Kinder erwarteten die Besucher.

Wieder einmal gelang es Galeristin Barbara von Stechow und ihrer Mitarbeiterin Sylvia Schlieder, dem selbstgestellten hohen Anspruch gerecht zu werden, besonders bemerkenswerte Positionen zeitgenössischer und vor allem junger Künstler der Region wie auch aus dem europäischen Raum und den Vereinigten Staaten von Amerika ihrem gewohnt qualitätsbewussten Publikum zu präsentieren.

Eine Entdeckung ist zweifellos der 1977 im oberösterreichischen Vöcklabruck geborene Wolfgang Dieter Bauer. Von 1998 bis 2003 studierte er an der Kunstuniversität Linz in der Meisterklasse Malerei von Ursula Hübner. Im Juni 2003 bestand er das Diplom mit Auszeichnung. Seit dem Jahr 2000 stellt der Künstler aus, bislang im Schwerpunkt in Österreich, aber auch bereits bei Barbara von Stechow. Bauer lebt und arbeitet in Wolfsegg am Hausruck, Oberösterreich.

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Where’s my bourbon?, 2007, Öl auf Leinwand, 120 x 80 cm, © Wolfgang D. Bauer

Bauer erweist sich als ein Meister der Verführung und Verwirrung: Nur vordergründig bedient er sich Szenen und Protagonisten aus Filmen wie Blue Velvet, Die Reifeprüfung, Pulp Fiction oder Eyes Wide Shut, die er als Inspiration für seine opulente Malerei aufgreift und verfremdet.

Die „Heile, schöne Welt“-Szenerien der wohlhabend wie sorglos Lebenden erweisen sich ebenso wie ein in seinen Gemälden vermeintlich zur Schau gestellter Luxus bei näherem Hinsehen als ambivalent-trügerisch. Personen bleiben einsam, verlieren sich gelangweilt, scheinbar der Bodenhaftung verlustig, im weiträumigen Ambiente einer Hotelhalle oder verharren abwesend-wartend vor dem Eingang von Nobelhotels. Ein Schimmel steht, auf artifiziellem roten Grund, verloren und deplaziert in einer am Meer belegenen Parkszenerie. Bauer öffnet den Blick in eine hintergründige Welt. Seinen von hoher handwerklicher Disziplin zeugenden, dem Realismus verpflichteten Bildern eignet in vielem etwas Träumerisches, Märchenhaftes, oft durchaus Surrealistisches.

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o.T. (Mystery Serie), 2006, Öl auf Leinwand, 120 x 180 cm, © Wolfgang D. Bauer

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Reisen im Scriptorium, 2010, Öl auf Leinwand, 30 x 30 cm, © Wolfgang D. Bauer

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Wolfgang Dieter Bauer mit Töchterchen vor seiner Arbeit One eyed Jack (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Die mit ihrer Biografie Zurückhaltung übende, nicht mehr der jüngeren Künstlergeneration zuzurechnende US-Amerikanerin Robyn W. Fairclough studierte von 1977 bis 1979 an der Museum School of Fine Arts in Boston und anschliessend bis 1983 an der Universität im kalifornischen Santa Cruz Malerei mit dem Abschluss Bachelor of Arts. 1991 folgten zwei weitere Studienjahre an der Universität in Iowa City. Im Jahr 2000 erwarb sie am Johnson State College den Titel Master of Fine Arts. Faircloughs Arbeiten wurden seit 1983 vielfach in den USA ausgestellt, in Deutschland wiederholt in der Galerie Barbara von Stechow und auf Kunstmessen in Frankfurt und Köln unter deren Repräsentanz. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Woodstock, Vermont.

Geradezu manisch scheint die Künstlerin der Darstellung von Kindern, häufig an Gewässern und Sandstränden spielend, verhaftet. Oft sind deren Gesichter stilisiert, drücken eine Versunkenheit in sich selbst aus. In anderen Darstellungen wiederum spielen Kinder durchaus lebhaft einander zugewandt. Fairclough pflegt einen dynamischen, farbenreichen Malstil. „Der Künstlerin gelingt es“, so die Galerie, „die Unbeschwertheit der Jungen und Mädchen auch formal zu vermitteln, indem sie die kindliche Spontaneität und typische Selbstversunkenheit durch angeschnittene Motive und einen expressiven Farbauftrag auszudrücken versteht. Die Frische und Lebendigkeit ihrer Kompositionen lassen den Betrachter in eine unbeschwerte Welt eintauchen“.

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Feeling stronger now, 2004, Öl auf Leinwand, 76 x 66 cm, © Robyn W. Fairclough

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Hartland, 2004 – 2006, Öl auf Leinwand, 68 x 60 cm, © Robyn W. Fairclough

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Briland, 2005 – 2006, Öl auf Leinwand, 28 x 36 cm, © Robyn W. Fairclough

Eine Entdeckung der Galerie ist schliesslich auch der 1977 in Asenovgrad, Bulgarien, geborene Angel Peychinov. Er besuchte von 1991 bis 1996 die Hochschule für Künste und 1999/2000 die Akademie der Künste in Plovdiv, bevor er 2001 an die Frankfurter Städelschule kam. Dort studierte er  bis 2007 bei den Professoren Hermann Nitsch, Simon Starling und Christa Näher, deren Meisterschüler er wurde. Er war Stipendiat der Hans-Werner Dildei-Stiftung. Peychinov lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

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Angel Peychinov vor seiner Arbeit Valerie (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Angel Peychinov, der Michelangelo wie Rembrandt zu seinen Vorbildern zählt, malt in altmeisterlicher Art und einem Stil, der als hyperrealistisch bezeichnet wird. Dem Fotorealismus zugerechnet zu werden lehnt er – mit Recht – ebenso ab wie ein Arbeiten mit Hilfe von Projektionen. Seine Arbeiten folgen der Lehre klassischer Bildkomposition.

Seine bevorzugten Sujets sind jüngere Frauen in zumeist eleganten, stets bewegten, oft tänzerischen Posen. Der menschlichen Haut, den Haaren widmet er die gleiche virtuose malerische Sorgfalt wie den zumeist feinen Textilien und Accessoires der Abgebildeten. Doch wirken seine Protagonistinnen bei allem Gestenreichtum und aller Dynamik meist in sich gekehrt, selbstversunken, bisweilen von einer feinen Melancholie überschattet. Wem mögen sie gefallen wollen, auf was für ein Rendezvous bereiten sie sich vor? Oder genügen sie sich, introvertiert und verliebt in ihre Schönheit und Anmut, allein sich selbst?

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Sylvia, 2010, Öl auf Leinwand, 160 x 120 cm, © Angel Peychinov

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Rückenansicht III, 2008, Öl auf Leinwand, 100 x 110 cm, © Angel Peychinov

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Assia, 2009, Öl auf Leinwand, 130 x 120 cm, © Angel Peychinov

Eine in der Gegenüberstellung dreier verschiedener malerischer Positionen, die sich dennoch unter einem  gemeinsamen Spannungsbogen begegnen, ausserordentlich reizvolle, formal wie inhaltlich gelungene Ausstellung in der Galerie Barbara von Stechow nebst einem gegenüberliegenden temporären, grosszügigen Ausstellungsraum, Frankfurt am Main; bis 27. August 2010


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