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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Der Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus

Nehmen wir an, Sie sitzen an einem warmen Frühlingstag auf der Terasse des Hilton-Hotels und schauen in das junge Grün des hier Bockenheimer Anlage genannten Abschnitts des Frankfurter innerstädtischen Wallanlagenrings. Ihr Blick schweift umher und bleibt auf einem besonderen Kleinod dieser an Kleinodien wahrlich nicht armen Stadt ruhen: Sie erblicken das Nebbiensche Gartenhaus, das Domizil des renommierten Frankfurter Künstlerclubs. Gewiss nehmen Sie sich vor, nach einem abschliessenden Cappuccino Ihre Schritte dorthin zu lenken. Sie treten ein und befinden sich in einer Ausstellung eines der vielen namhaften Frankfurter Künstler.

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Das klassizistische Nebbiensche Gartenhaus, 1810 von Salins de Montfort für den Verleger Marcus Johannes Nebbien als Gartenpavillon errichtet, diente vor dem Zweiten Weltkrieg verschiedenen Zwecken, zuletzt als Maleratelier. 1952 wurde es mit Hilfe von Spenden renoviert. Zu seiner Rechten steht in dem das Gebäude umgebenden romantischen Garten ein marmorner italienischer Renaissance-Brunnen aus dem Park der Villa Waldfried des von den Nationalsozialisten verfolgten Frankfurter Unternehmers und Mäzenen Carl von Weinberg. Die linke Seite schmückt ein weiterer Springbrunnen, aus einem Kapitell aus weissem Sandstein gefertigt und mit einem schmiedeeisernen Brunnenhäuschen verziert.

Ende 1953 gab die Stadt das Gebäude zur Nutzung durch einen Kunstverein frei. Es wurde der Schauspielerin Dodo van Doeren zur Verfügung gestellt, die 1955 mit sechs weiteren Künstlerinnen und Künstlern den gemeinnützigen Verein „Gebende Hände“ zur Unterstützung freischaffender Künstler gründete. 1980 – nach 25 Jahren seiner Existenz – gab sich der Verein seinen heutigen Namen „Frankfurter Künstlerclub – gemeinnütziger Zusammenschluss von Künstlern und Kunstfreunden“.

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Heute zählt der Verein rund 350 Mitglieder. Eine Besonderheit ist es, dass in ihm alle Sparten der bildenden und darstellenden Künste vertreten sind, also Malerei, Bildhauerei und Grafik, Fotografie, Prosa und Lyrik, Musik, Schauspielerei und Kabarett. Mit seinen zwölf Kunstausstellungen und den rund 140 Matineen und Soireen, Familienkonzerten und sonstigen Veranstaltungen, namentlich zum Museumsuferfest und zur Frankfurter Buchmesse, erreicht der Künstlerclub rund 10.000 Besucher jährlich. Neben dem Vorstand sind ein Beirat und eine Jury für den Verein tätig. Mit seinen Angeboten gehört der Frankfurter Künstlerclub seit langem zu den wichtigen Kulturträgern des Rhein-Main-Gebietes.

Seit 1996 leitet der Frankfurter Maler und Buchautor Ernst-Dietrich Haberland mit viel Engagement und grosser Leidenschaft als Vorsitzender den Verein. Ihm steht dabei die Ärztin und Geigerin Hannelore Gwildis zur Seite. War es zu Zeiten der „Gebenden Hände“ noch eine wesentliche Aufgabe des Vereins, existenzbedrohte und notleidende Künstler zu fördern und zu unterstützen, so hat er sich unter der Führung von Haberland mehr und mehr zu einem zeitgerecht gemanagten, gleichwohl am Gemeinnutz orientierten Kunstbetrieb mit einem besonderen Akzent auf Kunstausstellungen und Darbietungen seiner künstlerischen Mitglieder entwickelt. Haberland realisierte insbesondere seine neue Konzeption, die ausgestellten Kunstwerke durch ein individuell abgestimmtes, der künstlerischen Aussage eines Malers oder Bildhauers entsprechendes Musik- und Literaturprogramm zu begleiten. Ferner trug er dafür Sorge, dass das historische Nebbiensche Gartenhaus optisch und technisch auf einen neuen, den aktuellen Erfordernissen entsprechenden Stand gebracht wurde. Zu den Höhepunkten der bisherigen Geschichte des Künstlerclubs gehörte 2005 der Festakt zum 50. Jahrestag seiner Gründung in Anwesenheit der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth und des damaligen Kulturdezernenten der Stadt, Hans-Bernhard Nordhoff.

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Es ist zum einen dieses reiche kulturelle Angebot, zum anderen aber ebenso der genius loci, der Zauber des klassizistischen Gebäudes, umgeben vom lauschigen Garten mit seinen Brunnen, dies alles inmitten des Wallanlagenparkes mit seinem hohen, alten Baumbestand, den romantischen Weihern und gepflegten Wegen, was die Freunde und Liebhaber des Clubs wie auch die vorüberkommenden Spaziergänger in den Bann zieht.

Übrigens: Der Künstlerclub stellt das Gartenhaus auch Firmen und Privatpersonen für interne Veranstaltungen und Familienfeiern zur Verfügung. Gerne vermittelt er Künstlerinnen und Künstler, die zum Erfolg solcher Veranstaltungen beitragen.

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Derzeit stellt Rudolf Kunstmann unter dem Titel „Schatten der Zeit“ Arbeiten in Acryl und Mischtechnik sowie Kollagen im Gartenhaus aus. Am Sonntag, 13. April 2008, 11 Uhr, eröffnet Ernst-Dietrich Haberland die Ausstellung mit Werken von Hans-Ludwig Wucher, bekannt als „Monet von Frankfurt“.

Ein Kleinod mitten in Frankfurt am Main: das Nebbiensche Gartenhaus, Sitz des Frankfurter Künstlerclubs .

(Bildnachweis: Foto A. Köhler wikimedia commons GFDL [1]; Frankfurter Künstlerclub [2 bis 4])

→ 60 Jahre Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus

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