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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Die etwas andere Foto-Ausstellung: „Kleine Freuden“ von und mit Hans-Burkhardt Steck, genannt habust

Der Künstler habust (für alle, die es immer noch nicht wissen sollten: der Künstlername setzt sich aus Komponenten des Klarnamens Hans-Burkhardt Steck zusammen): Dichter und Erzähler, Zeichner und Sänger, stimmgewaltiger Barde und scharfzüngiger Bärbeiss in dem einen „richtigen Leben“ – und im anderen „richtigen Leben“ erfolgreicher Rechtsanwalt und Diplom-Soziologe: Geht das? Das geht! Und wie!

Sie alle, liebe Leserinnen und Leser, haben bereits mit habust auf dem Grünen Kanapee gesessen und seinen von ihm selbst vorgetragenen hintersinnigen Gedichten gelauscht, die uns erhellen, wie schmal der Grat in Politik, Gesellschaft und überhaupt im Leben zwischen Ernst und Unfug ist. Sie alle haben seine fröhlich-hinterfotzig-garstigen Polit-Songs genossen, kurzum, habust ist Ihnen nicht gänzlich unvertraut. Nun lernen Sie eine weitere Facette dieses einzigartigen Künstler-Menschen kennen: den Fotografen habust. Wo? Im Nebbienschen Gartenhaus des Frankfurter Künstlerclubs. Nur noch bis zum 9. Mai 2010. Es ist also Eile geboten.

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habust im Zustand kontemplativer, immer aber ein wenig verdächtiger Ruhe (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Es ist in der Tat eine Fotografie-Ausstellung der besonderen Art: Jedem Fotomotiv ist zunächst ein auf eine separate Tafel gedruckter Titel zugeordnet, ferner auf einer weiteren Tafel ein Text, meist in Form eines Gedichts. Man erwirbt also beim Kauf einer solchen Arbeit jeweils drei Objekte.

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Uta Ranke-430

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Sowohl die Fotografien – in den Formaten 80 x 60 cm und 80 x 45 cm – als auch die kleinformatigen Texttäfelchen sind im MegaBrush-Verfahren in hoher Auflösung direkt auf Aluminiumplatten gedruckt. Sie sind lichtbeständig und wetterfest und damit sehr gut zur Anbringung auch im Freien geeignet.

Witz wie grimmiger Humor stehen bei vielen der habust’schen Motive Pate, im konkret folgenden Fall wohl auch die berühmte Arbeit von Ulrich Mattner, der die Urinale eines bodentief verglasten Herren-WC in den obersten Etagen des Commerzbank-Turmes ablichtete. Jeder Kommentar erübrigt sich.

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Urinale 2010-650

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„Totale Hektik“ betitelt habust eine Szenerie der Ruhe und des Friedens: eine Gartenbank, zwei Personen bequemen Platz bietend, auf einer kleinen blühenden Wiese in einem rundum erblühenden Garten. Eine Oase in einer durchkommerzialisierten, vielfach lärmenden und stinkenden, mitunter bereits vergifteten Welt. Wir sässen gerne auf dieser Bank, lauschten gerne den Käfern und Wespen, den Mücken, Tausendfüsslern und Grillen, die habust besingt. Doch sein Lied ist garstig und voll Bitterkeit: Nicht wenigen der nur noch lärmexponierten wie selbst Lärm erzeugenden Zeitgenossen wäre das Schwirren, Sausen, Brausen und Rasseln dieser Tierchen fremd und lästig, um sich schlügen sie, um Wespen und Mücken zu vertreiben, mit einem Fussdruck erledigten sie Käfer und Tausendfüssler. habust entlarvt in poesievollem Zusammenspiel von Bild und Text unsere Lebenswirklichkeit.

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Totale Hektik-600

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Eine ebenso sensible (warum nicht auch sentimentale, wäre das so schlimm?) wie bissige, medien- und gesellschaftskritische Arbeit: „Planet Puff“. Auch sie spricht in Text und Bild für sich selbst.

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Planet Puff-600

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In seinen Fotografien nimmt habust oft sein engstes Lebensumfeld, das – nur – vordergründig Nebensächliche, die Nähe wie aber auch die Ferne in den kritisch-analytischen Blick. Dieser Blick kann auch liebevoll-zuwendend sein. Und manches Mal liegt ein Hauch von Melancholie in seinen Motiven. Es entstehen Stillleben von kompositorischem Reiz und verblüffenden Einblicken. In selbstironischer Brechung harmonieren wie kontrastieren die Texte zu den Sujets.

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Zwei Freunde-600

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Der Abfall-Behälter an der Tankstelle ruft – wie kann es anders sein – den Sprachkünstler habust auf den Plan. Auch hier wäre es eher schade, das Zusammenspiel von Bild und Text durch entbehrliche Kommentierungen zu strapazieren.

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Der schönste Satz deutscher Zunge-430

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Die – unbedingt sehenswerte – Ausstellung im Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage, läuft noch bis 9. Mai 2010 (Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr).

(abgebildete Werke © Hans-Burkhardt Steck; Fotos: Hans-Burkhardt Steck und FeuilletonFrankfurt)

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