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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Archiv für April, 2009

DOUBLE – ein Ausstellungskabinett im Frankfurter Museum für Moderne Kunst

Dienstag, 28. April 2009

DOUBLE

40 Jahre Kabinett für aktuelle Kunst, Bremerhaven

Ausstellungsreihe des MMK in Zusammenarbeit mit Gregor Schneider und Moritz Wesseler

Erinnern wir uns: Jürgen Wesseler, Jahrgang 1938, ein „Seiteneinsteiger“ in Sachen Kunst, Vorsitzender des Kunstvereins Bremerhaven und einer der Väter des dortigen Kunstmuseums, gründete 1967 in einem 33 qm grossen Ladenlokal in der Bremerhavener Innenstadt das „Kabinett für aktuelle Kunst“ als private Ausstellungsplattform für avantgardistische Künstler. Grosse Namen verbinden sich mit dem Kabinett: Bernd und Hilla Becher, Hanne Darboven, Isa Genzken, On Kawara, Blinky Palermo, Sigmar Polke, Gerhard Richter oder Andreas Slominski. 2001 installierte Gregor Schneider in dem Kabinett seine bekannte Ausstellung „N. Schmidt“, die das MMK im Jahr 2003 samt dem Nachbau – einem Double also – des Kabinetts erwarb.

DOUBLE nennt das MMK seine Anfang März dieses Jahres begonnene Ausstellungsreihe, die bis in den Herbst 2010 hinein fortgeführt werden soll. Das Museum rekonstruiert in enger Zusammenarbeit mit Gregor Schneider neun historische Ausstellungen des Bremerhavener Kabinetts. „Im Rahmen von Double nimmt sein Kunstwerk damit die zusätzliche Funktion eines Ausstellungsraumes an, der zu einem Doppelgänger seiner selbst wird und damit Fragen nach Endgültigkeit und Einzigartigkeit aufwirft“ verlautet aus dem MMK.

Den Auftakt bildeten Reiner Ruthenbecks „Umgekippte Möbel“, eine Arbeit, die der Künstler 1971 unter dem Titel „Objekte“ erstmals im Bremerhavener „Kabinett für aktuelle Kunst“ realisierte. Das MMK erwarb 1993 die Konzeptarbeit als Frankfurter Version unter dem bereits genannten Titel.

Eine Chaiselongue, drei Stühle, ein runder und ein rechteckiger Tisch liegen, scheinbar chaotisch verstreut, umgedreht beziehungsweise umgekippt auf dem steinernen Boden des Raumes, der uns von der Schneiderschen Installation her als ein Hauseingang bekannt ist, der zu einem Treppenaufgang führt. Ist das Mobiliar „Opfer“ eines Zufalls? Einer destruktiven Handlung? Wohl kaum, auch in funktionsgerechter Aufstellung lüden die Gegenstände kaum zum Verweilen, gar zum Wohnen ein.

Es scheint sich um ein bewusstes Arrangement zu handeln, das den Funktionen der Möbel wie auch sachgerechten, „bürgerlichen“ Vorstellungen über deren Sinn und Gebrauch zuwiderläuft. Die Szenerie wirkt komponiert, statisch. Statisch wie der „white cube“ des Raums, aus dem alle Bewegung gewichen ist. Das zunächst veritable Mobiliar ist zu einem Artefakt mutiert, der Betrachter in seiner Wahrnehmung des Gegenständlichen verunsichert. Nicht nur Sehgewohnheiten werden hinterfragt.

Gebrochen wird diese Wahrnehmung zudem durch die Erkenntnis, dass es sich um ein reinstalliertes, kopiertes Kunstwerk in einem ebenfalls kopierten Raum handelt. Erinnerungen an die grosse Sturtevant-Ausstellung des MMK werden wach.

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(Mario Kramer, Jürgen Wesseler, Gregor Schneider und Moritz Wesseler vor der Arbeit von Reiner Ruthenbeck „Umgekippte Möbel“; Foto: MMK/Axel Schneider)

Reiner Ruthenbeck, 1937 in Velbert geborener Bildhauer und Konzeptkünstler, studierte nach einer Ausbildung zum Fotografen Bildhauerei bei Joseph Beuys. Ruthenbeck war weltweit an zahlreichen, zum Teil spektakulären Ausstellungen beteiligt, in Deutschland unter anderem an der documenta 5 (1972), 6 (1977), 7 (1982) und 9 (1992) in Kassel. 1976 bespielte er zusammen mit Beuys und Jochen Gerz den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig.

Vom 5. Mai 2009 an zeigt das MMK im Kabinett die rekonstruierte Wandmalerei von Lawrence Weiner „towards a reasonable end“. Der 1942 in New York geborene Künstler und Autor gilt ebenfalls als ein bedeutender Vertreter der konzeptuellen Kunst. Bekannt wurde Weiner unter anderem durch seine Wandinstallationen wie durch seine Film- und Videokunst, durch Performances sowie grafische Arbeiten und Skulpturen. Er war bei der Kasseler documenta 5, 6 und 7 vertreten.

⇒  Das Museum für Moderne Kunst Frankfurt im Jahr 2010
⇒  Liebe im Frankfurter Museum für Moderne Kunst
⇒  Blütenstaub: Wolfgang Laib im MMK-Double

Das grüne Kanapee / 7

Sonntag, 26. April 2009

Nun – es wird Zeit, hohe Zeit sogar, für ein neues Gedicht von habust. Sie alle, liebe Leserinnen und Leser, kennen habust – Klarname: Hans-Burkhardt Steck – von seinen tollen TSG-Songs. Nun also ein neues Gedicht, es geht um – Sport! Genauer gesagt um einen Purzelbaum. Aber hören Sie selbst: Setzen Sie sich auf das grüne Kanapee, indem Sie es anklicken, und dann kommt er, der Purzelbaum, rezitiert vom Dichter persönlich …

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(©  habust; Foto: GearedBull wikimedia commons GFDL)

 

Rot-schwarz / Schwarz-rot oder: das Marienkäferchen

Samstag, 25. April 2009

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(Bildnachweis: Chris Thomas / Miltoncontact ; wikimedia commons GFDL)

Mal Hand auf’s Herz, liebe Leserinnen und Leser, ist Ihnen dieses Marienkäferchen nicht auch lieber als die Schwarz-rote Berliner Koalition?

Nun krabbelt es von links nach rechts: Wie ist das von der politischen Farbenlehre her zu verstehen? Als Vorschau auf das Ergebnis der kommenden Bundestagswahl?


Klaus Kreuzer: Städte am Wasser und Flusslandschaften

Donnerstag, 23. April 2009

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Klaus Kreuzer im Atelier: „Paris“, 110 x 90 cm; alle (auch nachfolgenden) Bilder in Öl-Spartel-Technik auf Leinwand

„Das Hauptanliegen meiner Malerei ist die Darstellung der Bewegung der Farben in der Atmosphäre; Spiegelungen im Wasser, Spiegelungen in der Luft, das Flimmern der Atmosphäre“: So lautet das künstlerische Credo des Frankfurter Malers Klaus Kreuzer. Weiterlesen

„Neu“ im Frankfurter MMK: das grosse Wiedersehen

Dienstag, 21. April 2009

YELLOW AND GREEN – Positionen aus der Sammlung des MMK

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Morris Louis, First Coming, 1961, 230 x 168,5 x 4 cm
Foto: FeuilletonFrankfurt

Wir sind wieder daheim im Frankfurter Museum für Moderne Kunst – weithin bekannt als MMK. Daheim in der Sammlung dieses Hauses. Sozusagen in der Frankfurter „Gud Stubb“ der internationalen kontemporären Kunst.

Vorbei ist es mit den Ausstellungs- und Event-Eskapaden eines Udo Kittelmann, der nicht müde wurde, über die zahlreiche Schar seiner Anhänger hinaus ein grosses Publikum davon zu überzeugen, dass das MMK mit diesen Kunst-Events weltweit in der allerersten Liga mitspiele, neben den Museums of Modern Art in New York und San Francisco, dem  Museum of Contemporary Art Chicago, der Tate Modern in London, um nur einige zu nennen, nicht zu vergessen die von ihm wohl etwas weniger geliebten Guggenheims dieser Welt … Weiterlesen