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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

In Frankfurt geht die Kunst aufs Wasser

Dass in Frankfurt am Main die Kunst vor langem schon sozusagen ins Wasser gegangen ist, in den Portikus auf der Maininsel nämlich, das wissen wir. Nun ist sie auch auf das Wasser gegangen, unter dem Motto „Frankfurt Maritim“, in ein Ausstellungs- und Atelierschiff, den neuen schwimmenden Kunststandort der Stadt. Es ankert am Mainwasenweg 29 nahe der Anlegestelle Ruderdorf auf der Höhe des Stadtteils Oberrad. Taufe und Inbetriebnahme des Schiffes fanden am Donnerstag vor Ostern zusammen mit der Eröffnung der Ausstellung „Yona Friedman“ – seine Installationen befinden sich sowohl im Portikus als auch auf dem Schiff – statt.

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Im Sommer dieses Jahres werden die Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – und der Portikus, ferner das Museum für Moderne Kunst und der Frankfurter Kunstverein das Ausstellungs- und Atelierschiff mit Einzel- und Gruppenprojekten „bespielen“. Vom Frühjahr 2009 an stellt das städtische Kulturamt das Schiff im Rahmen des neuen Künstlerstipendiums „Frankfurt Maritim“ internationalen Gastkünstlern als Atelier und Wohnung zur Verfügung. Mit „Frankfurt Maritim“ ergänzt die Stadt ihre bekannten und begehrten zwei- bis dreimonatigen „Artist in Residence“ – Stipendien, die sie im jeweiligen Austausch mit acht internationalen Partnerstädten vergibt.

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Das Schiff verfügt über 230 Quadratmeter Nutzfläche im Inneren sowie zusätzlich 45 Quadratmeter Freifläche auf dem Oberdeck. Es bietet zwei grosse Atelierräume, je einen Wohn- und Schlafraum nebst einer Küche und einem Bad sowie 150 Quadratmeter Lagerfläche im Unterdeck. Es eignet sich damit ebenso für Ausstellungen, Seminare oder Open Air-Veranstaltungen der beteiligten Institutionen.

Yona Friedman zählt zu den interessantesten und wichtigsten Architekturtheoretikern und Architekturutopisten der Gegenwart. 1923 in Budapest geboren, lebt und arbeitet er seit vielen Jahren in Paris. Friedman befasst sich mit städteplanerischen Modellen. Er ist Autor zahlreicher theoretischer Schriften und Animationsfilme. Seine Ausstellungen auf der Biennale Venedig und der documenta 11 im Jahr 2002 in Kassel machten ihn einem grösseren Publikum bekannt.

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Friedmans Manifest „L’Architecture mobile“, das er 1958 veröffentlichte, bildete das Gründungsdokument der „Groupe d’étude d’architecture mobile (GEAM)„. Gemeinsam mit gleichgesinnten Architekten und Urbanisten rief Friedman 1965 die „Groupe International d’Architecture Prospective (GIAP)“ mit dem Ziel ins Leben, Perspektiven und Konzeptionen für eine zukunftsorientierte Architektur und einen entsprechenden Städtebau zu entwickeln. Architektur dürfe, so das Credo Friedmans, lediglich einen Rahmen, eine Struktur vorgeben, die die Bewohner nach eigenen Vorstellungen ausgestalten sollen. Flexible, mobile Strukturen sollen dabei die klassische Architektur ablösen.

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Friedman zeigt jetzt im Portikus sowie auf dem Ausstellungs- und Atelierschiff kollagen- und modellhafte Strukturen, die er aus Pappen und Papier, Draht und Verpackungsmaterialien wie Styropor gemeinsam mit Studenten und Absolventen der Städelschule entwickelte. Zusätzlich zur Ausstellung ist in einem Screening eine Serie von 13 Animationsfilmen aus dem Jahr 1960 zu sehen.

Die Ausstellung wird bis zum 4. Mai 2008 zu sehen sein.

(Bildnachweis: Portikus Frankfurt am Main; Foto: Wolfgang Günzel; © Yona Friedman)

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