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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

„Was für ein Tag“: Gemälde und Texte von Almut und Robert Gernhardt im Frankfurter Holzhausenschlösschen

„Ich male das, was ich kenne: Tiere, vor allem Katzen, Gegenstände, die ich um mich habe, und Landschaften, die ich sehe, wenn ich aus dem Fenster gucke.

Doch wenn ich male, merke ich, wie vieldeutig und befremdlich alle diese vertrauten Sachen sein können.

Und eigentlich ist es diese Erfahrung, die, unabhängig von den wechselnden Anlässen, das Thema meiner Malerei ist.“

Almut Gernhardt (1940 bis 1989)

Almut Gernhardt_1977.

Almut Gernhardt, 1977

Am 21. Oktober 2010 wäre Almut Gernhardt 70 Jahre alt geworden: für die Frankfurter Bürgerstiftung Anlass, der unvergessenen Künstlerin und ihrem Ehemann – dem 2006 verstorbenen Schriftsteller Robert Gernhardt – eine Kabinettausstellung im Holzhausenschlösschen zu widmen.

Wer kennt sie nicht – die wunderschönen Gemälde der Almut Gernhardt, wer hat sie nicht schon – als Gruss- und Glückwunschkarten – an Freunde und Bekannte verschenkt?

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Almut Gernhardt, o. J., aus: Mit dir sind wir vier

Auch wenn wir uns hier auf einige wenige ihrer hinreissenden Katzenbilder beschränken, können wir im Holzhausenschlösschen das breitgefächerte Œuvre der Malerin aus den Jahren 1974 bis 1986 betrachten: kleinformatige Bilder, auf denen neben den bereits erwähnten Katzen auch Vögel und andere Tiere lebendig werden und verdächtig menschlich wirken; Stillleben, besonders mit reifen Pflaumen, in rustikalen Keramikschalen nach der Ernte flüchtig angerichtet, Gemälde mit bunten Figuren, aber auch Porträts als Auftragsarbeiten nach Fotografien.

Die „Zärtlichkeiten und Heiterkeiten, das Schelmenhafte, das Übermütige, das Rätselhafte, das Märchenreiche, aber auch das ganz und gar Verlassene … die sich selbst genügenden Dinge oder Früchte oder der Himmel samt seinen Wolken, Landschaften und darüber Italiens Licht“ bewunderte schon die Schriftstellerin Elisabeth Borchers in Almut Gernhardts Arbeiten.

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Almut Gernhardt, 1981, aus: Die Ansprache des Katzenpräsidenten

Ihre ideale Ergänzung finden Almuts Bilder in Robert Gernhardts Lyrik und Prosa. Robert, 1937 in Estland geboren, Redakteur der Satirezeitschrift „Pardon“ und Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule mit dem Satiremagazin „Titanic“, war seinerseits ein begnadeter Maler und karikaturistischer Zeichner. Zu Almuts Bildern steuerte er humorvolle wie hintersinnige Texte bei, oft in Form von Gedichten. In seinen späteren Arbeiten setzte er sich mit seiner schweren Herzerkrankung und seinem anschliessenden Krebsleiden auseinander, dem er im Jahr 2006 erlag.

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Almut Gernhardt, o. J., aus: Was für ein Tag

„… am Anfang fürchtet man sich eher,
doch nach und nach kommt man sich näher.
Äusserts hilfreich sind zuzeiten
ausgesuchte Höflichkeiten,
und nachdem die stattgefunden,
fühlt man sich schon mehr verbunden.
‚Ich bin die Missu – und wie heisst du?‘
‚Ich heisse Pumpi. Doch hör mal zu …‘ „

(Aus: Robert Gernhardt, „Was für ein Tag“, S. Fischer Verlag, 2. Aufl. 2010)

Die wundervolle Ausstellung im Frankfurter Holzhausenschlösschen „Was für ein Tag“ – Gemälde und Texte von Almut und Robert Gernhardt – läuft bis zum 27. Juni 2010. Man darf sie einfach nicht versäumen – nicht als Tier- und besonders als Katzenfreund und schon gar nicht als Anhänger der verstorbenen Almut und Robert Gernhardt und der Neuen Frankfurter Schule.

(Bildnachweis: Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen)

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