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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Künstlerische Magisterarbeiten von Paetzi Paetzold, Fritzi Richter, Janina Ropeter und Alexandra Weinig am Frankfurter Institut für Kunstpädagogik

Es steht etwas im Schatten der weltweit bekannten Städelschule und auch der Hochschule für Gestaltung Offenbach: Das Institut für Kunstpädagogik der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe – Universität. Dabei reicht das Berufsfeld Kunstpädagogik weit über den traditionellen Bereich des Lehramts an Schulen hinaus: Heute umfasst es eine Fülle von Tätigkeiten in der Kultur und im gesamten Kunst- und Ausstellungswesen, und mancher Absolvent mit dem Magister artium in der Tasche hat sogar Gefallen an einem freien Künstlerdasein gefunden.

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Es kann kaum anders sein: Hinter diesem Tor lebt die Kunst: Ausstellungshalle des Instituts für Kunstpädagogik, Anbau eines verklinkerten Fabrikgebäudes von 1890

In diesen Tagen wurden bzw. werden (noch bis 23. Oktober 2009) in der Ausstellungshalle des Instituts unter dem Titel „Im Visier: Identität im Raum“ die künstlerischen Magisterarbeiten von vier Studentinnen aus der Klasse von Professor Jochen Fischer präsentiert. Wir stellen jeweils einige ausgewählte Objekte vor:

Paetzi Paetzold betitelt ihre Arbeit: „Meine Idole bin ich, ich bin viele – Multimediale Recherchen zur Identität“. Die 1982 in Heidelberg geborene Studentin hat die Fächer Kunstpädagogik und Germanistik belegt. Sie setzt sich mit ihrem Werdegang und ihrer Identität auseinander, indem sie etwa in eine fremde Rolle (der Jane Birkin als eine Art objet trouvé) schlüpft, an deren Aufenthaltsorten in Frankreich Szenen und Posen nachstellt und sich auf diese Weise fotografieren lässt. Ferner baut sie eine kulissenhafte, mit kleinbürgerlichen Möbeln und Accessoires eingerichte Wohnstube, in der – die begehrten wie gefürchteten Dia-Abende vergangener Jahrzehnte lassen grüssen – Polaroid-Aufnahmen auf einen Monitor projiziert werden („Je suis jane birkin“ und  „Mes albums de photos“).

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Paetzi Paetzold (rechts) und Fritzi Richter in der Vernissage

In ihrer Arbeit  „Zwischen Fläche und Raum – Spannungsfelder zwischen Malerei und Plastik“ untersucht Fritzi Richter die Phänomene Zwei- und Dreidimensionalität sowie – auf den Spuren des Bild-Raum-Konzepts eines Lucio Fontana – Möglichkeiten einer räumlichen Struktur von Bildern. Richter, 1981 in Bautzen geboren, studiert Kunstpädagogik, Pädagogik und vergleichende Religionswissenschaft.

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Auf ihre „Stoffbilder“ appliziert sie dünne Metallstäbchen, so dass eine Körperlichkeit, ein Raum-Bild entsteht. Grossformatige, an der Decke aufgehängte Keilrahmen („Spannungsfeld“), die man in Bewegungen gegeneinander versetzen kann, überspannt sie mit transparenten Geweben aus Nylonstrumpfhosen.

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Die 1984 in Göttingen geborene Janina Ropeter studiert Kunstpädagogik, Pädagogik und Psychoanalyse. „Die Waffen einer Frau – Künstlerische Schiessübungen“ übertitelt sie ihre Magisterarbeit.

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Der Betrachter blickt in die Mündungen der auf ihn gerichteten Pistolen, die Frau im Hintergrund – es ist die Studentin – schaut aber gar nicht bedrohend drein. Sie durchschiesst – wir erinnern wieder an Lucio Fontana – Leinwände und unbelichtetes, erst anschliessend entwickeltes Filmmaterial.

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Aus eigener, aufgedröselter Strickbekleidung stellt sie, wieder in Stricktechnik, bunte Pistolen („Strickwaffen“) her, in weicher, warmer Haptik. Nimmt man den vermeintlichen Griff in die Hand, fällt der „Lauf“ schlaff herunter. Gibt es harte, männliche, und weiche, feminine Waffen? In den „Waffenröcken“ schliesslich stickt sie mit Wollgarn Pistolen auf Jacken, Blusen und Damenröcke auf, Assoziationen an Markenartikler-Embleme stellen sich ein. Wie mag sich deren Träger in so geadelter Kleidung fühlen?

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Welch Rolle kann Gewalt, können Gewaltfantasien bei der Identitätsfindung spielen?

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Janina Ropeter (rechts) und Alexandra Weinig zwischen ihren Arbeiten

Alexandra Weinig, 1984 in Lauterbach geboren,  studiert Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Amerikanistik. „Vernetzte Selbstportraits – Künstlerische Untersuchungen zur Konstruktion von Identität“ heisst ihre Magisterarbeit.

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In „alle meine tüten“ versieht Weinig mit zerschnipselten eigenen biografischen Dokumenten gefüllte Mülltüten mit ihrem Porträt. An einer Wand hängt („good night“) ein gebrauchter Bett-Überwurf, Schwarz/weiss-Fotos mit ihrem Porträt näht sie mit pinkfarbigem Faden auf.

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Ebenso mit pinkigem Garn umnäht sie in „näh mich!“ auf farbigen Selbstporträts ihre Gesichtszüge, dargestellt als wandhängende Objekte und – bis zur Schmerzgrenze des Betrachters, wenn die Nähmaschine Augen und Lippen rändert – in einem Video.

Eine künstlerische Reflexion der Suche nach Identität auch hier, mit Selbstironie umgesetzt: Welche Rolle mag das als „weiblich“ verstandene Nähen spielen? Welche das zigfach multiplizierte, maskenhaft-lächelnde Selbstporträt, das mit den Müllsäcken der Entsorgung anheim gegeben wird?

Ziel des Magister-Studienganges sei es, erläutert Professor Jochen Fischer, sich der Sprache der Kunst zu nähern und eine solche Sprache in eigener künstlerischer Praxis selbst zu entwickeln, aber auch die kommunikative inhaltliche Vermittlung künstlerischer Werke. Die vorliegenden Arbeiten zeichneten sich, betont er, durch eine beachtliche Konzentration auf die selbst entwickelten Themen und auf  den Umgang mit den – als Teil des künstlerischen Prozesses – dazu gewählten Materialien aus. Mit den Arbeiten seiner Schülerinnen zeigt sich Fischer denn auch ersichtlich zufrieden.

(abgebildete Werke © jeweilige Künstlerinnen;
Fotos: FeuilletonFrankfurt)

⇒ ⇒ ⇒  Semesterausstellung im Institut für Kunstpädagogik

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