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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Oktober, 2008

Ein Kreuzgang voller Malerei

2008, Oktober 31.

Klaus Straßheim im ehemaligen Kloster Ilbenstadt

Gleich zwei Gründe gibt es in diesen Wochen, das ehemalige Prämonstratenser-Kloster – heute Haus St. Georg – in Ilbenstadt am Rande der Wetterau aufzusuchen: zum einen die renovierte Anlage, aber dann die Malerei von Klaus Straßheim.

Gelangen wir durch das barocke Obere Tor in die Klosteranlage zur Basilika und zu den vormaligen Ordensgebäuden,

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60 Jahre Steuben-Schurz-Gesellschaft – 60 Jahre gelebte deutsch-amerikanische Freundschaft

2008, Oktober 27.

„Providing stability and friendship in a challenging environment“

Wie kaum eine andere Einrichtung verkörpert die Steuben-Schurz-Gesellschaft e.V. in Frankfurt am Main als die älteste deutsch-amerikanische Freundschaftsorganisation die Idee von Austausch, Verständigung und Zusammenhalt zwischen den beiden Völkern über den Atlantik hinweg – trotz mancher Irritationen und Turbulenzen der letzten Jahre zwischen Deutschland und den USA vor allem in der „hohen“ Politik. Die Gesellschaft konnte unlängst ihren 60. Geburtstag feiern – und kein anderes Ambiente schien für diesen Festakt angemessener als der berühmte Kaisersaal im altehrwürdigen Frankfurter Römer.

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Präsidentin Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels dankt Bundesminister a. D. Klaus von Dohnányi für seine Festrede zur transatlantischen Zusammenarbeit

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Festgesellschaft im Kaisersaal des Frankfurter Römer

„Die Gesellschaft dient den Verständigungs- und Friedensbestrebungen unter den Völkern durch die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und den USA. Die Verwirklichung dieser Aufgabe erfolgt durch Vorträge, Konzerte und Veranstaltungen mit amerikanischen Einrichtungen sowie die Begegnung mit Amerikanern“ lesen wir in § 2 der im etwas spröden Bürokratendeutsch der 50er Jahre formulierten Satzung. Welches reichhaltige Leben hat die Gesellschaft inzwischen diesem Satzungstext eingehaucht, in welch einem weit ausgebreiteten Spektrum hat sie das Satzungspostulat im Alltag des deutsch-amerikanischen freundschaftlichen Zusammenwirkens gerade auch zwischen den jüngeren Generationen realisiert! Weiterlesen

Meine Buchmesse

2008, Oktober 24.

Fünf Tage leben auf einem anderen Stern

Text und Fotografien: © Ingrid Malhotra
Buchautorin und Fotografin

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Heute war der erste Tag.

Vorherrschender Eindruck: meine Füsse tun weh! Weiterlesen

Bhutan – ein noch ziemlich unbekanntes Land (Folge 2)

2008, Oktober 20.

Unterwegs in Bhutan

Text und Fotografien: © Ingrid Malhotra
(ein Foto von Marion Toelle)

Heute ist der zweite Tag in Bhutan (siehe Folge 1). Das Abenteuer beginnt.

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Aber zunächst wird Thimphu, die gewaltige Hauptstadt mit knapp 70.000 Einwohnern, gründlicher angeschaut. Der Tempel mit den grössten Gebetsmühlen, die man sich vorstellen kann, und ich erfahre, dass es sehr wichtig ist, nur linksherum um den Tempel zu gehen. Dann ein Blick auf den Königspalast Weiterlesen

Buchmesse, Bücher …

2008, Oktober 17.

Glauben Sie indes nicht, Leser, dass die Bücher, die ich nicht geschrieben habe, darum null und nichtig wären. Ganz im Gegenteil…, sie sind gewissermassen Teil der Weltliteratur im Schwebezustand.

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(Alte  Bücher  in der  Bibliothek des  Merton  College; Foto: Tom Murphy VII; wikimedis commons GFDL)

Marcel Bénabou (geb. 1939), Professor für Römische Geschichte, Schriftsteller, Mitglied der Gruppe OULIPO (Ouvroir de littérature potentielle), Autor des Buches „Warum ich keines meiner Bücher geschrieben habe“

Bhutan – ein noch ziemlich unbekanntes Land (Folge 1)

2008, Oktober 13.

Bhutan

Text und Fotografien: © Ingrid Malhotra
Buchautorin und Fotografin

Bhutan ist ein sehr kleines Land.

Bhutan ist auch – noch – ein ziemlich unbekanntes Land.

Um ehrlich zu sein, ich bin da ganz egoistisch, wünsche ich mir, dass es noch sehr, sehr lange so bleiben möge.

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Es ist herrlich, in einer alten Tempelanlage herumzustrolchen, und niemand will mir etwas verkaufen. Ich kann mir in aller Ruhe jedes Detail anschauen, mit den Menschen sprechen, die dort leben und arbeiten. Es ist kein Problem, Fotos zu machen Weiterlesen

Die Götter trugen Missoni

2008, Oktober 9.

Chic angetan waren sie, die alten Götter und Helden – hat da etwa der bekannte Modemacher Ottavio Missoni später bei ihnen „abgekupfert“?

Denkbar wäre es, 1963 stellte er in Mailand seine erste grössere eigene Kollektion vor, seine lebhaft farbigen Zick-Zack-Muster machten ihn seitdem weltbekannt. Dass die Götter einst „bunt“ waren, wurde immerhin bereits im Jahr 1814 wenn nicht bekannt, so doch vermutet: Ein gewisser Herr mit dem bemerkenswerten Namen Antoine Chrysostôme Quatremère de Quincy war sich aufgrund seines Studiums archäologischer Funde und antiker literarischer Quellen sicher, dass die weissen Skulpturen dereinst bemalt waren, gefasst, wie der Fachausdruck lautet. Keine Geringeren als Euripides, Platon, Plinius der Ältere oder Plutarch legen in ihren uns überlieferten Schriften ein Zeugnis davon ab. Bei seinen Zeitgenossen und auch später fand Quatremères Überzeugung trotz dieser Belege wenig Gegenliebe – konnte man sich doch von dem Ideal weissen Marmors für Götter und Helden nicht lösen.

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Der Bogenschütze und trojanische Prinz „Paris“ aus dem Westgiebel des Aphaia-Tempels auf Ägina, Farbrekonstruktion des griechischen Marmororiginals, entstanden ca. 520 v. Chr.
Fotos: Dieter Rehm (2006 Vinzenz Brinkmann, Ulrike Koch-Brinkmann und Hermann Pflug)
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Deux chevaux – mein schönstes Auto

2008, Oktober 8.

Gestern vor 60 Jahren – am 7. Oktober 1948 – erblickte er auf dem Pariser Autosalon das Licht der Welt: der Döschwo.

Eigentlich war er mein schönstes Auto. Genau so sah er aus – leider bereits mit den rechteckigen Scheinwerfern, obwohl ihm zuvor die runden viel besser zu Gesicht gestanden hatten. Dafür waren auch die Sitze orangerot.

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(Foto: Fabien1309 wikimedia commons GFDL)

Nagelneu war er. Ich kreuzte mit ihm durch Frankreich und Spanien, auch über – im wahrsten Sinne – Stock und Stein. Nichts warf ihn aus der Bahn. Über das übelste Dorfstrassenpflaster schwebte er engelsgleich hinweg. Lässig liess man den Arm aus dem Klappfenster baumeln, kräftig strömte der Fahrtwind durch die grosse Luftklappe unter der Frontscheibe, wenn man sie mit dem kernig anzufassenden Schraubrad aufkurbelte, durchaus komfortabel liess sich die Schiebestockschaltung handhaben, und wenn man das Stoffdach aufrollte, sass man fast in einem Cabriolet. Ja und wie herrlich war es, wenn der Beifahrerin der Atem stockte und das Herz stillzustehen drohte, wenn man in 30 und mehr Grad Schräglage durch die Kurve stürmte. Umfallen konnte er eigentlich nicht – aber das wusste sie ja zunächst nicht, und sie glaubte es auch später nicht wirklich.

Wieviele Hektoliter Rotwein, wieviele Kilogramm Baguettebrote ich in ihm transportierte – ich weiss es nicht mehr. Nur einmal, nach einer nebelnassen Nacht am Meer in Bandol, wollte er morgens nicht anspringen. Mit irgendeinem Lappen rieb ich das Motörchen trocken, streichelte es ein wenig  – und schon konnte die Fahrt wieder losgehen.

Ja, ein kleines Stück trauere ich ihm auch heute noch nach.