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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Vom Taunus zum Wannsee: Der Maler Philipp Franck im Frankfurter Museum Giersch

Dass Frankfurt am Main die „Stiftungshauptstadt“ Deutschlands ist, hat sich – hoffentlich – herumgesprochen. Eine dieser Institutionen ist die gemeinnützige Stiftung Giersch, Trägerin des Museums Giersch, eines Ausstellungshauses am Frankfurter Schaumainkai, bekannt als „Museumsufer“, in Nachbarschaft zum Städel Museum und zum Liebieghaus (deren gemeinsamer Direktor, Max Hollein, Mitglied des Stiftungskuratoriums ist).

Die dort noch bis zum 18. Juli 2010 laufende, ausserordentlich sehenswerte Ausstellung ist einer Retrospektive auf das Œuvre des 1860 in Frankfurt am Main geborenen Malers und Grafikers Philipp Franck gewidmet. Sie wird anschliessend im Berliner Bröhan-Museum zu sehen sein.

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Alt Frankfurt, 1929, Aquarell, Privatbesitz

Franck, der in jungen Jahren seine Ausbildung als Architekt abbrach, studierte an dem damaligen Städelschen Kunstinstitut, der heutigen Städelschule, bei den Professoren Heinrich Hasselhorst und Eduard von Steinle. 1879 schloss er sich der Kronberger Malerkolonie an, befreundete sich unter anderem mit Anton Burger. Nach weiteren Studien an der Kunstakademie Düsseldorf ging Franck zunächst nach Würzburg und anschliessend nach Berlin, wo er neben Max Liebermann und Lovis Corinth Mitbegründer der Berliner Secession wurde.

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Alt-Falkenstein, 1928, Öl auf Leinwand, Privatbesitz

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Kartoffelernte, 1902, Öl auf Leinwand, Galerie Mutter Fourage, Berlin

Franck malte Szenen eines eher kleinbürgerlichen Alltags aus der Lebenswelt der Landbevölkerung und des städtischen Umfelds, ferner Stillleben und Porträts. Einen erheblichen Teil seines künstlerischen Schaffens widmete er der Plein air-Malerei. Seine Sujets fand er dabei im Taunus ebenso wie in der märkischen, vor allem durch Flüsse und Seen geprägten Landschaft um Berlin und Potsdam sowie bei seinen zahlreichen Reisen nach Italien. Einen beträchtlichen Umfang nimmt sein druckgrafisches Werk ein. Der Künstler, neben Walter Leistikow und Max Liebermann einer der wichtigsten Maler des deutschen Impressionismus, verstarb 1944 im Alter von 84 Jahren in Berlin.

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Der Wannsee, 1914, Öl auf Leinwand, Galerie Mutter Fourage, Berlin

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Dampferbollwerk, 1909, Öl auf Leinwand, Privatbesitz

Francks Malerei ist von einer strahlenden, leuchtenden Farbigkeit. Seine Vorliebe für das Plein air spiegelt sich in seiner unvermittelten, vitalen und kraftvollen Malweise wider.

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Palast-Hotel, 1928, Aquarell, Privatbesitz

Kommen wir zurück auf die Stiftung Giersch, Trägerin des nach ihr benannten Museums: „Es bleibt einem nur das, was man verschenkt“ lautet das Motto der von den Senatoren E. h. Karin Giersch und Professor Carlo Giersch (Spoerle Electronic) 1994 errichteten Institution. Dem Thema „Kunstlandschaft Rhein-Main“ verpflichtet präsentiert das Haus regelmässig Wechselausstellungen regionaler Malerei des 19. Jahrhunderts, gegliedert in die Epochen 1806 bis 1866 und 1867 bis 1918. Neben der Präsentation mit Leihgaben aus öffentlichem und privatem Besitz widmet sich das Museum zugleich der wissenschaftlichen Erforschung der Kunst des 19. und frühen 20. Jahrunderts im Rhein-Main-Gebiet. Gerade im Zeitalter eines zusammenwachsenden Europas und einer zunehmenden Globalisierung möchte das Haus der regionalen und lokalen Kunst den ihr zukommenden, bedeutsamen Stellenwert einräumen und dabei nicht zuletzt eine kunsthistorische Lücke schliessen.

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Villa Holzmann, Sitz des Museums Giersch am Frankfurter Schaumainkai („Museumsufer“)

Das 2000 eingeweihte Museum wird im Herbst dieses Jahres auf sein 10jähriges Bestehen zurückblicken können.

Über das Museum hinaus fördert die Stiftung Giersch unter anderem die Ausstellungshalle Portikus (Finanzierung des Neubaus und Subventionierung des Betriebs) sowie das Frankfurter Clementine Kinderhospital.

Eine weitere von dem Stifterehepaar ins Leben gerufene gemeinnützige Einrichtung, die Carlo & Karin Giersch Stiftung an der Technischen Universität Darmstadt, widmet sich der Förderung von Wissenschaft und Forschung.

(Bildnachweis: Museum Giersch, Frankfurt am Main)

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