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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Absolventenausstellung 2009 der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule

DUDE, WHERE’S MY CAREER?

– so titelt die am 18. September eröffnete Abschlussausstellung 2009 der Absolventinnen und Absolventen der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule. Melanie Ohnemus und Bernd Reiß kuratieren die Doppelausstellung an den beiden Standorten PORTIKUS und MMK  ZOLLAMT in Frankfurt am Main.

Die Namen der diesjährigen Hochschulabgänger aus den Klassen der Professoren Christa Näher, Willem de Rooij, Michael Krebber, Mark Leckey, Simon Starling und Tobias Rehberger:

Marisa Argentato, Wiebke Bachmann, David Catherall, Florencia Colombo, Simon Denny, Martin Flemming, Jorma Foth, Oleksiy Gendlin, Florian Heinke, Oliver Heinzenberger, Hanna Hildebrand, Janus Hochgesand, Simone Junker, Normann Kaiser, Klaus Kamptner, Marty Kirchner, Max Kober, Flo Maak, Stefanie Mayer, Ryan Siegan-Smith, Cristina Szilly, Rebecca Ann Tess, Christian Tonner, Siw Umsonst, Friedrich Vater, Jeronimo Voss und Natalie Vu.

Dude, where’s my Career? So lautet der Titel eines Buches – eines Art Leitfadens für Studienabgänger. Eine ironische, vielleicht ein wenig zynische Frage junger Künstlerinnen und Künstler an die Gesellschaft. Die Hochschule ist Vergangenheit, die Zukunft liegt im Ungewissen. Eine Karriere als Künstler ist weder planbar noch ergibt sie sich als Wahrscheinlichkeit. Und was ist das überhaupt, eine Künstlerkarriere? Worin manifestiert sie sich, am Ende im Geld, am sogenannten Kunstmarkt? Manche der Absolventen mögen sich zunächst einmal allein gelassen fühlen, andere werden neue Freiheiten geniessen, bis ein eher nach Graubrot als nach Kuchen schmeckender Alltag sie einholt.

Den diesjährigen, vom Verein STÄDELSCHULEPORTIKUS e.V. gestifteten, mit 2000 Euro dotierten Absolventenpreis erhielten  zu gleichen Teilen Hanna Hildebrand und Janus Hochgesand.

„Hanna Hildebrand zeigt uns“, so die Begründung der Jury, „in ‚A display with a purpose‚ überzeugend die Übertragung einer Performance in eine skulpturale Lösung. Sie destilliert das eine Medium hochkonzentriert in ein Neues.“

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Hanna Hildebrand, „A display with a purpose“, 2009, table, magazine, video

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Ein niedriger Tisch, in dessen Platte ein Bildschirm eingearbeitet ist, ein Performance-Video, ein aufgeblättertes Heft des Lifestyle- und  Stadtmagazins „Prinz“ (Frankfurt-Ausgabe). Eine Integration der Medien Video und Print mit einem möbelartigen „Bildschirm-Lese-Tisch“ zu einer Gesamtskulptur.

Hanna Hildebrand wurde 1978 in Como geboren. Seit 2003 studierte sie, unterbrochen von einem Auslandssemester in Japan, an der Städelschule bei Professor Tobias Rehberger. Sie stellte bisher in Belgrad, Frankfurt am Main und Münster aus. In ihren Performances befasst sie sich zumeist mit der Thematik Gruppen und Individuen. Sie ist Ko-Autorin des Buches „kunst lehren – teaching art. Städelschule Frankfurt“.

„Es gelingt Janus Hochgesand, in seiner szenischen Installation mit dem Titel: ‚Wenn Sex überall ist, gibt es keinen mehr‘ vor allem durch die Wahl der Materialien eine präzise formale Lösung zu finden. Seine skulpturale Sprache entwickelt Narratives, ohne dabei etwas abzubilden“ lautet das Urteil der Jury zur Verleihung des Preises an den Künstler.

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Janus Hochgesand, „Wenn Sex überall ist, gibt es keinen mehr“ aus der
dreiteiligen Serie Denk mal an mich, 2009, Stoff, Holz, Pfauenfeder

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Mit der Installation könnten wir eine kritische Beziehungssituation zwischen dem Maskulinen und dem Femininen, zwischen Mann und Frau also assoziieren. Zwischen den beiden Skulpturen liegt voller schmerzlicher Poesie eine zerrissene Pfauenfeder auf dem Boden.

Der 1981 in Dierdorf geborene Janus Hochgesand studierte zunächst an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe bei Andreas Slominski. Nach einem Auslandsaufenthalt an der Kunsthochschule La Esmeralda in Mexiko-City setzte er sein Studium an der Städelschule bei Professor Tobias Rehberger fort.

Hochgesand stellte neben Frankfurt am Main in Alexandria, Ettlingen, Köln, London und Mexiko-City aus. Grosse Beachtung fand jüngst seine Arbeit in der gemeinschaftlichen Ausstellung mit Philip Götze „Wannabe – ein Sehnsuchtsmodell“ in der Frankfurter Hochschule Sankt Georgen.

Zur Ausstellung erschien ein bemerkenswerter Katalog: in Gesangbuch-Schwarz eingebunden, artig mit einem schwarzen, zusammenhaltenden Gummiband versehen. Beim Aufblättern entfaltet er kladdenhaften Arbeitscharakter. Wer sich auf das knapp 130 Seiten starke Büchlein einlässt, kann zwar seine Füsse auf dem Sofa belassen, muss sich aber selbst auf ein tüchtiges Stück Arbeit einstellen. Das muss ja nicht unbedingt falsch sein.

(abgebildete Werke © Hanna Hildebrand bzw. Janus Hochgesand; Fotos: FeuilletonFrankfurt)

→  Absolventenausstellung 2010 der Städelschule “Geschmacksverstärker” im MMK-Zollamt


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